Geheimtipps: 5 kleine Parks in Köln

Kleines Haus am Weiher im Blücherpark in Köln

Spazierengehen ist unsere neue Lieblingsbeschäftigung, seit Reisen weitgehend auf Eis gelegt ist. Meist zieht es uns in die Natur. Und davon hat Köln ganz viel zu bieten. Du hast wie ich keine Lust auf die überlaufenen großen Parks in Köln, wie Stadtwald, Volksgarten, Rheinpark oder Beethovenpark mit dem Decksteiner Weiher? Dann habe ich ein paar Geheimtipps parat: fünf kleine Parks in Köln, die nicht jeder kennt. Ein Besuch lohnt sich, auch nach den Corona-Lockerungen.

Blücherpark: Alleen und ein Weiher

Extrem lärmempfindlich darf man nicht sein, wenn man den Blücherpark besucht: Der kleine Park liegt direkt neben den Autobahn, die Verkehrsgeräusche lassen sich daher nicht leugnen. Trotzdem ist der Blücherpark ein beliebter Ausflugsort für Nippeser, Ehrenfelder und andere Kölner. Dank der gemütlichen Atmosphäre im Park vergisst du schnell die Geräusche der nahen Autobahn. Von Ehrenfeld aus führen drei Fußgängerbrücken über der Schnellstraße, zwei davon direkt in den Park hinein. Im südlichen Teil stößt du zunächst auf einen Springbrunnen, den Kinder bei warmen Temperaturen gern als erfrischendes Planschbecken nutzen. Zahlreiche Sitzgelegenheiten zwischen lila blühenden Rhododendronhecken bieten Platz für alle – von Bücherwürmern bis zu Sonnenanbetern.

Unter mächtigen Platanen-, Kastanien- und Lindenalleen, die gern von Joggern frequentiert werden, geht es vorbei an der ersten Liegewiese, die oft gespickt ist mit Frisbeespielern und Picknick-Freunden. Der Rasen ist groß genug, sodass sich Menschen mit verschiedenen Interessen nicht in die Quere kommen. Schließlich gelangt man zum Herzstück des Blücherparks: den streng rechteckigen Weiher. An der Kahnstation – einem weißen Häuschen mit roten Fensterläden – lädt (wenn es wieder erlaubt ist) ein gemütlicher kleiner Biergarten mit bunten Tischen, einem Büdchen und übersichtlicher Speisekarte direkt am Wasser zu einer Pause ein. Ebenso farbenfroh sind die Ruderboote, die (hoffentlich bald wieder) an der Kahnstation ausgeliehen werden können, um damit eine Runde über den Weiher zu drehen. Wer lieber am Ufer sitzen bleibt, kann auch von dort aus die Enten und Fische beobachten, die den Teich bevölkern.

Ruderboot auf Weiher, durch einen Rahmen gesehen

Gegenüber dem Biergarten liegt der barocke Blumengarten, in den du rechts oder links des Weihers über breite Treppen gelangst, die jeweils von zwei liegenden Steinlöwen bewacht werden. Symmetrisch angelegte Rosenbeete und in Form geschnittene Hecken laden zum Schlendern, Bänke zum Entspannen ein. Hinter dem Garten beginnt dann eine zweite große, von Ahornalleen eingerahmte Rasenfläche, die „Volkswiese“. Für Kinder gibt es einen Spielplatz, dahinter fangen Kleingartenanlagen an.

Unglaublich, aber wahr: Diese Vielfalt bietet der Blücherpark auf gerade einmal 18 Hektar. Der Gartenarchitekt Fritz Encke, der zum Beispiel auch den Volksgarten und den Friedenspark in Köln gestaltet hat, erhielt bei der Planung Anfang des 20. Jahrhunderts die Vorgabe, dass der Park trotz seiner geringen Größe einen möglichst großen, lang ausgedehnten Eindruck machen sollte. Das ist ihm mit der streng symmetrisch gegliederten Anlage gelungen. Die meiste Zeit des Jahres findet hier jeder ein ruhiges Plätzchen – von den Autobahngeräuschen abgesehen.

Rosenranken und Buchsbaumbüsche

Klettenbergpark: Rosengarten und ein Teich

Als ob es in diesem Stadtteil mit seinen viele Bäumen nicht schon genug grünt, gibt es hier zusätzlich eine kleine Naturoase: den Klettenbergpark. In der Mitte der dreieckigen Anlage, die von Siebengebirgsallee, Nassestraße und Luxemburger Straße eingerahmt wird, befindet sich ein Teich, in den über malerische Felsen das Wasser fließt. Der Duffesbach, der das Gewässer ursprünglich speiste, wurde vor einigen Jahren in den Untergrund verlegt. Am Ufer kannst du gemütlich auf einer Bank die Sonne genießen – der Verkehr der naheliegenden Luxemburger Straße ist nur noch zu erahnen. Früher gab es am Weiher eine Bootsanlegstelle, heute kann man von der Plattform aus Enten und andere Wasservögel beobachten.

Auf gerade einmal sieben Hektar finden sich im Klettenbergpark erstaunlich viele Sehenswürdigkeiten auf verschiedenen Ebenen – denn ursprünglich war der Park eine Kiesgrube, die Form wurde für die Gestaltung beibehalten. Zu sehen gibt es zum Beispiel einen rheinischen Basaltsteinbruch und eine Schieferformation aus der Eifel. Was heute vielleicht ein bisschen deplatziert anmutet, diente Anfang des 20. Jahrhunderts als pädagogisches Anschauungsmaterial für die „naturfremde Großstadtjugend“, der mit den Naturmodellen heimische Landschaften nähergebracht werden sollten.

See im Klettenbergpark, umrahmt von Bäumen

Romantischer geht es eine Ebene höher zu: Im symmetrisch angelegten Rosengarten können Liebende unter Laubengängen und an Hecken entlangspazieren und im Sommer den Duft der Rosen genießen. Der lauschige Weg führt zu einem schönen Aussichtspunkt, von dem aus du den gesamten Klettenbergpark überblicken kannst – der durch seine Hanglage viel größer wirkt, als er eigentlich ist. Kinder finden wahrscheinlich die beiden Spielplätze innerhalb des Parks am spannendsten. So kommt ein jeder auf seine Kosten. Für längere Spaziergänge bietet sich der naheliegende Beethovenpark an, der zum Decksteiner Weiher führt.

Friedenspark: Platanen und ein altes Fort

Mitten in der Südstadt befindet sich ein kleiner, nur viereinhalb Hektar großer Park, der selbst vielen Kölnern unbekannt ist: Der Friedenspark versteckt sich im Winkel zwischen den Bahnschienen Richtung Südbrücke und dem Agrippinaufer. Zu Unrecht wird er von vielen Besuchern vernachlässigt, denn er hat auf kleinstem Raum eine erstaunliche Vielfalt zu bieten. Zu verdanken ist dies wieder einmal dem Gartenbauarchitekten Fritz Encke, der in Köln auch den Volksgarten, den Blücherpark und den Rosengarten auf dem Fort X geschaffen hat.

Altes Fort mit Mauer

Wie an anderen Orten in Köln findest du auch hier ein gut erhaltenes Fort aus dem 19. Jahrhundert. Auf dem Fort I, auch Fort Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg genannt, schwebt ein großer schwarzer Adler, der schon von weitem zu sehen ist. Das Gebäude ist heute ein Kriegerdenkmal. Im hinteren Teil des Forts wurde ein Bauspielplatz für Kinder eingerichtet, das Jugendzentrum „Baui“.

Hinter dem Fort, zum Rhein hin, wird im Park die Kunst Enckes sichtbar: Platanen stehen in Reih und Glied, um eine Pergola ranken sich lila Glyzinien. Früher wuchsen hier Kletterrosen, in der Nische stand eine lebensgroße Frauenskulptur, und ein Rosengarten lud zum Verweilen ein. Von der einstigen Pracht ist leider nicht viel übrig. Sitzplätze bietet heute jedoch noch die sogenannte Liebesallee im „immergünen Garten“: In den von Eiben umgebenen Sitznischen ist es zu zweit besonders idyllisch, und man vergisst, dass man sich mitten in Kölns belebter Südstadt befindet. Hübsch ist auch die Felsenmauer, die einst mit alpinen Stauden bepflanzt war. Die großen Rasenflächen hinter der Liebesallee werden gern von sonnenhungrigen Besuchern genutzt.

Heckenwege

Römerpark: Hohe Bäume und ein Platz

Der Römerpark grenzt direkt an den Friedenspark an. Dieser ebenfalls sehr kleine Park misst gerade einmal zwei Hektar und besticht durch seinen hohen Bäume: Platanen, Ahorn, Linden, Trauerbuchen und Kastanien. Am Eingang der Fachhochschule führt eine Ballustrade und eine Treppe zur Parkwiese hinab, wo sich gern Familien aufhalten. Der Nachwuchs tummelt sich auf dem Kinderspielplatz. Gegenüber der Treppe leigt das Eierplätzchen, wie der kreisrunde Platz genannt wird. Hier hat sich vor Jahren eine mittlerweile bekannte Kölner Musikgruppe, die Eierplätzchenband, gegründet. In der Nähe dieses Platzes lohnt auch der Besuch des Café Römerpark, das mit Kronleuchtern und Marmortischen an alte Zeiten erinnert, als die beiden Parks noch ganz neu in Köln waren.

Große Platanen

Hilde-Domin-Park: Fort und ein Rosengarten

Von der Straße aus sieht man dem kleinen Hilde-Domin-Park gar nicht an, welches Juwel sich in ihm verbirgt. Über Grünflächen, auf denen sich hier und dort Sonnenanbeter niederlassen oder Spaziergänger flanieren, gelangst du zunächst zu den mächtigen Mauern des gut erhaltenen Fort X am Neusser Wall. Ein unschaubares Tor, überschrieben mit „Enyeloppen Thor“, führt dich eine Rampe hinauf, die bereits mit zahlreichen exotischen Pflanzen in Blumentöpfen und Kübeln bestückt ist. Je höher du steigst, um so intensiver wird der Geruch. Wenn du oben angekommen ist, wirst du von einem duftenden Farbenmeer aus Rosen empfangen: von Weiß über Blassrosa bis hin zu leuchtendem Pink, von Gelb über Orange bis Rot, und sogar ein zartes Blaulila mischt sich in die Farbenpracht. Die Namen der über 2000 Rosen sind nicht weniger bunt: „Goldmarie“, „Lavaglut“, „Lolita“, „Lili Marleen“ oder „Peter Frankenfeld“ . 40 verschiedene Arten wachsen im Rosengarten der Stadt Köln, der von Mai bis Oktober geöffnet ist. Ein Spaziergang durch die Rosenpracht verspricht immer wieder neue, farbenfrohe Perspektiven. In einem rosenumrankten Pavillon kannst du ebenso eine Pause machen und die Aussicht genießen wie auf den zahlreichen Bänken an den Wegen und in den lauschigen, baumbestandenen Winkeln.

Bank mit Rosen

Wie kommt eigentlich solch ein Rosengarten ausgerechnet auf das Dach einer Festung? Das Fort X Prinz Wilhelm von Preußen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut und ist einer der besterhaltenen Teile des ehemaligen Kölner Festungsrings. 1919 plante wieder einmal der Gartenarchitekt Fritz Encke auf Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters und Rosenliebhabers Konrad Adenauer, den Rosengarten auf dem Dach des Forts. Bis heute wird er liebevoll von Gärtnern der Stadt Köln gepflegt – auch wenn von den damaligen Rosen sicherlich keine mehr im Original erhalten sind.

Das Fort X Prinz Wilhelm von Preußen

Vom ehemals doppelten Festungsring der Stadt Köln kannst du hingegen noch weitere Teile im Original besichtigen. Zwischen 1816 und 1863 wurde der seinerzeit modernste Festungsring Europas gebaut. Er maß knapp 43 Kilometer und bestand aus 182 einzelnen Anlagen, die mit römischen Ziffern durchnummeriert wurden. Der Friedensvertrag von Versailles sah 1919 schließlich vor, dass die Festungsanlagen aus der Zeit des Deutschen Reichs geschleift werden mussten. Konrad Adenauer verfügte hingegen, sie zum Kölner Grüngürtel umzugestalten. Weitere mehr oder weniger gut erhaltene Festungen findest du zum Beispiel im Friedenspark mit dem Fort I . Im Volkspark steht das Fort IV, am Decksteiner Weiher das Fort VI. Wenn du mehr über die Geschichte der Kölner Befestigungsanlage erfahren möchtest, halte Ausschau, wann der nächste „Tags des Forts“ wieder stattfindet, an dem zahlreiche Touren und Besichtigungen durch die erhaltenen Bauten angeboten werden.

Welcher ist dein Lieblingspark in Köln? Verrätst du es uns in den Kommentaren?

Buch-Tipp – leider vergriffen

Diese Tipps für kleine Parks in Köln stammen aus meinem romantischen Stadtführer „Lauschige Orte in Köln“. Leider ist das Buch nicht mehr auf dem Markt. Du bekommst es nur noch gebraucht im Internet oder in Buchhandlungen, die Restauflagen verkaufen.

Veröffentlicht am: 1. Juni 2021

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2 Kommentare

  1. Tanja 2. Juni 2021 um 19:03 - Antworten

    Hallo Sabine,

    oh wie schön, ich liebe solche idyllischen gemütlichen Örtchen in der Großstadt. Die 5 Parks sind wirklich absolut empfehlenswert. Auch den Volksgarten kann ich wärmstens empfehlen.

    Viele Grüße
    Tanja

  2. Marie Schade 2. Juni 2021 um 0:40 - Antworten

    Sehr schöne Ideen für die Besuche von wenig besuchten Parks. Vielen Dank dafür. LG Marie

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Veröffentlicht am: 1. Juni 2021

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2 Kommentare

  1. Tanja 2. Juni 2021 um 19:03 - Antworten

    Hallo Sabine,

    oh wie schön, ich liebe solche idyllischen gemütlichen Örtchen in der Großstadt. Die 5 Parks sind wirklich absolut empfehlenswert. Auch den Volksgarten kann ich wärmstens empfehlen.

    Viele Grüße
    Tanja

  2. Marie Schade 2. Juni 2021 um 0:40 - Antworten

    Sehr schöne Ideen für die Besuche von wenig besuchten Parks. Vielen Dank dafür. LG Marie

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