Kuba: Salsa in Santiago

Als leidenschaftliche Salsa-Tänzerin kam ich um eine Reise nach Kuba natürlich nicht herum! Sechs Wochen lang bin ich durch das Land gereist und habe Spanisch gelernt (und Salsa getanzt).

Heiße Rhythmen in der Karibik

Unruhig scharren die Gäste mit den Füßen. Geht es noch nicht los? Endlich haben die Musiker ihre Plätze eingenommen. „Taktak, tak, taktak, taktak.“ Kaum schlagen die zwei Rhythmushölzchen, die Claves, den Takt, hat sich die Tanzfläche schon gefüllt. Die Salsa-Party in der winzigen Casa de las Tradiciones in Santiago de Cuba kann beginnen.

In Santiago, der buchstäblich heißesten Stadt Kubas, hat jeder Musik im Blut: die drei alten Herren, die pausenlos für, vorzugsweise weibliche, Touristen „Guantanamera“ auf der Gitarre zum Besten geben, die Hausfrau, die sich spontan zu einer kurzen Gesangseinlage am Küchenfenster hinreißen lässt, der Taxifahrer, der sein Autoradio bis zum Anschlag aufdreht. Santiago ist unumstritten die Hauptstadt der Musik und der Geburtsort des Son, des kubanischen Nationalrhythmus.

Nicht erst der Film „Buena Vista Social Club“ hat den Rhythmus Kubas weltweit berühmt gemacht. Ibrahim Ferrer, Ruben González und Omara Portuondo sind nur einige der Musikveteranen, die durch Wim Wenders Film rund um den Globus bekannt geworden sind. Auch die Casa de la Trova in Santiago schmückt sich mit einer Berühmtheit aus dem „Buena Vista Social Club“: Gleich mehrfach hängt das Porträt Compay Segundos, der in Santiago aufgewachsen ist und hier seine ersten musikalischen Schritte getan hat, an den Wänden.

Live-Musik an jeder Ecke

Heute spielen Segundos Nachfolger in der Casa de la Trova, dem „Haus der Troubadoure“, wie es in fast jeder kubanischen Stadt zu finden ist: Beinah rund um die Uhr erklingt aus dem spärlich eingerichteten Raum oder aus dem schattigen Hinterhof Live-Musik in die Calle Heredia, die „Kulturstraße“ Santiagos, hinaus. Zuhörer drängen sich in den engen Raum vor die kleine Bühne oder verfolgen das Geschehen durch die offenen Fenster. Hier bekommt jeder seine Chance, und die meisten der Sänger und Musiker stehen den Berühmtheiten aus Wim Wenders Film kaum nach.

Son ist der Rhythmus, den man hier am häufigsten hört. Afrikanische Klänge und Percussion-Instrumente verbinden sich mit spanischen Gitarren und Poesie. Seine Wurzeln hat der Son in Oriente, der Provinz ganz im Osten Kubas, dessen Hauptstadt Santiago ist. Von dort aus trat er seinen Siegeszug nach Havanna und schließlich – als Grundlage für den Salsa – in die ganze Welt an.

Kubanisches Temperament

Samstagabends ändert sich das Bild in der Calle Heredia: Wo tagsüber die ausländischen Besucher einen Blick in das Karnevalsmuseum, das Provinzmuseum oder das Geburtshaus des Dichters Heredias werfen, balancieren jetzt Musikboxen auf wackeligen Stühlen mitten auf der Straße. Zwei deutsche männliche Touristen lehnen schüchtern an der Mauer und schauen – vielleicht ein bisschen neidisch auf das angeborene Talent der Kubaner – den Tänzern zu. Keine zwei Minuten später werden auch sie vor die Boxen gezogen, und zwei Kubanerinnen bemühen sich, den steifen deutschen Beinen den richtigen Schwung beizubringen.

Wer Tanzmusik live statt aus der Konserve bevorzugt, folge den Stufen der Treppenstraße Padre Pico. Oben angekommen geht es einmal rechts und einmal links, dann ist es das Ziel schon in Hörweite: Fast täglich versammeln sich nach Sonnenuntergang Einheimische und ein paar Touristen in der Casa de las Tradiciones und lassen ihre Hüften nach den Salsa-, Son- und Bolero-Klängen der Bands kreisen. Wem es auf der Tanzfläche zu eng wird, weicht kurzerhand auf den schmalen Balkon aus. Viel Platz braucht der Kubaner zum Tanzen sowieso nicht: Je näher sich die Paare kommen, umso erotischer und harmonischer wird der Tanz. Die heißeste Stadt Kubas hat eben nicht nur die höchsten Temperaturen der Insel aufzuweisen – auch die Salsa-Nächte können heiß werden.

 

 

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2 Kommentare

  • Ein schöner Bericht über Santiago und der Salsa Szene in Kuba!
    Richtig sehenswert sind in Santiago auch die farbenfrohen Cabarets Tropicana (ca. 4 km südlich der Stadt) und San Pedro del Mar (bei der Festungsanlage „el Morro“). Wer es lieber etwas ruhiger hat und den klassischen Son mag, der sollte ins „Patio los Dos Abuelos“ am „Plaza de Marte“ gehen.

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