Sonnenuntergang fotografieren

Ich liebe Sonnenuntergänge! Nicht selten kommt es jedoch vor, dass die Bilder von dem Naturschauspiel anschließend etwas enttäuschend sind. Marc von Reisezoom weiß Rat. Der Fotonerd (wie er sich selber nennt) zeigt dir in seinem Gastbeitrag und mit seinen Fotos, wie du tolle Bilder vom Sonnenuntergang mit nach Hause bringst. Ich übergebe also direkt das Wort an Marc:

Tipps für das perfekte Foto vom Sonnenuntergang

Du kennst den Moment sicher. Du sitzt am Meer und beobachtest die Sonne, wie sie hinter dem Horizont verschwindet. Das Licht ändert sich, die ganze Stimmung ändert sich. Alle Leute schauen zu und genießen die Zeit des Sonnenuntergangs. Es ist ein spezieller, fast schon magischer Moment. Diesen Moment kannst du auf Fotos festhalten, wie das geht, erkläre ich dir im Folgenden.

Was ist ein Sonnenuntergang?

Als Sonnenuntergang bezeichnet man den Zeitpunkt, zu dem die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Je nach Wetterlage verändert sich dabei das Licht: Gelb, Rot, Orange, Violett manchmal wird der Himmel sogar grün. Diese Farben sind für die Magie des Sonnenuntergangs verantwortlich. Gelb und Orange sind Komplementärfarben zu Blau, deshalb gefällt unserem Auge die Farbmischung des Sonnenuntergangs.

Wo und wann ist der Sonnenuntergang?

Bevor du einen Sonnenuntergang fotografieren kannst, musst du wissen, wann die Sonne hinter dem Horizont verschwindet und in welcher Himmelsrichtung. Uhrzeit und Ort des Sonnenuntergangs ändern sich je nach Jahreszeit und geografischer Breite. Glücklicherweise gibt es eine Reihe guter Tools, die dich unterstützen:

  • Im Browser nutze ich die Seite suncalc.net.
  • Auf meinem Android-Smartphone nutze ich die App Sun Surveyer, dort bekomme ich alle gewünschten Infos und kann mir auf einer Karte anzeigen lassen, wo die Sonne zu verschiedenen Uhrzeiten steht.
  • Bist du iPhone-Besitzer, kannst du die App Skyfire probieren. Neben Uhrzeit und Ort
    des Sonnenuntergangs versucht die App, vorherzusagen ob es ein »guter« Sonnenuntergang
    wird. (Ich habe kein iPhone und kann über die Qualität der Vorhersagen
    keine Auskunft geben.)

Mein Tipp: Sei rechtzeitig da! So kannst du einen guten Blickwinkel suchen und auch schon vor dem eigentlichen Sonnenuntergang Fotos machen. Je nach Wetter und Umgebung bleibt dir oft auch nichts anders übrig. Manchmal siehst du den eigentlichen Horizont nicht, ein anderes Mal liegen genau über dem Horizont Wolken und so weiter …

Die Kameraeinstellungen für den Sonnenuntergang

Du weißt, wann und wo die Sonne untergeht, und stehst mit deiner Kamera bereit. Jetzt kommt der knifflige Teil: Du musst die Stimmung halbwegs auf den Sensor bannen. Glücklicherweise ist die automatische Motiverkennung moderner Kameras so gut, dass ein Sonnenuntergang im Automatikmodus oft erkannt wird. Wird er nicht erkannt, kannst du im Modus „Szenenwahl“ nach einem geeigneten Motivprogramm suchen. In beiden Fällen wird die Kamera den Weißabgleich auf Tageslicht stellen, die Blende etwas schließen, den Blitz deaktivieren und das Bild leicht unterbelichten. Manche Kameras geben dem Bild im Sonnenuntergangsprogramm noch eine ordentliche Portion Orange mit, das schadet in der Regel nicht.

Sonnenuntergang auf der Ostsee: Fotografiert im Automatikmodus

Sonnenuntergänge im Automatikmodus bringen die Sonne, den Himmel und die Farben oft ganz gut rüber. Hast du Elemente im Vordergrund, werden diese jedoch nur als schwarze Silhouette dargestellt.

Kennst du dich mit deiner Kamera besser aus, stellst du sie am besten manuell ein. Da jedes Foto und jeder Sonnenuntergang anders ist, kann ich dir keine eindeutigen Vorgaben machen. Ein guter Anfang ist aber:

  • Fotografiere im RAW-Format, damit hast du mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung.
  • Stelle die ISO-Empfindlichkeit auf 100.
  • Stelle die Kamera auf Blendenpriorität bzw. Zeitautomatik (auf dem Moduswahlrad A bzw. Av).
  • Schließe die Blende (ab f/8.0 ist bei DSLRs und Systemkameras ein guter Richtwert).
  • Stelle den Weißabgleich auf Tageslicht.
  • Schalte den Blitz aus.
  • Nutze die Belichtungskorrektur, um das Foto richtig zu belichten (-1 EV ist beim Sonnenuntergang ein guter Anfang).
  • Mache mehrere Bilder, kontrolliere sie auf dem Display und passe die Belichtung gegebenfalls an.

Fotografierst du im RAW-Format, musst du deine Bilder nachbearbeiten. Einen Großteil meiner Nachbearbeitung mache ich mit Adobe Lightroom CC.

Ein Stativ brauchst du nicht unbedingt, um einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Aber es hat Vorteile:

  1. Du kannst für den gleichen Blickwinkel schnell Bilder mit verschiedenen Einstellungen machen.
  2. Das Stativ bringt dir ein Quäntchen mehr Schärfe.
  3. Du kannst den Sonnenuntergang genießen, wenn du dich nicht ständig um den Blickwinkel kümmern musst.

Wichtig: Fotografierst du mit Stativ, musst du den Bildstabilisator deiner Kamera oder deines Objektivs deaktivieren!

3 Tipps für den Bildaufbau

Einfache Regeln für den Bildaufbau

Hälst du dich beim Fotografieren an einfache Regeln, steht dem perfekten Sonnenuntergangsfoto nichts im Weg.

Vergiss dabei aber nie, dass erstens Regeln zum Brechen da sind und zweitens  Geschmäcker verschieden sind. Außerdem kannst du nicht immer alle Regeln anwenden.

Regel Nr. 1: Verleihe dem Bild Tiefe

Da Fotos nur zweidimensional sind, musst du dem Betrachter Hilfsmittel geben, um in das Bild einzutauchen. Bei der Landschaftsfotografie machst du das, indem du das Bild in drei Zonen einteilst: Vordergrund, Mittelgrund (lustiger Fachbegriff!) und Hintergrund. Im Beispiel oben sind die drei Bereiche gut zu erkennen. Die Erde und die Blätter bilden den Vordergrund, Wasser und Bäume den Mittelgrund und der Himmel den Hintergrund.

Regel Nr. 2: Gib deinem Bild einen Rahmen

In meinem Beispielfoto wird die Sonne von Blättern eingerahmt. Das führt den Blick des Betrachters und verleiht dem Bild Tiefe.

Regel Nr. 3: Die Drittel-Regel

Wahrscheinlich hast du schon vom goldenen Schnitt gehört. Die Drittel-Regel ist eine Vereinfachung davon. Dabei teilst du das Bild in neun gleich große Kästchen und orientierst dich bei der Positionierung deines Motivs an den Schnittlinien. Im Beispielbild habe ich die Linien für die Drittel-Regel eingezeichnet, dort siehst du schön, dass ich mich an verschiedenen Stellen daran orientiere. Schlussendlich geht es darum, dass du dein Bild interessanter erscheinen lässt, wenn das Hauptmotiv nicht in der Mitte platziert ist.

Mein Tipp: Bei vielen Kameras kannst du dir die Linien auf dem Display oder im Sucher anzeigen lassen.

Das gewisse Etwas

Du weißt jetzt, wie du deine Kamera einstellst und kennst wichtige Regeln für den Bildaufbau. Damit kannst du schon gute Sonnenuntergangsfotos schießen. Für das perfekte Foto fehlt aber das gewisse Etwas.

Nutze Spiegelungen

Ich fotografiere wahnsinnig gern am Wasser, weil es dort so tolle Spiegelungen gibt. Leider ist das Meer oft zu wellig für schöne Spiegelungen.

Lasse die Sonne als Stern erstrahlen

Schließe die Blende, damit die Sonne als Stern dargestellt wird, wie im Beispiel oben. Die komplette Vorgehensweise für das Erzeugen eines Sonnensterns beschreibe ich in meinem Beitrag „So fotografierst du einen Sonnenstern

Finde einen spannenden Vordergrund

Einen Sonnenuntergang hat jeder schon gesehen. Mache dein Foto zu etwas Besonderem, indem du einen tollen Vordergrund findest.

Bearbeite dein Foto

Gegenlichtaufnahmen sind eine Herausforderung für deine Kamera. Beim Fotografieren musst du aufpassen, dass die Sonne nicht zu hell, der Vordergrund aber nicht zu dunkel wird. Oft ist es gar nicht so leicht, das hinzukriegen, und meist sieht dein Bild zunächst recht „flach“ aus.

Mein Tipp: Fotografiere im RAW-Format, dann hast du bei der Nachbearbeitung viel mehr Spielraum.

Belichte dein Foto so, dass die Sonne nicht alles überstrahlt. In der Nachbearbeitung kannst du dann rund um die Sonne die Struktur wieder sichtbar machen. Am besten kontrollierst du direkt nach der Aufnahme das Histogramm oder lässt dir das Clipping anzeigen. Das sind die Bereiche, die im Bild komplett schwarz oder komplett weiß sind. Dein Ziel bei der Belichtung muss sein, diese Bereiche zu minimieren.

Für das Histogramm bedeutet das, dass du links und rechts an den Rändern keine hohen Spitzen hast. Das Beispielbild von oben sah vor der Nachbearbeitung beispielsweise so aus:

Ein paar einfache Bearbeitungsschritte in Lightroom, lassen das Bild besser aussehen. Hier meine Grundeinstellungen für das Foto:

Neben Lightroom setzte ich gern Filter der NIK Filter Collection ein (kostenlos) und arbeite viel mit PerfectEffects (alte und eingeschränkte Versionen kostenlos). Die Nachbearbeitung von Bildern und Sonnenuntergängen füllt ganze Bücher, deshalb kann ich hier nicht weiter in die Tiefe gehen. Aber in diesem Video kannst du mir bei der Bearbeitung eines Sonnenuntergangs über die Schulter schauen.

Mein Tipp: Sei aktiv! Dein Foto ist nicht fertig, nach dem du den Auslöser gedrückt hast.

Halte dir immer wieder vor Augen, dass alle Fotos, die du irgendwo siehst und toll findest, nachbearbeitet sind. Das gilt auch für Fotos aus der analogen Zeit!

Beispielfotos von Sonnenuntergängen

Genug der Theorie, jetzt zeige ich dir ein paar Beispiele und erkläre dir den Bildaufbau und die Kameraeinstellungen.

Der Klassiker

Sonnenuntergang am Pool

Klassische Sonnenuntergangsfotos, wie du sie auch im Automatikmodus schießen kannst, leben von den Silhouetten im Vordergrund.

Das Bild fotografierte ich mit einer Sony Alpha 65 circa 15 Minuten vor dem Sonnenuntergang. Die Silhouetten der Palmen und ihre Spiegelungen sollen Ruhe und Urlaubsfeeling vermitteln.

Blende: f/9
Belichtungszeit: 1/80 Sek.
Brennweite: 18mm (= 27mm Kleinbild)
ISO: 100

Dominanter Vordergrund

Muscheln im Sonnenuntergang

In diesem Bild habe ich die Drittel-Regel angewandt, einen interessanten Vordergrund gefunden und das Bild in drei Zonen unterteilt.

Das Bild schoss ich mit einer Sony RX100 III in Zandvoort an der Nordsee. Entstanden ist das Bild circa 20 Minuten vor dem Sonnenuntergang.

Blende: f/9
Belichtungszeit: 1/60 Sek.
Brennweite: 8.8mm (=24 mm Kleinbild)
ISO: 80

Der leuchtende Feuerball

Willst du die Sonne möglichst groß auf dem Bild haben, brauchst du Brennweite. Je mehr, desto besser! Nimm das längste Teleobjektiv, das du finden kannst und zoome bis zum Anschlag an die Sonne heran. (Nicht den Digitalzoom nutzen!)

Als Beispiel nochmals das Foto von oben: Fotografiert habe ich mit einer Sony SLT-A57 irgendwo auf der Ostsee zwischen Oslo und Kiel – und wieder kam die Drittel-Regel zum Einsatz.

Blende: f/7.1
Belichtungszeit: 1/640 Sek.
Brennweite: 200mm (=350 mm Kleinbild)
ISO: 100

Abenddämmerung: Das Bild danach

Nicht nur die Minuten vor und während des Sonnenuntergangs sind spannend. Die Abenddämmerung malt oft tolle Farben an den Himmel. Dieses Bild schoss ich 20 Minuten nach dem Sonnenuntergang mit der Sony Alpha 65. Neben der Drittel-Regel für den Horizont habe ich hier 6 Sekunden lang belichtet. Dadurch werden die Wolken weicher und das Wasser glatt gezogen.

Blende: f/22
Belichtungszeit: 6 Sek.
Brennweite: 18mm (=27 mm Kleinbild)
ISO: 100

Sonnenaufgang

Sonnenauf- und untergang ähneln sich in ihren Abläufen. Im Gegensatz zum Sonnenuntergang kannst du beim Aufgang aber nicht auf schönes Licht „danach“ hoffen. Ist die Sonne aufgegangen, ist es schlagartig Tag. Deshalb gilt beim Sonnenaufgang umso mehr der Tipp, früh da zu sein. Da es dann noch dunkel ist, empfiehlt es sich die Gegend schon am Vortag auszukundschaften, um den perfekten Blickwinkel zu finden.

Ganz wichtig: Genieße den Sonnenuntergang

Egal, was du machst: Das Allerwichtigste ist, dass du nicht vergisst, den Sonnenuntergang zu genießen! Schieße nicht 100 Fotos, von denen du hinterher 99 löscht. Höre auf, sobald du das gewünschte Foto im Kasten hast, oder mach kleine Pausen und genieße es einfach.

 

 

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4 Kommentare

    • Danke!
      Das mit dem Kamera Kamera sein lassen gilt aber auch für viele andere Situationen. Ich erwische mich selbst oft, dass ich immer weiter fotografiere und schlussendlich trotzdem das allererste Foto das beste ist.

      Viele Grüße
      Marc

  • Wow, eine super vollständige Anleitung hat Marc hier geschrieben – was aber auch von ihm nicht anders zu erwarten war.

    Ich selber liebe auch Sonnenunter- oder aufgänge. Diese Lichtstimmung ist einfach einmalig schön.

    LG Thomas

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