Typische Anfängerfehler beim Fotografieren

Das Besondere entdecken. (Foto: 22places)

Jenny und Sebastian von 22places kennen sich mit Kameras aus! Auf ihrem Blog für Reisefotografie bieten sie kostenlose Fotografie-Tutorials ohne viel Technikkram an – also bestens für Anfänger geeignet. Da ich auch gern schöne Reisefotos mag, habe ich Jenny gefragt, ob sie als Gastautorin nicht auch dir ein paar Anfängertipps mit auf den Weg geben will. Das ist ihre Antwort:

Tipps und Tricks für bessere Reisefotos

Fehler sind super, denn aus Fehlern lernen wir. Nur so können wir uns weiterentwickeln. Jeder noch so große Fotograf hat mal ganz klein angefangen und viele Fehler gemacht.

Ich fotografiere nun schon seit über zehn Jahren mit sehr viel Leidenschaft zum Fehlermachen und mit noch mehr Leidenschaft zum Dazulernen. Es gibt ein paar Sachen, die ich dir gerne auf den Weg geben möchte, um noch bessere Reisefotos zu machen. Die vier Anfängerfehler, über die ich dir gleich erzähle, sind wirklich relativ einfach zu vermeiden. Deswegen möchte ich dich gerne mit der Nase draufstoßen. Viel Spaß beim Lesen und Lernen!

#1 Regeln der Bildkomposition vernachlässigen

Ich bin eigentlich kein Fan von Regeln. Ich bin eher eine Vertreterin der Meinung, dass Regeln da sind, um gebrochen zu werden. Aber gerade in der Fotografie macht Nachdenken vor dem wilden Losknipsen oft den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem ausdrucksstarken Foto.

Gerade bei bekannten Sehenswürdigkeiten solltest du dich nicht einfach nur davorstellen und abdrücken. Oft sehe ich Bilder von supertollen Motiven, die auch wirklich gut fotografiert sind, aber gleichzeitig auch einfach langweilig. Das muss nicht sein. Es gibt so viele Möglichkeiten und Ansatzpunkte, um deine Fotos spannender zu machen. Genau da kommen jetzt die Regeln der Fotografie ins Spiel. Klingt langweilig? Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil.

Welcher Funkturm gefällt dir besser? Dieser langweilige … (Foto: 22places)
… oder dieser dynamische? (Foto: 22places)

Im Falle der Fotografie können Regeln sogar echt spannend sein und vor allem echt Spaß machen. Um nur ein paar spannende Regeln der Fotografie zu nennen: der Goldene Schnitt, Formen und Linien, Rahmen, Perspektivenwechsel, Negative Space.

Mein Tipp: Wenn du dich mit den Regeln für eine gewisse Zeit mal auseinandersetzt, machst du irgendwann ganz von alleine super komponierte Bilder. Gerade auf Reisen hilft es dir, wenn dein fotografisches Auge schon gut trainiert und der Blick fürs gewisse Etwas automatisiert ist. Wie du das bei Fotoausflügen einfach mal üben kannst, erzähle ich dir in meinem Beitrag Bessere Bildgestaltung: So trainierst du dein fotografisches Auge.

#2 Bilder nicht direkt aussortieren

Ich gebe offen zu: Aussortieren fällt mir richtig, richtig schwer. Du kennst das bestimmt auch. Du kommst aus deinem Urlaub zurück, hast Unmengen von Fotos auf deiner SD-Karte und denkst dir: „Puh, das mach ich nächste Woche.“ Großer Fehler. Bei mir zumindest. Ich muss das wirklich direkt anschließend oder noch während meiner Reise machen.

Ich habe mir angewöhnt, direkt noch im Urlaub die Fotos durchzugucken und radikal auszusortieren. Zu Hause angekommen, mache ich das Gleiche noch mal und sortiere noch mal bestimmt ein Drittel aus. Solltest du nicht schon bereits der radikale Aussortierer sein, rate ich dir, das auch mal zu versuchen. Am Anfang wird es dir wahrscheinlich sehr schwer fallen, aber auf Dauer bringt es dir unheimlich viel. Es macht doch auch wirklich keinen Spaß, wenn du ein paar Jahre später den Ordner „Fuerteventura 2013“ öffnest und dort 4000 Bilder findest.

Nur schöne Fotos machen auch langfristig Spaß. (Foto: 22places)

Mein Tipp: Sei wirklich hart zu deinen Bilder und dir selbst. Sortiere alles aus, was dich nicht zu 100 Prozent überzeugt. Wenn du es nicht übers Herz bringst, mach dir noch einen zusätzlichen Archiv-Ordner. Dort kannst du dann Bilder zwischenlagern.

#3 Die Kamera immer im Automatikmodus lassen

Der absolute Renner der Anfängerfehler. Du kaufst dir eine teure Spiegelreflexkamera, packst sie freudig aus, stellst sie auf den Automatikmodus und legst los. Warum auch nicht, die Fotos sind ja scharf und sehen gar nicht schlecht aus.

Solltest du auch zu den Automatik-Fotografen gehören, tu mir bitte den Gefallen und hör sofort auf damit. Du weißt wirklich gar nicht, was du verpasst. Wenn du die verschiedenen manuellen Einstellungen an deiner Kamera erstmal beherrschst und einzusetzen weißt, kannst du auf einer ganz anderen Ebene fotografieren.

Fotografiert mit hohem ISO-Wert bei manueller ISO-Einstellung. (Foto: 22places)

Mein Tipp: Trau dich! Wenn du dich erstmal mit Themen wie Blende, Verschlusszeit, manueller Fokus und Weißabgleich beschäftigt hast, wirst du verstehen, was ich meine. Ich kann dir versichern, dass dieser Technikkram keine Zauberei ist. Es zu lernen, kann sogar richtig viel Spaß machen. Genau das war auch unser Ziel, als wir unsere Artikelserie „Fotografieren lernen“ ins Leben gerufen haben. Wir wollen dir zeigen, wie du auch ohne kompliziertes Technikwissen atemberaubende Fotos machen kannst. Wenn du Lust hast, die manuellen Einstellungsmöglichkeiten deiner Kamera näher kennenzulernen, kannst du gerne mal bei Basti und mir vorbei schauen: Fotografieren lernen mit 22places.

#4 Bildbearbeitung als Antwort auf alle Fragen

Ich bin kein Freund von großartiger Bildbearbeitung. Eher das Gegenteil. Mein Gesicht wird ritze-ratze-rot vor Ärger, wenn ich Fotos sehe, die durch nachträgliche Bildbearbeitung verunstaltet wurden.

„Ach, das mach ich mit Photoshop später dann noch schön!“ Den Satz höre ich tatsächlich zu oft. Ich muss dann wirklich aufpassen, nicht ärgerlich zu werden. Ja, es stimmt. Mit Programmen wie Photoshop, Lightroom und selbst mit kostenlosen Fotobearbeitungs-Programmen wie Picasa kannst du wirklich tolle Sachen machen.

Schon beim Fotografieren auf die Bildkomposition achten. (Foto: 22places)

Ich möchte hier jetzt auch kein Plädoyer gegen Bildbearbeitungsprogramme halten. Ganz im Gegenteil. Ich bearbeite meine Bilder auch nach. Nachbearbeitung heißt bei mir aber, dass ich die Vorzüge des Bildes mit Einstellungen wie zum Beispiel Kontrast unterstütze. Nachbereitung heißt meiner Meinung nach nicht, ohne Sinn und Verstand an den Photoshop-Reglern zu drehen oder irgendwelche Filter über die Fotos zu legen. Damit geht oft jede Natürlichkeit und vor allem die Spannung im Bild verloren.

Mein Tipp: Bildbearbeitung ist kein Allheilmittel. Lerne lieber, deine Bildkomposition zu optimieren und die manuellen Einstellungen deiner Kamera optimal einzusetzen, und nutze die Bildbearbeitung nur als unterstützendes Werkzeug.

Vielen Dank an Jenny für die tollen Tipps!

Haben sie dir geholfen? Welche Fragen hast du noch an unsere Fotoexperten Jenny und Sebastian? Sie antworten dir gern auf deinen Kommentar!

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  • Liebe Selina,

    ich stimme dir da voll und ganz zu. Natürlich ist Bildbearbeitung grundsätzlich wichtig, aber an erster Stelle sollte immer die Bildkomposition und das Bild ansich stehen.

    Da wir die Frage mit dem Kauftipp immer öfters bekommen, hat Basti letzte Woche einen Artikel darüber geschrieben :). Guck mal hier: https://www.22places.de/kaufberatung-kamera/ . Wenn du dir unsicher bist, dann kannst du uns natürlich trotzdem noch mal gerne schreiben und vllt. können wir dir ja weiterhelfen. Ein Kamerakauf ist immer schwierig ;)

    Viele Grüße und danke für deinen Kommentar,

    Jenny

  • Hallo Jenny,

    Die Ausrede mit der nachträglichen Bildbearbeitung lässt auch in mir den Ärger hochkommen. Wie will man aus schlechtem Originalmaterial ein gutes Endfoto erstellen? Die Basis bildet das Foto selbst, Bildberbeitungsprogramme sollten nur als kleine Veränderungsmöglichkeiten angesehen werden!

    Eine kurze Frage habe ich an dich:
    Ich möchte mir gerne eine neue Spiegelreflexkamara zulegen – hast du evtl. einen Kauftipp für mich?
    Liebe Grüße, Selina

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