Bilder bearbeiten oder nicht?

Vor der Bildbearbeitung und danach.

Bei den (Hobby-)Fotografen gibt es zwei Lager: Die einen legen viel Wert darauf, schon beim Fotografieren ein perfektes Bild zu erzeugen. Motiv, Blende, Belichtung, Ausschnitt – alles muss passen, so dass nachher nichts mehr am Foto verändert werden muss. Die anderen setzen eher auf Bildbearbeitung und verbringen nach dem Fotografieren viel Zeit mit Photoshop, Lightroom oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen. Wie halte ich es mit meinen Fotos?

Im jpg-Format fotografieren

Ich habe seit einigen Jahren eine Bridgekamera, die keine RAW-Formate erzeugt, sondern ein Bild als jpg abspeichert. Mit RAW hast du zwar viel mehr Möglichkeiten zur Nachbearbeitung – aber dafür musst du auch jedes Foto nachbearbeiten, weil ein RAW-Bild einfach nicht nach viel aussieht. Mir wäre das bei den Tausenden von Bildern, die ich von einer Reise mit nach Hause bringe, viel zu viel Arbeit. Daher bin ich froh, mit meinen jpg-Bildern sofort vorzeigbare Fotos zu haben.

Fotoauswahl treffen

Natürlich kann ich keinem zumuten, sich mehrere Tausend Fotos von meiner Reise anzuschauen. Daher speichere ich zunächst einmal, wenn ich von einer Reise zurückkehre, alle Bilder von den Speicherkarten auf mehreren externen Festplatten ab (doppelt ist sicherer!). Beim ersten Durchschauen werfe ich alle verwackelten, unscharfen oder anders misslungenen Bilder in den Papierkorb.

Um Familie und Freunden von der Reise zu erzählen, treffe ich eine Auswahl von circa 300 bis 400 Bildern und bringe sie in eine vernünftige Reihenfolge. Auch für meine Blogbeiträge suche ich die besten Fotos heraus, um das Geschriebene zu unterstreichen und dir einen Eindruck von den Orten zu vermitteln, an denen ich gewesen bin. Aber auch alle anderen Fotos behalte ich tatsächlich auf der Festplatte – hin und wieder schaue ich mir nämlich auch mal die Fotos an, die für andere wenig interessant sind, aber bei mir doch ganz persönliche Erinnerungen hervorrufen.

Technisch kein gutes Foto, aber für mich eine schöne Erinnerung an meine Jeepfahrt zum Salar de Uyuni.

Moderate Bildbearbeitung

Die Bilder aus der engen Auswahl nehme ich mir dann noch mal gesondert vor – derzeit mit Photoshop, demnächst vielleicht auch mal mit Lightroom. Ist ein Horizont schief, rücke ich ihn gerade. Ist das Motiv zu weit entfernt, wähle ich einen Ausschnitt. Ist ein Bild etwas blass geworden, füge ich etwas mehr Kontrast hinzu. Ist es ein bisschen unscharf, schärfe ich es. Und sind die Farben nicht so, wie ich sie auf der Reise erlebt habe, drehe ich auch mal ein wenig am Farbregler. Aber alles moderat! Von quietschig bunten Häusern, die in der Realität nur pastellfarben gestrichen waren, und von Sonnenuntergängen, die lila und blau erscheinen, obwohl sie in Wahrheit ein ganz normales Orange zeigten, halte ich gar nichts. Auch die hoch kontrastreichen Bilder im High-Dynamic-Range-Modus (HDR), wie man sie jetzt vielfach sieht, gefallen mir meist nicht, weil sie mir zu unnatürlich sind.

Ich finde Bilder am schönsten, die ein Motiv so wiedergeben, wie ich es vor Ort erlebt habe. Natürlich schneide ich auch schon mal einen Mülleimer vom Bildrand weg, wenn ich ihn beim Fotografieren übersehen habe. Oder ich hole ein Tier, das trotz Superzoom zu weit weg war, mal näher heran. Aber da ich mir schon beim Fotografieren viel Mühe gebe, den richtigen Ausschnitt zu finden und die Stimmung vor Ort einzufangen, gibt es an meinen Fotos aus meiner Sicht meist nicht allzuviel zu tun. Die Suche nach dem schönen Motiv und einen Weg, es hübsch aufs Bild zu bringen, macht mir persönlich auch viel mehr Spaß als stundenlange Bildbearbeitung.

Einfach mal genauer hinschauen beim Gang durch die Natur.

Bilder sind immer subjektiv

Mir ist bewusst, dass ich auf einem Bild natürlich nie die ganze Realität abbilden kann. Ich bin als Fotografin eine subjektive Betrachterin, die entscheidet, welchen Ausschnitt der Realität ich zeigen will – zum Beispiel den schönen Strand vor mir oder lieber den Müllhaufen, der direkt hinter der Kamera liegt. Als Betrachter des Fotos musst du mit meiner Auswahl vorlieb nehmen. Mein Anspruch ist es allerdings, dir diesen Ausschnitt so natürlich wie möglich zu zeigen und nicht noch zusätzlich durch künstliche Farben etc. zu verfremden. Denn ich möchte nicht, dass du, wenn du selber mal zu dem Ort fahren wirst, enttäuscht bist, weil die Wirklichkeit ganz anders ist als auf dem Bild, das du bei mir gesehen hast.

Welche Art von Fotos gefällt dir am besten: eher natürlich oder stark bearbeitet? Und wie hältst du es selber mit der nachträglichen Bildbearbeitung? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Es gibt ja auch ganz andere Ansichten zu dem Thema Bildbearbeitung. Thomas vom Blog Reisen-Fotografie hat dazu eine Blogparade Bildbearbeitung gestartet. Schau doch mal vorbei!

 

 

Nobody is perfect … Wenn du einen Rechtschreibfehler in meinem Text gefunden hast, benachrichtige mich doch bitte, indem du den Fehler mit dem Cursor markierst und dann Strg + Eingabetaste (auf dem Mac Ctrl + Enter) drückst. Danke! (Funktioniert nur am Desktop, nicht mobil)

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann teile ihn doch:

32 Kommentare

  • Hallo Sabine,
    wir achten schon beim Fotografieren auf die richtigen Motive. Natürlich ist nicht immer alles perfekt, da sind auch schon mal Dinge drauf, die man nicht haben will. Dann nehme ich Photoscape. Normalerweise reicht jedoch die Bildbearbeitungssoftware der Kamera, um die Bilder einfach nur zu verbessern. Das mache ich nach jedem Ziel, zu dem ich einen Artikel schreibe. Zu diesem Zeitpunkt sortiere ich auch schon aus, was nicht in Ordnung ist. Da dauert zwar dann einige Zeit, aber es lohnt sich. Vor allem braucht man nicht die hunderte von Fotos nach der Reise bearbeiten.

  • Pingback: Juli: Sommer, Sonne, Bildbearbeitung - aKerlin Gebrauchsgrafik
  • Liebe Sabine,
    eine kleine Anmerkung zu Deiner Einleitung: Das Bemühen, schon beim Fotografieren ein nahezug perfektes Bild aufzunehmen, und die Nachbarbeitung schließen sich nicht gegenseitig aus. Für mich ist es eher ein Zusammenspiel. Vor allem und natürlich, wenn ich in RAW fotografiere. Ein anderes Argument, die Zeit, spielt natürlich eine Rolle. Deshalb bearbeite ich längst nicht alle Fotos, sondern suche mir die besten dafür heraus. Sonst wäre es gar nicht zu schaffen.
    LG, Susanne

    • Wie gesagt: Mit RAW habe ich keine Erfahrung, nur mit jpg. Und dass man bei RAW um die Bearbeitung nicht herumkommt, ist klar.

  • Hallo Sabine,

    dem Satz „Die Suche nach dem schönen Motiv und einen Weg, es hübsch aufs Bild zu bringen, macht mir persönlich auch viel mehr Spaß als stundenlange Bildbearbeitung.“ kann ich nur zustimmen. Wenn ich meine Bilder von der Kamera einlese und sehe, dass ein Foto gleich gut aussieht, bin ich stolz und zufrieden. Aufwendige Bearbeitungen sind nicht nur mühselig und nervig, sondern auch mit dem Ergebnis bin ich selten zufrieden.

    Viele Grüße,
    Heike

    • Ich würde mir ja gern mal Lightroom genauer ansehen. Das ist, glaube ich, besser und einfacher zu bedienen als Photoshop …

    • Ich arbeite seit Jahren mit Photoshop Elements und bin damit bestens zufrieden. Lightroom habe ich vor kurzem mal testweise installiert, aber dann gleich wieder entsorgt, weil es mir zu unübersichtlich war.
      Wenn man sich in beide Programme neu einarbeiten müsste, ist die Ausgangssituation natürlich eine andere.

  • Die Manipulation eines Fotos beginnt m. E. schon, wenn der Fotograf einen Ausschnitt wählt, ein Tele oder WW verwendet. Das Foto ist immer nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit, die der Fotograf dem Betrachter anbietet. Ob die „Manipulation“ nur kameratechnisch herbeigeführt wird, oder später digital, macht für mich keinen besonderen Unterschied.
    Ich fotografiere in JPG & RAW. Wenn das JPG nicht dem Eindruck entspricht, den ich von dem Motiv hatte, dann passe ich das etwas an. Das RAW wird dann entsorgt.
    Die wichtigste Nachbearbeitung ist für mich jedoch der Beschnitt eines Fotos, deshalb lasse ich auch meistens genug Luft dafür.

    • Hallo Bernhard, genau das meinte ich ja in meinem letzten Absatz: Der Fotograf ist derjenige, der subjektiv das Motiv auswählt. Aber im Gegensatz zu dir beschneide ich meine Fotos selten, sondern versuche immer, bereits den passenden Ausschnitt beim Fotografieren zu wählen. Interessante Diskussion!

    • Der eine Maler stellt seine Staffelei in der Landschaft auf und bringt ein fertiges Bild mit nach Hause, der andere macht Skizzen und vollendet das Bild zu Hause im Atelier.
      War schon früher so, als es die Fotografie noch nicht gab :-)

  • Hallo Sabine,
    das ist mal ein klasse Beitrag! Und deine Vorgehensweise deckt sich so ziemlich auf den Punkt genau mit meiner eigenen! Ich bin auch kein Freund von übertriebenen Bearbeitungen. Habe ich mal ein Bild technisch verhauen, landets im Müll. Und wird nicht wie wild überarbeitet. Einziger nennenswerter Unterschied zu deinem Vorgehen: ich nutze RAW. Zwar meist noch in Kombination mit JPG. Aber tatsächlich bearbeite ich die allermeisten Bilder im Nachhinein. Oder sogar noch auf der Reise. Das hat für mich einen entscheidenden Vorteil: seit dem ich das so mache und den folgenden Arbeitsaufwand einzuschätzen weiß, achte ich schon beim Fotografieren darauf das Bild möglichst gut aufzunehmen. Aber auch möglichst nur ein Mal. Also nur ein (gelungenes!) Bild (pro Perspektive). Und nicht 500 Mal das Brandenburger Tor. ;-)
    Viele Grüße!
    Mario

    • Hat ja früher schließlich auch funktioniert: 36 Bilder auf einem Film, 10 Filme im Urlaub dabei. Da war dann halt bei 360 Bildern Schluss ;-)

  • Ich finde die Bearbeitung von Reisebildern eine Abart, die unter Reiseautoren ziemlich weit verbreitet ist. Das passt auch zu den meist in schwärmenden und vielfach wenig ausdrückenden Worten in vielen Reiseartikeln. Es wird wie wild kaschiert, beschönt, verfälscht, – mit anderen Worten eine heile Welt dem Leser vorgegaukelt. Und selbst der hässlichste Tag und das ärmste Elend werden farbkräftig aufgemotzt, um daraus eine absurde Art der Kunst zu machen. Fotos bearbeiten und mit Worten lügen… für mich ist da kein grosser Unterschied.
    Warum nicht wahr sein lassen, was wahr ist? Grüsse von einem, der immer noch mit einer Pocket durch die Gegend läuft.

  • Ich halte es da genau wie Du: Ja, natürlich schiebe ich ein bisschen an den Reglern. Ich erhöhe Sättigung oder Kontrast, helle auf, entzerre, wenn etwas verzerrt ist oder schneide zu. Manchmal wähle ich schwarz-weiß, wenn es zum Motiv passt oder setze einen selektiven Fokus auf einen Punkt, um ihn noch besser herauszuheben. aber das wars dann eigentlich auch schon. Ich will die Bilder auf keinen Fall verfremden, sie sollen immer noch die Bilder sein, die ich ursprünglich geschossen habe. Ich poliere sie höchstens ein bisschen.

  • Ich mache genau das gleiche wie du – aus den gleiche Gründen. Unterscheibe also alles 1 zu 1 so, hihi. RAW ist mir zu viel Aufwand für ein Hobby und sprengt meine Speicherkapazitäten.
    Liebe Grüße, Ela

    • Interessant. Auch auf Instagram bin ich gar kein Fan von diesen Filtern. Manche nutzen das ja dort fast als Markenzeichen.

  • Hallo Sabine ,
    die Frage die stelltst ist wie ich finde nicht ganz richtig . Natürlich oder stark bearbeitet… Ich fotografiere grundsätzlich in raw und muss einige Bilder stark nachbearbeiten um einen natürlichen Eindruck hinzubekommen . Besonders Motive mit starkem Kontrast ergeben direkt im Jpg. aufgenommen ja keinen natürlichen Eindruck . Irgendwas ist da immer falsch belichtet . Und solange die Kameras das von sich aus noch nicht können werd ich weiter im raw knipsen müssen …
    Schöne Gruße aus Senden :-)

    • Ah, hier meldet sich der RAW-Anhänger zu Wort :-) Danke dir für deinen Kommentar, Micha! Klar kommen „normale“ Kameras bei starkem Kontrast schnell an ihre Grenzen. Trotzdem wäre mir der Aufwand bei RAW für jedes Bild zu groß. Deine Bilder sind in meinem Augen aber oft auch nicht „natürlich“, finde ich. Da sehe ich eher den Schritt ins Künstlerische.

    • Ich für meinen Teil bevorzuge das natürliche Bild. Sicherlich ist nicht immer alles zu 100 Prozent belichtet, oder der Kontrast könnte besser sein. Aber genau das mag ich und das macht in meinen Augen auch den Reiz der Fotografie aus. Immer auf der Suche nach dem perfekten Bild…

    • Danke, Frank! Und die fortschreitende Technik macht die Fotos ja auch immer besser. Wenn ich mir da die Bilder von meiner vorvorletzten Kamera anschaue …

  • Hi Sabine,

    Danke für deinen tollen Beitrag zu unserer Blogparade.

    Ich selber mag beide Arten der Bildbearbeitung gut leiden. Ich schaue und zeige gerne natürliche Fotos, besonders von Orten an denen ich gewesen bin oder die ich selber bereisen möchte. Hier finde ich eine realistische Wiedergabe der Umgebung und der Orte recht wichtig.

    Ich mag aber auch „dramatisch“ Bearbeitungen. Wolkenhimmel, die stark betont sind. Dramatische Wetter-Landschafts-Bilder oder auch mal andere „technische“ Spielereien. Aber dann unter dem Blickpunkt, das ist Kunst und keine dokumentarische Fotografie.

    Ich mag auch HDR-Bilder, wenn sie nicht zu übertrieben gestaltet sind und auch hochwertige Fotomontagen von Leuten, die das perfekt beherrschen. Aber auch diese Dinge sehe ich unter dem Kunstgedanken, wo bekanntlich alles erlaubt ist.

    LG Thomas

    • Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, befasse ich mich vielleicht mal näher mit Lightroom. Vielleicht komme ich dann ja auch mal auf den „dramatischen“ Geschmack ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.