Kündigen, um zu reisen?

Immer wieder höre ich von Leuten, die so unglücklich mit ihrem Leben sind, dass sie ihren Job kündigen, um fortan zu reisen. Das ist ihr gutes Recht, wenn sie meinen, dass sie dadurch glücklicher werden. Ich persönlich glaube ja nicht daran, dass ein Ortswechsel alle Probleme löst – meist muss man viel tiefer in sich hineinschauen, um zu erkennen, was das wirkliche Problem ist, mit dem man sich im Leben rumschlägt.

Tanja vom Blog Reiseaufnahmen macht die Glückssuche zum Thema: „9 to 5 leben oder kündigen, um zu reisen?“ fragt sie in ihrer aktuellen Blogparade. Wie habe ich als Viel- und Gernreisende diese Frage für mich persönlich beantwortet?

Dauerhaft nicht arbeiten? Das wäre nichts für mich!

Ich habe das Glück, dass ich einen Beruf habe, dem ich ziemlich gern nachgehe: Ich bin Journalistin und PR-Texterin und habe es schon immer geliebt, mit Menschen zu reden, zu recherchieren und zu schreiben. Als ich noch als angestellte Redakteurin gearbeitet habe, hatte ich, wie die meisten deutschen Arbeitnehmer, 30 Tage Urlaub im Jahr, die sich durch geschickte Verteilung rund um die Feiertage auf eine ansehnliche Summe von freien Tagen erweitern ließen. Zum Glück hatten meine Arbeitgeber nichts dagegen, dass ich auch mal drei Wochen am Stück freinahm, sofern es sich mit meinen Aufgaben im Büro vereinbaren ließ. Ich reiste nach Asien, nach Amerika und viel durch Europa und war zufrieden damit.

Mehr freie Zeit als Selbstständige

Vor zehn Jahren machte ich mich selbstständig. Die Voraussetzung, die meine Freiberuflichkeit erfüllen sollte, war: Ich wollte mindestens so viele freie Tage haben wie als Angestellte! Als Selbstständiger hast du es natürlich selbst in der Hand, wie oft du dir freinimmst. Freie Tage bedeuten aber gleichzeitig: In dieser Zeit verdienst du nichts. Auch hier hatte ich wieder Glück: Es lief sehr schnell so gut mit meiner Selbstständigkeit, sodass ich weiter und sogar noch länger und öfter verreisen konnte als wie zu meiner Zeit beim Unternehmen. Das klassische 9-to-5-Leben kenne ich als Selbstständige ohnehin nicht. Ich arbeite, wenn es ein Auftrag oder andere Aufgaben erfordern, und nehme mir frei, wenn nichts zu tun ist. Um nicht in die Falle vieler Selbstständiger zu verfallen, jahrelang keinen Urlaub zu machen, buche ich meist schon den nächsten Flug, sobald ich von der letzten Reise zurückgekehrt bin. So kann ich meine beruflichen Termine um meine freie Zeit herumbauen.

Zeit für schöne Erlebnisse einplanen!

Meinen Job hinzuwerfen, um nur noch zu reisen, stand für mich nie zur Debatte. Zum einen liebe ich meine Arbeit viel zu sehr, als dass ich sie aufgeben würde. Zum anderen könnte ich nicht mein gesamtes Erspartes aufbrauchen, um irgendwann ohne Geld dazustehen – das widerspricht meinem Sicherheitsdenken. Und drittens merke ich nach vier Wochen Reisen meist auch, dass es mich wieder nach Hause zieht. Ich freue mich oft darauf, wieder zum Schreibtisch und in meine eigenen vier Wände zurückzukehren – um dort schon bald wieder die nächste Reise zu planen.

Regelmäßige Auszeiten

Auch wenn jeder zu dem Thema sicherlich eine andere Meinung hat, kann ich aus meiner Sicht nur empfehlen: Reisen ja, dafür kündigen nein. Wer das Gefühl hat, er kommt zu wenig raus, sollte lieber überlegen, wie er sich regelmäßige Auszeiten schaffen kann – das funktioniert auch als Angestellter. Wer hingegen die Klamotten komplett hinwirft, muss wahrscheinlich nach einigen Jahren, wenn das Ersparte aufgebraucht ist, wieder neu ans Geldverdienen denken – und schon hat ihn der Alltag wieder eingeholt. Außer er oder sie findet auf Reisen den reichen Partner und muss fortan gar nicht mehr arbeiten. Aber ob das so erstrebenswert ist …?

Wie schaut es bei dir aus: Könntest du dir vorstellen, für das Reisen deinen Job hinzuwerfen? Wie stellst du dir das Leben ohne Arbeit vor? Ich bin gespannt auf deine Antwort!

 

 

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13 Kommentare

  • Hey Sabine,

    bin gerade zufällig auf Twitter über deinen Artikel hier gestolpert und kann dir nur voll und ganz zustimmen!

    Probleme lösen sich nicht, indem man vor ihnen flieht. Ich persönlich könnte mir auch ein Leben ohne regelmäßige & anspruchsvolle Beschäftigung gar nicht vorstellen.

    Was die Arbeitszeit und längere Auszeiten betrifft, stellen sich viele Unternehmen aktuell flexibler auf. Vielerorts kann man mittlerweile Sabbaticals machen oder auch mit seinen Überstunden und flexiblen Arbeitszeitmodellen längere Auszeiten nehmen.

    Ich habe beispielsweise meine Arbeitszeit für ein Jahr auf 50% reduziert. Ich bin ein halbes Jahr normal arbeiten gegangen und die anderen 6 Monate habe ich in der Türkei und mit Reisen nach Israel und Jordanien verbracht :)

    Grüße
    Christian

    • Hallo Christian, ein Sabbatzeit finde ich auch eine gute Sache und würde ich sicher auch mal machen, wenn ich noch angestellt wäre. Es gibt halt so viele Möglichkeiten, etwas von der Welt zu sehen, ohne gleich direkt aussteigen zu müssen! Viele trauen sich leider auch das nicht …

  • Ich glaube, dass nur reisen mich auch nicht glücklich machen würde. Reisen und darüber schreiben wäre ideal. Nur muss da noch irgendwie Geld in die Kasse kommen. Bislang war es in meinem Leben immer so: Entweder ich hatte Zeit, aber nicht genug Geld oder ich (wie aktuell) ich habe einen recht guten Verdienst, aber keine Zeit zum Reisen. Hinzu kommt ein unflexibler Arbeitgeber – der die Urlaubsplanung erschwert.
    Mein Ziel ist es: Mehr Zeit fürs Reisen zu haben und über Berichte darüber etc. sogar etwas Geld in die Kasse zu bekommen. Ich will jetzt keine digitale Nomadin werden oder so. Aber ich bin gespannt was das Leben noch zu bieten hat und sehe hoffnungsvoll in die Zukunft.

    LG Myriam

  • Liebe Sabine,

    besonders gut hat mir in deinem Beitrag der Tipp gefallen, schon den nächsten Trip zu buchen, wenn man vom vorigen zurückkommt, damit man sich als Freiberuflerin tatsächlich eine Auszeit nimmt, das gelingt mir nämlich tatsächlich oft nicht besonders gut.

    Und ich bin auch der Meinung, dass ein reicher Ehepartner nicht die Lösung sein kann. Ich habe dafür ein abschreckendes Beispiel: Eine Deutschschülerin von mir mit einem sehr wohlhabenden Mann braucht nicht zu arbeiten, hat dafür aber dreimal die Woche privaten Deutschunterricht, außerdem gibt es einen Personal Trainer, eine private Yogalehrerin und Golfunterricht und es wird erwartet, dass sie immer top gestylt daher kommt. Außerdem hat der Mann als Alleinverdiener in vielen Dingen – von ihr nicht in Frage gestellt – das letzte Wort. So jemanden beneide ich bestimmt nicht.

    Schöne Grüße
    von Tina

    • Gruselig, die Geschichte von Deiner Deutschschülerin … Dann doch lieber ein bisschen zu viel arbeiten, aber dafür selbstbestimmt sein!

  • Hallo Sabine,

    danke fürs mitmachen. Wie heißt es so schön „Zuhause ist es doch am Schönsten“. Egal wie sehr mein Herz fürs Reisen pocht, manchmal verstehe ich die Aussage sehr gut :-)

    Viele liebe Grüße
    Tanja

  • Hallo Sabine,

    ich denke, dass reisen und arbeiten eine gute Kombination ist. Ich persönlich finde die Vorstellung, einen festen Wohnsitz in der Heimat zu haben reizvoll, um immer wieder nach Hause zurückkehren zu können. Und die Arbeit als PR-Beraterin und Fachjournalistin in vielen Ländern freiberuflich ausüben zu können – reisen, arbeiten, genießen und dabei immer mehr lernen. Sehr reizvoll!
    Leben ohne zu arbeiten würde mich dauerhaft unbefriedigen, denn ich liebe meine Arbeit und mag meine Kunden ;-)

    Viele Grüße
    Silke

    • Hallo Silke, wenn ich wollte, könnte ich auch weitgehend ortsunabhängig arbeiten. Aber ich glaube, das wäre gar nichts für mich: Wenn ich reise, will ich mich auf Land und Leute einlassen, wenn ich arbeite, dann am liebsten konzentriert in meinem heimischen Büro. Selbst arbeiten im Café ist für mich schon unmöglich. Wie mein Opa immer sagte: Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps ;-)

  • Hallo Sabine,

    ich lese und höre auch immer öfter davon, denke aber gleich wie du. Man kann nicht alles einfach abbrechen und denken das es nun durch das Reisen besser wird und man sich freier fühlt. Es muss zwar jeder selbst entscheiden, aber es kommen fast alle irgendwann wieder zurück.
    lg Tanja

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