Radeln in Swasiland

Ich gebe zu: Vor meiner Reise ins südliche Afrika wusste ich nicht mal genau, wo Swasiland liegt. Bei den Planungen für unsere vierwöchige Reise durch Südafrika fand ich dann schnell heraus, dass wir um das kleine Land kaum herumkommen würden: Auf dem Weg von der Küste bei Durban zum Krüger Nationalpark fährst du mittendurch – denn Swasiland ist ein Binnenland, das rundherum von Südafrika begrenzt ist.

Ein Tag im Mlilwane Wildlife Sanctuary

Wir hatten zwei Nächte in Swasiland eingeplant, um ein wenig mehr zu sehen als nur die Straßen vom südlichen Grenzübergang Gulela zur nördlichen Grenze in Jeppes Reef. Das Land besitzt mehrere Naturschutzreservate, wir hatten uns für den Besuch des Mlilwane Wildlife Sanctuary enschieden. Warum dieses Schutzgebiet anders ist als andere Orte dieser Art? Weil du, im Gegensatz zu Reservaten mit Raubtieren, in Mlilwane gefahrlos frei herumlaufen kannst. Kein Löwe, kein Leopard, kein Büffel und kein Elefant kreuzen deinen Weg. Dafür jedoch zahlreiche Zebras, Warzenschweine sowie mehrere Antilopenarten, darunter Impalas, Gnus, Kudus und Buschböcke. Insgesamt finden sich 22 Tierarten im Park. Sogar einige Nilkrokodile sonnten sich am Ufer des Hippo Pool, als wir vom Eingangstor zum Restcamp fuhren. Schilder warnen davor, nicht zu nah ans Wasser heranzugehen.

Das Restcamp ist ein recht trubeliger Ort, was wahrscheinlich auch daran lag, dass wir am Wochenende dort waren. Familien hatten sich bereits am frühen Vormittag zum Grillen niedergelassen, das Restaurant mit Blick auf den – ich denke durch Algen – rot gefärbten Bird Pool war gut gefüllt, und an der Rezeption probierten einige Gäste Fahrradhelme an. Fahrradhelme??? Genau. Denn im Mlilwane Wildlife Sanctuary kannst du nicht nur zu Fuß die neun Wanderwege des Tierschutzgebiets erkunden – die gut ausgeschilderten Wanderungen sind zwischen einem und knapp sieben Kilometer lang. Wer mehr vom Park sehen will, kann sich ein Mountainbike mieten und damit auf den zahlreichen Wegen kreuz und quer durch Mlilwane radeln.

Radfahren und Laufen durch die Wildnis

Wir kauften also im Camp-Shop eine Karte des Parks, suchten uns zwei Räder aus, ein Mitarbeiter half uns beim Einstellen des Sattels, Helm auf und los ging’s. Der nette Radhelfer hatte uns den Tipp gegeben, in Richtung der Viewpoints zu fahren. Die erreichten wir leider nie. Denn eigentlich hätte mir klar sein sollen, dass ich, die ich schon beim Radfahren zu Hause bei jeder kleinen Steigung stöhne, bei einem Berg mit Aussicht vollends kapituliere. Schon bei der ersten Steigung war Schluss mit meiner Beinkraft, sodass ich meinen Partner dazu nötigen musste, nur noch die ebenen Wege des Naturschutzgebiets zu fahren. Wir fuhren also durch den flachen Süden, bis uns beiden der Hintern wehtat (besonders gut gepolstert waren die Fahrradsitze nicht).

Nach einem Snack im Restaurant des Restcamps liefen wir auf dem ein Kilometer kurzen Shallows Trail zum Hippo Pool, wo sich mittlerweile drei Krokodile aus dem Wasser gewagt hatten. Auf einem Teil des Hippo Trails ging es zurück zum Camp. Während unseres Spaziergangs begegneten uns immer wieder Reitergruppen – neben Autofahren, Radeln und Laufen die vierte Möglichkeit, das Mlilwane Wildlife Sanctuary zu erkunden. Mit einem kundigen Führer ritten die Gruppen quer durch die Antilopenherden, die offenbar an fremde Menschen und Tiere gewöhnt sind.

Kann ich das Mlilwane Wildlife Sanctuary empfehlen?

Interessant ist es auf jeden Fall, den wilden Tiere mal nicht nur aus dem Auto heraus, sondern unmittelbar auf Augenhöhe zu begegnen. Andererseits kam mir das Tierschutzgebiet ein bisschen vor wie ein Zoo. Die Tiere haben offenbar sämtliche Scheu vor den Menschen verloren. Sie blieben stehen, auch wenn wir auf den Rad- oder Fußwegen nah an sie herankamen.

Für den Erhalt von wilden Tieren sind die Wildreservate in Swasiland jedenfalls eine gute Sache. Dank Ted Reilly,  der 1960 das Mlilwane Wildlife Sanctuary gründetet, konnte sich der stark dezimierte Wildbestand wieder erholen. Beim nächsten Besuch in Swasiland würde ich vielleicht eher einen der beiden anderen Naturschutzgebiete, den Hlane Royal National Park oder das Mkhaya Game Reserve, besuchen.

Was würde dir besser gefallen: den (ungefährlichen) Tieren ganz nah zu kommen, oder doch lieber Wildnis pur? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Hinweis: Ich danke Big Game Parks, die uns kostenlos zwei Mountainbikes zur Verfügung gestellt haben. Diese Vereinbarung hat meinen Beitrag nicht beeinflusst; ich habe die Inhalte frei gewählt und sie geben meine Meinung wieder. Big Game Parks ist eine private Non-Profit-Organisation, die drei Wildreservate in Swasiland verwaltet: Hlane Royal National Park, Mlilwane Wildlife Sanctuary und Mkhaya Game Reserve. Unterkünfte und Aktivitäten können über die Website der Organisation gebucht werden.

 

 

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8 Kommentare

  • Das hört sich richtig interessant an, finde es toll, den Tiere auf diese Weiße einmal etwas näher zu kommen. Finde das immer beeindruckend. Die Fotos sind auch wirklich Atemberaubend. Ich habe bisher nur in Italien in einem Zoo, mal eine kleine Safari mitgemacht, der Park bestand da damals aus 3 Teilen, einer wo man durchlaufen konnte, einer in dem die Uhrzeittiere in ihrer vollen Größen achgebaut wurde und halt die Safari, wo man mit dem eigenen Auto durchfahren konnte. Jedoch gab es zum Glück strenge Vorschriften, die man Einhalten musste, damit die Tiere nicht zu sehr gestresst werden und dieser Teil des Parks, war auch nur immer für ein paar Stunden am Tag offen. Generell ist mir ja gerade bei Zoos wichtig, das man merkt, dass die Tiere gut behandelt werden. Fan werde ich wohl nie davon sein, aber ich bin auch jemand, der sich die Tiere trotzdem gerne anschaut und gerade in Afrikas bei Safaris ist das natürlich noch einmal eine ganz andere Sache.

    Ich ziehe übrigens auch meinen Hut ,dass ihr bei der Hitze Fahrrad gefahren seit, selbst wenn es nur 25 Grad waren, wäre ich da wohl ziemlich aus der Puste gewesen ,aber ich muss gestehen ,dass ich auch sehr unsportlich bin.

  • Liebe Sabine,
    zunächst einmal: Respekt, bei der afrikanischen Hitze eine Fahrradtour zu starten, ist schonmal ne echte Leistung!
    Wir waren bisher nur in Fahrzeugen auf Safari, daher stelle ich mir das schon ganz spannend vor, den (vielleicht nicht mehr ganz so wilden) Tieren etwas näher zu kommen. Dass sich die Tiere schon sehr an die Menschen gewöhnt haben, ist zwar nicht mehr natürlich und auch kein echtes Wildlife mehr, aber ich denke, es ist schon noch etwas schöner, als im Zoo.
    LG Annika

    • So warm war es zum Glück nicht, Annika: Wir waren im „Winter“ da. Das bedeutet: frühsommerliche Temperaturen. Also bestens für eine Radtour 🙂

  • Ich finde es eine tolle Möglichkeit, den Tieren auch mal anders zu begegnen. Für mich wäre es nur wichtig, das sie auch die Chance hätten, sich zurück zu ziehen, wenn es zu viel wird.

    Ging das Radeln den mit der Hitze? Oder war es angenehm?

    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Hallo Lynn, das Gebiet ist recht groß, so dass die Tiere auch ihre Ruhezonen haben. Offenbar finden einige es aber ganz spannend, sich in der Nähe von Menschen aufzuhalten 😉 Als wir dort waren, war es „Winter“. Das heißt, tagsüber angenehme 25 Grad, schätze ich. Im Sommer wird es dort sehr heiß.

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