Sizilien: Mach es besser als ich

Ich war zwar schon öfter in Italien – bin aber nie südlicher als bis nach Rom gekommen. Nun sollte es also nach Sizilien gehen. Kein Problem, dachte ich, in Italien kenne ich mich ja aus. Weit gefehlt. Denn Sizilien ist anders als der Rest Italiens. Damit du nicht in die gleichen Fallen tappst wie ich, kommen hier meine Tipps für eine gelungene Sizilien-Reise:

Die Anreise

Es gibt auf Sizilien zwei internationale Flughäfen: Catania im Osten der Insel, Palermo im Westen. Je nachdem, welchen Teil Siziliens du dir anschauen willst, solltest du den passenden Flughafen aussuchen – vor allem bei einem kürzeren Aufenthalt, denn die Entfernungen auf der Insel sind nicht zu unterschätzen. Wir haben für unsere einwöchige Sizilien-Reise als Ankunftsflughafen Catania gewählt und für den Abflug Palermo. So konnten wir beide Seiten der Insel in unsere Reise einbeziehen und brauchten nicht mehr auf die andere Inselseite zurückzukehren. Im Nachhinein hätte ich mich aber bei nur einer Woche Aufenthalt auf eine Seite der Insel beschränkt, denn so haben wir weder den Osten noch den Westen wirklich gut kennengelernt.

Anflug auf Catania im Osten der Insel.

Entfernungen auf der Insel

Sizilien ist größer, als ich erwartet hatte. Wer nur einen Standort für den ganzen Urlaub wählt, wird Probleme haben, die ganze Insel zu besuchen, denn an einem Tag schafft man es kaum, von Osten nach Westen und wieder zurück zu fahren. Die Fahrzeit von Catania nach Trapani im äußeren Westen dauert rund vier Stunden – über Autobahn und Schnellstraße, ohne dass du etwas auf dem Weg gesehen hast. Sobald du von der Autobahn hinunterfährst und kleinere Straßen nutzt, dauern die Wege bedeutend länger.

Wir haben in einer Woche drei Übernachtungsstandorte gewählt: zwei Nächte Syrakus, um den Südosten der Insel der Insel zu erkunden, zwei Nächte in der Nähe von Taormina, um den Etna und einen Teil des Ostens zu sehen, und drei Nächte in Castellamare del Golfo für den Westen der Insel. Insgesamt konnten wir dadurch natürlich nur einen ganz kleinen Ausschnitt von Sizilien besuchen. Sollte ich noch einmal hinfahren, würde ich mindestens zwei Wochen Reisezeit einplanen.

Die Stadt Noto liegt weit im Südosten – da brauchst du eine Weile, um hinzukommen.

Autofahren in Sizilien

Dass Italiener anders Auto fahren als Deutsche, ist bekannt. Aber selbst wenn du bereits Erfahrungen mit den Straßen in Norditalien machen konntest, wirst du dich in Sizilien wundern: Bring starke Nerven mit! Überholt wird in Sizlien, wo immer es geht, ungeachtet scharfer Kurven, durchgezogener Linien oder anderweitigem Überholverbot. Dicht auffahren und dabei links blinken bedeutet, dass es jemand eilig hat – den lässt du am besten schnell passieren, ansonsten kann das italienische Temperament deines Hintermannes schon mal überschäumen. Auf das Tempolimit achtet in Sizilien niemand, und aus zwei Fahrspuren werden in der Stadt gern auch mal drei gemacht.

Merke: Diese „Regeln“ gelten nur für Italiener! Als Fahrer aus dem Ausland solltest du dich an die Verkehrsvorschriften halten, denn Verstöße werden teuer. Besonders fies: Wer nachts schneller fährt als erlaubt, zahlt ein höheres Strafgeld als tagsüber. Also, auch wenn es manchmal schwerfällt: Immer schön ruhig Blut bewahren und es den Italienern in ihrer Fahrweise nicht nachmachen!

Immer Autos der kleinsten Kategorie mieten! Die Straßen sind eng. (Foto: Jochen Hafner)

Essen gehen in Italien

Viele loben die italienische Küche als eine der besten in Europa. Das mag zwar sein – aber Essen gehen in Sizilien macht trotzdem häufig keinen Spaß, finde ich. Ich finde es befremdlich, dass Italiener immer mehrere Gänge essen: Neben Vorspeise und Nachspeise gibt es den ersten Gang, meist bestehend aus einem Pastagericht, und den zweiten Gang, Fisch oder Fleisch. In besseren Restaurants wirst du schief angeschaut, wenn du nur einen Gang bestellst, in einfacheren Lokalen wird das meist lockerer gesehen.

Mein Problem: Von einem Gang allein werde ich nicht satt, zwei Gänge sind mir zuviel. Also stellt sich jeden Abend die Frage: Esse ich nur einen Gang und gehe hungrig nach Hause, oder nehme ich zwei Gänge und lasse die Hälfte davon stehen? Hinzu kommt: Jeden Abend zwei Gänge plus Getränke konsumieren, geht richtig ins Geld, denn eine italienische Portion kostet meist soviel wie eine komplette Mahlzeit in einem deutschen Raustaurant. Das Ende vom Lied: Oft waren wir einfach Pizza essen. Die ist bezahlbar, macht satt, und keiner erwartet von dir, dass du einen zweiten Gang bestellst.

Sieht lecker aus, ist aber auf dem Teller verschwindend wenig. (Foto: Jochen Hafner)

Nun interessiert mich natürlich: Warst du schon mal auf Sizilien? Und wie kamst du mit der sizilianinschen Lebensart zurecht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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8 Kommentare

  • Hallo Sabine,

    war waren jetzt im November in Sizilien. Anflughafen war auch Catania. Von dort ging es nach Agrigento, Cefalu (schööööööön), Taormina und dann noch mal einen Tag Catania.

    Du hast Recht. Die Wege sind echt weit. Man muss sich wirklich entscheiden wo man genau hin will. Wir sind von Agrigento nach Cefalù die letze Etappe (noch ca. 1,5 Stunden) durch die Berge gefahren. Für die Fahrerin war es echt anstrengend, aber die kleinen Bergdörfer waren super goldig!!!

    Prinzipiell hat mich Sizilien jetzt nicht sooo vom Hocker gehauen, obwohl wir doch durchaus an schönen Ecken waren. Aber Cefalù hat mir richtig gut gefallen. 🙂 Und das Tal der Tempel sowie die weißen Kalkfelsen bei Agrigento. Siehst du..da fällt mir ein, dass ich darüber noch schreiben will 🙂

    Bezüglich des Essens haben wir manchmal nur ne Vorspeise und dann primi plati bestellt. Das hat gut gereicht. Aber prinzipiell hast du recht. Das mit den mehreren Gängen ging mir auch echt aufn Puffer. 😉

    LG Janine

    • Sizilien im November ist bestimmt auch ganz interessant – war es da wenigstens noch etwas warm? Im Frühjahr merkte man schon den Unterschied – die Natur war im Süden schon ein ganzes Stück weiter als hier bei uns. Bin gespannt auf deinen Bericht!

  • An das Autofahren auf Sizilien kann ich mich noch gut erinnern. Wir waren 2006 mit dem eigenen Wagen dort und ich habe ständig um meine Spiegel, Stoßstangen und die Lackierung gezittert. Die Sizilianer kennen da ja nichts 🙂

  • … und noch eins:
    habt Ihr mal ab so etwas 18 Uhr oder etwas später in einer Bar einen Aperitif (Aperol, Campari, Cocktail, Wein, Bier oder so) getrunken? Üblicherweise gibt es dazu viele leckere Kleinigkeiten serviert (kostenlos, und wenn es nicht reicht darf man an die Bar kommen und Nachschlag holen) – das kann, vor allem wenn man schon mittags gegessen hatte oder nachmittags Cannoli verputzt hat 😉 – glatt das Abendessen ersetzen.

  • Ja, im März 2014 waren wir auch auf Sizilien – und es hat uns so gut gefallen, dass wir definitiv noch einmal zurückkehren werden. Die Insel hat landschaftlich, kulturell und auch kulinarisch einiges zu bieten. Unser Hotel war angenehm, klein, die Gastgeber unglaublich nett, hilfsbereit und freundlich. Die Lage war günstig für einen Urlaub, in dem man viel sehen, also auch mobil in alle Richtungen sein will. Es war ruhig und touristisch keinesfalls überlaufen – an vielen Stellen waren wir (zumindest gefühlt) die einzigen Touristen, ich konnte (musste) immer wieder mein Italienisch üben.

    Erstaunt hat mich genau wie dich die Größe der Insel, die Strecken, die wir zurückgelegt haben. Keine Frage: meine eigentlichen Planungen, was ich gern sehen möchte, die habe ich schnell eingemottet. Irgendwie hatte ich gedacht, wir wären viel schneller an bedeutenden Orten wie Agrigent oder Palermo. Aber die haben wir uns aufgespart für den nächsten Besuch. Ich habe ebenfalls gelernt: Sizilien macht mehr Sinn, wenn man zwischendurch den Standort wechselt – sonst verbringt man zu viel Zeit am Steuer.

    Und was das Essen angeht: wir hatten nie Probleme, uns einzelne Gänge zu zweit zu teilen (uno per due, per dividere), wurde nicht blöd angeguckt und konnte so viele leckere Kleinigkeiten probieren. Und schlecht ist sie nicht, die Küche Siziliens mit frischem Fisch, viel Gemüse, leckerer Pasta.

    Danke für Deine spanennden Berichte, werde sie ganz sicher zur Vorbereitung des nächsten Sizilien-Besuchs noch einmal lesen!

    • Ha, auf die Idee, sich einen der Hauptgänge zu teilen, sind wir überhaupt nicht gekommen! *schlägtdiehandvordenkopf* Danke für diesen Tipp, den ich bei meinem nächsten Italien-Besuch sicher beherzigen werde. Freut mich, dass dir meine Sizilien-Berichte gefallen!

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