Turbulenzen über den Wolken

Wer oft in ferne Länder reist, kann auf seinen Flügen viel erleben. Reisebloggerin Gudrun fragt in ihrer Blogparade „Über den Wolken“ nach unseren Erlebnissen in der Luft. Nach mehr als 60 Flügen allein in den letzten 15 Jahren (alle Zubringer- und Inlandsflüge mit eingeschlossen) gibt es da einiges zu erzählen. Die turbulentesten Geschichten aus meinem Fliegerleben:

Flug über den Vulkan Bromo in Indonesien.

Flugangst

Flugangst habe ich so gut wie nie. Ich steige ganz fatalistisch in einen Flieger und denke mir, dass der Pilot schon weiß, was er tut – und was passieren soll, wird eben passieren. Ich habe mehr Angst, mich in ein Auto von jemandem zu begeben, dessen Fahrstil ich nicht kenne, als in ein Flugzeug zu steigen – schließlich könnte ich selber es ja (im Gegensatz zum Autofahrer) nicht besser als der Pilot.

Nur einmal dachte ich wirklich, mein letztes Stündlein hätte geschlagen: Auf einem Rückflug von München nach Köln war das Wetter so schlecht, dass wir zwei Stunden lang durchgeschüttelt wurden. Hinzu kam: Aufgrund des starken Unwetters erhielten wir für den Flughafen Köln/Bonn keine Landeerlaubnis, sodass wir noch ein paarmal durch den Sturm kreisen mussten. Als wir endlich unten ankamen, mussten wir noch zwei Stunden im Flieger ausharren, bevor wir ihn verlassen konnten, weil die Flughafenmitarbeiter wegen des Sturms keine Genehmigung hatten, sich auf dem Rollfeld aufzuhalten. Ich habe drei Kreuze geschlagen, als wir endlich zu Hause ankamen – und bin ein paar Wochen später schon wieder in den nächsten Flieger gestiegen.

Meine Lieblings-Airline Richtung Asien: Emirates.

Nebel

Es war auf einem Flug zur Kanareninsel La Palma. Das Wetter war durchgehend gut – nur als wir uns der Insel näherten, wurde die Wolkendecke immer dichter, und am Zielort hing eine dicke Nebelwand über dem Flughafen. Die Landung auf der kleinen, felsigen Insel ist ohnehin eine Herausforderung für jeden Piloten. Unser Flugzeugführer versuchte es trotzdem, musste aber kurz vor dem Aufsetzen das Manöver wieder abbrechen. Es war mucksmäuschenstill im Flieger. Als nächstes hörten wir die Durchsage des Piloten, dass eine Landung auf La Palma heute nicht mehr möglich sei, weil ihm der Sprit für einen weiteren Versuch ausgegangen war. Wir würden stattdessen in Las Palmas, auf der Nachbarinsel Gran Canaria, landen, wo wir alle in Hotels untergebracht würden. Am nächsten Tag sollte es dann endgültig nach La Palma gehen.

Während die meisten Fluggäste ungehalten reagierten, gab es ein paar wenige, die das Ganze ebenso unterhaltsam fanden wie ich. Das Ende der Geschichte: Wir sieben haben uns aufgrund der Zwischenlandung und dem gemeinsamen Aufenthalt im Hotel angefreundet, haben den gesamten Urlaub in La Palma miteinander verbracht und uns auch noch viele Jahre nach dem Zwischenfall auf den Kanaren regelmäßig zu Hause verabredet. Der Beginn einer langjährigen Freundschaft.

Abflug aus Luang Prabang in Laos.

Orientierungsprobleme

Während meines Studiums habe ich ein Jahr lang in Wales gearbeitet. Dort bekam ich die Gelegenheit, an einem Schnupperkurs Fallschirmspringen teilzunehmen. Mit Anfang 20 war das natürlich ein Abenteuer, das ich nicht verpassen durfte! Der theoretische Teil des Kurses fand Freitagabend und Samstagvormittag statt. Samstagmittag sollten wir alle unseren ersten Sprung wagen. Aber: Es war zu neblig, der kleine Flieger konnte gar nicht erst starten. Enttäuscht fuhren wir nach Hause und warteten auf die nächste Gelegenheit.

Diese kam schon eine Woche später: Das Wetter war gut, wir gingen noch mal die wichigsten Übungen durch, und dann kletterten wir in das kleine Flugzeug, das uns 3500 Fuß über die Erde bringen sollte. Ich saß ganz vorn an der der offenen Tür und durfte als Erste springen. Beim Sprung nach draußen verschlug mir der Wind erst einmal den Atem, und als ich nach oben schaute, hatte sich mein Fallschirm, der am Flugzeug befestigt gewesen war, schon automatisch geöffnet.

Ich machte ein paar der Übungen, die wir unten gelernt hatten, und schon war es Zeit für die Landung. Über meine Kopfhörer leitete mich der Fluglehrer zum Landeplatz: „Turn right, turn right“, hörte ich seine immer ärgerlicher werdende Stimme. Ich wusste nicht, was er hatte: Ich wendete mich doch schon die ganze Zeit nach rechts! Als ich etwas unsanft unten ankam, lief der Fluglehrer wütend auf mich zu und fragte, ob ich ihn nicht gehört hätte. Da fiel es mir auf: Ich hatte mich die ganze Zeit nach links statt nach rechts gedreht. Die beiden Richtungen verwechsle ich dauernd! Nun ja, runtergekommen bin ich ja trotzdem – und ein zweites Mal springen durfte ich auch …

Und jetzt bist du dran: Was waren deine lustigsten, skurrilsten, beängstigendsten Momente in der Luft? Ich freue mich auf deine Geschichten in den Kommentaren!

 

 

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10 Kommentare

    • Wer? Der Trainer? Der war einfach superwütend auf mich. War aber auch echt nicht so ungefährlich, mit dem Wind statt gegen den Wind landen zu wollen …

  • Hallo Sabine,

    ja – beim Fliegen kann man was erleben. Deine Geschichten haben mich an einige Flüge von mir erinnert.

    Flug von Arusha nach Zanzibar musste wegen Gewitter in Dar es Salam landen. Eigentlich ok, aber die Flugbegleiterin, die total verängstigt in der Maschine saß, hat nicht gerade Vertrauen eingeflößt.

    Flug im Samburu in Kenia zur falschen Landepiste – 1 1/2h in der Mittagshitze ohne Schatten auf den Transfer gewartet.

    Oder meine 1-wöchige Brasilien-Reise, bei der ich insgesamt 36h Flugverspätung hatte – später Start wegen Technical, Zubringer nach Sao Paulo konnte wegen schlecht Wetter nicht landen, so dass wir den Rückflug nach Deutschland verpasst haben undundund.

    Trotzdem – Fliegen ist einfach toll – und oft sehr spannend.

    Viele Grüße

    Daniela

    • 36 Stunden bei einer einwöchigen Reise? Das ist wirklich heftig! Mir reichten 24 Stunden Verspätung bei einer vierwöchigen Reise schon aus – und nach zwei Jahren vor Gericht haben wir dann auch endlich dafür eine Entschädigung der Airline bekommen …

  • Hi Sabine,

    ja ich hab in all den Jahren auch schon den ein oder anderen Flug erlebt, der nicht ganz so nach Plan verlaufen ist.

    Notlandung in Marseille, eigentlich wollte ich nach Mallorca, da ein Mann einen Herzinfarkt an Board hatte. Zum Glück war ein Arzt an
    Board, und hat den Mann gleich so gut es ging versorgt.

    Schwerer Sturm über dem Ärmelkanal auf dem Weg von Leeds nach Amsterdam… Gar nicht lustig!

    12 Stunden von London nach Nürnberg, da ich meinen Anschlussflug in Zürich wegen Verspätung verpasst habe, auf München umgebucht wurde. Dort wegen Verspätung wieder Anschlussflug verpasst und schließlich von München mit dem Leihwagen Heim gefahren, allerdings ohne Koffer!

    Und mir würden noch 2-3 Geschichten einfallen. Fragt sich jetzt ob ich immer so ein Glück habe, so was zu erleben oder ob es daran liegt, dass ich einfach so oft fliege?! ;-)

    Liebe Grüsse,

    Nina

    • Ach herrje, das hört sich auch nicht schön an … Aber klar: Je mehr man fliegt, umso höher die Chance, dass etwas schiefgeht. Zum Glück ist bisher nichts Schlimmeres passiert. Guten Flug allerseits!

    • Insgesamt bin ich zweimal gesprungen – und heute würde ich mich das, glaube ich, auch nicht mehr trauen. Allenfalls vielleicht als Tandemsprung, zusammen mit einem erfahrenen Fallschirmspringer. Aber allein? Ich weiß nicht …

  • Hallo Sabine,
    tausend Tode wäre ich bei den Turbulenzen gestorben ;-)
    Für mich wäre es auch kein Untergang wegen schlechter Verhältnisse mal wo anders landen und übernachten zu müssen. Sieht man doch glatt noch etwas von einem anderen Ort den man sonst nicht angeflogen wäre!
    Liebe Grüße und toller Beitrag zur Parade.
    Meiner ist leider weniger „ohne Flugangst“

    • Gesehen haben wir leider nichts auf Gran Canaria, da wir abends gelandet und am nächsten Morgen direkt weitergeflogen sind. Aber lustig war es trotzdem :-)

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