Vor den Toren des Sauerlands

Metallschild mit dem ausgeschnittenen Schriftzug „Sauerland“, auf einer Holzunterlage platziert, im Hintergrund ist Grün zu sehen.

„Wo die Misthaufen qualmen, da gibt’s keine Palmen.“ Das Sauerland-Lied der Band „Zoff“ aus den 80er-Jahren schwirrt mir im Kopf herum, als ich mich auf den Weg Richtung Sauerland mache. Drei Tage im „Vorland des Sauerlands“ liegen vor mir: Möhnesee, Bad Sassendorf und Soest stehen auf dem Programm. Ich nehme dich mit auf ein langes Wochenende voller Aktivitäten, Entspannung und leckerem Essen. 

Wo liegt das Sauerland?

Das Sauerland ist eine Mittelgebirgsregion im Osten von Nordrhein-Westfalen. Es beginnt im Nordwesten bei den Gemeinden Wickede, Ense und Möhnesee und wird im Norden von Warstein, Rüthen und Brilon sowie im Nordosten von Marsberg und Diemelsee begrenzt. Auch Teile des Rothaargebirges und des Ebbegebirges gehören zu der Region. Das Sauerland wird auch Land der 1000 Berge genannt – tatsächlich gibt es über 2700 Berge mit einer Höhe von über 400 Metern. Die höchsten sind der Langenberg mit 843 Metern und der Kahle Asten mit 842 Metern.

Von den Sitzgelegenheiten auf der Terrasse hat man an einem sonnigen Tag einen Blick auf einen See, einen Spielplatz und viel Grün.

Von Körbecke aus geht der Blick ins bewaldete Sauerland hinein. Im Hintergrund ist der Möhnesee-Turm zu sehen.

Mit einer Fläche von mehr als 4400 Quadratkilometern und etwa 882.000 Einwohnern zählt das Sauerland zu den eher dünn besiedelten Regionen Deutschlands. Dichte Wälder, zahlreiche Talsperren sowie rund 1000 Kilometer markierte Wanderwege machen die Region zu einem beliebten Erholungsgebiet. Mit über 100 Pistenkilometern und 1000 Kilometern Loipen in rund 40 Skigebieten gehört das Sauerland zudem zu einem der wichtigsten Wintersportgebiete Deutschlands.

Was kannst du am Möhnesee machen?

Mehr als ein Dutzend Stauseen und Talsperren gibt es im Sauerland. Zu den größten zählen der Möhnesee, der Biggesee und der Sorpesee. Der Möhnesee wird auch „Westfälisches Meer“ genannt. 40 Kilometer Uferlänge laden zum Sonnenbaden, Wandern, Radfahren und zu Wassersportaktivitäten aller Art ein.

Eine Holzschaukel mit Blick auf den Möhnesee, im Hintergrund üppig grüne Bäume und ein bewölkter Himmel.

Entspannen am Möhnesee.

Radtour um den Möhnesee

Bei meinem Besuch am Möhnesee schwinge ich mich aufs E-Bike und fahre einen Teil der Uferstraße ab. Vom Ortsteil Körbecke aus geht es zunächst auf gut ausgebauten Radwegen entlang der Straße Richtung Osten. Es lohnt sich schon hier, Ausschau zu halten nach den kleinen Rastplätzen mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und Blick über den Möhnesee. Vorbei am Strandbad Uferlos erreichen wir die Kanzelbrücke, die als eine der schönsten Steinbrücken Deutschlands gilt. Hier beginnt das Naturschutzgebiet Möhneaue – ein Paradies für Vogelbeobachter!

Eine Steinbogenbrücke überspannt einen ruhigen Fluss, umgeben von grünen Bäumen und Sträuchern.

Die Kanzelbrücke am Ende des Möhnesees.

Wir überqueren die historische Steinbrücke und radeln entlang des Südufers durch die Ausläufer des Arnsberger Waldes. Im Ortsteil Südufer gibt es wieder einige schöne Ausblicke über den See – gemütliche Schaukeln inklusive. Kurz hinter dem Dorf geht es den Berg hinauf zum Möhnesee-Turm. Über 200 Stufen gelangst du auf die Aussichtsplattform mit einem 360-Grad-Panorama-Blick.

Blick von einem metallenen Aussichtsturm auf einen weitläufigen grünen Wald unter einem teilweise bewölkten Himmel.

Der 360-Grad-Rundumblick vom Möhnesee-Turm aus. (Foto: Tanja Klose)

Bald kommen wir an der Körbecker Brücke vorbei, die als längste Steinfußgängerbrücke Europas das Nord- und das Südufer des Möhnesees verbindet. Wir überqueren den See aber erst an Delecker Brücke, um am Nordufer zurück nach Stockum zu radeln.

Nicht entgehen lassen solltest du dir einen Abstecher zur Drüggelter Kapelle im Ortsteil Delecke. Die kleine Anhöhe rund 500 Meter vom Seeufer entfernt ist ein mystischer Ort, der Historikern Rätsel aufgibt, denn die Entstehungsgeschichte des Sakralbaus ist ungeklärt. Auf jeden Fall strahlt die Kapelle eine wunderbare Ruhe aus.

Vor einem gelben, mit Weinreben bewachsenen Haus, das von üppig grünen Bäumen und Sträuchern umgeben ist, steht ein Steinbrunnen.

Das Gelände rund um Drüggelter Kapelle ist ein magischer Ort.

Tipp: Radtour vom Möhnesee über Bad Sassendorf nach Soest
Wenn du mit dem Rad unterwegs bist, kannst du die drei Orte Möhnesee, Bad Sassendorf und Soest bequem auf der 46 Kilometer langen Triovelo-Route miteinander verbinden. Hier kannst du die Daten zur Route herunterladen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere ausgewiesene Radtouren – für E-Biker ebenso wie für Mountaunbiker.

Bootstour auf dem Möhnesee

Wenn du dir den Möhnesee vom Wasser aus anschauen möchtest, empfiehlt sich eine Tour mit dem Elektroschiff, das auf dem westlichen Teil des Sees fährt. Anlegestellen befinden sich im Ortsteil Delecke, am Naturschutzgebiet Hevetal und an der Sperrmauer. Hier lohnt sich auf jeden Fall eine Führung, bei der du einen Einblick ins Innere der Talsperre erhältst.

Ein weißes Boot liegt am Ufer des Möhnesees vor Anker, daneben steht ein Mann auf einem Steinweg zwischen Bäumen.

Mit dem Shuttleboot findet das Andockmanöver statt. (Foto: Romy Mlinzk)

Ebenso spannend ist das Andockmanöver, ein europaweit einmaliges Ereignis: Ein kleineres Shuttleboot dockt während der Fahrt an das große Schiff an, so dass Fahrgäste auf das Shuttleboot umsteigen und einen erweiterten Ausflug nach Körbecke unternehmen können. Achtung: Das Manöver findet nur bei niedrigem Wasserstand statt, wenn das Shuttleboot unter der Delecker Brücke hindurchfahren kann.

Wo übernachten am Möhnesee?
Am Möhnesee gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, von Hotels bis zu Ferienwohnungen – fast alle haben Seeblick oder befinden sich in direkter Nähe zum See. Hier findest du eine große Auswahl an Unterkünften am Möhnesee.* Ich habe im Haus Griese im Ortsteil Körbecke übernachtet. Es liegt direkt am Seepark, fußläufig zur Anlegestelle des Shuttleboots und zur Seepromenade.

Was bietet Bad Sassendorf?

Bad Sassendorf ist ein bekannter Heilbad-Kurort am Rande des Sauerlands. Der kleine Ort östlich von Soest hat erstaunlich viel zu bieten, nicht nur für Kurgäste.

Westfälische Salzwelten

Besonders sehenswert sind die Westfälischen Salzwelten. Das interaktive Erlebnismuseum berichtet anschaulich über die Bedeutung von Salz in der Region und für das Leben allgemein. Die Salzgewinnung in Bad Sassendorf geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Über Jahrhunderte war sie der wichtigste Wirtschaftszweig des damaligen Sälzerdorfes. Ab dem 19. Jahrhundert verlagerte sich die Bedeutung der Sole von der Salzproduktion zur Gesundheitsanwendung. Wenn du nach einem Besuch der Ausstellung Lust hast, ein ganz besonderes Salz mit nach Hause zu nehmen, kannst du in Workshops unter anderem eine eigene Kräutersalzmischung kreieren oder Badesalz und Seife herstellen.

Eine moderne Museumsausstellung mit geometrischen, beleuchteten, kristallartigen Strukturen und einem eleganten, dunklen Interieur.

Der Salzthron in den Salzwelten von Bad Sassendorf.

Börde Therme

Die Sole bildet heute die Grundlage des Heil- und Kurbetriebs in Bad Sassendorf. Die Wirkung des gesunden Salzes kannst du am eigenen Leib in der Börde Therme erleben. Die Thermalbecken in der Therme werden mit Natursole aus den Heilquellen Bad Sassendorfs gespeist. Der Salzgehalt in den Badebecken liegt bei etwa 3 bis 3,4 Prozent. Es gibt mehrere Innen- und Außenbecken mit etwa 33 Grad warmem Solewasser.

In einem holzgetäfelten Raum hängt ein Metalltopf über Steinen neben einer Destillationsvorrichtung aus Kupfer.

Jede Sauna in der Börde Therme ist anders.

Ein Highlight der Anlage ist das Schwebebecken: Durch einen Salzgehalt von etwa 15 Prozent fühlt es sich an, als würdest du fast schwerelos auf dem Wasser treiben – ähnlich wie im Toten Meer. Eine Meersalzgrotte, eine Infrarotsauna und zahlreiche andere Saunen komplettieren das Angebot. Etwas ganz Besonderes ist die Sauna im Gradierwerk, das die Sole für die Solebecken bereitstellt.

Vier Liegestühle stehen auf einer Steinterrasse unter einem Holzbau mit geflochtenen Paneelen, teils in der Sonne, teils im Schatten.

Saunieren im Gradierwerk.

Gradierwerk

Um das Gradierwerk zu sehen, brauchst du nicht unbedingt in die Therme zu gehen. Der größte Teil des 73 Meter langen Gradierwerks ist kostenfrei zugänglich. Anders als viele historische Gradierwerke besitzt das erst 2019 eröffnete Erlebnisgradierwerk begehbare Wandelgänge über drei Ebenen, einen Aufzug, Balkone und eine Aussichtsplattform mit Blick über den Kurpark. Viele Besucher kommen gezielt zum Inhalieren nach Bad Sassendorf: Wenn die Natursole über die Schwarzdornwände rieselt, entstehen feinste Salz-Aerosole. Dadurch bildet sich ein Mikroklima, das der Luft an der Nordsee ähnelt.

Das Gradierwerk mit einer großen runden Öffnung in der Mitte, Holzlatten und Wasser, das an den Wänden herabfließt.

Das Gradierwerk im Kurpark von Bad Sassendorf ist ein ganz besonderes Bauwerk.

Kurpark Bad Sassendorf

Das Gradierwerk ist Teil des 30 Hektar großen Kurparks von Bad Sassendorf. Hier kannst du Stunden unterwegs sein: Du kannst Themengärten – etwa den Rhododendronpark oder den Rosengarten – erkunden. Überall lassen sich Skulpturen und Wasserspiele entdecken. Ein Bienenlehrpfad, ein Barfußpfad, ein Boule- und ein Minigolfplatz – der Kurpark von Bad Sassendorf ist weit mehr als nur irgendein Stadtpark.

Eine barrierefreie Rampe neben einem Teich mit fließendem Wasser, umgeben von Bäumen und Grünflächen an einem sonnigen Tag.

Barrierefreiheit wird in Bad Sassendorf großgeschrieben – so auch im Kurpark.

Wo übernachten in Bad Sassendorf?
Bad Sassendorf ist nicht nur für Kurgäste interessant. Zahlreiche Unterkünfte laden dazu ein, ein oder mehr Nächte in dem vielseitigen kleinen Ort zu verbringen. Hier findest du eine große Auswahl an Unterkünften in Bad Sassendorf.* Besonders zu empfehlen ist der Schnitterhof*, ein altes westfälischen Anwesen in einem restaurierten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Was sind die Highlights von Soest?

Meine letzte Station ist das Mittelalterstädtchen Soest. Du kannst dich einfach durch die Gassen und Winkel der alten Hansestadt treiben lassen. Oder du machst einen Gang über die Stadtmauer: Neben der italienischen Stadt Lucca besitzt Soest die einzige begehbare und baumbestandene Stadtmauer Europas. Sie umschließt zu zwei Dritteln das Stadtzentrum. Von hier siehst du die vielen Kirchentürme der Stadt, darunter auch den schiefen Turm von St. Alt Thomä.

Blick durch einen Torbogen auf eine Straße mit Fachwerkhäusern.

Mittelalterflair in Soest.

Museen in Soest

Sehenswert ist das kleine Burghofmuseum, zu dem auch das Romanische Haus gehört, eines der ältesten Wohnhäuser zwischen Rhein und Weser. Ein weiteres interessantes Museum ist im Osthofenturm untergebracht. Hier findet sich unter anderem die weltweit einmalige Sammlung von 25.000 mittelalterlichen Armbrustbolzen. Im 15. Jahrhundert ließ die Stadt fast 30.000 Armbrustbolzen zur Verstärkung der Stadtverteidigung herstellen. Mit dem Aufkommen des Schießpulvers wurden die Bolzen nutzlos. Mitte des 20. Jahrhunderts fand man bei Aufräumarbeiten in St. Patrokli über 40.000 Bolzen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, von denen ein Großteil heute im Osthofenturm zu sehen ist.

Zwischen zwei Fachwerkhäusern ist ein hoher Kirchturm zu sehen, im Hintergrund steht ein Baum.

Immer wieder überraschende Einblicke in den Gassen der Altstadt von Soest.

Menü-Safari

Eine ganz besondere Stadtführung in Soest ist die Menü-Safari, eine ungewöhnliche Kombination aus Stadtführung und mehrgängigem Essen. Zwischen interessanten und kuriosen Geschichten zur Stadt kehrst du in vier verschiedenen Lokalen ein. Wir starten mit dem „Westfälischen Abendmahl“ im Brauhaus Zwiebel: Schinken auf Pumpernickel, dazu ein deftiges Bier aus der einzigen Soester Brauerei. Das echte „Westfälische Abendmahl“ ist auf einem Glasfenster in der Wiesenkirche in Soest zu sehen. Es zeigt Jesus und seine Jünger beim Abendmahl mit regionalen westfälischen Speisen statt Brot und Wein. Über Kartoffelsuppe und Rouladen arbeiten wir uns bis zum Nachtisch vor: Pumpernickel-Parfait mit Kirschwasser und Sahne – eine Spezialität des Pilgrim-Hauses, des ältesten Gasthofs Westfalens.

Pumpernickel mit Schinken, geraspelten Möhren, einer Gurkenscheibe und einem Glas Bier auf einem Holztisch.

Das Westfälische Abendmahl: Pumpernickel mit Schinken.

Besonders beliebt ist Soest zur Zeit der Allerheiligenkirmes im November, der größten Altstadtkirmes Europas, bei der sich 400 Schausteller in den Gassen der Altstadt niederlassen. Zum Mittelalterfestival Soester Fehde im August strömen Mittelalterfans aus ganz Europa in die Stadt und spielen die Schlacht von 1447 mit Kanonenknall und Pyrotechnik nach.

Großes, beleuchtetes SOEST-Schild vor historischen Kirchtürmen und Häusern, mit Bäumen und einer Steinmauer.

Soest ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge ins Sauerland.

Wo übernachten in Soest?
Soest bietet sich als Ausgangspunkt für den Besuch der „Börde-Bausteine“ Soest, Bad Sassendorf und Möhnesee an. Wer etwas Stadtfeeling haben möchte, ist in Soest gut aufgehoben. Hier findest du eine große Auswahl an Unterkünften.* Ich habe im Hotel Sosato* übernachtet, in fußläufiger Nähe zur Altstadt.

Hinweis: Zu dieser Bloggerreise wurde ich von der Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf GmbH, der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH sowie der Wirtschafts- und Tourismus GmbH Möhnesee eingeladen. Meine Meinung wurde durch die Einladung nicht beeinflusst, die Inhalte des Beitrags habe ich wie immer frei gewählt.

House Icons erstellt von Freepik – Flaticon; Fahrrad Icon erstellt von Freepik – Flaticon

Veröffentlicht am: 20. Juni 2026

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