Yalla, Yalla! Ein Tag in Marrakesch

Eine Stadt wie aus 1001 Nacht.

Märchenhaft.

Ein Traum!

Die Erwartungen, mit denen ich nach Marrakesch gereist bin, waren hoch. Schon lange wollte ich mit eigenen Augen sehen, ob die Lobeshymnen auf die Stadt tatsächlich gerechtfertigt sind. Nun bot sich endlich die Gelegenheit dazu. Mein Fazit nach einem Tag in der orientalischen Metropole:

Ja, Marrakesch kann in der Tat verzaubern! Selten habe ich mich auf Anhieb in eine Stadt verliebt.

An einem Tag bleibt mir leider gerade mal Zeit, um die Highlights zu sehen – und das auch nur im Schnelldurchlauf:  

Saadier-Gräber

Kaum zu glauben, dass diese Begräbnisstätte erst 1917 bei Ausgrabungen zufällig wiederentdeckt wurde. Gebaut wurde sie Ende des 16. Jahrhunderts von der Dynastie der Saadier. Sieben Sultane und 62 Mitglieder ihrer Familien (die Sultane hatten alle mehrere Frauen) liegen in den Gräbern. In über 100 weiteren Gräbern sind die Bediensten bestattet.

Das halboffene kleine Mausoleum fasziniert mich bereits mit seinem Stuck-, Mosaik- und Zedernholzschmuck. Getoppt wird dieser Bau aber noch vom großen Mausoleum mit dem prächtigen „Saal der zwölf Säulen“. Betreten darf man ihn leider nicht. Stattdessen müssen wir uns in die Schlange einreihen und warten, bis wir an der Reihe sind. Durch einen kurzen Gang geht es an den Eingang des Mausoleums voller Säulen, Bögen und Kacheln. Lange staunen kann ich nicht, denn schon nach zwei, drei Fotos mahnt ein Wächter mit einem lauten „Yalla, Yalla“ (übersetzt: „Los, los, weiter geht’s!“) zum Gehen, sodass die nächsten drankommen. Schade! Erst auf meinen Bildern kann ich später die wahre Schönheit des Mausoleums erfassen.

Meine Tipps:

  • Am besten kommst du erst am späten Nachmittag zu der Grabstätte, um den Besuchermassen zu entgehen. Bis 18 Uhr sind die Tore zu den Saadier-Gräbern geöffnet. Die meisten Touristen sind dann schon wieder weg.
  • Das Schlangestehen am „Saal der zwölf Säulen“ lohnt sich, auch wenn es manchmal länger dauert. Es ist wirklich der prächtigste Teil der Grabstätten.

Palais de la Bahia

„Bahia“ heißt „die Strahlende“ oder „die Glanzvolle“ – und das ist der Palast des Großwesirs Si Moussa auf jeden Fall: 160 Räume auf 8000 Quadratmetern, inklusive einem türkischen Bad – dem Hammam – , einer Moschee sowie einem idyllischen Garten, umfasst die prachtvolle Anlage. Ich kann mich an dem andalusischen und maurischen Baustil mit all seinen feinen Verzierungen gar nicht sattsehen. Ich lasse mich durch die orientalisch anmutenden Säle und Innenhöfen treiben und bleibe immer wieder staunend stehen. Solch ein überbordende Fülle an Farben und Formen habe ich selten auf einem Fleck gesehen.

Unser Guide lässt uns leider nur kurz Zeit für die Besichtigung und treibt uns mit einem lauten „Yalla, Yalla“ zurück zum Bus.

Meine Tipps:

  • Für eine Besichtigung und einen Rundgang durch die riesige Palastanlage solltest du dir am besten mehrere Stunden Zeit nehmen.
  • Eine Führung lohnt sich auf jeden Fall, um auch die versteckten Winkel des Palastes zu entdecken.
  • Hab etwas Geduld, dann klappt es auch mit einem Foto ohne viele Besucher auf dem Bild.

Medersa Ben Youssef

Bis zu 900 Koranschüler sollen im 16. Jahrhundert in der Koranschule gelebt haben. Heute ist die ehemalige Lehrstätte eines der beeindruckendsten Gebäude von Marrakesch. Der lauschige Innenhof der Medersa Ben Youssef ist an allen vier Seiten gesäumt von wundervoll geschwungenen Torbögen und Wänden voller geheimnisvoller Mosaiken. In der ersten Etage liegen die 136, teils winzigen Ruheräume der Studenten, viele haben ein kleines Fenster zum Hof. Immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven auf die schön verzierten Decken und Geländer.

Viel zu früh ertönt das schon bekannte „Yalla, Yalla“ unseres Guides, und wir müssen weiter. Ich wäre gern noch länger in diesem zauberhaften Gebäude geblieben.

Meine Tipps:

  • Bring genügend Zeit mit, um das prunkvolle Gebäude mit all seinen Details auf dich wirken zu lassen.
  • Nimm auf jeden Fall auch die Treppen nach oben, um die Gemächer im ersten Stock anzuschauen.

Souks

Nach dem Essen geht es am Nachmittag durch die Souks, den Bazar mitten in der Altstadt. Ein auf den ersten Blick undurchschaubares Wirrwarr aus Gassen umschlingt uns. Früher waren die Wege nach Zünften sortiert, heute steht der Teppichverkäufer neben dem Apotheker und der Tuchmacher neben dem Schmied, der die wunderschönen marokkanischen Lampen fertigt. Durch die Strohdächer über den Gassen, die die Hitze des Tages fernhalten, fällt schummriges Licht. Je näher wir zum Hauptplatz, den Djemaa el Fna, kommen, umso touristischer wird das Angebot.

Gern hätte ich mich in den Souks mit bunten Tüchern und Lampen für zu Hause eingedeckt. Aber – du ahnst es sicher schon – „Yalla, Yalla“: Wir müssen schon wieder weiter.

Meine Tipps:

  • Freitags ist kein guter Tag, um die Souks zu besuchen. Viele Geschäfte sind dann nämlich geschlossen, weil gläubige Muslime zum Freitagsgebet die Moschee besuchen.
  • Handeln ist ein Muss in den Souks. Lass den Verkäufer auf jeden Fall als erstes einen Preis nennen und antworte mit rund 20 bis 30 Prozent des Preises. Am Ende trefft ihr euch in der Mitte, und beide Seiten sind zufrieden.

Nicole vom Blog Passenger X hat einen guten Artikel zum Verhandeln in Marrakesch geschrieben.

Djemaa el Fna

Der bekannteste Platz Marrakeschs polarisiert: Die einen finden das bunte Treiben auf dem Djemaa el Fna, dem „Platz der Gehängten“ faszinierend, andere schauen sich das Getümmel lieber aus sicherer Entfernung von einer der umliegenden Café-Terrassen an. Ich gehöre zu Ersteren und stürze mich ins Gewühl. In Ruhe schauen kann ich jedoch kaum, weil jeder darauf aus ist, möglichst schnell Geld zu machen: Männer in traditionellen Gewändern lassen Schlangen nach ihrer Pfeife tanzen und halten die Hüte dafür auf, Frauen bemalen die Hände von Touristinnen mit Henna, Schwarzafrikaner aus den südlicheren Ländern preisen farbenfrohe Taschen an, Bettler strecken ihre Arme nach ein paar Dirham aus.

In der Mitte des Platzes halten Kellner den Besuchern ihre Speisekarten unter die Nase und versuchen, Kunden zu ihren Tischen zu locken. Ich ignoriere die aufdringliche Werbung und gönne mir lieber einen frischgepressten Orangensaft für umgerechnet gerade mal 40 Cent. Auch der Stand mit den getrockneten Früchten und den unzähligen Nüssen sieht sehr einladend aus.

Spannend finde ich den Djemaa el Fna auf jeden Fall. Schade nur, dass es an vielen Stellen auf dem Platz sehr unangenehm riecht (Toiletten sind offenbar Mangelware …). Hier habe ich dann gern freiwillig das „Yalla, Yalla“ unseres Guides befolgt.

Meine Tipps:

  • Schauen ist umsonst, fotografieren kostet Geld. Laut unserem Guide sind zwischen 10 und 20 Dirham (1 bis 2 Euro) für jeden Künstler, den du fotografierst, angemessen.
  • Ebenfalls ein Tipp von unserem Guide: Wer schnell ist und mit einem Teleobjektiv aus der Ferne ein Bild macht, kommt unter Umständen ums Zahlen herum.
  • Bitte lass dich aus Tierschutzgründen nicht mit den angeketteten Berberaffen fotografieren. Die vom Aussterben bedrohten Tiere werden oft illegal gekauft und nicht selten misshandelt. Hinzu kommt: Die Affen könnten dich beißen oder Krankheiten übertragen.
  • Je später der Abend, umso voller der Platz. Im Gedränge solltest du besonders gut auf deine Wertsachen aufpassen.

Ist Marrakesch sicher?

Ich habe mich bei meinem Besuch in der Stadt nicht ein einziges Mal unsicher gefühlt. Wie in allen Städten auf der Welt gilt auch in Marrakesch:

  • Düstere Gassen solltest du meiden.
  • Wenn es dunkel wird, ist es besser, sich dort aufzuhalten, wo viele Menschen unterwegs sind.
  • Nimm nur soviel Geld mit, wie du für den Tag brauchst, und verstaue es in einer sicheren Tasche. Kreditkarten und Pass solltest du am besten im Hotelsafe deponieren.
  • Kleide dich entsprechend den Sitten eines arabischen Landes. Kurze Röcke oder tiefe Ausschnitte locken Männerblicke an und verleiten vielleicht sogar dazu, die Schöne aus dem Westen mal anfassen zu wollen.
  • Zu zweit oder in einer kleinen Gruppe unterwegs zu sein, gibt meist ein sichereres Gefühl. Trotzdem solltest du natürlich die Augen offenhalten und im Zweifel die Straßenseite wechseln oder in ein Geschäft gehen, um Ärger aus dem Weg zu gehen.

Übrigens: Stephanie vom Blog Reiselife hat einen guten Artikel zum Thema Sicherheit in Marokko geschrieben.

Guide für die Stadt – ja oder nein?

Ich bin ja sonst nicht ängstlich, was das Erkunden fremder Länder und Städte angeht. Aber vor Marrakesch hatte ich am Anfang Respekt. Ich war vorher noch nie in Nordafrika oder in einer anderen orientalischen Gegend und wusste nicht, was mich erwartet. Deshalb war ich froh, dass ich zunächst mit einem Guide durch die Straßen und Gassen gelaufen bin, um einen ersten Eindruck von der Stadt und ihren Menschen zu bekommen.

Nach einem Tag zusammen mit dem ortskundigen Führer würde ich mir beim nächsten Mal aber durchaus zutrauen, auch auf eigene Faust durch die Altstadt zu spazieren. Die Verkäufer sind weitaus weniger aufdringlich, als ich erwartet hatte: Mit einem Lächeln und einem freundlichen „Nein, danke“ auf Französisch („No, merci“) oder Arabisch („La schukra“) konnte ich alle Verkaufsversuche schnell abwehren.

Was nehme ich aus Marrakesch mit?

Die Erkenntnis: Ein Tag Marrakesch ist viel zu kurz! Ich habe das Gefühl, gerade mal an der Oberfläche der Stadt gekratzt zu haben. Gern wäre ich noch länger geblieben, um mehr Zeit für die einzelnen Sehenswürdigkeiten zu haben und noch tiefer in die Schönheiten der Stadt einzutauchen. Da bleibt nur eins:

Yalla, Yalla: Ich komme wieder, Marrakesch!

Warst du auch schon in Marrakesch? Was hat dich am meisten beeindruckt? Schreib es mir doch in den Kommentaren!

Hinweis: Vielen Dank an das Marokkanische Fremdenverkehrsamt Visit Morocco, das mich zu dieser Reise eingeladen hat. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst, die Inhalte des Beitrags habe ich frei gewählt.

 

 

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11 Kommentare

  • Mit Reisegruppe ist das nicht so einfach – wir waren anderthalb Tage dort ;-). Während mein Mann den Samstag in dem blauen Garten verbrachte, hab ich mich im Hamam durchwalken lassen.

  • Hallo Sabine,
    wieder einmal ein sehr guter Beitrag. Marrakesch hat wirklich etwas Besonderes. Wir hatten leider auch nur einen Tag Zeit für die große Stadt, aber wir waren im Rahmen eines Tagesausfluges mit dem Bus dort und bekamen unter anderem auch eine Führung durch den Bahia-Palast. Dafür sahen wir die Gräber nicht. Was man auf jeden Fall erleben sollte, ist aber der Jemaa el Fna ab 17 Uhr. Dann verwandelt sich der Platz schlagartig in ein gigantisches Freiluftbüfett mit den leckersten Speisen. Wir probierten dort nur kleine Schnecken mit der leckersten Soße, die wir je geschmeckt haben, da wir ein großes Abendessen reserviert hatten. Das tat uns wirklich leid. Die Speisen sehen alle sehr gut aus und es duftet aus jeder Ecke.

    • Vielen Dank für das nette Feedback! Ich habe auf dem Jemaa el Fna auch nichts gegessen, weil wir später noch ins Restaurant gegangen sind. Aber an dem einen oder anderen Stand hätte ich gern etwas probiert.

  • Oh ja, Marrakesch ist schon sehr schön – ich hab mich gefreut, in Deinen Kurzporträts die Sachen wieder zu sehen, die ich 2015 auch besucht habe. Und ja, wer fotografiert, geht einen unausgesprochenen Vertrag ein und hat zu zahlen – das hat uns unsere Reiseleiterin damals auch ausführlich erklärt. Aus Fernsehberichten hatten wir vorher schon erfahren, dass Knausrigkeit auf dem Gebiet zum Verschwinden traditioneller Schausteller beiträgt.

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