Schwimmende Märkte in Damnoen Saduak

Als ich das erste Mal in Thailand war, gehörten zu den Highlights meiner Reise die schwimmenden Märkte in Damnoen Saduak. Das kleine Städtchen ist nur rund 100 Kilometer, also eine gute Stunde Busfahrt, von Bangkok entfernt. Viele Reisebüros in Bangkok bieten die Fahrt zu den schwimmenden Märkten als Tagesausflug an. Ich empfehle dir aber auf jeden Fall, am Vorabend anzureisen. Denn dann hast du den Markt erstmal für dich – und bist weg, wenn die Besuchermassen am späten Vormittag aus Bangkok einfallen und die Kanäle bevölkern.

Am Vortag nach Damnoen Saduak reisen

Ich fahre mit einem öffentlichen Bus von Bangkok nach Damnoen Saduak. Als ich dort ankomme, ist es schon dunkel, so dass mich die Schaffnerin aus dem Bus an die Hand nimmt und mich in die damals einzige Unterkunft vor Ort, ins Little Bird Hotel, führt – schließlich soll ich sicher ankommen.

Am nächsten Morgen heißt es, zeitig aufstehen. Denn der beste Zeitpunkt für einen stillen Besuch ist der frühe Morgen, bevor die zahlreichen Boote der Tagesgäste das grüne Wasser Wellen schlagen lassen. Im Morgendunst, wenn die Hähne krähen, verirren sich hingegen nur einzelne Touristen auf die Klongs, wie die thailändischen Kanäle heißen. Noch etwas verschlafen steigen die Besucher in die Motorboote, die hinter dem Busterminal stehen, um in wenigen Minuten zum Markt zu gelangen.

Ich spare mir das Ticket für die Bootsfahrt und spaziere die knapp zwei Kilometer lange Strecke am Kanal entlang: Ein klappriger Steg verbindet die Holzhütten, hier und da kann ich einen Blick in die spärlich eingerichteten Räume erhaschen, bevor sich die Perlenvorhänge vor den Eingängen wieder schließen.

Am Markt angekommen, warten schon die ersten Ruderboote auf Besucher. Ich teile mir die Kosten für eine Fahrt mit einem Pärchen aus Australien. Wir klettern in das schwankende Ruderboot. Noch hat das Markttreiben nicht begonnen, daher machen wir erst einmal einen Abstecher in den tropischen Wald hinein. In der Ferne begrüßen Affenschreie den Morgen, die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die dichten Bananenblätter. Auf den weit verzweigten Kanälen ist es still.

Zwischen zwei Kokospalmen blitzt das Dach eines Geisterhäuschens hervor. Vor dem Miniaturtempel liegen schon die morgendlichen Gaben: Eine geöffnete Kokosnuss, eine Limo-Flasche mit Strohhalm, drei Eier – dem Hausgeist darf es schließlich nicht schlechter gehen als dem Hausherrn, über dessen Heim und Familie der Geist seine schützende Hand halten soll.

Das Markttreiben beginnt

Auf dem Rückweg zum schwimmenden Markt muss unser Bootsführer immer öfter anderen Barken ausweichen. Die Händlerinnen suchen sich rudernd die besten Plätze, um ihre Waren an den Mann und die Frau zu bringen: Bis zum Rand mit Kokosnüssen gefüllt, gleitet ein Boot vorbei, stoppt für einen kurzen Plausch bei der Kollegin mit den noch grünen Bananenstauden den stacheligen Jackbaumfrüchten und den Lamyai-Büscheln, die die nackten Geschwister von Litschis sein könnten.

Die runzelige Thai-Dame, die wie fast alle Marktfrauen eine dunkelblaue Jacke und einen hohen, hellen Strohhut trägt, um sich gegen die Sonne zu schützen, hat sich auf Gemüse spezialisiert: Kohlköpfe, Kürbisse, Frühlingszwiebeln, Gurken, Paprika und erbsengroße Thai-Auberginen liegen wohlgeordnet vor ihr im Boot und warten auf Abnehmer.

Eine Dampfwolke bahnt sich ihren Weg um die Ecke: Die schwimmenden Garküchen haben schon am frühen Morgen Hochkonjunktur. Teigbällchen werden frittiert, Chillis gehackt, Fische ausgenommen, Nudeln gekocht. Bald schon strömt der Geruch von scharfer Thai-Suppe und heißen Bananen mit Kokosmilch über den Markt.

Natürlich haben sich die Marktleute auch auf die Touristen eingestellt. Sie bieten eine riesige Auswahl an Sonnenhüten, Bambusflöten, Seidenkleidern und Hängematten feil. Das Buhlen um die Gunst der Touristen lässt uns fast vergessen, dass die Thai-Frauen sich seit 1868 auf diesem Markt mit Durian, Kanun, Malakor und anderen exotischen Früchten und Gemüse ihren Lebensunterhalt verdienen. Trotz aller Kommerzialisierung bleibt Damnoen Saduak vorerst eines der wichtigsten Handelszentren für alle Bauern, die abseits der Straßen an den Ufern der Klongs wohnen.

Mittlerweile kommen die ersten Reisebusse aus Bangkok an, und die prall gefüllten Souvenir-Boote paddeln um die Wette, um als Erste den Touristen ihre Waren anzupreisen. Bald werden die Kanäle gefüllt sein mit filmenden und fotografierenden Urlaubern, Obst und Früchte kauft den Marktfrauen fast niemand ab. Für mich wird es Zeit, den Markt zu verlassen – ich überlasse das Feld nun den Tagesgästen und hoffe für die Marktfrauen, dass sie heute ein gutes Einkommen haben.

Weißt du, ob es in Damnoen Saduak noch immer so beschaulich zugeht? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Dies ist ein Beitrag für die Blogparade „Märkte aus aller Welt“ von Reisebloggerin. Schau doch mal bei ihr vorbei, welche anderen Märkte in den Beiträgen beschrieben werden.

 

 

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