4 schöne Wanderungen im Harz

Rastbank bei Wanderungen im Harz

Über Silvester fuhren wir dieses Mal in den Harz. Diese Gegend mitten in Deutschland war bislang ein weißer Fleck auf meiner Heimatkarte. Das wollte ich nun ändern. Wir hofften, im Dezember am Brocken, dem höchsten Berg im Harz, mal wieder richtigen Schnee zu sehen. Was wir bekamen? Eine Woche Sonnenschein mit Temperaturen zwischen 0 und 10 Grad – von Schnee keine Spur. Aber kein Problem: So hatten wir viel Gelegenheit zum Wandern. Ich stelle dir vier schöne Wanderungen im Harz vor, die mir gut gefallen haben.

1. Wanderung im Harz: Zum Luchsgehege

Die Chance, in der freien Natur einem Luchs zu begegnen, ist gering. Weit besser sieht es im Luchsgehege in der Nähe von Bad Harzburg aus. Es ist Teil des Wiederansiedlungsprojekts für Luchse im Harz. 24 Tiere konnten im Rahmen des Projekts schon ausgewildert werden. Im Schaugehege leben derzeit fünf Luchse, die nicht mehr in die Freiheit entlassen werden können, weil sie sich zu sehr an den Menschen gewöhnt haben.

Luchs im Harzer Luchsgehege
Einer der fünf Bewohner im Luchsgehege.

Unser Start der Wanderung zum Luchsgehege beginnt an der Talstation der Seilbahn in Bad Harzburg. Eine kleine Kabine bringt uns 200 Meter den Großen Burgberg hinauf – wackere Wanderer können den steilen Aufstieg auch selber gehen. Oben angekommen genießen wir kurz den fantastischen Fernblick von der Canossasäule ins Harzvorland.

Wir haben noch genügend Zeit bis zur Fütterung der Luchse – öffentliche Fütterungen finden jeden Samstag und Mittwoch um 14:30 Uhr statt. Daher machen wir einen Abstecher zum Kreuz des Deutschen Ostens, einem imposanten Stahlkreuz im Wald, das an die früheren deutschen Ostgebiete erinnert.

Schild bei einer Wanderung im Harz
Verlaufen ist kaum möglich – der Harz ist bestens ausgeschildert.

Pünktlich um halb drei gelangen wir zum Gehege, wo ein Nationalpark-Mitarbeiter bereits begonnen hat, Interessantes über die Luchse zu erzählen. Wir nutzen die Gelegenheit, viele Fotos von den wunderschönen Tieren zu schießen – eine Herausforderung durch den hohen Gitterzaun, aber mit den richtigen Einstellungen durchaus machbar. Nach der Fütterung geht es zurück zur Bergstation der Seilbahn, wo wir mit den letzten Wintersonnenstrahlen wieder ins Tal hinunterschweben.
Tipp: Von April bis Mitte November fährt ein Wanderbus der Linie 875 bis zum Luchsgehege. Wer also nicht soviel laufen will oder kann, kann sich mit dem Bus eine Strecke sparen.

8000 Kilometer Wanderwege im Harz
Echte Wanderfreunde können Wochen im Harz verbringen, ohne einen Wanderweg doppelt zu laufen. 8000 Kilometer Wanderwege sind ausgeschildert. Es gibt kurze und lange Wanderungen, auf den Brocken hinauf oder rundherum, Mehrtagesrouten und Fernwanderwege wie den Hexen-Stieg oder den Grenzweg am Grünen Band, der der früheren innerdeutschen Grenzen folgt. Ich habe mich an den Wandertipps im Reiseführer “Harz” aus dem Verlag Michael Müller orientiert.

2. Wanderung im Harz: Durch die Steinerne Renne

In Hasserode, dem südlichsten Stadtteil der hübschen Fachwerkstadt Wernigerode, beginnt die Wanderung durch die Steinerne Renne. Die “steinerne Rinne”, wie sie früher genannt wurde, macht ihrem Namen alle Ehre: An einem rauschenden Bach entlang klettern wir über Steine und Felsen durch ein enges und steiles Tal. Wer nach all der Mühe nach einer guten halben Stunde eine Pause braucht, trifft mitten im Wald auf das Gasthaus “Steinerne Renne”, das in diesem engen Flusstal fast etwas überdimensioniert wirkt.

Gasthaus am Fluss im Wald
Das Gasthaus “Steinerne Renne”.

Wir passieren das Gasthaus ohne Einkehr und laufen weiter bergauf zu unserem nächsten Ziel: dem Ottofelsen. Im dichten Wald sehen Wanderer nicht viel von der Umgebung – daher lohnt sich der kleine Abstecher vom Hauptweg zum Ottofelsen allemal. Über steile Treppen geht es einen 36 Meter hohen Felsen hinauf. Oben bläst uns der Wind fast von der Klippe, aber die Rundsicht ist phänomenal. Der Brockengipfel ist nebelfrei (einer von wenigen Tagen im Jahr), und auch über den Osten des Harzes können wir kilometerweit schauen. Klare Sicht ist bei dieser Wanderung also auf jeden Fall von Vorteil.

Zurück geht es an einem Haus der Bergwacht vorbei und am Fluss namens “Braunes Wasser” entlang. Wer hier so etwas wie den Mekong erwartet, wird enttäuscht werden: Es ist ein ganz normaler Waldbach. Bald stoßen wir auf die Gleise der Schmalspurbahn, die auf den Brocken hinaufführt und folgen ihnen bis zum Ausgangspunkt am Wasserwerk in Hasserode. Ganz am Ende der Wanderung haben wir das Glück, dass genau zu dem Zeitpunkt eine der Dampfloks an uns vorbeifährt – ein hübsches Fotomotiv.

Dampflok
Mit dem Zug auf den Brocken – dem höchsten Berg im Harz.

Tipp: Die Wanderung kannst du auch verlängern und vom Ottofelsen aus über die Hohensteinklippe bis zum Bahnhof Drei Annen Hohne laufen. Von dort kannst du mit der Brockenbahn zurück nach Hasserode fahren.

Standort für Wanderungen am Harz
Wir hatten eine Ferienwohnung in Bad Harzburg am Nordharzrand. Von dort kamen wir über die Schnellstraße B6 rasch in den Ostharz, wo es viele schöne Wanderungen gibt. Ich empfehle, eine Unterkunft in der Nähe des Nationalparks Harz zu wählen, wenn du gern wandern möchtest. Denn dort befinden sich die meisten Wanderrouten.

3. Wanderung im Harz: Durch den “Grand Caynon”

Das Bodetal in Thale bei Quedlinburg wird auch der “Grand Canyon des Harzes” genannt. Wir folgen dem Harzer Hexen-Stieg ins Tal hinein, der Fluss plätschert zu unserer Linken. An beiden Seiten des Flusses türmen sich die Felsen auf, und so ein gaaaanz kleines bisschen kann man erahnen, warum sich die Gegend Grand Canyon nennt. Hinter der Teufelsbrücke am Bodekessel, dem engsten Stück des Flusses, geht es ein Stück steil den Berg hinauf. Wir werfen von oben einen Blick zurück ins Bodetal. Auf den Gipfeln der Felsen könnte auch gleich Winnetou entlanggeritten kommen, so scheint es – aber Moment, der war ja auch nicht im Grand Canyon …

Fluss mit Felsen
Ein hübscher Fluss im Bodetal.

Theoretisch könnten wir weiterlaufen bis Treseburg und oben am Berg zurück bis zum Hexentanzplatz, von wo aus die Seilbahn zurück nach Thale fährt. Wir schenken uns aber den langen Weg und nehmen die gleiche Strecke an der Bode zurück. Am Gasthaus Königsruhe wechseln wir über eine steinerne Brücke die Flussseite, entdecken noch eine der seltenen Wasseramseln und kommen wieder an der Talstation der Seilbahn raus.
Tipp: Thale ist ein wahres Paradies für Familienunterhaltung: Am Hexentanzplatz gibt es unter anderem eine Rodelbahn, das Erlebnismuseum Harzeum, ein auf dem Kopf stehendes Hexenhaus, einen Tierpark mit 70 heimischen Tierarten und weitere Attraktionen. Der Parkplatz am Hexentanzplatz kostet 5 Euro, egal, wie lange man bleibt.

Wegweiser auf Wanderung im Harz
Das war nicht der einzige “steile, rustikale Weg”, den wir gegangen sind.

4. Wanderung im Harz: Zu den Okertalklippen

Am Neujahrsmorgen lassen wir es gemütlich angehen und wählen eine Wanderung in der Nähe unserer Unterkunft. Am kleinen Ort Oker fließt der gleichnamige Fluss. Außerdem befinden sich in der Nähe zahlreiche Klippen: Granitfelsen, die aus dem Wald herausragen und teilweise schöne Ausblicke bieten.

Wir starten am Waldhaus in Oker und laufen hinter der Brücke links in den Wald hinein. Wir folgen der Alten Harzstraße, einem Wanderweg oberhalb der B498 und der Oker, bis zur Romkerhalle, einer alten Gaststätte aus dem Jahr 1863. Nach einem sehr steilen Aufstieg haben wir den ersten Granitfelsen, die Feigenbaumklippe erreicht. Von der Spitze des Felsens haben wir einen schönen Blick auf die nächsten Klippen, die uns auf dem Weg erwarten.

Felsformation mit Schild
Wenn diese Mausefalle herunterkommt, wäre das Tier in der Tat platt.

Als Nächstes folgen interessant geformte Klippen mit lustigen Namen wie Mausefalle, Hexenküche, Mönch und Nonne. Wieder steil bergab geht es zum Treppenstein und an der Ziegenrückenklippe vorbei zurück bis zum Waldhaus. Leider waren offenbar vor Kurzem Waldarbeiten im Gange. Wir liefen durch einen großteils abgeholzten Wald – kein schöner Anblick. Was uns versöhnt hat: Wir hatten das Glück, auf der Wanderung einen der seltenen Wanderfalken zu entdecken, die es laut einem Hinweisschild an der Feigenbaumklippe in dieser Gegend gibt.
Tipp: Offenbar war der Sekt vom Vorabend noch nicht ganz aus meinem Kopf verflogen – denn leider haben wir uns auf der Wanderung verlaufen, so dass wir nur die halbe der geplanten Strecke geschafft haben. Eigentlich sollte es auf dem Hinweg an den Klippen entlanggehen und auf dem Rückweg von der Romkerhalle aus unten an der Oker entlang. Sicherlich auch eine schöne Route, wenn man denn Karten richtig lesen kann …

Und noch ein Tipp am Ende: Wenn du länger im Harz bleibst und viele Sehenswürdigkeiten anschauen willst, lohnt sich vielleicht die HarzCard für dich. Janett vom Blog Teilzeitreisender erklärt, was es mit der HarzCard auf sich hat.
Warst du auch schon mal im Harz? Welche Wanderungen oder andere Sehenswürdigkeiten kannst du empfehlen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade “Kurztrips” vom Blog Gecko Footsteps teil.

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