Unter Tage: Grotten in den Ardennen

Wenn du durch die belgischen Ardennen fährst, erahnst du kaum, welche Wunderwelten sich vor deinen Augen verstecken: Unter Tage finden sich zahlreiche Grotten, die den Besuchern mit ihren faszinierenden Tropfsteinformationen verzaubern. Eine dieser Untertagewelten habe ich mir auf meiner Kurzreise nach Belgien angeschaut, und zwar die Grotten von Han.

Mit der Bahn in den Untergrund

Mitten im kleinen Ort Han, direkt neben der Kirche, startet die 100 Jahre alte Straßenbahn. Die ruckelige Fahrt dauert nicht lange, und beim Ausstieg müssen wir uns entscheiden, in welche Warteschlange wir uns einreihen: Nehmen wir die französischsprachige oder die niederländische Führung? Da mein Französisch so gut wie nicht existent ist, entscheiden wir uns für Letztere. Viel von den Erklärungen bekomme ich anschließend ohnehin nicht mit, weil ich viel zu sehr mit Staunen und Fotografieren beschäftigt bin.

Zunächst geht es über einen betonierten Fußweg in den Berg hinein. Die Strecke ist nur notdürftig beleuchtet, damit die farbig angestrahlten Felsformationen perfekt zur Geltung kommen. Und in der Tat: Die Stalagmiten und Stalaktiten in der Höhle können sich sehen lassen. (Für alle, die sich wie ich nie merken können, welche Tropfsteine wie heißen, hier zwei Eselsbrücken – eine für Kinder: „Die Stalaktiten kommen von der ‚T‚ecke, die Stalagmiten wachsen mit dir mit“, oder wer es etwas derber mag: „Die Mi(e)ten steigen und die Tit(t)en hängen.“)

Hauchdünne Steine und mannshohe Türme

Wir laufen vorbei an Felsspalten, die aussehen, als seien in ihnen Miniatur-Hochhäuser gebaut. Filigrane Tropfsteinstangen wechseln sich ab mit mehreren Meter hohen Stalagmiten, und von den Decken scheinen Fledermäuse zu hängen. Bei näherem Hinsehen sind die hauchdünnen, geschwungenen Flügel aber doch aus Stein. Hin und wieder kommen wir an Wassertümpeln und Seen vorbei, in denen sich die Säulen spiegeln. Auch der Fluss Lesse bahnt sich seinen Weg durch die Grotte und rauscht an manchen Stellen wild durch die Höhle. Kurz vor dem Ende des Weges sammeln wir uns im Salle du Dôme, einer großen Höhle mit bizarren Tropfsteinformationen. Das Licht geht aus, und eine Licht- und Musikinstallation beginnt, während einzelne Formationen beleuchtet werden. Wir haben schon fast den Ausgang erreicht, als ein Donnerschlag uns zusammenzucken lässt – so werden die Besucher hier traditionell verabschiedet.

Nach eineinhalb Stunden und zwei Kilometern Fußmarsch tauchen wir wieder ans Tageslicht auf – noch immer ganz beeindruckt von der faszinierenden Untertagewelt.

Neben der Grotte von Han-sur-Lesse (Adresse: Rue Joseph Lamotte 2, 5580 Han-sur-Lesse) gibt es in der Wallonie eine ganze Reihe weiterer Schauhöhlen, die du besichtigen kannst, zum Beispiel:

  • Die Grotten von Remouchamps (Rue de Louveigné, 3, 4920 Remouchamps). Die Grotte ist 800 Meter lang, die Rückfahrt erfolgt mit einem Boot auf dem unterirdischen Fluss.
  • Die Grotte von Hotton (Chemin du Spéléo Club, 1, 6990 Hotton sur Ourthe). Die Führung dauert etwa eine Stunde, zurück an die Oberfläche geht es mit einem Fahrstuhl.
  • Die Grotte von Comblain (Rue des Grottes, 46, 4170 Comblain-au-Pont). In der Grotte gibt es auch einen unterirdischen Steinbruch und eine Höhle, in der du Fledermäuse beobachten kannst.
  • Grotte von Floreffe (Avenue Charles de Gaulle 6, 5150 Floreffe). Die Führung geht durch mehrere imposante Säle.

Und übrigens: Wenn du schon mal in den Ardennen bist, empfehle ich dir auch einen Besuch der vermutlich kleinsten Stadt der Welt: Durbuy.

Warst du auch schon mal in einer Grotte, die dich begeister hat – sei es in Belgien oder woanders auf der Welt? Ich freue mich auf deine Tipps, denn das war bestimmt nicht die letzte Höhle, die ich mir angesehen habe …

 

 

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