Marokko: Wüstentour in die Sahara

Die Kerzen im Camp glitzern mit den Sternen um die Wette. Ich sitze im kühlen Sand auf einer Düne und schaue hinauf zur Milchstraße und wieder hinunter zu den Zelten, zwischen denen ein paar Menschen zu den Klängen einer afrikanischen Band tanzen. Es ist mein erstes Mal in der Sahara – und ich weiß schon jetzt, dass ich unbedingt nochmal wiederkommen muss. Eine Nacht in der Erg Chegaga, der größten Sandwüste in Marokko, hat mir noch lange nicht gereicht.

Holprige Fahrt in die Wüste

Am späten Nachmittag sind wir in der kleinen Stadt Foum Zguid in Jeeps gestiegen. Der Ort gilt als das Tor zur Sahara. Ab hier geht es nur noch über Stein- und Sandpisten Richtung Erg Chegaga. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt, aber der Fahrer kennt sein Auto und den Weg. Nicht selten verliert sich die Piste im Nichts, und es geht querfeldein, buchstäblich über Stock und Stein.

Mit Schwung nach oben.

Rechterhand begleitet uns eine Bergkette, die mich ein bisschen an das Monument Valley erinnert. Als die Sonne immer tiefer sinkt, steuern unsere Fahrer einen Hügel an, von dem aus wir den Sonnenuntergang in Ruhe anschauen können. Die Stille um uns herum ist beeindruckend: kein Vogel, kein Windrauschen – nur Steine, soweit das Auge reicht.

Sonnenuntergang in der Steinwüste.

Nachdem die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist, stehen uns noch immer rund eineinhalb Stunden Fahrt bevor. Wir sind spät losgekommen von Foum Zguid, daher müssen die Fahrer nun ihren Weg durch die nächtliche Steinwüste finden. Ein GPS-Gerät hat keiner an Bord, sie kennen die Strecke im Schlaf.

Der Mond in Marokko liegt auf dem Rücken.

Ankunft am Wüstencamp Chez Naji

Irgendwann wird aus der holprigen Stein- eine weiche Sandpiste, durch die wir hindurchschlingern – bis wir plötzlich vor einem mit Kerzen erleuchteten Zeltcamp, dem „Chez Naji“ stehen. Unser Gastgeber Naji heißt uns mit frischem Minztee, Oliven und Gebäck willkommen, und wir sinken müde in die gemütlichen Sofas, die auf flauschigen Teppichen zwischen den Zelten im Sand stehen. Um die durchgeschüttelten Knochen wieder in Schwung zu bringen, lädt die Band Generation Taragalte – sechs junge Musiker aus der Sahara – zum Tanzen ein (hier geht es zum Youtube-Kanal von Generation Taragalte).

Nachts im Wüstencamp.

Ich beziehe erst einmal mein Zelt, in dem ein großes Doppelbett steht. Im Bad gibt es eine Wassertoilette und sogar eine Dusche – Luxus in der Wüste. Fairerweise muss man sagen, dass die Zelte eigentlich gemauert und nur von außen und innen mit Zeltplanen behangen sind.  Aber das stört nicht die Illusion einer Nacht in einem Nomadenzelt.

Marokkanisches Essen in der Wüste

Zum Essen im Hauptzelt kommen Couscous mit Gemüse und eine leckere Tajine mit Lammfleisch, Backpflaumen und halben Eiern auf dem Tisch, gefolgt von Obst und Gebäck. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein: Nach dem Abendessen bittet uns der mit 64 Jahren älteste Nomade Hacme, ihm hinter die Zelte zu folgen.

Dort hat er bereits vor einer Weile ein Feuer entfacht, um den Sand aufzuheizen. Er schiebt die Asche beiseite, legt einen Teigfladen in das Loch und bedeckt ihn wieder mit Sand und Asche. Begleitet vom rhythmischen Gesang und dem Klatschen der Männer, die im Halbkreis um Hacme herumsitzen, backt das Brot im heißen Sand. Nach drei, vier Liedern holt der Nomade das fertige Brot aus dem Sand – es schmeckt köstlich!

Das Brot ist fertig. (Zum Video mit dem Begleitgesang bitte aufs Bild klicken.)

Morgenspaziergang durch die Dünen

Am nächsten Morgen um kurz nach sieben folgen wir Hacme die Düne direkt hinter dem Camp hinauf. Wir wollen uns den Sonnenaufgang anschauen. Leider ist es an diesem Morgen bewölkt, sodass wir erst einmal nur auf dem Dünenkamm sitzen und den Ausblick genießen. Aus der Ebene Richtung Norden sind wir gestern gekommen, in südlicher Richtung erstreckt sich bis zum Horizont das Erg Chegaga: eine Sandwelle hinter der anderen.

Das Wüstencamp am Rande des Erg Chegaga.

Einen kleinen Einblick, was es heißt, durch die Wüste zu wandern, bekommen wir beim Morgenspaziergang durch die Dünen. Das Laufen durch den puderzuckerfeinen Sand ist nicht einfach: zwei Schritte vor, einen wieder zurück, und an steilen Stellen kommen wir kaum voran. Plötzlich bricht doch noch die Sonne durch die Wolken und färben den vormals grauen Sand in ein kräftiges Orange. So früh am Morgen werfen die Dünen tolle Schatten – ein Paradies für Fotografen!

Morgensonne in der Sahara.
Licht und Schatten.
Hacme in der Wüste.

Fahrt über den Iriki-See

Nach dem Frühstück heißt es „mai alslama“ – tschüss, Wüstencamp. Die Band spielt uns noch ein Abschiedslied, und dann brettern unsere Jeeps erneut durch die Sahara. Kurz darauf halten wir schon wieder an: Ein Hirte läuft mit einer Herde Dromedare an uns vorbei – ein schönes Fotomotiv.

Dromedare haben einen Höcker, Kamele zwei.

Ein weiterer Stopp erfolgt am Titanic Café mitten auf dem ausgetrockneten Iriki-See – aufgrund eines Staudamms im Atlas-Gebirge gibt es hier nur noch selten Wasser. Nach einem Minztee geht es weiter zu einem Hügel, auf dem Hunderte von Fossilien herumliegen. Die Kopffüßler (Orthoceras) sind 280 bis 320 Millionen Jahre alt und lebten zu der Zeit, als die Wüste noch ein Meeresgrund war.

Ein Millionen Jahre alter Orthoceras.

Als wir zweieinhalb Stunden später wieder die Zivilisation erreichen, sind meine Gedanken noch immer in der Sahara. Eines ist klar: Ich komme wieder – mit der Wüste bin ich noch nicht fertig!

Tipps für einen Besuch der Sahara in Marokko

  • Touren in die Sahara kannst du in der Oasenstadt M’Hamid, in Foum Zguid oder in Zagora buchen. Dies sind die nächstgelegenen Orte zum Erg Chegaga. Von Marrakesch aus kannst du den Erg Chebbi besuchen – der aber weit touristischer ist als der Erg Chegaga.
  • Von einer Nacht im Wüstencamp bis zu mehrtägigen Wanderungen oder Jeeptouren durch die Wüste ist alles möglich.
  • Es empfiehlt sich, frühzeitig zu buchen, da die Camps vorbereitet werden müssen – was aufgrund der Entfernungen zum nächsten Ort eine logistische Herausforderung ist.
  • Gute Führer sind für eine gelungene Wüstentour wichtig. Daher solltest du vor der Tour im Internet nach Erfahrungsberichten über den angebotenen Führer suchen.
  • Im Winter kann es in der Wüste Minusgrade geben. Warme Jacke nicht vergessen! Zu meiner Reisezeit Mitte November war die Nacht jedoch noch recht mild.
  • Tagsüber brennt die Sonne vom Himmel, Schatten gibt es in der Wüste keinen. Ein Sonnenhut oder noch besser ein Tuch, wie die Nomaden es tragen, schützt vor der Hitze.
  • Über eine mehrtägige Jeeptour durch den Erg Chegaga berichten Gina und Marcus von 2onthego.

Warst du schon mal in der Sahara oder in einer anderen Wüste? Was hat dich dort am meisten beeindruckt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Hinweis: Zu dieser Reise wurde ich eingeladen vom Marokkanischen Fremdenverkehrsamt Visit Morocco und dem Netzwerk zur Entwicklung des ländlichen Tourismus (Réseau de Développement du Tourisme Rural – RDTR), das die Region Souss Massa für Touristen erschließen will. Meine Meinung wurde durch die Einladung nicht beeinflusst, die Inhalte des Beitrags habe ich wie immer frei gewählt.

 

 

 

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6 Kommentare

  • Hallo Sabine!
    Toll,gut,sehr gut „geschrieben und erlebt“..,auch sehr! gut fotografiert..,passt alles!
    Die Stimmungen dürften aber wohl etwas zurück liegen,weil zur Zeit soll der Lac Iriki (die Ränder/Ufer) voller Blüte stehen,Rucola Salat in Hochkultur…
    Die vielen Regenfälle im Sommer/Herbst haben enorme Wassermassen ins Chegaga Gebiet gebracht..Weiterhin Alles Gute,schöne Reisen und ein gesundes Neues Jahr! Ciao …
    Engelbert Kohl
    (www.500px.com/engelbertkohl)

  • Großartige Bilder Sabine! Der Bericht macht Lust auf eine Reise in die Wüste. Da hab ich bei meiner Marokko-Rundreise ja richtig was verpasst. Das macht aber nichts. So habe ich einen Grund noch einmal in dieses wunderschöne Land zu reisen.

  • Aaaah, wie schön, deine Wüstenfotos!
    Da komme ich direkt wieder ins Schwärmen. Mir geht es genauso wie dir: in die Wüste möchte ich immer wieder zurückkehren, da bekomme ich einfach nicht genug davon.

    Liebe Grüße
    Gina

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