Souss Massa: Im Hinterland von Agadir

Berge hinter einem Palmenhain

Die meisten Urlauber, die nach Agadir in Marokko reisen, machen dort Strandurlaub. Warum aber nicht mal ein Auto mieten und das Hinterland von Agadir erkunden? Hier kannst du den Alltag der Marokkaner beobachten. Auf unserer viertägigen Tour durch die Region Souss Massa haben wir gerade mal eine Handvoll anderer Touristen getroffen.

Mann mit Zeitung sitzt vor Geschäft in Taroudant

Alltagsleben in Souss Massa.

Warum lohnt sich eine Tour nach Souss Massa? Meine Gründe für einen Ausflug ins Hinterland von Agadir:

Die Souks in Taroudant

Rund eineinhalb Stunden östlich von Agadir liegt die Stadt Taroudant, auch „Klein Marrakesch“ genannt. Im Gegensatz zum wuseligen Marrakesch mit seinen unzähligen Touristen und Sehenswürdigkeiten geht es in Taroudant aber recht beschaulich zu. Eine Stadtmauer umgibt die Altstadt, in der sich gleich mehrere Souks befinden. In einem der typischen Märkte finden sich vorrangig Alltagsgegenstände, die die Marokkaner kaufen: Kleidung, Küchenutensilien, Werkzeuge, aber auch große Stände mit Bergen von Datteln, getrockneten Früchten, Nüssen, Oliven und Gewürzen.

Berge von Hülsenfrüchten auf Markt in Taroudant

Feines zum Essen.

Berge von Curry, Paprika und anderen Gewürzen

Farben- und geruchsprächtige Gewürze.

Der zweite Souk hat sich mehr auf Touristen eingestellt. Hier finden sich kleine Läden mit Schmuck, Schuhen, bunten Tüchern und marokkanischen Lampen. In einer Werkstatt sitzt ein Steinmetz und verwandelt grobe Steine in hübsche Figuren. Antike Tür- und Fensterrahmen lehnen an einer Wand und warten auf Käufer. Als wir durch eine Gasse abbiegen, eröffnet sich dahinter ein großer Hof, voll mit erdbraunen Keramikwaren wie Tajine-Töpfen, Krügen und vielem mehr.

Viele bunte Schuhe an der Wand

Märchenschuhe gefällig?

Einige der Verkäufer bitten mich in ihr Geschäft. Aber keiner ist aufdringlich, selbst wenn ich mich nur umschauen möchte. Nach ein paar netten Worten gehe ich wieder, ohne dass ich zum Kaufen gedrängt werde. Ich fand die Atmosphäre in den Souks sehr angenehm und fühlte mich auch allein als Frau sehr sicher dort – von Marrakesch hört man manchmal unschönere Erlebnisse. Übrigens sprechen die meisten Verkäufer in den Souks in Taroudant Englisch, manche sogar ein paar Sätze Deutsch – es kann aber auch nicht schaden, wenn du ein wenig Französisch sprichst.

Gewürze mit Schaufel

Arganbäume im Souss-Tal

Hinter Taroudant wird es ländlich. Die Felder rechts und links der Straße sind trocken und mit Olivenbäumen gesprenkelt. Je weiter wir gen Osten fahren – die Höhenzüge des Atlasgebirges begleiten uns die ganze Zeit -, umso mehr weichen die Olivenbäume Arganbäumen. Arganbäume gibt es auschließlich im Südwesten Marokkos. Ende der 1990er-Jahre wurde diese Gegend von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt. Das aus den Früchten gewonnene Arganöl wird zum Kochen und in Kosmetikprodukten verwendet. Vermischt mit gerösteten Mandeln und Honig entsteht daraus das köstliche Amlou, eine dicke Paste, die ähnlich wie Erdnussbutter schmeckt (aber besser!).

Drei Schüsseln mit Amlou und Honig

In der Mitte: Amlou, rechts und links: Honig.

Die Ernte der Arganfrüchte ist seit jeher Frauensache. Wir schauen uns eine Frauenkooperative an, in der tagein, tagaus rund 60 Frauen mit der Hand die Nüsse der Arganbäume zerschlagen. Für einen Liter Arganöl braucht es 30 Kilogramm Früchte. Die Kooperative in Tioute, die wir am Ende unserer Rundfahrt besuchen, produziert im Jahr 20 Tonnen, 70 Prozent davon gehen in den Export. Der Ertrag kommt den Frauen der Kooperative zugute, die zudem einen Kindergarten für das gesamte Dorf eröffnet hat.