Missbrauch von Kindern: Was kannst DU dagegen tun?

Foto: Ferngeweht

Was hat das Thema Kindesmissbrauch auf diesem Reiseblog zu suchen? Das ist schnell erklärt: Kinderschutzorganisationen schätzen, dass jährlich Millionen von Kindern sexuell missbraucht werden, viele von Touristen.

Auf der diesjährigen ITB in Berlin habe ich mit Vertretern des Deutschen Reiseverbands gesprochen, die sich aktiv gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus einsetzen. Ich fand das Thema so wichtig, dass ich beschlossen habe, mit Heike Jödicke-Birnbaum, Referentin Kinderschutz beim Deutschen Reiseverband (DRV), ein Interview zu führen. Sie erklärt, wie man sich im Verdachtsfall verhalten kann.

Vor allem in armen Ländern ist Kindesmissbrauch weit verbreitet. (Foto: Ferngeweht)

„Aufmerksam sein und nachfragen“

Ferngeweht: Ich persönlich bin noch nie in eine Situation gekommen, in der ich den Verdacht hatte, ein Urlauber könnte ein Kind sexuell missbrauchen wollen. Vielleicht habe ich aber auch bislang nie genau hingeschaut. Wie erkenne ich denn eigentlich potenziellen Missbrauch an Kindern?

Heike Jödicke-Birnbaum: Es gibt einige Anzeichen, die man in der Tat leicht übersehen kann. Manchmal beginnt es damit, dass Erwachsene nackte oder leicht bekleidete fremde Kinder am Hotelpool oder am Strand fotografieren. Allein das ist schon nicht in Ordnung. Des Weiteren ist eine intime Kontaktanbahnung zu Kindern, die am Strand Getränke oder Souvenirs verkaufen, ein Hinweis. Wenn die Erwachsenen die Kinder in solch einer Situation an Körperstellen anfassen, die eigentlich tabu sind, sollte man genauer hinschauen. Auch in Restaurants kann es vorkommen, dass Erwachsene Kinder, die etwa beim Service helfen, unsittlich berühren. All das sind Anzeichen, bei denen man aufmerksam werden und unter Umständen auch mal nachfragen sollte, was denn da los ist.

Manchmal ist es aber schwierig einzuschätzen, finde ich, ob es sich bei den Kontakten um die eigenen Kinder handelt oder ob es fremde Kinder sind.

Das ist in der Tat nicht immer leicht zu unterscheiden. Man will die Person ja auch nicht unnötig denunzieren und umsonst einen Aufstand machen. Da muss man sehr sensibel sein, auf sein Bauchgefühl hören und die Sache vielleicht eine Weile beobachten.

In Restaurants kann man mitunter beobachten, wie Erwachsene Kinder, die etwa beim Service helfen, unsittlich berühren.

Strand und Hotel sind sicherlich zwei Orte, an denen oft viel los ist und Täter gar keine Gelegenheit haben, aktiv zu werden. Wo kann ich denn noch aufmerksam auf mögliche Straftaten achten?

Kleine Hinterhof-Hotels, in denen die Besucher bar bezahlen, ohne ihre Namen nennen zu müssen, erleichtern den Missbrauch. Aber auch private Unterkünfte können für Kinder gefährlich sein: Entweder der Besucher bucht eine ganze Wohnung und kann dort tun, was er will. Oder er hat direkten Familienkontakt, und es ist für ihn leicht, das Vertrauen der Kinder zu erlangen. Im schlimmsten Fall ist die Familie hier sogar in Straftaten involviert, weil sie sich mit der Bereitstellung ihrer Kinder ein Zusatzgeschäft erhoffen. In solchen geschlossenen Räumen ist es natürlich für Außenstehende sehr schwierig, an Informationen zu gelangen.

Viele Kinder sind neugierig und scheuen nicht den Kontakt zu Fremden. (Foto: Ferngeweht)

Was kann ich denn nun konkret tun, wenn ich eine Situation beobachte, die mir komisch vorkommt? Die wenigsten werden wohl die Zivilcourage haben, die entsprechende Person direkt anzusprechen.

Wenn man allein unterwegs ist, sollte man sich gut überlegen, ob man die direkte Konfrontation sucht. Was man allerdings tun kann: Man kann andere Personen ansprechen und sie fragen, ob sie das Problem auch sehen oder ob sie wissen, welche Beziehung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind besteht – um dann eventuell gemeinsam die Person zur Rede zu stellen. Im Hotel kann man die Mitarbeiter bei Verdachtsfällen ansprechen, die sich dann der Sache annehmen. Auch Sicherheitspersonal, eine Strandwacht oder ähnliche Autoritätspersonen sind gute Ansprechpartner, ebenso wie Botschaften, Konsulate oder die lokale Polizei.

Im Hotel kann man die Mitarbeiter bei Verdachtsfällen ansprechen.

Leider ist die Polizei in manchen Ländern nicht interessiert, solchen Verdachtsfällen nachzugehen. Was kann ich also noch machen, um bei offiziellen Stellen konkrete Situationen anzuzeigen?

Die Kinderschutzorganisation ECPAT Deutschland betreibt die Plattform „Nicht wegsehen“, auf der man Hinweise und Verdachtsfälle sexueller Ausbeutung von Kindern im Tourismus melden kann. Zum einen kann man – auch anonym – eine Meldung an ECPAT schicken, die über ihr internationales Netzwerk von Partnerorganisationen der Sache nachgehen kann. Zum anderen ist bei konkreten Hinweisen über die Plattform direkt eine Meldung an das Bundeskriminalamt möglich. Was viele nicht wissen: Straftaten, die von Deutschen im Ausland begangen werden, können auch in Deutschland verfolgt werden. Daher lohnt es sich, auf jeden Fall hinzuschauen und aktiv zu werden, wenn einem im Urlaub etwas merkwürdig vorkommt.

Nicht wegsehen – besser melden

Dieses Video des DRV zeigt noch einmal anschaulich, was du tun kannst, wenn du auf Reisen den Verdacht hast, Zeuge einer sexuellen Straftat gegenüber Kindern zu werden (aufs Bild klicken, um zum Youtube-Video zu kommen):

Hast du schon einmal beobachtet, wie sich ein Erwachsener im Urlaub Kindern unsittlich genähert hat? Wie hast du reagiert? Erzähl uns doch in den Kommentaren von deinen Erfahrungen mit dem Thema.

 

 

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8 Kommentare

  • Herzlichen Dank für diesen wertvollen Beitrag zum Thema Kinderschutz!
    Derzeit können Reisende auch an einer Umfrage zu sexueller Ausbeutung von Kindern auf Reisen teilnehmen. Diese Umfrage hilft ECPAT bestehende Meldemechanismen zu verbessern und zielgerichteter auf das Thema aufmerksam zu machen. Beschreiben Sie in der Umfrage Situationen, die in der Vergangenheit beobachtet und erlebt wurden, und teilen Ihe Einschätzungen zu dem Thema mit.
    Link zur Umfrage: https://www.surveymonkey.com/r/2F5CJG7

  • Mir ist das auf Reisen auch noch nicht begegnet, zumindest nicht bewusst. Auf jeden Fall ist das ein wichtiges Thema, deshalb hatte ich mich auch mit dem DRV in Berlin getroffen. Artikel kommt noch… ;)

    LG Heiko

    • Super, dass du ebenfalls das Thema aufgreifen willst! Man kann ja gar nicht oft genug darüber reden und Bewusstsein für das Problem schaffen.

  • Ich habe das zum Glück auch noch nicht erlebt, aber ich habe in Kambodscha viele Plakate gesehen, auf denen eine Telefonnummer stand und die man anrufen sollte, wenn man das Gefühl hat, es liegt Mißbrauch vor. Das war wohl eine Sondernummer von der Polizei oder sowas.

    Auch habe ich dort die Geschichte von einem Hotel gehört. Das gehörte einem Europäer und er beschäftigte viele kambodschanische Jugendliche um Kinder, die sehr arm waren und denen er eine Zukunft geben wollte. Das war die offizielle Version. Es kam dann nach Ewigkeiten raus, dass die Kinder dort zwar arbeiteten, aber auch als Sexarbeiter mißbraucht wurden. Furchtbar. Und als gutgläubiger Tourist sieht man das nicht. Das hat mir jemand erzählt, der dort im Hotel mit seiner Freundin übernachtet hatte und das Konzept der Kinderhilfe toll fand. Als es dann rauskam, was es wirklich war, war er richtig geschockt.

    Furchtbar. Also immer Augen auf halten.

  • Guter und wichtiger Artikel! Ich habe sowas noch nicht selbst gesehen, da ich auch wenig Strand-Urlaub mache.
    In meiner Zeit als Reiseverkehrskauffrau habe ich einmal eine Buchung abgelehnt, als ein Mann nach den Möglichkeiten, in einem thailändischen Badehotel junge Mädchen kennenzulernen, fragte. Das ist jetzt aber bestimmt schon 30 Jahre her.
    LG
    Ulrike

    • Ich denke, das Problem tritt nicht nur an Stränden auf. In anonymen Großstädten ist es wahrscheinlich für die Täter noch viel einfacher, an Kinder heranzukommen…

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