Reisen ist gefährlich …

Dunkle Wolken mit einem Sonnenstrahl

Jeden Tag passieren auf der Welt schlimme Dinge: Naturkatastropen, kriegerische Unruhen, Anschläge … Von vielen Ereignissen bekommen wir hier zu Hause kaum etwas mit. Selbst wenn die Medien darüber berichten, nehmen wir es meist zwar wahr – haben es aber meist schnell wieder vergessen. Das Leben geht halt weiter!

Ganz anders ist es allerdings, wenn man den Ort, an dem das Unglück stattgefunden hat, selber kennt. Wenn man schon dort gewesen ist und genau weiß, wie es dort aussieht. Wenn man vielleicht sogar Menschen vor Ort kennengelernt hat, um die man sich jetzt sorgt und sich fragt, ob ihnen vielleicht etwas passiert ist. Dann sind wir plötzlich persönlich betroffen, und das Ereignis scheint uns ganz nah.

Als Reisender in alle Welt steigt die Wahrscheinlichkeit, Orte oder Menschen zu kennen, die von einer Katastrophe heimgesucht wurden. Vielleicht haben wir sogar das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und plötzlich mittendrin zu stecken und um unser Leben fürchten zu müssen. Ja, Reisen kann gefährlich sein. Aber auch nicht gefährlicher, als zu Hause zu bleiben. Auch hier in der Heimat passieren Anschläge, drohen Wetterkatastrophen – oder ein leichtsinniger Autofahrer löst ein Unglück aus. Gibt es also irgendeinen Grund, künftig nicht mehr in die vermeintlich gefährliche Welt zu reisen? Nein!

Ich halte es da ganz mit dem isländischen Sprichwort:

Wer die Gefahr fürchtet, ist immer in Gefahr

Vor ein paar Wochen habe ich in einem Beitrag über „meinen persönlichen Katastrophentourismus“ geschrieben. Darüber, dass ständig in Ländern, in denen ich gerade war, kurz danach etwas Schreckliches passiert. Entgegen meiner Vermutung bin ich damit nicht allein. Vielen Bloggern erging es ähnlich. Hier ein paar ihrer Geschichten über Unglücke in Reiseländern:

Erdbeben in Amatrice, Italien

Im Sommer 2016 machte ich meinen ersten längeren Roadtrip. 16 Tage mit dem Auto durch Italien. Ganz alleine. Vom Lago Maggiore über die Cinque Terre nach Rom, runter bis Neapel und über Bologna wieder hoch nach Venedig. Ich besichtigte den schiefen Turm von Pisa, besuchte das berühmte Kolosseum, fuhr entlang der spektakulären Amalfitana, bestieg den Vesuv, schwamm in der Adria und aß natürlich jede Menge Pizza. Sogar im „Heiligen Pizzatempel Da Michele“ in Neapel. Und es gab noch so viel mehr, aber es würde zu weit führen, jetzt alle Höhepunkte der Reise aufzuzählen.

Häuserdächer vor blauem Himmel in Italien

Idyllisches Orvieto. (Foto: Trip to the Planet)

Ich habe zahlreiche schöne Erinnerungen mitgenommen und wahnsinnig viel erlebt. Kurz nach meiner Rückkehr war ich demnach umso schockierter, als ich in den Nachrichten von den verheerenden Erdbeben erfuhr, die sich in Mittelitalien ereignet und besonders das kleine Dorf Amatrice schwer getroffen haben. Fast 300 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben. Nicht selten musste ich daran denken, dass ich nur wenige Wochen zuvor in der Region unterwegs war.

Christina von Trip to the Planet

Bombenanschlag in Bangkok, Thailand

Im August 2015 war ich zum ersten Mal in Thailand und hatte vor, einen Tag vor meinem Heimflug nach Bangkok zu fliegen. Ich wollte mir ein Hotel auf der Sukhumvit Road buchen und den Tag nutzen, einige Sachen für zu Hause einzukaufen und abends dann zum Airport zu fahren. Genau zu dem Zeitpunkt, als ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht hätte, wurde dort ein Bombenattentat verübt. Mein Glück war, dass ich mich kurzfristig entschieden hatte, meinen Aufenthalt im Süden um einen Tag zu verlängern und direkt von Krabi zum Airport zu fliegen, und so saß ich im Moment der Explosion bereits am Flughafen …

Viktor in Einkaufsstraße in Bangkok

Viktor in Bangkok – noch ist alles friedlich … (Foto: Nomadic Vic)

Viktor von Nomadic Vic

Erdbeben in Christchurch, Neuseeland

2011 war ich sechs Wochen in Neuseeland unterwegs und verbrachte unter anderem einige Tage in der Stadt Christchurch auf der Südinsel. Ursprünglich hatte ich sogar geplant, von Christchurch wieder nach Hause zu fliegen, um mir den Weg nach Auckland zu ersparen und so die Zeit auf der Südinsel besser nutzen zu können. Da ich aber unbedingt noch in die Bay of Islands im Norden wollte, änderte ich relativ kurzfristig meine Pläne.

Ich genoss die Zeit in Christchurch, eine wirklich entzückende Stadt mit britischem Flair, Backsteinhäuschen und tollen Grünanlagen. Herzstück der Stadt war die Kathedrale, von deren Turm man einen guten Überblick über Christchurch gewinnen konnte. Was ich nicht wusste, als ich von dem Turm die Aussicht genoss, was, dass ich zu den letzten Personen zählen sollte, die diese Kirche besteigen würden.

Kirche bei Nacht in Christchurch, Neuseeland

Christchurch vor der Katastrophe. (Foto: Imprintmytravel)

Wenige Tage später, ich war gerade in Auckland auf dem Weg zum Flughafen, legte das zweite große Erdbeben von Christchurch die Stadt in Schutt und Asche. 185 Menschen starben in den Trümmern, 5900 weitere wurden teils schwer verletzt. Von der Kathedrale, dem Herzstück der Stadt, war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr übrig … Auch heute noch sind die Folgen der Katastrophe in Christchurch sichtbar und spürbar. Viele Gebäude wurden nicht mehr aufgebaut und teilweise besteht die Stadt heute noch aus behelfsmäßigen Containern. Zur Ruhe kommt sie auch nicht, 2016 ereignete sich ein weiteres Erdbeben in der Region.

Mich hat dieses Erlebnis wirklich erschüttert, einerseits, weil ich so knapp davongekommen war und es eigentlich nur meiner Planänderung zu verdanken hatte, dass ich zum Zeitpunkt des Bebens nicht mehr dort war, und andererseits natürlich, weil ich an die vielen Leute denken musste, die ich dort kennengelernt hatte und von denen ich nicht wusste, ob sie zu Schaden gekommen waren. Es war ein komischer Gefühlscocktail, eine Mischung aus Erleichterung, Entsetzen und Bestürzung, der mich auf meinem Flug nach Hause begleitete.

Lisa von Imprintmytravel

Starkregen in der Dominikanischen Republik

November 2016: Hurrikan Matthew war im Oktober über die Dominikanische Republik hinweggefegt und hatte glücklicherweise keinen größeren Schaden angerichtet, als es Anfang November zu regnen begann. Einen Tag, zwei Tage – letztlich knapp zwei Wochen, in denen die Nordküste komplett un