Urdenbacher Kämpe: Zwischen Rhein und Altrhein

Nutria im Wasser
Eine kleine Nutria futtert sich durchs Grün.

Auf den Tipp einer Kollegin haben wir letztens mitten in der Woche einen Ausflug zur Urdenbacher Kämpe gemacht. Was für ein kleines Paradies!

Die Urdenbacher Kämpe liegt zwischen Monheim und Düsseldorf und wird von Rhein und Altrhein begrenzt. Weil das Gebiet regelmäßig vom Fluss überschwemmt wird, können Besucher hier eine ganz besondere Flora und Fauna erleben. In der Auenlandschaft wachsen Weiden und blühen Feuchtwiesen, und es soll bis zu 227 verschiedene Tierarten geben. Eine ganze Reihe davon haben wir auf unserer Wanderung entdeckt.

Parken an der Urdenbacher Kämpe

Es gibt mehrere Parkplätze rund um das Naturschutzgebiet: einen im Norden, im Düsseldorfer Stadtteil Urdenbach, zwei im Süden im Monheimer Stadtteil Baumberg und einen im Südosten an der Stadtgrenze zum Düsseldorfer Stadtteil Hellerhof – hier liegt der Parkplatz eines Kleingartenvereins, der öffentlich zugänglich ist. Wir haben uns für Letzteren entschieden, weil wir vorrangig am Urdenbacher Altrhein entlanglaufen wollten. Am Ende ist unsere Runde doch viel größer geworden als geplant, so dass wir auch jeden anderen Parkplatz hätten nehmen können.

Kleine Gänse in der Urdenbacher Kämpe
Kleine Gänse entdecken ihre Umgebung.

Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen will: Die S-Bahnhöfe Düsseldorf-Garath und Düsseldorf-Hellerhof sind fußläufig von der Urdenbacher Kämpe entfernt. Die Buslinie 788 fährt einmal quer durch das Naturschutzgebiet. Bei Hochwasser wird sie umgeleitet.

Wege durch die Urdenbacher Kämpe

Verschiedene Wander- und Radwege ziehen sich durch die Urdenbacher Kämpe. Da das Gebiet mit rund drei mal drei Kilometer Ausdehnung recht weitläufig ist, sind viele Besucher mit dem Rad unterwegs. Selbst mitten in der Woche, als wir dort waren, sind uns zahlreiche Radfahrer begegnet. Am Wochenende ist es dort wahrscheinlich sehr voll, daher empfehle ich einen Besuch außerhalb der Stoßzeiten.

An den Eingängen zum Naturschutzgebiet stehen Infotafeln mit den Wanderwegen. Vor Ort ist alles gut ausgeschildert. Wenn du also einer der vorgeschlagenen Routen folgen willst, kannst du dich nicht verlaufen. Darüber hinaus gibt es weitere Wege, wenn du – wie wir – die Routen miteinander verbinden willst.

Karte von der Urdenbacher Kämpe
Zum Download des PDFs auf das Bild klicken.

Wir sind von Hellerhof zunächst den dunkelblauen Weg am Altrhein entlanggelaufen, haben dann auf dem grüngestrichelten Weg den Baumbacher Weg gequert, sind auf einem ungekennzeichneten Weg Richtung Haus Bürgel gelaufen, auf der roten Route Richtung Rhein und haben schließlich die graue Route zurück nach Hellerhof genommen. Diese Strecke ist rund acht Kilometer lang.

Im Haus Bürgel befindet sich übrigens die Biologische Station, die die Schutzgebiete der Stadt Düsseldorf und des Kreises Mettmann betreut. Sobald es wieder möglich sein wird, finden dort Exkursionen, Vorträge und Mitmach-Aktionen für Kinder und Erwachsene statt. Wir haben uns aufgrund von Corona einen Besuch von Haus Bürgel gespart.

Sieben Erlebnisrouten durch die Urdenbacher Kämpe
Willst du deine Route im Voraus planen, bekommst du auf der Website Auenblicke einen Überblick über die ausgeschilderten Erlebnisrouten und was es dort zu sehen gibt.

Am Altrhein entlang

Unser absolutes Highlight war der erste Teil unserer Wanderung entlang des Altrheins. Für die rund zwei Kilometer haben wir etwa zwei Stunden gebraucht, weil es soooo viel zu sehen gab. Der Weg beginnt hinter der Hellerhofbrücke, von der aus man (theoretisch) in den Altrhein schauen kann. Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit der letzten Monate fließt unter der Brücke derzeit leider kein Fluss.

Auen mit Gewässer
Verwunschene Landschaft im Auengebiet.

Das ändert sich im Laufe des Weges: Rechts und links fließt oder steht immer wieder Wasser, auf dem sich unzählige Wasservögel tummeln: Schwäne, Gänse, Enten, Rallen – und jede Menge Graureiher! Wo auch immer ich hingeschaut habe, saß garantiert irgendwo versteckt oder ganz offen ein Reiher und wartete ruhig auf Beute. Hinzu kamen zahlreiche weitere Vögel, darunter ein Eisvogel und ein Kuckuck, den wir zwar gehört, aber leider nicht gesehen haben.

Eisvogel auf Ast
Immer so schön bunt: ein Eisvogel. (Foto: Jochen Hafner)
Reiher im Wasser an der Urdenbacher Kämpe
Einer der unzähligen Reiher an der Urdenbacher Kämpe.

Die Überraschung des Tages waren für mich die Nutrias. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte ein Wasserschwein entdeckt – die Ähnlichkeit mit dem südamerikanischen Capybara ist nicht von der Hand zu weisen, finde ich. Sie sind beide mit dem Meerschweinchen verwandt. Ich hätte den Nutrias auf jeden Fall stundenlang beim Baden und beim Fressen des Grünzeugs im Wasser zusehen können. Oben auf dem Titelbild des Beitrags ist übrigens eine kleine Nutria zu sehen – ist sie nicht goldig?

Nutria am Wasser
Die Nutria versteckte sich vor mir – ich habe sie trotzdem entdeckt …
Wasserschwein
Zum Vergleich: Das Wasserschwein sieht der Nutria doch wirklich sehr ähnlich, oder?

Durch die Urdenbacher Kämpe zum Rhein

Irgendwann war die Strecke am Altrhein entlang dann doch zu Ende, und wir bogen ab zu den Bürgeler Wiesen. Es ging durch Streuobstwiesen mit alten Apfel- und Birnbäumen sowie knorrigen Kopfweiden. Eine Infotafel zeigt an, dass es hier Steinkäuze geben soll. Sie haben sich aber nicht blicken lassen, obwohl sie wohl auch tagsüber aktiv sind. Dafür kreiste ein Rotmilan über unsere Köpfe.

Wiese mit Bäumen
Wo ist er wohl, der Steinkauz? (Foto: Jochen Hafner)

Nach einem schattenlosen Wegstück, bei dem uns die Sonne mächtig auf den Knopf knallte, erreichten wir den Hart- und Weichholzauenwald am Rhein. Der Weg führt vorbei an Schwarzpappeln und Silberweiden. Diese Wegstrecke wird „Rhein-Dschungel“ genannt – ein Dschungel-Feeling kam bei mir leider nicht auf. Das Rheinufer hätten wir erst hinter dem Campingplatz erreicht. Wir sind jedoch vorher abgebogen, um zurück zum Ausgangspunkt zu laufen.

Waldweg
Der Auenwald nahe des Rheins.

Kurz vor der Hellerhofbrücke befindet sich noch ein weiteres Juwel: der Baumberger Graben. Der kleine Bach wird dort zu einem stattlichen Teich, auf dem fast alle Tiere zu sehen war, die wir im Laufe des Tages entdeckt hatten. Mittlerweile am späten Nachmittag war es auch ruhiger geworden auf den Wanderwegen, so dass wir die Natur nochmal mehr genießen konnten.

Gänse, Schwäne und Reiher am Teich
Im Baumberger Graben ist einiges los.

Fest steht: Wir waren bestimmt nicht das letzte Mal an der Urdenbacher Kämpe. Besonders spannend ist ein Besuch sicherlich, wenn die Gegend tatsächlich einmal überschwemmt wird. Wir werden die Augen offenhalten, um nicht zu verpassen, wenn es mal wieder soweit ist.

Auengebiete haben etwas Besonderes. Hast du noch einen Tipp für eine weitere Auenlandschaft, die einen Besuch wert ist? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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2 Kommentare

  • Das Bild vom Eisvogel ist einfach WOW! Wenn Du mal nach Wien kommst, kann ich Dir einen Ausflug in die Donau-Auen empfehlen. Die Lobau darf man selbst erkunden, für den Nationalpark selbst empfiehlt sich eine Tour mit einem Nationalpark-Ranger…

    • Liebe Gudrun, danke für den Tipp! Wien steht für den Herbst ganz oben auf meiner Liste, daher habe ich die Donau-Auen gleich mal notiert :-)

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