Angst? Ich doch nicht! Oder …?

Toi, toi, toi – bisher ist auf meinen Reisen alles gut gegangen. (Abgesehen von einem geklauten Tagesrucksack, aber das war eigene Doofheit.) In brenzlige Situationen, in denen ich um mein Hab und Gut oder sogar um mein Leben fürchten musste, bin ich bislang nie gekommen.

Vielleicht habe ich einfach viel Glück. Oder liegt es an der Einstellung? Ich bin ja der Ansicht: Wer selbstbewusst auftritt, dem will auch so schnell niemand etwas Böses. Natürlich kann man auch mal Pech haben und an jemand Falschen geraten. Etwas Vorsicht und gesunder Menschenverstand ist also besonders auf Reisen angesagt. In Köln würde ich nachts auch nicht durch einen dunklen Park gehen – warum sollte ich das also in Asien tun?

Gab es also keine einzige Situation, in der mir mulmig wurde? Hm, lass mich mal nachdenken … Doch, natürlich. Ein paar fallen mir schon ein:

Meine erste Nacht allein in Bangkok

Bangkok kann nachts schon mal Angst machen …

Ich hatte eine ziemlich billige Unterkunft in Bangkok gebucht, es gab nur noch ein Zimmer ohne Fenster. Mitten in der Nacht hörte ich plötzlich Gepolter im Haus, und jemand rüttelt und klopft wiederholt kräftig an meine Tür. Ich saß senkrecht in meinem Bett! Denn die Tür sah nicht geradeaus, als ob sie besonders widerstandsfähig sei. Den Rest der Nacht habe ich kein Auge zugetan und lag, mit meinen Taschenmesser bewaffnet, unbewegt im Bett und starrte die Tür an. Ich war selten so froh, als der nächste Morgen kam – und bin schleunigst in ein anderes Hostel gezogen. (Im Nachhinein denke ich, ein paar Betrunkene haben sich im Zimmer vertan – aber im Dunkeln, das erste Mal in einem fremden Land, sieht man sowas ganz anders …)

Ich dachte, ich müsse verbluten

Auf diesem Boot geschah es …

In Indonesien fuhren wir mit einem einfachen Boot drei Tage lang zu den Komodo-Inseln. Jeden Tag kochte uns die Mannschaft leckeres Essen. Am zweiten Abend packte ich mir wieder einmal den Teller voll und aß mit großem Appetit – als plötzlich die Gabel in meiner Lippe steckenblieb. Ich bekam Panik! Was, wenn ich die Zinken rausziehe und es würde anfangen zu bluten? Weit und breit bestand auf der Fahrt keine Chance auf einen Arzt. Ich überlegte und überlegte. Schließlich nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und zog fest an der Gabel. Es tat höllisch weh. Blut sah ich allerdings keines. Was war geschehen? Die alte Gabel hatte sich unglücklich verbogen und meine Lippe eingequetscht. Somit hatte ich zwar einen dicken Bluterguss, aber Schlimmeres war nicht passiert. Zum Glück, denn auf dem Boot gab es nicht mal Eis, um meine Verletzung zu kühlen. Nicht auszudenken, wenn die Gabel tatsächlich festgesteckt hätte …

Mann und Frau über Bord!

Noch ist alles ruhig …

In Laos hatten wir eine Rafting-Tour gebucht. Mit einem Zweier-Gummiboot ging es ab Luang Namtha den Fluss hinunter. Am Anfang war alles noch easy: Wir dümpelten durch die Landschaft und mussten nur hin und wieder den Kurs korrigieren. Die paar Stromschnellen, die uns über den Weg liefen, meisterten wir mit links. Bei der dritten Stromschnelle gab uns der Guide noch Tipps, wie wir sie am besten durchfahren sollten. Einmal rechts paddeln, einmal links paddeln – und zack, hatte uns der überhängende Ast aus dem Boot geworfen und unser Gefährt kentern lassen! Die Strömung war stark, und am ersten Ast im Wasser rutschten wir ab. Den zweiten Ast bekamen wir zu fassen, aber aus eigener Kraft das Boot wieder umzudrehen, gelang uns nicht. Erst unser Guide konnte uns retten. Angst hatte ich in dieser Situation gar nicht so sehr um uns zwei – sondern vielmehr um unsere Wertsachen inklusive Kameras. Die hatten wir in einer Wassertasche verstaut, die unser Guide vor der Abfahrt zum Glück an das Boot gebunden hatte. Die Tasche blieb dicht und hing auch nach dem Unfall fest am Boot. Mensch, was hätten wir uns geärgert, wenn die Wertsachen fortgewesen wären …

Und was lernen wir daraus?

Wenn ich im Nachhinein über diese Geschichten nachdenke, kann ich nur darüber lachen. In den Situationen selbst war das natürlich weniger witzig. Aber halten mich solche Erlebnisse vom Reisen ab? Auf keinen Fall! Zum einen hätte mir so etwas in Deutschland ebenso passieren können – und zum anderen: Was wäre das Reisen, wenn es nicht spannende Geschichten gäbe, die man seinen Lieben zu Hause erzählen könnte?

Wovor sich andere Reisende fürchten, kannst du in Julias Bezirzt-Blogparade lesen, an dem ich mit diesem Beitrag teilnehme.

In welchen Situationen auf Reisen hattest du schon Angst? Oder hattest du das Glück, dass dir auf Reisen noch nie etwas Furchteregendes passiert ist? Ich freue mich auf deinen Bericht in den Kommentaren und wünsche dir allzeit eine gute Reise!

 

 

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6 Kommentare

  • Angst im Urlaub???…okay nicht wirklich, sondern manchmal ein unruhiges Gefühl. 2007 hatte Ich mit meiner Tochter einen Urlaub in Kenia gebucht. 1 Woche nur Safari und 1 Woche Strand. Safari alles schön und gut. Doch nach 2 Tagen am Strand wurde es mir zu langweilig …hatte ich vorher gewusst, da ich kein Strandmensch bin…also schauten Wir nach Tagesausflügen, die im Hotel angeboten worden. Wir entschieden uns für ein Tagesausflug auf Funzi Island. Eine kleine Insel, die zu Kenia gehört. Es ließ sich gut das Programm. Abholung und Fahrt … alles klappte. Dann hieß es umsteigen auf ein kleines Holzböötchen, dass uns auf der Insel bringen sollte. Mitten im indischen Ozean an einer Sandbank hielt man an und wir mussten das Boot verlassen. Da standen wir da auf einer Sandbank, nicht größer als 10 Meter Länge und waren nur zu Zweit. Der Bootsmann verschwand. Es war gerade Ebbe und ringsherum nur das Meer. Und nun machten Wir uns auch Gedanken, was das sollte. Nach der Ebbe kommt ja auch irgendwann die Flut. Nach gut 2 Stunden bangen, kam unser Böötchen! wieder, aber voll mit Einheimischen Kenianern. Er hatte erst mal von einer anderen Insel die Leute abgeholt, da sie nur da weg kommen, wenn Touris kommen. Also saßen wir zwei „weiße“ Menschen mitten drin bei Denen. Wir wussten auch nicht, ob sie uns an- oder auslachten. 1000 Gedanken schon mir durch den Kopf. Aber irgendwann kamen Wir auf unserer Insel an und es waren noch andere Touris da, was mich beruhigte. Dann verlief alles gut und es war dann auch noch schön, mit Mangrovenwald und Krokodilen, baden und auch lecker Essen, Besuch einer Schule usw…. Abends im Hotel redete ich mit dem Veranstalter, was das sollte. Er meinte nur, dass die Kenianer jede Möglichkeit nutzen um von A nach B zu kommen und entschuldigte sich.
    Hatte die Geschichte schon längst vergessen, aber jetzt kommt sie wieder frisch her im Kopf…puh, hätte auch anders ausgehen können…

    • Danke für diese Geschichte, Ramona! Icg musste ja erst ein bisschen lachen, als ich mich Euch auf dieser winzigen Insel vorstellte :-) Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das in dieser Situation nicht so lustig war …

  • Richtige Angst hatten wir noch nie, aber im letzten Jahr in Albena/Bulgarien ein ziemliches mulmiges Gefühl. Als wir ankamen war das Wetter einfach traumhaft schön bis es sich änderte zu eher untypischen Temperaturen für die Zeit im Juni. Es regnete sehr stark mit einem sehr heftigen Gewitter, die Wellen donnerten auf den Strand, es war ein wenig unheimlich. Über Nacht beruhigte sich das ganze, aber erst am anderen Morgen sah man die ganze Katastrophe. Unser Hotel liegt am Ender einer Straße an einem Naturschutzgebiet mit einem kleinen Fluss. Der war zu einem reißenden Strom angeschwollen und hatte sehr viele Bäume, Sträucher und Gräser mitgerissen, ein schmaler Fußweg der um das Hotel führte war weg und die Zufahrtsstraße überschwemmt, wir waren abgeschnitten vom Ort und nur noch über den Strand erreichbar. Wegen Unterspülungsgefahr musste das Hotel evakuiert werden, die Gäste durften nicht mehr durch den Rezeptionsbereich und mussten über die Feuerleiter in die Zimmer um sofort zu packen. Dann wurden alle mit LKW und andern Gerät das durch die überflutete Straße fahren konnte raus gebracht, Autos die am Straßenrand geparkt waren, schwammen im Wasser und große Teile vom Strand waren einfach fortgespült worden. Es war alles sehr gut organisiert und es kam auch keine Panik auf. Tatsächlich sind dann auch Teile im Eingangsbereich abgesagt. Ach ja, in 3 1/2 Wochen fahren wir wieder hin :-)

    • Puh, das hört sich ja abenteuerlich an! Schön, dass alles gut gegangen ist und Ihr Euch nicht abschrecken lasst. Danke für die Geschichte!

  • Richtig Angst hatten wir 1983 in Sri Lanka.
    Da machten wir einen Ausflug zu einem tollen Strand, Marble Beach hieß der. Nach zähen Preisverhandlungen fuhr uns ein Fischer an diese Bucht.
    Super, bis das Militär kam. Wir wären im Sperrgebiet, es wäre verboten, sich hier aufzuhalten, und wir müssten mitkommen zum Kommandanten. Gewehre waren auf uns gerichtet. Sie deuteten uns an, eine halbe Stunde Fußmarsch durch unwegsames Gelände.
    Wir hatten nur Badesachen dabei, keine Schuhe. Die Angst, ins Gefängnis zu kommen, war groß. Wir versuchten zu erklären, dass wir Touristen sind und ja gar nicht wissen können, dass das Gebiet militärisches Sperrgebiet ist. Da meinten sie, der Fischer sagte, wir wollten unbedingt da hin.
    Irgendwann glaubten sie uns, dass wir unschuldig sind. Dafür wurde der Fischer total verprügelt und das Boot losgemacht, die Benzinleitung durchschnitten. Die Wellen schlugen das Boot voll Wasser. Wir schaufelten das Boot leer. Dann wurde das Ganze noch 2 x wiederholt. Fischer verprügelt, Boot ist voll Wasser gelaufen. Dann ließen sie uns ziehen.

    Im Nachhinein erfuhren wir, dass der ausgehandelte Preis gerade mal die Benzinkosten abgedeckt hätte, so hatte uns der Fischer eben nicht zum Marble Beach, sondern zu einem näher gelegenen Strand gefahren.

    Brigitte

    • Ach herrje, das hört sich wirklich schrecklich an! Da kann ich mir vorstellen, dass Ihr Angst hattet, Brigitte … Danke für deinen Bericht!

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