Backpacker, Flashpacker oder was?

Gepäck für Backpacker. (Foto: Jochen Hafner)

Unter Vielreisenden grassiert immer mal wieder der Versuch, die anderen Urlauber in eine Schublade zu stecken: Ist man nun ein Backpacker, ein Flashpacker, ein Tourist oder ein Reisender? Und zu welcher Gruppe gehöre ich?

Schauen wir mal, wie sich die einzelnen Schubladen voneinander unterscheiden (Achtung: Klischee-Modus an!).

Der Backpacker

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Mein Rucksack und ich sind unzertrennlich. (Foto: Jochen Hafner)

Der Backpacker reist, wie der Name schon sagt, mit einem Rucksack auf dem Rücken um die Welt. Oft sucht er die Orte fernab von klassischen Reiserouten, immer auf der Suche nach dem Schnäppchen, denn viel Budget hat der Backpacker für seine Reise oft nicht zur Verfügung. Er sucht den Kontakt zu den Einheimischen, ernährt sich von Essensständen am Straßenrand und hängt gern mal in der Hängematte vor seiner einfachen Hütte am Strand ab.

Bin ich ein Backpacker?

Jein. Ich habe, vor allem auf Fernreisen, immer meinen Rucksack dabei. Ich versuche, nicht unnötig viel Geld auf Reisen auszugeben, probiere gern Essen an Straßenständen, und in der Hängematte liege ich auch gern. Sparen auf Teufel komm raus muss allerdings nicht mehr sein.

Der Flashpacker

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Die teure Öko-Lodge im Dschungel musste einfach sein.

Als Flashpacker werden Urlauber bezeichnet, die zwar auch am liebsten abseits der vielbereisten Routen unterwegs sind, aber dabei mehr Geld zur Verfügung haben als ein Backpacker. Sie gönnen sich also komfortablere Unterkünfte, besseres Essen oder auch mal einen Flug statt einer zehnstündigen Busfahrt. Oft haben sie auch technisches Equipment wie Laptop, Handy und teure Kamera im Gepäck.

Bin ich ein Flashpacker?

Jein. Seit ich genügend Geld verdiene, nehme ich nicht mehr die allerbilligste Unterkunft in Kauf, sondern achte zumindest auf Sauberkeit und ein eigenes Bad. Lange Busfahrten müssen auch nicht mehr unbedingt sein, wenn es auf der Strecke keine sehenswerten Zwischenstopps gibt. Nur bei der Technik muss ich passen: Teures Zubehör bleibt bei mir zu Hause!

Der Tourist

Touristen-Highlight
Der Klassiker in Amerika – ich musste trotzdem hin!

Touristen haben meist eine Pauschalreise gebucht und verbringen ihren Urlaub entweder an einem Ort oder reisen in einer Gruppe eine vorher bekannte Route durchs Land. Sie besichtigen die Highlights der Region, haben selten Kontakt zu Einheimischen oder die Gelegenheit, auf eigene Faust eine Stadt zu entdecken, und freuen sich mittags schon auf das Abendessen im Hotelrestaurant.

Bin ich eine Touristin?

Mehr nein als ja. Pauschal- und Gruppenreisen sowie Aufenthalte in schicken Hotels sind mir ein Graus. Aber bekannte Sehenswürdigkeiten schaue ich mir durchaus an. Warum sollte ich auf Schönes verzichten? Wird schon einen Grund haben, dass so viele Menschen dorthin fahren! Was nicht heißt, dass ich danach nicht noch gern den Ort weiter selber erkunde und wissen will, was sich um die nächste Ecke befindet.

Der Individualreisende

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Gruppenreisen vor Ort? Manchmal ganz praktisch.

Individualreisende verzichten in der Regel auf die Hilfe von Reisebüros und stellen sich ihre Reise selbst zusammen. Sie planen vor der Reise wenig und lassen die Dinge im Urlaub auf sie zukommen. Gruppenreisen lehnen sie komplett ab. Lieber mieten sie sich ein eigenes Auto oder fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und sind damit völlig flexibel, wohin es am nächsten Tag gehen soll.

Bin ich eine Individualreisende?

Mehr ja als nein. Auch ich buche am liebsten nur den Flug und die erste Unterkunft und überlege mir dann vor Ort, wohin die Reise im Land geht. Wenn es irgendwo schön ist, bleibe ich länger – gefällt es mir nicht, bin ich am nächsten Tag weg. Vor Ort nehme ich allerdings doch recht regelmäßig das Angebot von Reisebüros in Anspruch: Ich buche gern Ein- oder Mehrtagestouren bei Anbietern, die sich auskennen und mit denen man oft einfach in entlegene Gebiete kommt. Je kleiner die Gruppe, desto lieber ist es mir. Oft haben wir das Glück, dass wir nur zu zweit mit dem Guide unterwegs sind. Also doch wieder ziemlich individuell.

Was bin ich also?

Ich finde, ich lasse mich in keine der Schubladen komplett hineinstecken. Im Grunde bin ich ein individualreisender Backflashpacker, der auch mal auf touristischen Routen unterwegs ist. Je nach Land kann es sich auch wieder mehr in die eine oder in die andere Richtung verschieben: Für Island zum Beispiel habe ich alles vorgebucht, in Laos die Route vor Ort dreimal über den Haufen geworfen. In Namibia haben wir eine Menge Geld für Unterkünfte ausgegeben, in Thailand hingegen spottbillig gelebt. Eigentlich sind diese Klischees über Reisetypen also Quatsch. Jeder soll halt so reisen, wie es ihm gefällt – und sei es in jedem Urlaub wieder anders!

Danke an Melanie und Thomas von Reisen-Fotografie für den Anstoß, mal darüber nachzudenken, wie ich so reise. Mehr über das Thema Reisetypen liest du in ihrer Blogparade

Hand aufs Herz: Welcher Reisetyp bist du? Kannst du dich eindeutig einer Kategorie zuordnen? Oder bist du auch eher ein Mischtyp? Bin gespannt auf deinen Kommentar!

 

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16 Kommentare

  • Ich finde es immer wieder interessant, wie andere Leute den Begriff „Tourist“ verwenden – meistens falsch. :)

    Denn eine Touristin bist du auf alle Fälle, unabhängig davon, ob du mit dem Rucksack in den billigsten Schlafsälen haust oder dich im privaten Hubschrauber durchs Land chauffieren lässt.

    Interessant finde ich, dass der Begriff „Tourist“ meistens ein Feindbild ist und fast immer „die anderen“ bezeichnet. Das hängt wohl damit zusammen, dass wir wissen, dass unsere Reisen nicht uneingeschränkt etwas Gutes sind und uns wie zum Selbstschutz von anderen Touristen unterscheiden wollen.

    Nur so ein paar Gedankenfetzen zum Thema… :)

    • Du hast natürlich Recht: Ich hätte Pauschaltourist schreiben sollen. Das hätte meine Definition von dieser Gruppe klarer gemacht.

  • Ich erkenne mich absolut wieder in dem Beitrag :-) Ich finde das Kategorisieren etwas schwierig, habe das auch selbst nie so gesehen (eher wird es an einen herangetragen)… Am ehesten wäre ich dann wohl auch ein individualistischer Flashpacker, wohne in Guesthouses/ B&Bs oder einfachen Hotels (Schlafsaal muss nicht mehr sein), benutze öffentl. Verkehrsmittel und esse in Straßenrestaurants etc. . Eigentlich bin ich wahrscheinlich ein BESUCHER des Landes, versuche die Kultur zu erleben mit allem,was dazu gehört: Leute zu treffen, das Essen zu genießen, ein paar Sehenswürdigkeiten zu sehen , zu wandern und im Meer zu schwimmen, mich in riesigen Städten durchzuschlagen… Mit Rucksack, aber ohne Lonely Planet, als Backpacker, aber nicht unbedingt auf dem Banana Pancake Trail…

    • Besucher eines Landes zu sein – diese Formulierung gefällt mir gut! Denn keiner kann mir erzählen, dass er nach ein paar Wochen oder auch Monaten ein Land richtig kennengelernt und verstanden hat. Danke für Deinen Kommentar, Anja!

  • Toller Artikel, ich fand es lustig zu lesen. Dein Fazit finde ich auch toll. Ich denke, keiner, der reisen mag, ist in seinem Leben nur Tourist oder nur Backpacker. Alle Optionen haben ihre Vor- und Nachteile.

  • Hallo,
    Ich reise nach deinen Kategorien gerade als Individualreisender / Flashpacker durch Indonesien. Meine Route habe ich selbst geplant. Sehenswürdigkeiten sind ein Muss. Gerne auch mal bequem von Ort zu Ort. Ein Imbiss an der Strasse kann es auch sein. Zum übernachten habe ich schon gewisse Standards.
    Lg Thomas

  • Hallo Sabine, schön wie du die einzelnen Schubladen beschrieben hast :-) Welcher Reisetyp ich bin kannst Du auf dem Blog von Thomas als Gastbeitrag lesen ;-)
    LG
    Elke

  • „Aber bekannte Sehenswürdigkeiten schaue ich mir durchaus an. Warum sollte ich auf Schönes verzichten? Wird schon einen Grund haben, dass so viele Menschen dorthin fahren!“

    Rischtisch – das sehen wir genau so. Ich finde die Einstellung schlimm, solche Dinge nicht zu besuchen, weil da ja alle hin fahren. Wir sehen das genau so, es wird wohl seinen Grund haben.

    Besonders gut gefällt mir auch die Bezeichnung „individualreisender Backflashpacker“. :-) Die würde auf uns auch zutreffen. Wobei, wir haben (noch) keine Rucksäcke. Für Thailand spielen wir aber mit dem Gedanken uns welche zu kaufen.

    LG Thomas

    • Dann wünsche ich viel Spaß bei der Rucksackauswahl! Ich finde es halt klasse, die Hände freizuhaben. Bin erst gestern wieder mit Köfferchen auf Dienstreise gegangen – und das Schleppen die Treppen runter nervt mich schon ziemlich ..

  • Ich kann viel davon gut nachvollziehen, denn ich könnte mich auch nicht „Typisieren“.
    Ich reise mit dem Fahrrad und dem Zelt, ich reise mit einer Gruppe (wobei ich allerdings auf genug Freizeit achte), ich lebe und ernähre mich schon mal sehr einfach und spartanisch und dann bin ich auch mal im Hilton.

    Und ja, seit ich genug Geld verdiene, merke ich auch, dass ich manches einfach nicht mehr unbedingt haben muss… ich nehm mal das teurere Ticket, um die Schlange auszulassen bei einem Museum. Ich nehme gern mal das etwas teurere Hotel, wenn es eine bessere Lage oder ein inkludiertes Frühstück verspricht. Und ja, ich gehe auch gerne mal einfach essen, auch wenn es mehr kostet :) Und am nächsten Abend kann es passieren, dass ich vor meinem Gaskocher sitze und eine Dose Ravioli aufwärme.

    In den meisten Fällen bin ich wohl ein individuell reisender Flashpacker, aber bei weitem nicht immer. Wieso soll man sich festlegen? Jede Reiseart hat ihre Vorzüge – einfach alle auskosten ;)

    • Freut mich, dass es anderen ähnlich geht und sie sich auch nicht in irgendwelche Schubladen pressen lassen wollen. Danke für Deinen Kommentar, Ilona!

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