Städtetrip nach Polen: Warschau in zwei Tagen

Die polnische Hauptstadt im November zu besuchen, war vielleicht nicht die cleverste Idee – es ist dort einfach nochmal ein paar Grade kälter als hier! Aber ein beruflicher Termin hat mich diese Tage gen Osten verschlagen, und so hatte ich Zeit, mir Warschau in zwei Tagen anzuschauen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten habe ich gesehen, denke ich (oder habe es zumindest versucht …). Dies war meine Zwei-Tages-Tour durch die Stadt:

Tag 1 in Warschau

Altstadt – Stare Miasto

Wie wahrscheinlich alle Touristen habe ich zuerst die Altstadt von Warschau angesteuert, die Stare Miasto. Und die ist wirklich hübsch: Kopfsteinpflastergassen, ein Marktplatz, Kirchen, eine Stadtmauer, alte Hausnummernschilder, ein Schloss (sonntags ist freier Eintritt – entsprechend lang sind die Schlangen vor dem Eingang). In den Häusern der Altstadt finden sich unzählige Restaurants. Beim Blick durch die Fenster sah eines gemütlicher aus als das andere. Also alles sehr malerisch.

Was du allerdings wissen solltest: Die Altstadt ist nach dem Zweiten Weltkreg wieder aufgebaut worden, weil sie komplett zerstört worden war. Das, was du dort siehst, sind also keine Originale. Trotzdem sehenswert, finde ich.

Neustadt – Nowe Miasto

Nördlich der Altstadt, hinter dem Barbakan, dem Wehrturm der Stadtmauer, fängt die Neustadt an. Die ist aber gar nicht so viel jünger als die Altstadt und ebenso hübsch. Auch hier gibt es alle klassischen Zutaten einer Altstadtidylle: bemalte Fassaden, schöne Plätze, malerische Kirchen … Schlendern und schauen lohnt sich!

In der Neustadt habe ich auch einen Restaurant-Tipp für dich: Das Barbakan, direkt hinter dem gleichnamigen Wehrturm, serviert typisch polnische Gerichte wie Pierogen (Teigtaschen), Ente mit Äpfeln und Roter Beete und traditionelle Suppen zu fairen Preisen und in nettem Ambiente.

Königsweg

Fast schnurgerade reicht die zehn Kilometer lange Straße Trakt Królewski – der Königstrakt – vom Königsschloss in der Altstadt bis zum Schloss in Wilanów. Vor allem der erste Teil lohnt einen Spaziergang. Die breite Allee führt an prachtvollen Palästen, Hotels und Kirchen vorbei.

Auch hier ist die Auswahl an Restaurants, Bars und Cafés groß. Je weiter südlich, umso luxuriöser werden die Restaurants und Bars. Mein Tipp: Croque Madame, ein Café mit unglaublichen Torten. Diese Baiser-Kunstwerke nennen sich Pavlova, sind super lecker und ersetzen locker eine Hauptmahlzeit!

Altstadt bei Nacht

Abends bin ich dann noch mal durch die Altstadt und die Neustadt gelaufen – was ein Unterschied zum Tag! Wo sich tagsüber die Menschenmassen durch die Straßen geschoben haben, herrscht am Abend eine fast gespenstische Ruhe. Durch die gelben Straßenlaternen ist die Altstadt in warmes Licht getaucht und gibt ihr einen mittelalterlichen Touch. Sehr romantisch!

Tag 2 in Warschau

Lazienki Park

Der Lazienki Park wird als ein Highlight von Warschau angepriesen: Wasserturm, Orangerie, Palais auf dem Wasser, Eremitage – in ein bis zwei Stunden gibt es viel zu sehen. Hm, im Sommer ist es dort sicherlich wunderschön. Ich habe es allerdings gerade einmal bis ans Eingangstor geschafft, als ein heftiger Regenschauer mich sofort wieder hinaustrieb. Park bei Regen macht nicht wirklich Spaß.

Kultur- und Wissenschaftspalast

Also stattdessen lieber in den Kultur- und Wissenschaftspalast, das Wahrzeichen von Warschau. Das Geschenk aus Russland ist nicht bei allen Polen beliebt. Mich hat das Gebäude schon allein aufgrund seiner Größe erschlagen. 231 Meter ragt der Palast in den Himmel hinein und lässt sich auch durch seinen modernen, fast ebenso hohen Nachbarn Warsaw Towers nicht einschüchtern.

Im Innern geht das Protzen weiter: goldfarbene Aufzugtüren, riesige Kronleuchter, große Säle. Leider konnte ich an keiner Tour durch den Palast teilnehmen, weil mindestens zwei Teilnehmer benötigt werden – und es hatte sich zu der Zeit kein anderer angemeldet. Also fuhr ich nur in den 30. Stock auf die Aussichtsplattform, um mir Warschau von oben anzuschauen. Nun, eine Schönheit ist die Stadt auch von oben nicht unbedingt …

Stadtviertel Praga

Rechts der Weichsel, im Stadtteil Praga, so sagte mal jemand „da hört Polen auf und beginnt Weißrussland. Oder Asien. Oder was auch immer“. Die „wahre unzerstörte Altstadt“ sollte es dort geben. Hörte sich auf jeden Fall spannend an. Ich fuhr also mit der Tram über den Fluss, der Warschau in zwei Teile teilt und fand – nun, einen ziemlich heruntergekommenen Stadtteil.

Viele Häuser waren in einem sehr schlechten Zustand. Der angeblich folkloristische Bazar Różyckiego war eine Ansammlung von traurigen Marktständen mit billigsten Herrenhosen und Damen-BHs in Übergrößen. Auf Anraten eines Ferngeweht-Lesers machte ich mich auf den Weg zum Neon-Museum, das viele der alten Neon-Reklame-Schilder des Viertels gesammelt hat. Leider hatte das Museum montags geschlossen.

Café Wedel

Nachdem ich ordentlich durchgefroren war nach meinem Spaziergang durch die Stadt, habe ich mich wieder in die Tram gesetzt und bin bis zur Haltestelle Centrum gefahren. Ganz in der Nähe befindet sich auf der Straße Szpitalna das alte Caféhaus Wedel, das unbedingt einen Besuch wert ist. Die nostalgische Einrichtung erinnert an vergangene Zeiten, und die Getränkekarte ist ein Traum: Schokoladenvariationen bis zum Abwinken!

Helle, dunkle und weiße heiße Schokolade in zwölf verschiedenen Geschmacksrichtungen, süße Schokolade mit Apfel und Zimt, oder doch vielleicht die geeiste Schokolade? Und dazu eine Praline? (oder zwei oder drei …) Ich habe mich für die weiße Minzschokolade entschieden (köstlich!), meine Begleitung konne sich nicht entscheiden und nahm drei Probierportionen. So konnten wir schließlich gut gefüllt die Rückreise nach Hause antreten.

Haben sich die zwei Tage in Warschau gelohnt?

Sicherlich war ich nicht zur besten Jahreszeit in Warschau. Im Sommer ist es dort bestimmt um einiges schöner. Trotzdem muss ich sagen: Ganz überzeugt hat mich Warschau nicht. Im Vergleich zu Städten wie Prag oder Budapest, die mir auf den ersten Blick gefallen haben, ist mir Warschau zu groß und zu grau. Bis auf die Altstadt hat die Stadt wenig Flair, finde ich. Um die wirklich schönen geheimen Ecken zu finden, musst du wahrscheinlich länger als zwei Tage in Warschau verbringen …

Warst du schon mal in Warschau? Was sind deine besten Tipps für einen Besuch der polnischen Hauptstadt? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

Wenn du noch mehr Warschau-Eindrücke suchst, schau doch mal bei den Warschau-Berichten anderer Blogs vorbei:

WowPlaces: Warschau – unterschätzte Weltstadt
22places: Städtereise Warschau – Tipps für eine unterschätzte Stadt
Lilies Diary: Urlaub in Warschau – der perfekte Hipster Trip

 

 

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11 Kommentare

  • Das beste Ereignis, an welches ich mich über meiner Reise nach Warschau erinnern kann ist der Besuch in dem New Orleans Club. Das ist der Ort, wo ich all das Beste in Polen getroffen habe. Tolle Tänzerinnen und großartiges Esse. Brillant. Manchmal ist dies alles was man benötigt um glücklich zu sein.

  • Meine beste Erinnerung war der Aufenthalt in Warschau, ganz besonders der Besuch im New Orleans Club. Dieser Besuch wird für eine lange Zeit in meinem Gedächtnis bleiben, weil ich mich nicht daran erinnern kann wann ich das letzte mal einen solchen netten Abend mit solchen wunderschönen und schlanken Frauen und solchen feinen Getränke hatte.

  • Mein Kollege hat mir einen Junggesellenabend in Polen organisiert. Wir sind nach Warschau geflogen. Unsere Hauptattraktion war der Besuch im New Orleans Gentlemen’s Club. Es war allerhand los.

  • Hallo Sabine,
    mir ging es genau, als ich letztes Jahr für 3 Tage in Warschau war. Trotzdem fahre ich in 2 Wochen mit meinem Freund für weitere 2 Tage dorthin – gesehen haben muss man die Stadt schon :-) Das „Museum der Geschichte der polnischen Juden“ ist ebenfalls sehr sehenswert, falls Du noch einmal dort sein solltest!

    Liebe Grüße
    Esther

  • Liebe Sabine,

    vielen Dank für die tollen Einblicke. Warschau hatte ich irgendwie bisher gar nicht auf dem Plan, aber wie man sieht, ist es auf jeden Fall einen Besuch wert. Danke für die Inspiration.

    Viele Grüße,
    Tanja

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