Dias scannen lassen – lohnt sich das?

Dias digitalisieren – ist das für dich auch ein Thema? Bei mir musste langsam mal eine Entscheidung her …

Die Älteren unter Euch werden es noch kennen: Früher schleppte man für seine Fotos auf Reisen unzählige Filmdosen mit sich rum, immer mit der Angst, dass die Filme bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen durch die Röntgenstrahlen zerstört werden. Auch ich habe bis 2007 noch analog fotografiert. Seit meiner großen Reise nach Australien im Jahr 1988 habe ich Dias gemacht. Das Zweitschönste bei einer Reise (nach den Reiseerlebnissen selbst) fand ich immer, ein paar Tage nach meiner Rückkehr die fertig entwickelten Diastreifen vom Fotoladen abzuholen, sie in die Rähmchen einzusetzen und voller Spannung den Diaprojektor anzuwerfen.

Da die Diafilme nicht so billig waren, habe ich mich beim Fotografieren stark beschränkt: Ist das Motiv wirklich ein Foto wert? Stimmen auch alle Einstellungen? Wird das Bild voraussichtlich gut werden? Wenn nicht, ließ ich den Auslöser direkt in Ruhe. Von meiner sechswöchigen Kuba-Reise zum Beispiel habe ich gerade mal 250 Bilder mit nach Hause gebracht (soviel schieße ich heute manchmal allein an einem Tag!).

Im Laufe der Jahre haben sich trotzdem unzählige Dias angesammelt: 60 Kästen mit jeweils 100 Bildern haben bei mir jahrelang in der Ecke meines Arbeitszimmers gestanden und mich vorwurfsvoll angeschaut. Zwar habe ich noch einen Diaprojektor, aber das laute Ding habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr rausgeholt. Und mal ehrlich: Nach 50 Bildern jedesmal das Magazin auszuwechseln ist wie damals Cassetten nach zehn Liedern umdrehen zu müssen …

Dias selber scannen?

Also habe ich mich entschieden: Die Dias sollen digitalisiert werden! Für ältere Beiträge auf Ferngeweht habe ich bereits einzelne Dias selber mit einem Scanner von Canon eingescannt, maximale Auflösung: 1200 dpi. Die Ergebnisse sind okaaay – aber auch erst nach aufwendiger Nachbearbeitung mit Photoshop. Vor allem das Entfernen der Staubfussel auf den Dias war eine elendige Arbeit, dazu dann an der Farbe und der Schärfe drehen. An das Originalbild kommt so ein Scan nicht heran.

Fussel-Alarm auf selbstgescanntem Bild: vor allem auf blauem Himmel gut zu erkennen.

Die paar Bilder für den Blog einzuscannen, hielt sich zeitlich ja noch in Grenzen. Aber die Vorstellung, 6000 Dias per Hand bearbeiten zu müssen, schreckte mich doch ab: Ein Dia zu scannen, dauert circa eine Minute (habe es mit der Stoppuhr gemessen). Macht 100 Stunden nur für das Scannen, plus das Dia-Wechseln (ich kann auf dem Scanner nur vier Dias in einem Vorgang scannen), plus die spätere Nachbearbeitung mit Photoshop … Ach nö, die Zeit habe ich dann doch nicht. Also musste ein professioneller Dienstleister her, der Dias in großer Menge verarbeiten hat.

Oder lieber Dias einscannen lassen?

Ich habe mir verschiedene Anbieter angeschaut, darunter Mediafix in Köln. Der Vorteil hier: Ich konnte mir zehn Dias zur Probe in zwei verschiedenen Qualitätsstufen scannen lassen, um zu entscheiden, welche mir am besten gefällt. Die 15 Euro für diesen Probescan werden bei späteren Aufträgen verrechnet. Außerdem konnte ich meine viele Diakästen persönlich im Laden vorbeibringen und musste sie nicht teuer verschicken.

Ich habe mich für das Einscanne der Dias in der Qualitätsstufe Standard entschieden, was einer Auflösung von 3900 dpi entspricht. Außerdem sollten meine Dias mit Druckluft behandelt werden, um die Fussel zu entfernen. Auch eine semi-automatische Bildoptimierung wollte ich mir gönnen, das ist schon mal ein Schritt weniger bei der späteren eigenen Bearbeitung.

Da ich wusste, dass nicht alle 6000 meiner Dias es wert sind, aufbewahrt zu werden, habe ich vor der Auftragsvergabe recht streng aussortiert: Alles, was mich nicht mehr ansprach – etwa das dritte Bild vom Meer oder von Menschen, bei denen ich nicht mal mehr wusste, wer sie eigentlich waren -, wanderte in den Müll. Am Ende blieben gut 3400 Dias übrig, die ich zu Mediafix brachte. Zwei Wochen später erhielt ich die Nachricht, die Dias seien fertig eingescannt. Ich holte meine drei Klappkisten mit den 34 Diakästen sowie meine mit 64 MB gefüllte externe Festplatte wieder ab und war gespannt auf das Ergebnis.

Lohnt sich das Einscannen?

Die diplomatische Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an …

Home-Scanner versus Profi-Scanner

Die Scans unterscheiden sich nicht allzu groß von denen, die aus meinem Scanner kommen.

Dia aus meinem Scanner:

Dia von Mediafix:

Große Unterschiede je nach Dia

Manche Dias werden als Scan gut, bei anderen bin ich etwas enttäuscht, weil sie auf der Leinwand nämlich eigentlich ganz okay aussahen.

Begeistert bin ich zum Beispiel von den Details in diesem Scan:

Dieses hier hingegen ist im Original definitiv besser:

Die Nachfrage beim Dienstleister ergab: Bei manchen Dias lohnt es sich, statt der Standard- die Premiumqualiät für das Einscannen zu nehmen, weil dabei ein ganz anderes Scanverfahren eingesetzt wird. Leider konnte ich ja vorher nicht wissen, für welche Bilder Standard ausreicht und bei welchen Premium besser ist. Mal schauen, ob ich mir für Dias, die mir besonders wichtig sind, noch mal einen Premium-Scan gönne …

Was bringt die automatische Nachbearbeitung?

Auch hier kommt es ganz auf das Dia an. Bei manchen sieht man kaum einen Unterschied, bei anderen wiederum ist der Vorher-Nachher-Effekt enorm. Hier ein Beispiel, bei dem sich die Nachbearbeitung gelohnt hat.

Diascan im Original:

Diascan bearbeitet:

Lohnen sich die Kosten für einen professionellen Dia-Scan?

Bei den Ergebnissen ist (zumindest im Standard-Modus) leider nicht vorauszusehen, welche Scans gut werden und welche nicht. Ein paar Dias, von denen ich dachte, sie seien im Original gut, sind als Scan kaum zu verwenden, andere haben fast die Qualität von einem Digitalfoto.

Insgesamt kostet das Einscannen bei Mediafix für 3400 Bilder in Standardqualität knapp 650 Euro, wenn man wie ich die Extras Druckluft und semi-automatische Bildoptimierung hinzunimmt. Eine Menge Geld – aber wenn ich überlege, wie lange ich selber dafür gebraucht hätte, die Dias einzuscannen, ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Und ganz ehrlich: Wahrscheinlich hätte ich mich selber niemals drangesetzt, soooo viele Dias einzuscannen …

Die letzte Frage ist jetzt noch: Was mache ich mit den 2600 leeren, aussortierten Diarahmen und den 3400 Dias, die ich habe einscannen lassen? Irgendjemand eine Idee???

 

 

6 Kommentare

  • Dein ausführlicher Beitrag kommt zur rechten Zeit, Sabine! Danke!

    Nie und nimmer würde ich 650 Euro für eine Nachbehandlung (und so eine ist das professionelle Scannenlassen) ausgeben.

    Ich habe so an die 10.000 Dias im Keller, alle gerahmt, allerdings ohne Glas, so alt bin ich ja auch nicht. Meistens in Hama-Rähmchen, die ganz alten Dias auch in zweiteiligen Rähmchen von Quelle oder so.

    Im Rahmen der großen Reinmacheaktion folgte ich dem guten Beispiel meiner Gemahlin und habe zunächst einmal alle Bilder von Kaschmir und Ladakh mit dem Diaprojektor angesehen und einen Großteil der Dias entsorgt. Danach habe ich mich an die Peru-Dias gemacht.

    Dankenswerterweise hatte ich einst für beide Themen schon mehrere Tonbildschauen (2 Projektoren, Überblendung, Steuerung mit mehrspurigem Tonband) gemacht, die ich vor Publikum (VHS etc) gezeigt hatte. Mehrere Seiten Vortragsunterlagen habe ich noch gefunden, zudem eine Menge an Zusatzmaterial wie Eintrittskarten, Tickets. Was man halt so aufhebt.

    Aus alle diesen Fotos habe ich ein paar besondere eingescannt und sie mit den anderen abfotografierten Bildern zu Beiträgen auf ReiseFreaks ReiseBlog zusammengefasst. Weil das so schön alt klingt, heißt die Kategorie jetzt „vintage“.

    Vorteil der ganzen Aktion: Ich habe die Reisen gedanklich noch einmal durchlebt (und manchmal durchlitten). Damit hat sich die jeweilige Reise wirklich gelohnt.

    1.) Vorbereitung der Reise
    2.) Durchführung der Reise
    3.) Nachbereitung durch Schaffung von Tonbildschauen
    4.) Vintage-Auswertung auf ReiseFreaks Reiseblog

    Zu Deiner Frage:
    „Die letzte Frage ist jetzt noch: Was mache ich mit den 2600 leeren, aussortierten Diarahmen und den 3400 Dias, die ich habe einscannen lassen? Irgendjemand eine Idee???“

    Diarähmchen habe ich nicht von den Fotos „geleert“, sondern sie einfach entsorgt.

    Die Diakästen biete ich gerade für ’n Appel und ’n Ei auf einer Auktionsplattform an.

    Die übrig gebliebenen Dias habe ich in Diakästen im Keller gelagert, wo sie (vielleicht nie mehr) abgerufen werden.

    • Danke für Deinen Bericht, Wolfgang. Ui, 10.000 Bilder sind natürlich noch mal fast doppelt so viel wie ich ich vor dem Aussortieren hatte. Schön, dass Du die Bilder sogar noch auf dem Blog verwerten konntest – das ist auch noch mein Plan für die eine oder andere Dia-Reise …

  • Oh Götter, vor dieser Frage stehe ich auch und ähnlich wie bei dir, die Trägheit. Dabei habe ich einen richtig coolen Scanner von Nikon. Ich fürchte, ich werde mich mal ländertechnisch trotzdem dransetzen und vorher die Dias abpinseln und abpusten, damit sich der Fusselalarm in Grenzen hält…

    Liebe Grüße inzwischen aus der Schweiz 😉

  • Liebe Sabine, das ist ja mal ein Beitrag, der mir das eigene Denken leichter macht… auch bei uns stapeln sich die Kästen mit Dias. Immer wieder habe ich überlegt, ob ich die selbst einscanne oder sie scannen lasse. Offen gestanden: ich weiß ziemlich sicher: das mit dem selber scannen wird wohl eher an der eigenen Trägheit scheitern. Und vorher noch einmal streng zu sortieren und dann scannen zu lassen – bei akzeptablen Ergebnissen ist das m. E. in Ordnung. Und offen gesagt: die ältesten Dias haben bei uns (ähnlich wie die Papierbilder) schon einen leichten Farbstich bzw. sind verblasst.
    Eine Frage bleibt noch offen: waren die Bilder auch beim Abholen noch sortiert in Deinen Magazinen und sind die Scan-Dateien entsprechend sortiert, vielleicht sogar benannt? Oder beginnst Du mit 3400 willkürlich aneinander gereihten Dateien und musst auch Deine Magazine neu sortieren?
    Viele Grüße aus dem Dorf an der… (Du weißt schon)!

    • Die Diakästen habe ich so zurückbekommen, wie ich sie abgeliefert habe. Die Kästen wurden durchnummeriert entsprechend der Ordner, die auf der Festplatte gespeichert wurden. Innerhalb der Ordner ist die Reihenfolge der Bilder wie in den Kästen. Ich musste dann halt einfach den Ordnern wieder die Namen der Kästen geben, das war alles.

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