1988: Zum Schüleraustausch nach Australien

Meine Mitschülerinnen fuhren nach England oder Frankreich. Mich hingegen verschlug es zwischen dem 12. und dem 13. Schuljahr sechs Wochen zum Schüleraustausch nach Australien. Heute mag es ganz normal sein, nach dem Abitur auf Weltreise zu gehen. 1988 lag Australien für die meisten Menschen jedoch buchstäblich am Ende der Welt – und damit fast unerreichbar.

Mit vier Zwischenstopps nach Australien

Da es vor fast 30 Jahren noch keine echten Langstreckenflugzeuge gab, dauerte es entsprechend lange, ans Ziel zu kommen: Von Münster ging es mit dem Zug nach Bonn, dort umsteigen in den Zug nach Frankfurt (das alles gar nicht so einfach mit drei Koffern und einem Rucksack – ich sollte schließlich sechs Wochen unterwegs sein! Schon lustig, wenn ich mir da heute meine Packliste anschaue …). Der Flieger einer jugoslawischen Airline landete erst in Belgrad, weiter ging es nach Dubai, nächster Stopp Singapur, anschließend Melbourne, und schließlich Sydney. Von Haustür zu Haustür war ich weit über 30 Stunden unterwegs. Der Flug kostete 2300 D-Mark – ganz schön viel für damalige Zeiten.

Sydney in Eigenregie

Gewohnt habe ich bei der Familie, dessen Tochter ein halbes Jahr zuvor sechs Wochen bei mir in Deutschland gelebt hatte und bei uns zur Schule gegangen war. Sie hatten ein Haus in Hurstville, einem Vorort von Sydney. Da die Familie leider keinerlei Interesse daran hatte, mir etwas von Stadt und Land zu zeigen, ging ich bald – zum Schrecken meiner Gastfamilie, die selber nur selten nach Sydney reinfuhr – selber auf Tour. Mit dem Zug fuhr ich ins Zentrum zur berühmten Harbour Bridge und zur Sydney Oper, setzte nach Bondi Beach über und erkundete den Botanical Garden. Für mich als westfälisches Landei, das neben Familienurlauben in Spanien und auf Mallorca noch nicht viel von der weiten Welt gesehen hatte, war das alles ganz schön spannend.

Ausflug nach Swansea

Die meiste Zeit musste ich natürlich zur Schule gehen, denn schließlich war ich nicht nur zum Spaß, sondern zum Lernen in Australien. Eine Woche während meines sechswöchigen Aufenthalts hatten wir jedoch Ferien. Diese Zeit verbrachten wir 130 Kilometer von Sydney entfernt bei der Oma meiner Gastfamilie in Swansea, New South Wales (wie es der Zufall wollte, sollte ich drei Jahre später, während meines Studiums, wieder in Swansea landen – dieses Mal allerdings in Wales, Großbritannien). In Swansea erinnere ich mich vor allem an atemberaubende Strände, die wir im parfümgeschwängerten Auto der Oma besuchten, und an die erstickend vollgestopfte Wohnung der alten Dame.

Krank in Australien

Außer Sydney und Swansea sowie Ausflügen zum Royal Nationalpark, ins Kangaroo Valley und zum Hawkesbury River habe ich leider nicht viel von Australien gesehen. Was – neben meiner lethargischen Gastfamilie – daran lag, dass ich eine von sechs Wochen im Bett lag: Masern lautete die Diagnose. Mit 19 Jahren, während der Reise meines (bisherigen) Lebens – wie lächerlich ist das denn?!

Nun, im Nachhinein lässt sich ja nichts daran ändern. Grund genug eigentlich, endlich mal wieder nach Australien zu fahren. Auch wenn die Flugzeiten ja heute nicht mehr ganz so lang sind, schreckt mich die Anreise immer noch etwas ab. Mal schauen, irgendwann werde ich mich vielleicht doch noch mal überwinden und mich der langen Anreise stellen …

Wohin ging denn deine erste Reise allein? Und an was auf dieser Reise kannst du dich heute noch erinnern? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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9 Kommentare

    • In 20 Jahren hat sich sicherlich viel getan. Und seitdem bestimmt auch nochmal. Irgendwann fahre ich da nochmal hin, um das zu überprüfen :-)

  • Hallo Sabine,

    von einer Reise nach Australien konnte ich als 15-16 Jährige nur träumen. :) Toll das dir deine Eltern das ermöglicht haben. :) Meine erste Reise ohne meine Eltern war auch ein Sprachurlaub. Allerdings nach England auf die Isle of Wight. Damals bin ich auch nicht geflogen, sondern wir sind mit dem Bus gefahren. Da es für mich damals das erste mal alleine im Ausland war, war es ganz schön aufregend. :)

    Liebe Grüße
    Peggy

  • Ich finden es total toll, wenn Eltern ihren Kindern sowas ermöglichen. Bei uns stand das nicht einmal zur Debatte. Ich war weder in England, noch in Frankreich… ich war nirgendwo!
    Aber das hole ich alles nach! :)

    Liebe Grüße,
    Marc

    • Hallo Marc, ja, ich bin wirklich dankbar, dass meine Eltern mir den Schüleraustausch nach Australien a) erlaubt und b) auch finanziert haben (ein klein wenig Taschengeld hatte ich mir durch Schülerjobs auch dazuverdient). Das ist sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Umso schöner, dass dich trotzdem das Reisefieber gepackt hat :-)

  • Wow, zehn Wochen. Das ist schon viel für einen 15-Jährigen (und dessen Eltern ;-) ). Ich bin mir aber sicher, dass er eine tolle Zeit hatte. Viel Spaß mit dem Austauschpartner – wird bestimmt auch interessant.

  • Hi Sabine,

    noch viermal schlafen, dann kommt mein Sohn nach 10 Wochen Schüleraustausch aus Sydney zurück. Daher habe ich deinen Beitrag gerade mit Wonne gelesen… Wir sind so froh, dass er nur einmal in Hongkong umsteigen muss. Alles einfacher heute, aber er ist auch erst 15! Und wir freuen uns seeehr auf seinen Austauschpartner, den er direkt mitbringt und der dann sogar Weihnachten mit uns feiern wird.

    Ich war übrigens mit 14 das erste mal allein (allerdings mit bester Freundin) unterwegs: Sprachreise auf die Isle of Wight. War auch schon toll – die klassische Englandreise eben…

    Liebe Grüße
    Gabi

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