Meine 5 besten Wanderungen auf Madeira

Madeira ist ein wahres Wanderparadies. Auf steilen Küstenwegen empor, eben an den Wasserleitungen, den berühmten Levadas, entlang, durch Lorbeerwälder hindurch, alpin in die Berge oder durch eine Mondlandschaft bis zum östlichsten Zipfel: Obwohl die Insel gerade mal 22 x 57 Kilometer misst, sind die Wanderungen auf Madeira so abwechslungsreich wie kaum ein anderes Gebiet dieser Größe.

Zehn Tage lang waren wir zum Jahreswechsel auf Madeira, sieben Tage davon sind wir gewandert – nur Silvester, als wir in der Hauptstadt Funchal waren, und am An- und Abreisetag haben wir ausgesetzt. Eine Wanderung haben wir abgebrochen, weil wir sie nicht so spannend fanden, alle anderen kann ich auf jeden Fall empfehlen.

Eine der schönsten Wanderungen auf Madeira: vom Pico Arieiro zum Pico Ruivo.

Ausgangspunkt unserer Wanderungen war der kleine Ort Boaventura im Norden der Insel. Für einen Wanderurlaub fand ich Boaventura einen perfekten Standpunkt, da wir von dort mit dem Auto in alle Richtungen gut hinkamen. Der Norden ist ruhiger, da weniger besiedelt, aber auch etwas kühler als der Süden Madeiras. Ich würde jederzeit wieder in dieser Gegend eine Unterkunft nehmen. Bis in den Süden dauert die Fahrt mit dem Wagen durch die erst in den 1990er-Jahren gebauten Tunnel gerade einmal eine halbe Stunde.

Hier kommt meine Top 5 (plus ein Extra-Tipp) unserer Wanderungen auf Madeira:

Top 5 Wanderung auf Madeira: Von Boaventura nach São Jorge

Diese kurze Wanderung war perfekt für Neujahr, nachdem wir von den Silvesterfeierlichkeiten in Funchal erst einmal ausschlafen mussten. Los geht es in Boaventura – allerdings nicht im Ort selber, sondern unten an der Küste. Einfach den Schildern zum Mirador folgen, bis du zum Restaurant São Christóvão am Ende der Straße kommst. Hier siehst du schon den Verlauf des Wanderweges entlang dem steil bis zum Meer abfallenden Felsen (ich konnte erst nicht glauben, dass wir tatsächlich dort entlanggehen sollten …).

Rauf und um den Felsen herum: Wanderstart in Boaventura.

Du kannst am besten das Auto auf dem Restaurantparkplatz abstellen und ein paar Meter auf der Straße zurücklaufen, bis du zu einer Bank kommst. Dort ist der Einstieg der Wanderung. Hinter einer Brücke geht es über zahlreiche Serpentinen steil den Berg hinauf. Von hier oben sieht der Weg schon weit weniger gefährlich aus als vom Parkplatz, aber nicht Schwindelfreie sollten lieber nicht zu weit nach unten schauen.

Nach einer Stunde ist auch schon das Ziel erreicht: das Restaurant Arco de São Jorge mit seinem hübschen kleinen Balkon mit Meerblick (unser „Stammlokal“ – das einzige, in dem wir zweimal essen waren, weil es so lecker war). Zurück geht es auf dem gleichen Weg, am Ende wieder steil die Serpentinen hinunter. Dieser Wanderweg ist übrigens ein Überbleibsel des Küstenweges, der einst um die gesamte Insel herumführte.

Nicht nach unten schauen: von Boaventura nach Arco do São Jorge.

Top 4 Wanderung auf Madeira: Levada do Rei

Für uns die ideale Einstiegswanderung an einer Levada entlang. Levadas sind auf Madeira weit verbreitet: Schon im 15. Jahrhundert wurden zahlreiche Quellen und Bäche abgezapft, so dass die Bauern das Wasser auf ihre Felder umleiten konnten. Neben den offenen Wasserleitungen verlaufen Wartungswege, die du als Wanderer hervorragend nutzen kannst. Da die meisten Levadas ein geringes Gefälle haben, sind die Levada-Wege oft nicht sehr steil – aber mitunter eng.

Immer am Wasser entlang: die Levada do Rei.

Der Einstieg zur Wanderung entlang der Levada do Rei – der Königs-Levada – erfolgt von der Straße ER 101 bei São Jorge (Beschilderung zur Watermill folgen, direkt gegenüber zweigt die Straße zum Leuchtturm, Farol, ab). Am Wanderschild geht es los, fast eben immer entgegen der Flussrichtung der Levada. In einem Tal macht die Levada einen steilen Linksknick. Wir folgen ihr bis zum Ende kurz hinter dem kleinen Wasserfall, unter dem du dich hindurchschlängeln musst, um nicht nass zu werden.

Zurück geht es bis zu dem großen Knick, wo wir den Weg auf den links abzweigenden Pfad verlassen. Oben angekommen biegen wir nach rechts ab, kurz darauf folgt der Zugang zum Forsthaus, das zu unserem Besuch unbewohnt war, sodass wir vom Garten aus die Aussicht ins Tal genießen konnten. Nach weiteren 1,5 Kilometern sind wir zurück am Wanderschild, dem Start unserer insgesamt knapp 10 Kilometer langen Wanderung.

Achtung, Rutschgefahr: unterm Wasserfall am Levada do Rei.

Top 3 Wanderung auf Madeira: 25 Quellen bei Rabaçal

Eine weitere empfehlenswerte Levada-Wanderung startet in Rabaçal auf der Hochebene Paúl da Serra. Wir wollten über den Encumeada-Pass dorthin fahren, aber die Zufahrtsstraße war wegen Steinschlag gesperrt, sodass wir einen Umweg von eineinhalb Stunden machen mussten, um vom Süden aus über Ponta do Sol nach Rabaçal zu gelangen. Also am besten vorher erkundigen, ob die Straße ab dem Pass wieder frei ist.

Wanderung mit Dach: Levada unter Lorbeerbäumen.

Bei Rabaçal gibt es einen großen Parkplatz, von dem aus regelmäßig ein Shuttlebus in den kleinen Ort hinunterfährt, der nur aus ein paar Häusern und einem einem netten Restaurant besteht. Wir sind auf dem Hinweg die knapp zwei Kilometer hinuntergelaufen und haben erst auf dem Rückweg den Shuttle genommen. Vom Restaurant aus kannst du wählen zwischen dem Weg zum Risco-Wasserfall und dem zu den 25 Quellen. Wir haben beides gemacht, wobei ich den Wasserfall und den Weg dorthin nicht besonders spektakulär fand.

Die Strecke zu den 25 Fontes hingegen hat mir sehr gut gefallen. Es geht durch Lorbeerwälder immer an der Levada entlang, teilweise ist der Weg sehr eng, und du musst Entgegenkommende vorlassen. Wir waren leider an einem Wochenende dort, sodass zu den üblichen Touristen auch noch viele Einheimische kamen. Entsprechend oft mussten wir auch auf größere Gruppen warten. Früher oder später am Tag ist es ruhiger als zur Mittagszeit. Verlaufen kannst du dich nicht, alles ist bestens ausgeschildert. Am Ende erwartet dich ein wunderschöner halbrunder, hoher Felsen, aus denen (bestimmt mehr als) 25 Quellen sprudeln.

Ziel der Wanderung ab Rabaçal: die 25 Quellen.

Top 2 Wanderung auf Madeira: Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo

Wenn es auf Madeira wolkig ist (und das ist es häufig mal, vor allem im Norden), dann solltest du dich schleunigst so hoch wie möglich begeben – 1862 Meter ist das Maximum, so hoch ist nämlich der Pico Ruivo, der höchste Berg Madeiras. Knapp darunter liegt der Pico Arieriro mit 1818 Metern. Zwischen den beiden Gipfeln verläuft ein fantastischer Weg, der nur am Anfang und am Ende steil ist und ansonsten recht eben durch gut ein halbes Dutzend Tunnel führt (Taschenlampe nicht vergessen!).

Steil bergab vom Pico Arieiro.

Mit dem Auto kannst du bis zum Pico Arieriro hinauffahren. Von dort zeigt schon ein Wegweiser den Pfad Richtung Pico Ruivo an. Verlaufen kannst du dich nicht, es gibt nur einen Weg. Die Alternative über einen weiteren Gipfel, den Pico das Torres, gibt es nicht mehr (wie unser veraltetes Wanderbuch behauptete). Anfangs geht es recht steil über viele Treppen bergab, dann lange Zeit flach mit spektakulären Ausblicken ins Tal, und am Ende steil den Pico Ruivo hinauf.

Diesen Aufstieg sparen wir uns, weil wir schon ein paar Tage zuvor von der anderen Seite den Pico Ruivo bestiegen haben. Vom Parkplatz an der Achade do Teixera auf 1600 Meter führt ein guter Weg in drei Kilometern auf den Gipfel (das ist mein Extra-Tipp für eine sechste Wanderung). Da wir wieder 4,5 Kilometer zurück zum Pico Arieiro laufen müssen, kehren wir also vor dem letzten großen Anstieg um und genießen noch einmal die tolle Aussicht.

Fernblick mit Wolken: auf dem Pico Ruivo.

Top 1 Wanderung auf Madeira: Ponta de São Lourenço

Meine absolute Lieblingswanderung führt bis an den äußersten Ostzipfel von Madeira, den Ponta de São Lourenço. Während Madeira ansonsten in großen Teilen sehr grün ist (vor allem im Norden), fühle ich mich hier wie in einer Mondlandschaft. Am Gestein in allen Rottönen kannst du die Entstehung der Insel erkennen, die durch einem Vulkanausbruch geformt wurde: Zwischen den Felsspalten siehst du noch erkaltete Lavaflüsse. Hinter jeder Kurve erwartet dich ein Wow-Anblick nach dem anderen: rote Felsnadeln im tiefblauen Meer, steile Klippen, auf denen freche Möwen nisten, ein Felstor in der Ferne.

Der östlichste Zipfel von Madeira: am Ponta de São Lourenço.

Auch hier brauchst du immer nur dem einzigen Weg zu folgen, eine Karte ist nicht nötig. Nach gut drei Kilometern erreichst du eine kleine Oase in der kargen Landschaft. Unter den Palmen verbirgt sich das Casa do Sardinha, ein Häuschen, das ein Museum beherbergt, aber leider keinerlei Essen oder Getränke anbietet. Auch eine Toilette sucht man vergebens. An einigen schattigen Tischen kannst du jedoch dein eigenes Picknick verspeisen, bevor du dich auf den letzten Teil der Strecke machst, den Gipfel an der östlichsten Spitze von Madeiras. Von dort kannst du einen Blick auf die zwei vorgalgerten Inselchen werfen.

Wenn du auf dem Hinweg den unteren Weg zum Casa do Sardinho gegangen bist, kannst du jetzt den oberen Weg nehmen. Auf jeden Fall Sonnenschutz nicht vergessen, denn auf den gesamten sieben Kilometern (eine Strecke) gibt es keinen Schatten.

Oase am Ponta de São Lourenço: die Casa do Sardinha.

Meine Tipps für Wanderungen auf Madeira

  • Einen Wanderführer brauchst du für die beschriebenen Wanderungen eigentlich nicht. Ich war trotzdem froh, dass ich ein Buch besorgt hatte, das uns einen guten Überblick über die Wandermöglichkeiten auf Madeira gab. So wussten wir auch immer genau, wie wir zum Einstieg der Wanderung gelangten und welche Steigungen uns erwarteten.
  • Das Wetter kann sich auf Madeira schnell ändern, deshalb ist es sinnvoll, immer eine leichte Regenjacke und eine Jacke gegen den Wind dabei zu haben. Vor allem im Winter wurde es an schattigen Stellen schnell kühl.
  • Wanderschuhe sind unerlässlich bei einem Wanderurlaub auf Madeira. Im Gebirge ist es oft steinig, Stufen sind steil und mitunter rutschig, und selbst die Levada-Wanderungen sind manchmal recht anspruchsvoll.
  • Unser Wanderführer mahnte einige Male, dass so manche Wanderung für Menschen mit Höhenangst eine Herausforderung sei. Ich persönlich habe gar keine Probleme mit der Höhe, aber wer schmale Grate oder enge Levada-Wege, auf denen man auch mal ein bisschen balancieren muss, scheut, sollte einfachere Wanderungen auswählen.
  • Zu einigen Startpunkten der Wanderung fahren auch Busse, die aber alle in Funchal starten. Wer also nicht direkt in Funchal wohnt oder flexibel sein will, braucht als Individualreisender zum Wandern auf Madeira ein Auto.

Tolle Bilder von Madeira findest du übrigens bei Natur und weg. Und bei Days Weeks & More liest du, wie man die Wanderung vom Pico Arieiro zum Pico Ruivo nicht machen sollte …

Warst du auch schon mal auf Madeira wandern? Hast du vielleicht weitere Tipps für schöne Wanderungen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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15 Kommentare

  • Hallo Sabine,
    ein schöner Bericht und tolle Bilder. Auf Madeira war ich vor zwei Jahren. Die Wanderungen Ponta de Sao Lourenco und Pico Ruivo habe ich auch gemacht. Den Pico Ruivo haben wir allerdings vom Nordosten bewandert und es war eine anstrengende, aber wunderschöne Tour. Ich würde mal wieder nach Madeira fliegen, um andere tolle Wanderungen zu machen.

  • Ohhhhh man, ich bekomme grad ganz fieses Madeira-weh! Ich war vor 3 Jahren dort und habe auch einige Wanderungen gemacht, unter anderem auch die bei der Ponta Sao Laurenco. Super schön!

    Empfehlen kann ich auch die Wanderung vom Jardin de Botanico nach Funchal hinein. Sie führt ein zwei Wasserfällen entlang und bietet tolle Ausblicke. Man läuft dort die ganze Zeit an einer Levada entlang. Ich weiß den Namen der Wanderung leider grad nicht mehr, aber vielleicht komm ich nochmal drauf :)

    Liebe Grüße
    Madlen

    • Danke für den Tipp mit der Wanderung um Funchal, Madlen. Ja, man kann sicherlich noch ein paarmal nach Madeira fahren und hat sicherlich noch immer nicht alles gesehen …

  • Hallo Sabine,

    Die Wanderung zum Ponta de São Lourenço haben wir auch gemacht, die finde ich auch wirklich wunderschön! Wir waren nur leider schon sehr müde, da wir AM SELBEN TAG zuvor die Wanderung vom Pico Arierio zum Pico Ruivo gemacht haben und das dann doch ein bisschen viel für uns war. ;)

    Für meine nächste Reise auf die Blumeninsel merke ich mir gleich mal deine tollen Levada Wandertipps vor. :)

    Liebe Grüße,
    Eva

    PS: vielen lieben Dank für deine Verlinikung. :)

  • Hallo Sabine,

    tolle Eindrücke von der Blumeninsel. Die Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo will ich auch unbedingt nochmal machen.

    Vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu den Tipps:
    Gerade im Winter kommt es aufgrund des Regens im wieder zu stärkeren Erdrütschen. Daher kann es auch mal vorkommen, dass Wanderwege gesperrt sind. Am besten vor dem Start der Wanderung sich im Touristenbüro oder online auf VisitMadeira erkundigen, ob der Weg frei ist :-)

    Viele Grüße
    Christian

  • Liebe Sabine,
    Jaaa das sind tolle Wanderungen, die du beschrieben hast. Wir sind ähnliche Routen gelaufen. Bei São Jorge sind wir unten am Meer links zur Fischerbrücke gewandert, die war zwar nicht immer so super gesichert, aber das Abenteuer hat sich auch richtig gelohnt.
    Deine Nr 1 ist eindeutig auch unsere Nummer 1!!!
    LG Annika

  • Hallo Sabine,
    deine Top 3 bin ich auch gelaufen und fand alle drei auch richtig herrlich! Leider war die Überschreitung vom Pico Ruivo zum Pico do Arriero wegen eines Erdrutsches, der den Weg weggerissen hatte, leider nicht möglich, daher war ich nur auf dem Pico Ruivo. Ich habe noch einige weitere Wanderungen unternommen und war von jeder einzelnen begeistert. Ich glaube fast, es gibt kaum Totalausfälle auf Madeira. Daher möchte ich unbedingt noch mal hin, die Levada-Wanderungen sind ja sogar kinderfreundlich.
    Danke für die schönen Fotos, die Erinnerungen geweckt haben :-)
    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Ja, mit Erdrutschen muss man immer mal rechnen – auf Straßen und Wanderwegen. Leider sind auch viele der kleinen Straßen um die Tunnel herum mittlerweile wegen Steinschlag gesperrt. Daher fährt man häufig durch Tunnel statt die netten Routen entlang …

  • Liebe Sabine,

    vielen Dank für diese traumhaften Impressionen. Jetzt rückt Madeira doch wieder weiter nach oben auf unserer Liste. Ein Traum!

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Das freut mich! Madeira müsste für Euch doch perfekt sein: nicht so weit zu fliegen, nicht so viel Auto zu fahren, nette Wanderungen je nach Gusto … Nichts wie hin :-)

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