Essen auf Madeira: Spannende Spezialitäten

Pastéis de Nata - eine der vielen Spezialitäten auf Madeira. (Alle Bilder: Jochen Hafner)

Während unserer zehn Tage auf Madeira sind wir nicht nur gewandert, sondern haben uns auch kreuz und quer durch die Speisekarten der Insel gefuttert. Madeira hat in punkto Essen mehr Spezialitäten zu bieten, als wir von solch einer kleinen Insel erwartet hätten. Das waren unsere kulinarischen Entdeckungen auf Madeira:

Typisch Madeira: Fleisch-Spezialität Espetada

Das erste Mal, als uns dieses Fleischgericht serviert wurde, haben wir uns ein bisschen erschreckt: Wir erhielten an einer speziellen Hängevorrichtung einen mindestens 50 Zentimeter langen Spieß mit großen Fleischbrocken an den Tisch gebracht. Wer sollte die denn alle essen??? War aber am Ende halb so schlimm – denn das gegrillte Rind- oder Kalbfleisch ist wirklich lecker. Zwischen den Fleischstücken hängen Lorbeerblätter aus den heimischen Wäldern. Früher war auch der Spieß aus Lorbeerholz, heute werden aus Umweltschutzgründen Metallspieße verwendet. Zum Fleisch werden Kartoffeln und Gemüse serviert. Achtung: Wer sein Rindfleisch am liebsten medium oder gut durch isst, sollte dies vorher sagen – uns war das Grillgut beide Male noch zu roh.

Typisch Madeira: Fisch-Spezialität Espada

Klingt ähnlich wie der Fleischspieß, ist aber etwas ganz anderes: Espada ist ein Degenfisch, der aus den Meerestiefen vor der Insel gefangen wird. Für Espada gibt es verschiedene Zubereitungsmöglichkeiten. Wir haben den Fisch paniert mit gebratenen Bananen (den typisch kleinen, die es auf der Insel gibt) gegessen. Auf anderen Speisekarten haben wir ihn auch gegrillt oder mit Garnelen verziert gesehen. Der Degenfisch hat ein eher weiches und fettarmes Fleisch. Er schmeckt auf jeden Fall weit besser als er aussieht, wie wir bei unserem Besuch auf dem Markt von Funchal festgestellt haben.

Typisch Madeira: Meeresfrüchte-Spezialität Lapas

Tintenfisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte bekommst du häufig auf Madeira – wie auch anderswo auf der Welt. Unbekannt hingegen waren mir bis zu unserem Madeira-Besuch Lapas. Die Gemeine Napfschnecke ist laut Wikipedia eine Schneckenart, die vor allem in algenreichen Gebieten an Felsenküsten vorkommt. Serviert werden Lapas in einem Metallpfännchen, in dem sie mit Knoblauchbutter und Kräutern gegart wurden. Da ich – im Gegensatz zu meinem Partner – Meeresfrüchte gern esse, musste ich diese Meeresschnecke unbedingt probieren. Sie schmeckt – interessant. Die Konsistenz ähnelt einem Gummiband, aber der Geschmack hat mich überzeugt (vielleicht waren es auch eher die Kräuter und der Knoblauch, die ich so gern mochte).

Für Zwischendurch: Bolo de Caco

Ob als Vorspeise, Beilage oder kleiner Zwischensnack, im Restaurant oder im Imbiss: Bolo de Caco findest du fast überall auf Madeira. Das Fladenbrot besteht zum Teil aus Süßkartoffeln und wird nach dem Backen erneut erwärmt und mit Kräuter-Knoblauchbutter bestrichen. Sehr lecker! Manchmal sind die Köche auch kreativer und befüllen das Brot mit Salat, schmelzendem Schnittkäse, pikantem Hackfleisch oder einem Brotaufstrich. Mir hat die Knoblauch-Variante vollkommen ausgereicht. Bolo heißt übrigens auf Portugiesisch Kuchen, Caco ist ein flacher Stein, auf dem das Brot früher traditionell gebacken wurde.

Jederzeit: Pastéis de Nata

Schon bei meiner ersten Portugalreise vor fast 15 Jahren habe ich mich in Pastéis de Nata verliebt. Die Blätterteigtörtchen sind mit einer Puddingcreme aus Eigelb, Zucker, Milch und Mehl gefüllt und werden dann überbacken – absolut köstlich! Ich habe jeden einzelnen Tag auf Madeira eines dieser Törtchen gegessen und hatte nach unserer Rückkehr Entzugserscheinungen. Aber Achtung: So ein süßer Snack ersetzt im Grunde eine ganze Mahlzeit … Ein einzelnes Törtchen heißt übrigens Pastel de Nata – aber wer bestellt schon nur eines von diesem göttlichem Gebäck? Nachschub gibt es in fast jeder Bar und natürlich beim Bäcker. Auf dem Bild ist übrigens eine Variante mit Maracuja zu sehen – ich bevorzuge jedoch das Original.

Getränke auf Madeira: Poncha

Aufgepasst! Poncha sieht superlecker aus, ist aber ein Teufelszeug. Das Getränk ist eigentlich ein erfrischender, süss-säuerlicher Cocktail, bestehend aus Orangen, Zitronen oder Maracuja plus Honig und: Aguardente, einem madeirensischem Brand aus frischem Zuckerrohrsaft. Letzterer zieht dir aufgrund seines hohen Alkoholgehalts die Schuhe aus – besser, wenn du danach kein Auto mehr fahren musst. Die Früchte werden mit einem hölzernen Poncha-Mixer gestampft. Der „Caralhinho“ (ich übersetze das jetzt hier mal nicht …) sieht aus wie ein Caipirinha-Stampfer und wird zwischen den Händen hin- und herbewegt. Wir haben ein Glas am Silvestertag auf dem noch offenen Weihnachtsmarkt getrunken, ein weiteres auf Kosten des Hauses nach einem opulenten Abendessen in einem Restaurant. Beide Male lecker – aber bestimmt kein Getränk für den ganzen Abend, wie es die Madeirenser gern halten! *hicks*

Getränke auf Madeira: Madeira-Wein

Wer in Deutschland Madeira sagt, meint nicht selten den berühmten Likörwein der Insel. Früher wurde er auf Schiffen durch die Tropen transportiert, um zu reifen, heute wird er bei großer Hitze mindestens drei Jahre an Land gelagert. Meist steht Madeira in vier Rebsorten zur Auswahl: süß, halbsüß, halbtrocken und trocken – je trockener, umso heller seine Farbe. Ich bevorzuge die ersten zwei, das ist aber Geschmackssache. Je älter der Wein, umso teurer ist er.  Als die edelste Sorte gilt der „Vintage-Madeira“, der mindestens 20 Jahre im Fass und zwei Jahre in der Flasche reift. Madeira genießt man als Aperitif oder als Dessertwein – oder einfach so in einer lauschigen Nacht auf dem hoteleigenen Balkon.

(Für die Essensfotos war übrigens wie immer mein Partner Jochen Hafner zuständig – ich habe meist gar nicht die Geduld dazu und fang schon mal an zu essen, während er die schönen Bilder macht  …)

Habe ich dir Lust auf das Essen auf Madeira gemacht? Falls du planst, nach Madeira zu fahren, wünsche ich jetzt schon mal „Guten Appetit“. Oder wie die Portugiesen sagen: „Bom apetite!“ Was ist dein Favorit unter den Spezialitäten?

 

 

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11 Kommentare

  • Mmmm, das sieht so lecker aus.
    Pastéis de Nata, Bolo de Caco, Fleisch-Spezialität Espetada…
    Diese ungewöhnlichen Gerichte müssen sicherlich sehr lecker sein.
    Ich bin hunger))) Ich will das essen)))
    Ich mag solche Artikel lesen und dann lecken))
    Ich hoffe, dass ich irgendwann diese Leckereien probieren werde.

  • Bom Dia,
    Jaaa auf Madeira hab ich mir damals in 1 Woche 5 Kilo angefuttert . Bolo do caco und die göttlichen Fleischspieße sind ganz vorne mit dabei. Ich jab übrigens beide Varianten gehabt, mit Metall und mit Holzspieß. Bei Poncha scheiden sich die Geister, ich fand das Zeug ungenießbar, ich bin aber auch kein großer Alkoholfan. Eine typische Spezialität vermisse ich aber bei deiner Aufzählung, und zwar Milho frito. Dabei handelt es sich um fritiert
    Maismehlwürfel. Gab’s bei und ständig als Beilage. Sind die euch nicht über den Weg gelaufen?
    Falls es dich interessiert, schau mal hier: https://www.borboletameetsworld.de/2017/12/14/5-highlights-auf-madeira-für-nicht-wanderer/
    In Punkt 5 geht es auch nur ums Essen auf Madeira

    Kulinarische Grüße

    • Stimmt, Susanne, Milho frito hatte ich auch einmal. Die waren aber gar nicht so meins. Kein Wunder, dass du 5 Kilo zugelegt hast ;-)

  • Liebe Sabine,

    nach deinem Bericht weiß ich nun, dass ich nicht nur wegen der tollen Landschaft nach Madeira reisen sollte.
    Der Espada mit Banane hört sich sehr gut an, Pasteis de Nata sowieso.
    Lapas habe ich übrigens in Chile gegessen, sie gehören dort in den typischen Eintopf aus Fisch und Meeresfrüchten. Ich musste auch erst mal nachgucken, was das ist.

    Liebe Grüße Gina

    • Hallo Gina, echt, Lapas gibt es auch in Südamerika? Dann muss ich doch beim nächsten Mal danach Ausschau halten. Eine weitere Chance würde ich ihnen noch geben …

  • Das klingt wahnsinnig lecker!
    Die Pastéis de Nata habe ich auch tatsächlich in Singapur entdeckt.
    Unter anderem als „Egg Tarte“, das schmeckte mir so gar nicht, weil es einfach nur nach Ei schmeckte.
    Und auch mit den Muscheln könnte ich mich nicht anfreunden.
    Aber wahnsinnig leckere Sachen sind dabei!

    Viele Grüße aus Singapur!
    Michelle | The Road Most Traveled

    • Egg Tarte scheint mir aber was anderes zu sein als Pastéis de Nata. Die schmecken eigentlich gar nicht so doll nach Ei, eher nach dem vielen Pudding darin (Mist, jetzt habe ich schon wieder Hunger …).

  • Beim Madeirawein sollte hingewiesen sein, dass nur noch der mit Altersangabe traditionell an Land gelagert wird. Alle anderen werden in Stahlstanks künstlich erhitzt und danach 2 Jahre gelagert. Auch reift er in Flaschen nicht mehr nach, da er schon im Fass zu fast 100% oxidiert ist. Auch gibt 5 traditionelle Traubensorten (weiß) wovon 2 halbtrocken und eine Allroundtraube (rot). Flaschen ohne Traubenname sind aus der Tinta Negra rot hergestellt. Außer Blandys mischen alle anderen 5% der Allroundtraube bei. Ebenfalls zu erwähnen sind neben den Vintage auch die Colheitas.

    • Hallo Torsten, vielen Dank für die Detailinformationen! Du kennst dich ja richtig aus. Ich habe Madeirawein nur getrunken und konnte sagen: Dieser schmeckt besser, jener weniger gut ;-) Danke also für die Ausführungen, sehr interessant.

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