Bunt, lecker, voll: Der Markt in Funchal

Die blauen Fliesenbilder zeigen schon am Eingang, was den Besucher des Mercado dos Lavradores, des Bauernmarktes in Funchal auf Madeira erwartet: Blumenverkäuferinnen, Fischhändler, Obst- und Gemüsestände. Und das schon seit fast 80 Jahren: 1940 wurde das zweistöckige Marktgebäude eröffnet. Auf 9.600 Quadratmetern – der Großteil davon in einem offenen Innenhof – bieten die Händler täglich außer sonntags ihre Waren feil.

Der Markt erstreckt sich über zwei Etagen: Im Erdgeschoss finden sich die Obst-, Gemüse-, Fisch-, Fleisch-, Korbwaren-, Wein- und Blumenstände, im Obergeschoss werden getrocknete Früchte, Obst, Gewürze, Kräuter und Samen verkauft. Den besten Blick auf das Gewusel im Markt hast du vom Obergeschoss hinunter in den Innenhof. Da kannst du dich ans Geländer stellen und ausgiebig das emsige Treiben beobachten.

Als Marktfan durfte ich mir den Mercado dos Lavradores bei unserem Madeira-Aufenthalt natürlich nicht entgehen lassen. Das denken sich leider auch die meisten anderen Madeira-Besucher, so dass sich häufig mehr fotografierende Touristen als potenzielle Käufer auf dem Markt in Funchal aufhalten. Die Händler sind manchmal etwas genervt von den Touristenmassen – versuchen aber trotzdem tapfer, ihre Produkte zu deftigen Preisen an den Mann und die Frau zu bringen.

Exotisches Obst auf dem Markt in Funchal

Auch wir lassen uns von einer hartnäckigen Trockenobstverkäuferin überreden, nach ausgiebiger Verkostung ein überteuertes Tütchen mit getrockneten Kiwis, Mangos und Datteln mitzunehmen (die allerdings sehr lecker waren). An den Obstständen liegen nicht nur die uns bekannten Sorten aus, sondern auch viele exotische Früchte, die ich bei uns noch nie gesehen habe.

Da sind zum Beispiel die Philodendron-Früchte, die die Form eines Tannenzapfens haben, deren Fruchtfleisch aber schmeckt wie eine Mischung aus Banane, Birne und Ananas:

Besonders stolz sind die Madeirenser auf ihre große Auswahl an Maracujas. Acht verschiedene Sorten der Passionsfrucht gibt es auf der Insel – und praktischerweise heißen sie so, wie sie schmecken oder aussehen: Tomaten-Maracuja, Bananen-Maracuja, Zitronen-Maracuja oder Orangen-Maracuja. An vielen Ständen kannst du die Maracuja-Varianten probieren:

Eine weitere Frucht, die auf Madeira wächst, ist die Pitanga, die Surinamkirsche. Leider haben wir sie nicht probiert, aber sie sieht schön aus:

Darüber hinaus kannst du auf dem Markt in Funchal viele weitere exotische Früchte entdecken: Ananas, Mangos, Papayas, Drachenfrüchte, Guaven und die leckeren einheimischen Zwergbananen, die es wegen EU-Standards aufgrund ihrer zu geringen Größe schwer haben auf dem europäischen Markt.

Nach Birne schmeckt die Frucht Anona – auch Paradiesapfel, Zuckerapfel oder Cherimoya genannt:

Kräuter auf dem Markt von Funchal

Im Obergeschoss erwartet dich ein wahres Dufterlebnis: An den Ständen hängen büschelweise getrocknete Kräuter. Zwei Männer schneiden die Gewächse portionsfertig für die kleinen Säcke ab, die später verkauft werden. Thymian, Koriander, Orgeano und Kamille sind mir als Erinnerung in der Nase geblieben:

Darüber hinaus haben mich im Obergeschoss die Unmengen von verschiedenen Chillies beeindruckt, die fotogen an den Ständen hängen:

Außerdem haben wir hier endlich auch die getrockneten Lorbeerblätter entdeckt, die wir in den Tagen zuvor beim Wandern in den Lorbeerwäldern gesehen haben. Vier Arten von Lorbeerbäumen wachsen auf Madeira, nur die Blätter des Kanarischen Lorbeer sind zum Kochen geeignet:

Fisch auf dem Markt in Funchal

Nichts für schwache Nerven ist die Fischhalle im Markt von Funchal. Hier liegen reihenweise die frischgefangenen Meerestiere und werden vor den Augen der Käufer ausgenommen: bunte Papageifische, Tunfischscheiben mit einem Durchmesser von gut 30 Zentimetern, ganze Tintenfische, Makrelen, Muscheln und natürlich der berühmteste Fisch von Madeira, der Degenfisch. Er wird aus 1500 Metern Tiefe aus dem Meer geholt. Durch den Druckunterschied stirbt er schon beim Heraufholen des Fangs – niemand soll bislang einen Degenfisch lebend gesehen haben.

Für den Markt in Funchal solltest du dir auf jeden Fall ausgiebig Zeit nehmen. Wir waren fast zwei Stunden dort. Ob du etwas zu den überteuerten Preisen kaufen willst, musst du selbst entscheiden. Ich finde auf jeden Fall: Wenn ich viel an einem Stand probiere, kaufe ich zum Dank auch eine Kleinigkeit. Wer das nicht will, sollte vielleicht von Anfang an eine Verkostung der Früchte ablehnen.

Welcher Markt hat dich bislang am meisten beeindruckt? Als Marktfreund freue ich mich auf deine Tipps in den Kommentaren!

 

 

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14 Kommentare

  • Achtung: Ein Verkäufer in der 2. Etage (in der Ecke über dem Fischmarkt) hat ziemlich aufdringlich verkauft und viel in die Tüte gepackt. An der Kasse erfuhren wir dann, dass er zum Beispiel für die Philodendronfrüchte 25 Euro pro Kilo wollte (auch für die verschiedenenen Papaias). In der 1. Etage gibt es die gleichen Früchte für 8 Euro und in einem Laden 100m weiter für 4.95/Kilo. Wer versucht, mich zu bescheissen, hat verspielt. Wir sind dann einfach weggelaufen

  • Ich war während meiner Madeirareise zweimal in der Markthalle. Einmal habe ich Blumenzwiebeln gekauft, die sind im Garten meiner Eltern auch erblüht. Bei meinem nächsten Besuch im Mai werde ich sicher auch den Markt besuchen, ich mag Märkte einfach sehr, sehr gerne…

  • Hallo Sabine!

    Ich war von diesem Markt genauso schwer begeistert wie du und hab mir auch ein paar Maracujas zu einem etwas unverschämten Preis andrehen lassen – aber gut, ich verkrafte es, und sie sind ja wirklich irre lecker :-) ! Der Degenfisch hat uns so neugierig gemacht, dass wir eine Stunde später gleich mal einen essen gegangen sind – und er schmeckt echt gut. Wenn ich es irgendwann einmal schaffe, meinen Funchal Artikel zu schreiben, verlinke ich deinen Beitrag gerne, wenn ich darf :-)

    LG Barbara

    • Hallo Barbara, Degenfisch haben wir insgesamt drei-, viermal gegessen, war immer sehr lecker. Noch besser aber ist der Schwertfisch – wenn du den mal probieren kannst, mach das!

  • Ha, richtig geraten auf FB! Ich musste direkt auf deinem Blog nachgucken :-)
    Der Markt in Funchal hat mich auch schwer fasziniert. Die Geräusche, die Düfte, die Farben, das muss man erlebt haben. Ich halte es übrigens genau wie du: Wenn ich irgendwo gucke, ist auch das Konsum, und dafür zahle ich dann in Form von höheren Preisen. Richtig lecker und viel günstiger kann man Obst und Gemüse übrigens auf dem kleinen Markt in Santana einkaufen.
    Liebe Grüße,
    Nicole

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