Gepäck am Flughafen: Vom Check-in bis zum Flieger

Gepäckwagen mit Koffern am Flughafen

Was passiert eigentlich mit deinem Gepäck am Flughafen, nachdem du es am Check-in abgegeben hast? Ich habe vor ein paar Tagen am Flughafen Köln-Bonn einen Blick hinter die Kulissen geworfen und mir den Weg eines Koffers vom Check-in bis in den Flieger angeschaut. Komm mit mir in die Gepäckförder- und Sortieranlage des Köln-Bonner Flughafens!

Vom Check-in zum Förderband

Mit dem Bus fahren wir über das Rollfeld bis zu einem großen Schiebetor unter dem Terminal und betreten eine große Halle. Zwei Etagen über uns befinden sich 40 Check-in-Schalter, hier unten herrscht ein geschäftiges Treiben. Kreuz und quer wuseln ein halbes Dutzend Lastfahrzeuge, die die Gepäckwagen ziehen. An der Decke der Halle windet sich wie eine Schlange ein Sammelband mit rund 300 Schalen – jeder Koffer, der von oben kommt, erhält eine. 20 Stunden am Tag läuft das Förderband mit einer Geschwindigkeit von 1,78 Meter pro Sekunde, um Koffer, Reisetaschen und Rucksäcke rasch zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. 6000 Gepäckstücke können hier pro Stunde befördert werden.

Transit-Gepäck-Wagen am Flughafen

Gepäck am Flughafen: Oberste Sicherheit

Was mit deinem Handgepäck in der Sicherheitskontrolle gemacht wird, geschieht hier unten automatisch: Jedes Gepäckstück wird durchleuchtet. Bei Gefahrgut wird der Koffer gemeldet. Das kann zum Beispiel bei einer zu großen Menge Einwegfeuerzeuge passieren. Oder bei belgischer Blockschokolade oder gefrorenem Spinat. Die letzten beiden Lebensmittel haben nämlich in etwa die gleiche Dichte wie Sprengstoff. Hat dann der Kofferbesitzer auch noch Batterien und ein Elektrogerät in der Nähe der Blockschokolade platziert, klingelt in der Gepäckförder- und Sortieranlage die Alarmglocke – denn das alles sieht auf dem Röntgengerät verdächtig nach einer Bombe aus.

Laufbandrutsche für Gepäck am Flughafen

Bei einem Verdacht wird der Koffer gründlich von allen Seiten durchleuchtet. Ist immer noch nicht zu erkennen, was der Inhalt sein könnte, wird der Passagier ausgerufen, dem der Koffer gehört. Der ist anhand des zehnstelligen Codes zu erkennen, den der Koffer beim Check-in erhält. Wenn der Passagier glaubhaft versichern kann, was in seinem Koffer den Alarm ausgelöst hat, wird der Koffer geöffnet – ansonsten sprengt die Bundespolizei das Gepäckstück in einem gesicherten Bereich auf. In Zeiten von Selbstmordattentätern will man hier kein Risiko eingehen.

Barcodes für den richtigen Weg

Alle Koffer, die keinen Verdacht erregen, werden über das Sammelband automatisch sortiert und gleiten über eine Rutsche zum richtigen Gepäckwagen. Damit die Gepäckstücke sich nicht „verfahren“, ist es wichtig, dass sie nur einen Aufkleber mit dem richtigen Barcode haben. Daher solltest du alte Aufkleber von vorherigen Reisen immer entfernen. Koffer, die nicht zugeordnet werden können, landen in einem separaten Bereich, wo man versucht, sie korrekt zuzuordnen. Verlorengegangene Koffer werden geöffnet, und der Inhalt wird abgeglichen mit den Gegenständen, die der Passagier beim Lost- and Found-Schalter an seinem Zielort genannt hat.

Rutsche für Gepäck am Flughafen

Handarbeit Gepäckverladung

Unten an den Rutschen stehen die Verlade-Mitarbeiter und heben jedes Gepäckstück per Hand in den bereitgestellten Gepäckwagen. Um sie körperlich zu entlasten, stehen Vakuumheber bereit, die den Koffer ansaugen und auf den Gepäckwagen laden. Das funktioniert aber nur, wenn die Oberfläche des Koffers oder der Tasche nicht zu uneben ist. Volle Gepäckwagen werden von einem Lastfahrzeug zum Flieger gebracht, wo die Koffer wiederum per Hand eingeladen werden. Je nach Flieger ist der Zugang zum Gepäckraum nur ein enger Gang, was das Einladen beschwerlich macht. Ein Lader am Flugzeug bewegt am Tag zwischen 13 und 15 Tonnen an Gepäck – das ist wirklich Knochenarbeit.

Luke für Gepäckbeladung am Flieger

Wenn du dich also das nächste Mal fragst, warum es am Gepäckband mal wieder so lange dauert, bis dein Koffer auftaucht, denk vielleicht mal an die langen Wege, die dein Koffer zurücklegt, und die harte Arbeit, die nötig ist, damit dein Gepäck vom Flughafen bis zum Zielort kommt.

Wie ist deine Erfahrung mit Gepäck im Flieger? Ist bisher immer alles gut angekommen? Oder ist dein Koffer schon mal auf der Strecke geblieben? Erzähl mir deine Gepäck-Story in den Kommentaren!

 

 

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7 Kommentare

  • Ich achte darauf, dass das Flughafentaxi rechtzeitig informiert wird. So will ich auf Unwägbarkeiten schneller reagieren. Das ist besonders bei einem Stau wichtig. Der Flieger wartet ja nicht auf mich und mein Gepäck.

  • Hallo Sabine,

    meine Geschichte stammt aus den frühen 90ern, als die Lufthansa noch den Lufthansa-Express-Zug betrieb. Das Gepäck wurde bis zum Ausstiegsbahnhof durchgecheckt und dort aus dem Gepäckabteil auf den Bahnsteig geladen.
    Wir kamen von unserem Australienurlaub zurück. Zwischen Bonn und Köln ging mein Mann ins Gepäckabteil, um die Mitarbeiter noch mal darauf aufmerksam zu machen, dass unsere Koffer nicht in Köln Hbf, sondern erst in Köln Deutz ausgeladen werden sollten. Tja, leider wurde trotzdem ein Koffer in Köln Hbf auf dem Bahnsteig abgestellt, was wir natürlich erst in Deutz merkten. Den haben wir nie wiedergesehen.
    Ob die Lufthansa den Zug wegen der logistischen Probleme oder der Schadenersatzzahlungen für verlorenes Gepäck eingestellt hat, ist mir nicht bekannt…

    Liebe Grüße
    Gina

    • Ja, nach einigen Monaten und viel Bürokratie. Aber die schönen Mitbringsel aus Australien ersetzte das natürlich nicht.

    • :-( Erinnert mich an Spanien: Am Ende des Urlaubs wurde mein Auto aufgebrochen und 15 belichtete Diafilme wurden geklaut. Die ersetzt einem auch keiner …

  • Du hast es so gewollt… meine Geschichte ist diejenige einer Katastrophe: Am 27.03.2008 sind wir mitten in die British Airways völlig missglückte Inbetriebnahme des Terminal 5 in London Heathrow geraten. Schon an diesem Tag war klar, dass der Terminal nicht reibungslos dem Betrieb gewachsen sein würde. An diesem und in den folgenden Tagen sind mindestens 42.000 Gepäckstücke liegen geblieben. Wir wollten eigentlich nur umsteigen – leider gehörten zu den verlorenen Gepäckstücken nicht nur unsere Koffer sondern auch der Rollstuhl des Gatten – und unser Urlaub war damit frühzeitig und endgültig zu Ende.

    Wie es dort und danach weiterging? Kannst Du im Blog nachlesen!

    • Oh, nein, was für ein Horror! Ich springe gleich mal rüber und lese die ganze Geschichte …

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