Rucksack oder Koffer? Rucksack!

Zu zweit auf großer Tour. (Fotos: Jochen Hafner)

Rucksack oder Koffer? Die einen schwören auf Hartschalen- oder/und Rollkoffer, die anderen tragen ihren Rucksack seit Jahren auf dem Rücken und würden ihn für kein Geld der Welt hergeben. Ich gehöre zur zweiten Fraktion – wohl auch aufgrund meiner Art zu reisen, nämlich: auf eigene Faust, alle paar Tage woanders, oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Warum ich meinen Rucksack auf Reisen so toll finde (und welche Ausnahmen ich mache):

Meine 10 Gründe für den Rucksack

  1. Mit einem Rucksack habe ich immer die Hände frei. Das ist praktisch, wenn ich noch weiteres mit mir herrumtrage (zum Beispiel Handgepäck, eine Wasserflasche, Flugtickets …) oder wenn ich meine Hände für andere Tätigkeiten brauche (wie telefonieren,  den Ticketautomaten bedienen, im Reiseführer blättern …). Mit einem Koffer ist mindestens eine Hand immer beschäftigt.
  2. Solange mein Rucksack auf meinem Rücken ist, brauche ich auf ihn nicht aufzupassen. Es wird ihn mir bestimmt keiner vom Rücken reißen. Ein abgestellter Koffer hingegen ist schnell weg, wenn du in kritischen Gegenden mal nicht aufpasst.
  3. Ein Rucksack ist einfacher die Treppen hochzutragen als ein schwerer Koffer, weil die Gewichtsverteilung eine andere ist. An Koffern habe ich mir schon öfter mal den Rücken verhoben – an meinem Rucksack bislang noch nicht.
  4. Ein Rucksack lässt sich überall bequem transportieren, egal wie der Untergrund ist. Hast du schon mal versucht, einen Rollkoffer über den Strand zu ziehen oder über eine Schlammstraße? Eben … Und wenn du ihn über den heiklen Untergrund tragen willst – siehe Punkt 3.
  5. Bei Überlandfahrten mit dem Bus kann es in fernen Ländern schon mal eng werden: Ins Gepäckfach werden Taschen, Kartons, Hühnerkäfige, Reissäcke und vieles andere gestopft, bis wirklich gar nichts mehr reingeht. Ein Rucksack ist da flexibel und lässt sich problemlos zusammenquetschen. Bei unflexiblen Koffern verdreht mancher Busfahrer schon mal die Augen.
  6. Ein Rucksack (zumindest meiner) hat viele, viele Fächer, in denen ich meinen Kram einsortieren kann: Ganz nach unten kommen Schlafsack und Dinge, die ich seltener brauche, in die Seitentaschen Unterwäsche und Socken, in die Innentaschen Ausweiskopien und Lektüre … So weiß ich immer, wo ich was finde und muss mein Gepäck nicht jeden Tag komplett ausräumen. Einen Koffer (jedenfalls die Exemplare, die ich bisher hatte) finde ich da weitaus unübersichtlicher.
  7. In manchen kleinen Orten auf der Welt gibt es keine gewöhnlichen Taxis, sondern nur Motorrad-Taxis. Und jetzt verrate mir mal, wie du auf einem Moped, auf dem Rücksitz hockend, einen Koffer balancieren möchtest …
  8. Auf dem Markt, im Einkaufszentrum, auf dem Flughafen: Überall, wo es eng wird, lobe ich mir meinen Rucksack, weil ich überall durchkomme. Mit dem Koffer würde ich ständig irgendwo hängenbleiben oder anderen über die Füße fahren.
  9. Wenn die Gepäckmenge sich im Laufe der Reise verringert (ich nehme gern Kleidung von zu Hause mit, die ich nach und nach auf der Reise bedürftigen Einheimischen schenke), kann ich den Rucksack in seiner Größe anpassen. Mit einem großen, halb leeren Koffer weiterzureisen, finde ich wenig sinnvoll.
  10. Ein Rucksack hat in der Regel weniger Eigengewicht als ein großer Koffer. Meist reize ich dank meiner sparsamen Packliste das Höchstgewicht für Flüge ohnehin nicht aus – aber auf langen Reisen zählt für mich jedes Gramm.

Oder doch der Koffer …?

Ich gebe zu: Es gibt ein paar wenige Anlässe, bei denen ich doch eher zum Koffer als zum Rucksack greife.

Auf Kurzreisen: Wenn ich nur ein paar Tage weg bin, lohnt es sich nicht, den großen Rucksack nur halbvoll mitzuschleppen. Dann nehme ich lieber einen kleinen Koffer mit.

Bei Flugreisen von wenigen Tagen: Wenn ich nur mit Handgepäck fliege, ist ein Koffer ebenfalls die bessere Wahl. Mein großer Rucksack würde hier allein von den Maßen her das Limit fürs Handgepäck sprengen.

Bei Aufenthalten an nur einem Ort: Wenn ich, wie zum Beispiel zu Silvester, eine Woche lang in einer Ferienwohnung bin, brauche ich auch keinen Rucksack. Denn dann wird der Koffer ohnehin komplett ausgepackt und die Wäsche in den Schrank gelegt.

Jetzt interessiert mich natürlich brennend: Womit reist du so durch die Lande – mit Rucksack oder Koffer? Und was sind deine Gründe für die Gepäckwahl?

 

 

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11 Kommentare

  • Meine Frau und ich „lieben“ Rucksäcke ;-). Da wir allerdings nicht auf die Annehmlichkeiten eines Koffers verzichten wollen, haben wir uns das „Mittelding“ nämlich Kofferrucksäcke zugelegt. Wir verwenden den Deuter Traveller (80+10 und 70+10).Für uns sind damit die Vorteile beider vereint. Man (Frau) wird damit auch im Hotel nicht schief angeschaut, weil der Rucksack verwandelt sich vor dem Hotel schnell in den Koffer. Bleibt dann der Kofferrucksack im Hotel verwenden wir Osprey Daypacks (Modell weiß ich nicht auswendig), da uns die Daypacks der Kofferrucksäcke einfach zu klein sind.

  • hey Sabine,
    Cooler artikel, (ja ich weiss ich könnte es nur so sagen, aber mal ehrlich.) Ich selber bin ein eigeschworener Rucksack Fan. Ich weiss noch das eine mal ‚wieder“ einen Koffer benutzt habe und es so bereut hatte. Meine Hände waren voll, er war irgendwie zu schwer. Es war einfach schrecklich. Bei den 10 punkten stimme ich dir voll zu.
    Aber auch wenn ich auf Kurz reisen gehe, habe ich meinen Rucksack. Selbst wenn ich eine Woche wo bleibe, da ist es mir schon fast zu blöd meinen Rucksack auszupacken. Wie du geschrieben hast man weiss einfach wo alles im Rucksack ist. Ich habe eigentlich zwei, letzten Jahr habe ich mir einen 30L trekking – Deuter gekauft und den kann man auch als handgepäck nehmen. Ausserdem wird der auch nicht schwerer also 10 kg so ist das oft dann noch erlaubt. Warum ich einen Rucksack so gerne mag, mann kann nur so viel mitnehmen wie man auch tragen kann.
    Schön das es andere begeisterte gibt
    lg Inka

    • Ich glaube, ich sollte doch noch mal über einen kleineren Rucksack für Kurzreisen nachdenken … Aber für Businesstrips ist mir das dann doch zu peinlich, mit einem Rucksack aufzutauchen ;-)

  • Ich hab’s mit Rucksack immer mal wieder versucht, es passt nur bedingt für mich. Ich mag das Gewicht auf Schultern/Rücken/Becken einfach nicht. Mein Favorit ist ein kleiner Rollkoffer mit vier Rollen, der auch als Handgepäck durchgeht. Auf den kann ich gut aufpassen, der ist leicht genug, um ihn irgendwo hoch zu tragen und passt auch zur Not auf den Schoß (Stichwort: Motorrad-Taxi). Trotzdem ist alles drin, was ich brauche. Für Dokumente, kleine Wasserflasche und Fotoapparat habe ich zusätzlich eine Umhängetasche, in der alles griffbereit ist.

    • Ich habe auch lange gesucht, bis ich ein Rucksackmodell gefunden habe, das passte. Aber wenn du eine Alternative gefunden hast: Perfekt!

  • Hallo Sabine!

    Prima, dass Du das Thema nach der #RN8 noch mal aufgegriffen hast. Ich kann Deine Punkte auch absolut nachvollziehen. Ich entscheide mich bei der Gepäckwahl jedoch immer nach der Art der Reise. Auf Road Trips eine Reisetasche, Pauschal einen Koffer und zum Backpacken und zu Flugsafaries muss es dann schon der Rucksack sein. Ich mag den Komfort einer Reisetasche eigentlich am Liebsten. Sie ist eine Mischung aus der Aufgeräumtheit eines Koffers und der Flexibilität und Leichtigkeit eines Rucksacks. Beim Backpacken bin ich immer ziemlich von der Wühlerei im Rucksack genervt, deshalb reise ich nicht gerne mit ihm. Inzwischen habe ich auch ein Model bei dem der Reisverschluß bis nach unten geht, ähnlich einer Reisetasche – das macht es schon mal besser. Bewähren muss er sich dann im Dezember wenn es in den Süden Brasiliens und die Nachbarländer geht. 1 Monat mit Rucksack unterwegs – genug Zeit ihn auf Funktionalität und Komfort zu testen. Ich werde berichten!

    Sonnige Grüße Marlene

    • Danke, Marlene, für den Einblick. Der Sinn einer Reisetasche hat sich mir ja noch nie erschlossen: Sie ist schwer, unhandlich zu tragen und hat keine Rollen – oder gibt es mittlerweile andere Modelle? Meinen Rucksack kann ich auch von vorn öffnen, daher komme ich immer gut an alles heran, was in der Haupttasche liegt. Und da ich da meist Ordnung halte, finde ich immer (ähm, meistens) alles wieder. Bin gespannt auf deinen Testbericht!

      • Hallo Sabine,

        aber klar gibt es Reisetaschen auch in praktisch! Meine „große“ hat Rollen & einen ausziehbaren Teleskopgriff. Noch dazu ist das Material „durchschnittssicher“, sprich es kann nicht mit einem Kutter aufgeschlitzt werden, wenn sie mit Schloss gesichert ist. An den Reißverschlüssen sind extra Ösen für ein Hängeschloss und sie ist leichter als ein Koffer. An einen Rucksack kommt sie aber vom Gewicht nicht ran. Mein kleine Reisetasche kann sogar zum Rucksack umfunktioniert werden, hat auch Rollen und einen Teleskopgriff. Wenn ich nur mit Handgepäck fliege, dann nutze ich diesen gerne. Passt viel rein & bietet Komfort. So hat eben jeder seine Präferenzen. Aber man erfährt immer auch Neues. Zum Beispiel hab ich in der #RN8 auch gelernt, dass es spezielle Schlösser gibt, die von der Security geöffnet werden können ohne das Schloss aufbrechen zu müssen. Danach muss ich mich jetzt auch mal umschauen.

        Also in diesem Sinne: Immer eine angenehme & sichere Reise!

        LG Marlene

        • Das mit den Schlössern fand ich auch interessant – und das ist natürlich auch ein Nachteil bei Rucksäcken: Abschließen kann man die nicht.

  • Ich bin ein eingeschworener Rucksackfan. Ich war schon im 5-Sterne-Hotel mit Rucksack – wurde aber komisch beäugt, da ich damals sehr jung war und bestimmt nicht wie ein typischer Gast aussah. Rucksäcke haben alle Vorteile, die du sagst. Ich nehme dann Taschen, wenn ich sie schicker finde. Bei Städtetrips z.B. Ich finde in internationalen Großstädten fällt man weniger als Tourist auf, wenn man möglichst schick gekleidet ist, so, als ob man gleich ins Büro muss. Dann spart man sich auch die Typen, die einen ständig in Restaurants oder Ausflugsbusse zerren wollen. Diese Kleidung leidet aber meist im Rucksack, darum wähle ich dann Koffer.

    • Das mit dem Komisch-angeschaut-werden kenne ich auch, Britta ;-) Wobei ich selten in Hotels absteige, die es seltsam finden, wenn ich mit dem Rucksack in die Lobby reinstiefle. Der Tipp mit dem Schick-anziehen in der Großstadt ist auch nicht schlecht – meist bin ich da ja auch mit meinen Wanderstiefeln unterwegs, weil ich die eben am bequemsten finde, auch für lange Stadtspaziergänge.

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