Raus aus Marrakesch – rein ins Ourika-Tal

Ich finde Städte oft anstrengend: Nach ein paar Tagen im Trubel muss ich meist wieder raus, um Luft zu holen. So ging es mir auch in Marrakesch: So faszinierend, wie ich diese Stadt in Marokko fand, so froh war ich, dass ich nach zwei Tagen die Gelegenheit hatte, im Ourika-Tal wieder mal Landluft zu schnuppern.

Ausflug nach Setti Fatma

Mit einem Guide fahren wir rund 60 Kilometer südlich von Marrakesch nach Setti Fatma. Das Dorf liegt im Ourika-Tal im Atlas-Gebirge. Der Fluss Ourika windet sich durch den Hohen Atlas, die Straße folgt immer seinem Lauf. Es dauert eine Weile, bis wir aus dem Großraum Marrakesch hinaus sind und das fruchtbare Flusstal erreichen. Vorbei an André Hellers Skulpturengarten Anima, den ich leider dieses Mal nicht anschauen konnte, gelangen wir langsam ins Grüne. Prompt ändert sich das Klima: Während wir in Marrakesch bei über 30 Grad schwitzten, weht hier ein angenehmes Lüftchen.

Am liebsten hätte ich schon am Anfang des Tales halt gemacht, denn im ersten Dorf stehen einladend die Tische und Stühle der Restaurants mit ihren Füßen im Wasser – ein sehr idyllischer Anblick. Im Laufe der Fahrt wird uns klar: Es ist keine Eile geboten – die Gaststätten mit integriertem Fußbad erstrecken sich durch das gesamte Ourika-Tal. Noch ist es ruhig, und wir fragen uns, ob die vielen Restaurants jemals voll werden. Später sollten wir eines Besseren belehrt werden …

Wanderung zum Wasserfall

Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt kommen wir in Setti Fatma an. Hier ist schon mehr los als im Rest des Tales. Unser Fahrer setzt uns am Ende der asphaltierten Straße ab, und wir folgen unserem Guide den Berg hinauf. Über einen Felspfad laufen wir an unzähligen kleinen Läden vorbei, die den Wanderern gut gekühlte Getränke anbieten. Bei den Kühlmethoden lassen die Händler ihrer Kreativität freien Lauf: Oft nutzen sie das Flusswasser, das den Felsen hinabläuft, und lassen es zum Beispiel durch Strohhalm-Ventilatoren über die Flaschen rieseln.

Geschäft machen die Wasserhändler an diesem Tag auf jeden Fall, denn wir sind nicht die Einzigen, die den Berg hinaufstapfen. Neben, vor und hinter uns sind zahlreiche einheimische Familien unterwegs, mit mehr oder minder gutem Schuhwerk. Ich bin froh, mal wieder meine Wanderschuhe dabei zu haben, denn je höher wir laufen, umso steiler sind die Felsen, die wir erklimmen müssen. Jeder hilft jedem und reicht sich gegenseitig die Hand, um die Felsen hinaufzuklettern.

Rückweg durchs Ourika-Tal

Oben angekommen, erwartet uns ein kleines Restaurant am Wasserfall. Wir trinken einen Minztee und beobachten, wie ein paar Jugendliche im kühlen Wasser baden. Der Wasserfall ist nicht besonders spekatakulär (seit ich die imposanten Wasserfälle in Island gesehen habe, kann mich hier kaum noch was beeindrucken), und die vielen Menschen auf der Strecke fand ich etwas abschreckend. Aber der zweite Teil der Wanderung lohnt sich dann doch.

Statt die gleiche Strecke zurück ins Tal zu laufen – wie es die meisten machen -, führt uns unser Guide über eine klapprige Leiter noch ein Stück weiter den Berg hinauf. Hier haben wir einen schönen Überblick und unsere Ruhe: Es sind kaum andere Wanderer unterwegs. Wir laufen vorbei an blühenden Obst- und Nussbäumen, bis wir das Dorf Setti Fatma wieder erreicht haben.

Zur Belohnung suchen wir uns einen schönen Tisch am Flussufer. Beim Rauschen des Wassers bestellen wir unser Mittagessen – was natürlich mit den feinen Speisen in den Riads in Marrakesch nicht mithalten kann. Dafür ist die Atmosphäre hier sehr schön. Ein Örtchen, an dem man auch den ganzen Nachmittag verweilen könnte.

Auf dem Rückweg nach Marrakesch geraten wir in einen kleinen Stau. Denn die Restaurants im ganzen Ourika-Tal sind mittlerweile voll belegt. Es ist Sonntag, und die Menschen aus den umliegenden Orten treffen sich hier zu Familienausflügen. Ich kann es ihnen nicht verdenken: So ein hübsches Flusstal hätte ich auch gern für einen Sonntagsausflug vor der Haustür …

Warst du schon mal in Marokko? Welcher Ausflug in die Natur hat dir besonders gut gefallen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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4 Kommentare

  • Hallo Sabine,
    ja, das war wirklich eine schöne Tour! Ich fand es trotz der vielen Menschen dann doch recht entspannend und nicht so hektisch wie es in der Stadt halt ist. Sahara klingt auch verlockend. Vor längerer Zeit träumte ich von einer Sahara-Durchquerung, aber irgendwie habe ich das auch noch nicht geschafft…
    Habe Deinen Beitrag gleich verlinkt.
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Liebe Sabine,

    genau dieselbe Tour ins Ourika Tal von Marrakech aus habe ich letzten Juni auch gemacht. Leider war ich auf keine Kletterpartie gefasst gewesen und hatte nicht das richtige Schuhwerk an… Trotz allem eine schöne Erfahrung!
    Jetzt im September werde ich wieder in Marrakech sein. Dieses Mal habe ich aber eine Tour in die Sahara gebucht! Ich bin gespannt :-)

    Liebe Grüße
    Esther

    • Ui, ohne Wanderschuhe ist das natürlich blöd. Geht ja schon recht steil bergauf. In die Sahara wäre ich auch gern gefahren, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte. Viel Spaß!

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