Südafrika: Warum St. Lucia eine Reise lohnt

Zwischen Durban und dem Krüger Nationalpark liegt die kleine Stadt St. Lucia. Die meisten Südafrika-Reisenden besuchen den Ort wegen der Flusspferde, die nahe der Stadt im Wasser dümpeln. Doch St. Lucia hat noch viel mehr zu bieten. Wir waren auf unserer vierwöchigen Südafrika-Reise insgesamt vier Nächte in St. Lucia, bevor es nach Swasiland weiterging – und kein Tag war langweilig. Was kannst du in St. Lucia alles machen?

Hippo-Tour am Fluss St. Lucia

Klar, die Flusspferde sind das Highlight in St. Lucia. Es gibt mehrere Bootsanleger in der Stadt, von denen aus du sie oft schon sehen kannst. Noch besser kannst du sie jedoch von einem Boot aus beobachten. An der Brücke am Ortseingang gibt es verschiedene Touranbieter, die ihre Besucher zweimal täglich, vormittags und am späten Nachmittag, über den Fluss schippern. Erst hatten wir ein bisschen Bedenken, denn einige der Ausflugsboote sind richtige Partyschiffe, auf denen die Leute offenbar nur zum Saufen und Feiern den Fluss hinunterfahren.

Wir hatten Glück und hörten von einem sehr individuellen Anbieter, Heritage Tours, der nur kleine Boote für maximal 12 Gäste einsetzt, die sich wirklich für die Natur interessieren. Der Bootsführer Jacques hatte extrem viel Ahnung von Flusspferden und erzählte uns auf der Tour viele Details zu den tonnenschweren Tieren, die scheinbar so friedlich im Wasser herumtreiben. Einige hatten Babys dabei, andere waren in ganzen Herden unterwegs. Zur Dämmerung begannen sie, ihre Mäuler weit aufzureißen – Imponiergehabe, wie uns unser Guide erklärte. Die ersten stapften bereits das Ufer hinauf und begannen zu fressen. Bis zu 60 Kilo Gras braucht ein Hippo jeden Tag. Kein Wunder also, dass sie nachts auf der Suche nach Futter auch in die Stadt kommen.

Flusspferd-Sichtung bei Nacht

Besonders in der Nacht ist Vorsicht geboten in St. Lucia. An einem Abend gingen wir zu Fuß vom Restaurant zurück zur Unterkunft. Das Nachbargrundstück neben unserem Guesthouse war unbebaut und mit Gras zugewuchert. Als wir dort vorbeiliefen, hielten wir aus Spaß die Taschenlampe aufs dunkle Grundstück – als uns sechs Augen anleuchteten! Eine Hippo-Familie war auf der Suche nach Futter vom Fluss auf das Grundstück geklettert und kam nun langsam Richtung Straße näher. Wir zogen uns in einen sicheren Abstand zurück und beobachteten die Nilpferde.

In aller Seelenruhe lief einer der Kolosse zur Straße und trank aus einer Pfütze. Autos, die von rechts und links kamen, mussten eine ganze Weile warten, bis sie die Stelle wieder gefahrlos passieren konnten. Ich fand es sehr beeindruckend, das riesige Tier, das an Land noch viel größer ist als es im Wasser scheint, so nah zu sehen. Ich war aber auch froh, dass zwischen ihm und mir ein Zaun war, denn ich wusste nicht erst seit unserer Bootsfahrt am Tag zuvor: Das behäbig erscheinende Nilpferd wird zum gefährlichsten Tier Afrikas, wenn es sich in die Enge getrieben fühlt. Nicht umsonst stehen überall in St. Lucia Schilder mit der Warnung: „Beware of Hippos!“

Fütterung im Crocodile Center

Am nördlichen Stadtrand von St. Lucia gibt es eine Krokodil-Station. Auch wenn wir auf unserer Bootstour schon einige Krokodile gesehen hatten: So nah wie hier kommt man ihnen nirgendwo. Das Crocodile Center dient Forschungs- und Aufzuchtzwecken und rettet aggressiv gewordene Krokodile, die andernfalls von den Bewohnern rund um St. Lucia getötet würden. Außerdem betreibt das Center Aufklärung darüber, wie Mensch und Krokodil friedlich miteinander leben können.

Zu festgelegten Zeiten (am besten informierst du dich vor deinem Besuch, denn die Uhrzeiten wechseln) werden die Tiere gefüttert. Das ist eine spektakuläre Angelegenheit: Zwei Helfer gehen mit einem Eimer voll toter Hühner an den Teich, in dem die Krokodile schon auf ihr Fressen warten. Sobald die Männer die Hühner ins Wasser geworfen haben, verschlingen die Reptilien die Kadaver in wenigen Happen und warten schon auf die nächste Portion. Im Anschluss an die Fütterung kannst du noch an einer Führung durch das Crocodile Center teilnehmen.

iSimangaliso Wetland Park

Der iSimangaliso Wetland Park teilt sich in zwei Hälften. Die eine ist westlich des St. Lucia Sees, die andere östlich. Sie haben zwei Eingänge, beide kosten pro Person 50 Rand Eintritt plus 40 Rand je Fahrzeug. Der Eintritt ist nicht in der Wild Card enthalten (was diese Karte genau ist, erkläre ich dir in meinem aktuellen Blogbeitrag über die Wild Card).  Wir haben uns für die beiden Parkteile jeweils einen Tag Zeit genommen. Genau wie auf Safaris in anderen Parks brauchst du nämlich ein bisschen Geduld und ein gutes Auge, um die Tiere zu entdecken.

Eastern Shores

Am ersten Tag haben wir die Eastern Shores, also den östlichen Teil des Parks, angeschaut. Zunächst hatten wir wenig Glück: Die Tiere haben sich gut vor uns versteckt. Wir fuhren entlang der Hauptstrecke, einer gut gepflegten Schotterpiste. Leider waren einige der Seitenstraßen wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Wir hatten es schon fast aufgegeben, also auf einer kleinen, leicht bewaldeten Strecke plötzlich direkt neben uns ein riesiges Kudu-Männchen seelenruhig Blätter vom Baum aß und sich gar nicht von uns stören ließ.

Im weiteren Verlauf der Fahrt begegneten uns ein paar Antilopen, Zebras, Büffel und verschiedene Böcke. Theoretisch gibt es hier auch Elefanten, Löwen und Leoparden, weswegen das Aussteigen aus dem Auto streng verboten ist. Nur an einigen Aussichtspunkten kannst du dir – auf eigenes Risiko – die Füße vertreten.

Endpunkt der Straße an den Eastern Shores ist Cape Vidal, ein weitläufiger Strand, an dem du nach Lust und Laune stundenlang spazierengehen kannst. Hier treffen sich Angler und Badefreunde (sofern es nicht zu kalt ist, wie es bei uns im Juli der Fall war), Familien packen ihre Picknickkörbe aus, und wer will, kann in Cape Vidal auch campen. Essen musst du allerdings selber mitbringen: In dem kleinen Shop am Strand gibt es so gut wie keine Lebensmittel zu kaufen. Wir hatten ohnehin genügend Proviant dabei und machten uns nach einem kurzen Spaziergang am windigen Strand wieder auf den Rückweg.

Western Shores

Die Western Shores, westlich des St. Lucia Sees, sind ruhiger als der Osten. Es sind noch weniger Autos unterwegs als an den Eastern Shores. Aber auch hier haben wir zahlreiche Tiere entdeckt, darunter Büffel, Kudus, Riedböcke und Warzenschweine – und unsere erste Giraffe in Südafrika! Besonders schön fand ich den Boardwalk, einen hölzernen Pfad, der zu einem mit einer Plattform umbauten Baum führt. Von dort aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf den St. Lucia See, an dessen Ufer einige Tiere unterwegs waren. Da sich die Wolken zuzogen, haben wir nur den südlichen Teil des Parks besucht und sind dann wieder Richtung St. Lucia umgekehrt.

Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark

Wer mag, kann von St. Lucia aus auch den Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark im Rahmen eines Tagesausflugs besuchen. Wir haben das nicht gemacht, sondern haben stattdessen für drei Nächte im Park selber eine Unterkunft gesucht. Wenn du wenig Zeit hast und lieber auf eine geführte Safari gehst, kannst du die Tour in den Nationalpark auch von St. Lucia aus buchen. Wir bevorzugten die flexible Selbstfahrer-Safari. Hier liest du mehr über unsere vier Tage im Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark.

Warst du schon mal in St. Lucia? Hast du vielleicht weitere Tipps für Ausflüge in der Region? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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