Night Drive und Morning Walk im Krüger

Eigentlich bin ich ja ein Freund von Selbstfahrer-Safaris. Aber für manche Touren im Krüger Nationalpark ist es doch sinnvoll, sich einer geführten Gruppe anzuschließen. Wir haben auf unserer Südafrika-Rundreise zwei Touren vor Ort gebucht: einen Night Drive und einen Morning Walk, beide im Satara Camp, mitten im Nationalpark. Der Grund: Nach Sonnenuntergang ist es nicht erlaubt, mit dem eigenen Auto außerhalb des Camps herumzufahren – daher die organisierte Nachtfahrt. Und einfach aus dem Auto aussteigen und herumlaufen darf man erst recht nicht – daher die geführte Wanderung. Was habe ich auf den Touren erlebt? Und lohnt sich die Buchung?

Der Night Drive im Krüger Nationalpark

Wir sind gerade mit dem Abendessen fertig, als wir uns schon an der Rezeption einfinden müssen. Um Punkt 20 Uhr brechen die beiden Jeeps des Satara Camps zur Nachtfahrt auf. Jeweils rund 20 Personen passen in die offenen Geländewagen. Rechts und links bekommt jeweils ein Passagier einen starken Strahler in die Hand gedrückt, am Steuer unseres Autos sitzt die Rangerin Dominique. Als sie vor den Toren des Camps in die schwarze Nacht eintaucht, schalten die beiden Lampenbediener das Licht ein und leuchten unermüdlich die Umgebung ab. Auch wir bemühen unsere kleinen, aber ebenfalls starken Taschenlampen und versuchen, etwas Auffälliges zu finden.

„Stopp!“ erklingt der Ruf von rechts. Dominique bremst, und wir alle versuchen, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Tatsächlich: Hinter dem Busch in der dritten Reihe verschwindet gerade ein Honigdachs. Dominique erzählt uns in ein paar Sätzen Wissenswertes über das Raubverhalten des nachtaktiven Tieres.

Die nächste nächtliche Sichtung ist kaum zu übersehen: Direkt am Straßenrand frisst ein Nashorn genüsslich etwas Gras und lässt sich von unserem Wagen gar nicht stören. Wichtig ist, betont Dominique, den Tieren mit den Lampen nicht direkt in die Augen zu leuchten, sondern lieber das Licht über sie hinwegstreifen zu lassen.

Gute Sichtungen bei der Nachtfahrt

Weitere Tiere folgen Schlag auf Schlag alle paar Minuten: Eine Zibetkatze streift um die Büsche, ein Schakal lässt sich kurz blicken, zwei Stachelschweine wackeln im Gleichschritt nebeneinander her. Und schließlich geben sich sogar die Könige des Krüger Nationalparks die Ehre: Drei Löwen umstreifen unseren Wagen, auf dem Weg zur nächtlichen Jagd. Die 20 Insassen des Jeeps sind mucksmäuschenstill. Hin und wieder klackt der Verschluss einer Kamera, ansonsten sind wir alle einfach fasziniert von den eleganten Tieren, die bald darauf wieder im Dunkeln verschwinden.

Mein Fazit: Die Ausbeute unserer zweistündigen Fahrt war enorm – das muss auch unsere Rangerin Dominique zugeben, die fast jeden Abend ihre Runden dreht, auf der Suche nach den Tieren der Nacht. Ich kann solch einen Night Drive auf jeden Fall empfehlen, denn bei vielen der nachtaktiven Tiere hat man gar keine Chance, sie tagsüber zu entdecken.

Der Morning Walk im Krüger Nationalpark

Am nächsten Morgen um 4:45 Uhr klingelt der Wecker – viel zu früh für mein Empfinden, aber was tut man nicht alles für ein Abenteuer. Es ist noch dunkel, als wir uns an der Rezeption des Satara Camps treffen. Drei Paare, noch etwas morgen-redefaul, steigen in den bereitgestellten Geländewagen, hinzu kommen Dominique, die wir schon vom Night Drive am Vorabend kennen, und der zweite Ranger Metwell.

Wir fahren ein Stück die Hauptstraße entlang, bis Metwell in eine Sandpiste einbiegt, die für andere Fahrzeuge gesperrt ist. Der Wind zieht eisekalt, während wir über den Weg holpern. Ich bin froh, dass wir alle eine Decke bekommen haben, die ich mir über meine warme Mütze ziehen kann. Meine winddichte, aber leider quietschgrüne Regenjacke musste ich in der Unterkunft lassen – beim Morning Walk sind keine grellen Farben erlaubt.

Hinter einem Busch bringt Metwell den Geländewagen zum Stehen, und wir erhalten die Anweisungen für die bevorstehende Wanderung: absolute Ruhe, während wir laufen; wer etwas Spannendes sieht, klopft auf sein Hosenbein, um sich bei den anderen bemerkbar zu machen; sollten wir einem Löwen oder anderen gefährlichen Tieren begegnen, unbeweglich stehenbleiben, niemals weglaufen. Das alles klingt im fahlen Morgenlicht, in dem wir nicht weit sehen konnten, schon sehr aufregend. Wir sind gespannt, was uns erwartet.

Warten bis zum Start der Morgenwanderung

Nein, es geht noch immer nicht los, erklärt Metwell, obwohl wir alle schon mit den Hufen scharren. Erst wenn die Sichtweise mindestens 100 Meter beträgt, können wir uns in Bewegung setzen. Ansonsten ist die Gefahr zu groß, wilde Tiere nicht rechtzeitig zu erkennen. Als die Sonne hinter den Bäumen auftaucht, geben unsere Ranger das Zeichen zum Aufbruch. Im Gänsemarsch machen wir uns auf den Weg, vorneweg gehen Dominique und Metwell mit den geladenen Gewehren im Anschlag. „Falls bei Gefahr ein Gewehr nicht auslöst, kann der andere übernehmen“, so Dominiques Erläuterung. Und was, wenn das Tier von hinten den Letzten der Gruppe angreift? Dominique und Metwell lachen nur. Wir anderen schlucken. Angeblich ist in den letzten 20 Jahren nie etwas passiert …

Die Sonne steigt immer höher, das Licht wärmt uns mehr und mehr. Metwell hält an und zeigt uns eine breite, gerade Spur im Sand. Von wem die wohl sein mag? Wir raten: Schlange? Elefant? Nein, sie stammt von Flusspferden, die die Angewohnheit haben, immer den exakt gleichen Weg von Wasserloch zu Wasserloch zu gehen. Im Laufe der Zeit hinterlassen sie dadurch eine Art Busch-Autobahn.

Weitere Funde auf unserer Wanderung: der leere Panzer einer Schildkröte, die offenbar einem Wildtier als Frühstück gedient hat, eine Handvoll Knochen eines weiteren Tieropfers und die leere Haut eines Rhinozeros. Ganz traurig: Am Bauch sind ganz deutlich die Einschusslöcher der Wilderer zu erkennen, die das Nashorn vor nicht allzu langer Zeit getötet haben.

Trauriges Problem: Wilderer im Krüger

Die Ranger in den Camps wissen um das Problem der Wilderei. Als in der Ferne ein Auto querfeldein fährt, zückt Metwell das Fernglas, gibt aber Entwarnung: Es ist nur ein Auto der Schutzgruppe, die regelmäßig Patrouille fährt, um Wilderern das Handwerk zu legen. Ihr Einsatz ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Zu groß ist das Gebiet des Krüger Nationalparks, als dass die Schutzgruppen alles zuverlässig überblicken könnten.

Als die Sonne schon hoch am Himmel steht, machen wir Rast auf einem Felshügel. Hier oben ist die Fernsicht gut, und daher die Gefahr, von Wildtieren angegriffen zu werden, gering. Am Ende der Wanderung machen wir noch einen Abstecher zu einem Teich, in dem Flusspferde und Krokodile baden. Wenige Minuten später sind wir schon zurück am Auto. Damit hat keiner der Wanderer gerechnet – wir haben alle im Busch komplett die Orientierung verloren. Metwell und Dominique lächeln nur und fahren uns zurück zum Camp.

Mein Fazit: Auch wenn wir an diesem Morgen keinen wilden Tieren begegnet sind, fand ich es trotzdem sehr spannend, zu Fuß im Busch unterwegs zu sein. Jede Sekunde Ausschau halten, ob sich irgendwo etwas bewegt, während wir lautlos der Sonne entgegen laufen – das war schon ein ganz besonderer Ausflug. Daher ebenfalls Daumen hoch für den Morning Walk!

Welche Tour hat dir besser gefallen: der Night Drive oder der Morning Walk? Welchen Ausflug würdest du am liebsten machen – oder hast du schon gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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2 Kommentare

  • Das klingt spannend! Umsomehr, weil ich in 2 Wochen auch dort sein werde und schon ganz gespannt bin, ob ich auf dieser Reise auch so viele Tiere beobachten kann, wie auf meinen letzten Reisen nach Afrika. Toller Bericht!
    Liebe Grüße
    Gabriela

    • Ui, dann wünsche ich dir schon mal viel Spaß bei der Safari! Im Krüger wirst du mit Sicherheit viele Tiere sehen – wenn auch nicht unbedingt auf einem Morning Walk …

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