Auf Safari: Ein typischer Tag im Krüger

Nach den vielen Berichten und Bildern, die ich vom Krüger Nationalpark gesehen hatte, erwartete ich dort so etwas wie einen großen Zoo: Löwen, Leoparden, Geparden, Elefanten – Tiere an jeder Ecke! Die Wirklichkeit sah etwas anders aus. Dies war einer von unseren vier Tagen im Krüger:

Safari im Krüger – Aufbruch in aller Früh

Um 6:00 Uhr in der Früh klingelt der Wecker. Draußen ist es noch dunkel und kalt. Ich koche uns schnell einen Tee, fülle ihn in die Thermoskanne ab, schmiere ein paar Brote, und eine halbe Stunde später sitzen wir schon in unserem Auto. In unserem Camp Berg-en-Dal hätten wir auch einen Morning Drive buchen können – aber warum sollten wir viel Geld für eine Fahrt im offenen Jeep ausgeben, in dem uns die kalte Morgenluft um die Ohren zieht, wenn wir es in unserem eigenen Wagen gemütlicher haben können?

Am Vorabend sind wir durch das Malelane-Tor über eine asphaltierte Straße bis zum Camp gelangt. Für unseren persönlichen Morning Drive wollen wir die Hauptstraßen meiden und biegen deshalb hinter Berg-en-Dal auf die Schotterpiste S110 ab. Hier werden sich doch wohl die meisten Tiere aufhalten, da sie ungestört sind – oder? Auf der ruckeligen Piste, die streckenweise kaum den Namen Straße verdient, geht es langsam voran.

Immer wieder muss ich tiefen Schlaglöchern ausweichen, an sandigen Steigungen in den ersten Gang schalten, dicke Steine auf dem Weg umfahren. Während ich mich auf das Fahren konzentriere, hält mein Partner Ausschau nach Tieren. In den dichten Büschen rechts und links der Straße sieht er – nichts. Eine halbe Stunde fahren wir, bis wir endlich das erste Warzenschwein sehen, das allein neben der Straße unermüdlich trockenes Gras rupft. Wo sind denn nur die ganzen Tiere, die angeblich besonders gut morgens zu sehen sein sollen?

Safari im Krüger – Die ersten Sichtungen

Da! Eine Herde Impalas! Die hübschen Antilopen, die meist in Rudeln auftreten, sind mit ihrer Population von 170.000 Tieren im Park wirklich nicht zu verfehlen. So schön, wie sie sind: Nach der fünften Impala-Gruppe halten wir gar schon nicht mehr an. Nach einer Dreiviertelstunde schließlich das erste große Tier: eine Giraffe, hurra! Sie knabbert genüsslich die frischen Blätter eines Baumes und lässt sich auch nicht stören, als wir direkt neben ihr halten, um Fotos zu machen.

Eine knappe Stunde brauchen wir für die gerade mal 13 Kilometer lange S110, bis wir wieder auf der Hauptstraße ankommen. Wir kreuzen die H3, um direkt wieder in eine andere Schotterpiste einzubiegen, die S114, die in die S25 mündet, auch Crocodile River Weg genannt. Hier wird die Straße besser und unsere Safari langsam interessanter: Eine wunderschöne Gabelracke kommt angeflogen und lässt sich neben unserem Wagen nieder. Ein paar Meter weiter hüpft ein Gelbschnabel-Toko von Ast zu Ast.

„Stop!“, ruft mein Beifahrer ein paar Minuten später. Er hat im Gebüsch einen der scheuen Steinböcke ausgemacht. (Gut, dass wir unseren Tierführer im Gepäck haben – so können wir abends immer direkt nachschauen, was uns tagsüber vor die Linse gelaufen ist.)

Der weitere Verlauf des Crocodile River Weg beschert uns zwei Elefanten – obwohl uns der Fahrer eines entgegenkommenden Wagens aus dem Fenster heraus von einer ganzen Herde berichtet hat, die er gerade gesehen haben will. Offenbar sind die meisten der Rüsseltiere aber schon weiter gezogen, als wir kurz darauf die Stelle passieren.

In einer Senke wird es spannend: Über uns fliegen Dutzende Geier und Adler hinweg, die sich nach und nach auf den umliegenden Bäumen und auf dem Boden niederlassen. Offenbar liegt irgendwo ein Stück Aas herum, das Löwen von ihrer Nachttour für die Vögel übriggelassen haben.

Safari im Krüger – Ein Löwe mit Beute

Am Camp Crocodile Bridge machen wir eine kleine Pause und werden bei der Weiterfahrt direkt hinter dem Camp-Tor von einer weiteren Giraffe begrüßt. Wir haben mittlerweile wieder eine asphaltierte Straße erreicht und folgen der H4-2 Richtung Norden. Weit kommen wir nicht, denn rund ein Dutzend Autos versperrt den Weg. Erste Regel im Krüger: Wo viele Wagen stehen, da gibt es auch was zu sehen!

Wir fahren langsam näher und versuchen zu erkennen, wohin alle Fahrer mit ihren Ferngläsern und Kameras schauen. Und dann sehen wir es auch: Hinter einem Busch liegt ein Löwe und frisst die Reste eines Büffels. Nur der große, bereits entfleischte Brustkorb ist noch zu sehen, während die Löwendame an einem dicken Beinknochen nagt. Der arme Büffel? Nun, das ist eben Natur und etwas anderes als ein Zoobesuch.

Im weiteren Verlauf der H4-2 wird unsere Safari immer ergiebiger: Riesige rotschnabelige Hornvögel stolzieren über die Straße, eine Elefantenfamilie steht unter einem Baum im Schatten, und am Ufer des Sabie River, einem der wenigen Flüsse, die dieses Jahr im Park noch Wasser führen, entdecken wir Flusspferde und Krokodile. Zur Mittagszeit erreichen wir das Camp Lower Sabie, wo wir vom Restaurant mit der großen Aussichtsterrasse über dem Fluss die Tiere am und im Wasser beobachten. Eine kleine Warzenschweinfamilie kommt zum Baden an den Fluss, Flusspferde strecken ihre Nase aus dem Wasser, und ein paar Kudus stillen ihren Durst.

Safari im Krüger – Tiere haben Vorfahrt

Nach einem Blick auf die Straßenkarte – die meines Erachtens unerlässlich ist, um sich im riesigen Krügerpark zurechtzufinden – mahne ich zum Aufbruch. Es bleiben uns nur noch drei Stunden, um die 110 Kilometer bis Berg-en-Dal zurückzufahren. 110 Kilometer in drei Stunden? Nun, bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h (auf den Schotterpisten sind es nur 40 km/h), dauert es eben eine Weile. Außerdem wissen wir nicht, welche Tiersichtungen oder -querungen uns noch aufhalten werden – im Nationalpark haben Tiere halt immer Vorfahrt.

Nach dem Aufbruch von Lower Sabie kommen wir tatsächlich nicht weit. Das nächste Wagenknäuel – dieses Mal mit noch mehr Autos als beim Löwen heute Morgen – weist auf eine weitere spannende Sichtung hin: In der Astgabel eines Baumes direkt an der Straße schläft ein Leopard, tief und fest trotz der Dutzenden von Kameras, die auf ihn gerichtet sind. Ein sehr seltener Anblick – es soll auch der einzige Leopard auf unserer vierwöchigen Reise durch Südafrika werden. Ein paar Kilometer weiter schon der nächste Stopp: Eine Herde Paviane sitzt fotogen am Straßenrand und laust sich gegenseitig das Fell.

Nun müssen wir aber wirklich Gas geben: Eineinhalb Stunden bis zur Schließung der Tore zum Camp um 18 Uhr, und es liegen noch 75 Kilometer vor uns! Wir fahren – mit der nötigen Vorsicht – die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, sehen im Vorbeifahren noch ein paar Elefanten, Giraffen und einen Strauß (zum Fotografieren bleibt keine Zeit), und schon geht die Sonne unter. Im Dämmerlicht manövrieren wir das Auto die letzten Kilometer bis zum Camp, müssen noch besser aufpassen, dass nicht plötzlich ein Tier auf der Straße steht, und erreichen Punkt 18 Uhr den Eingang von Berg-en-Dal. Puh, Punktlandung! Und wir sind ziemlich platt nach fast zwölf Stunden auf Safari.

Was ich für künftige Safaris im Krüger Park gelernt habe:

  • Ob und welche Tiere du auf einer Safari siehst, ist reine Glückssache.
  • Die kleinen nicht asphaltierten Straßen bieten nicht automatisch bessere Tiersichtungen als die großen asphaltierten.
  • Auch wenn du früh zur Safari aufbrichst, siehst du nicht unbedingt mehr Tiere.
  • Nimm dir nicht zu viele Kilometer für einen Tag vor, dann hast du keine Zeit, auch mal länger bei einem Tier zu verweilen. Rechne mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 25 km/h – plus Pausen.
  • Ein Fernglas ist hilfreich, um Tiere in der Ferne oder Vögel in den Bäumen auszumachen.
  • Eine Kamera mit großem Zoom macht auf einer Safari am meisten Spaß (ich habe meine Bridgekamera mit einem 50-fachen Zoom – das entspricht circa 1200 Millimeter Brennweite – dafür geliebt!).

Warst du schon einmal auf einer Safari? Welche Tiere sind dir dabei vor die Kamera gelaufen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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19 Kommentare

  • Booah, 12 Stunden an einem Tag unterwegs? Das wäre mir etwas zu viel gefahren, ehrlich gesagt. Wir versuchen immer, am späteren Vormittag wieder zurück im Camp zu sein und vermeiden das Herumfahren über die (heiße) Mittagszeit.

    Ihr hattet wirklich großes Glück mit den Sichtungen, LIT (=Leopard in tree) und Löwenrudel mit frischem Kill, das ist schon etwas ganz besonderes. Wobei ich finde, manches Mal sind es auch die kleinen, eher unbedeutend eingeschätzten Dinge, die Spaß beim Beobachten machen: drei Elefanten beim ausgelassenen Bad (wie pubertierende Jungs im Freibad…), Impalaböckchen bei Schaukämpfen, bunte Vögel, die Aussicht auf die Landschaft des Kruger… Und ja, völlig richtig: man sieht auf den gravel roads nicht unbedingt mehr – nur wenn, dann hat man meist die Sichtung für sich alleine.

    • Ja, das war auch ziemlich heftig 🙂 Am ersten Tag hatten wir noch nicht so richtig ein Gefühl für die Entfernungen. Mittags zurück im Camp war aber grundsätzlich schwierig, weil Berg-en-Dal so eine unpraktische Randlage hat. Und von Satara wollte ich unbedingt zum Olifants – da ist der halbe Tag schon rum.
      Was die Sichtungen angeht, stimme ich dir zu: Ich fand auch alles andere toll, nicht nur die Big Five.

  • Wow, da hast Du aber einige Volltreffer gelandet bei Deiner Safari. Sehr schöne Fotos sind dabei herausgekommen. Ich war auch einmal auf Safari, wir haben leider nur die Hinterlassenschaften des Elefanten und einige Antilopen sowie einige Vögel gesehen. Das war damals etwas enttäuschend. Aber nun weiß ich ja, es geht auch besser. Danke fürs Zeigen. LG Marion

  • Dein Bericht lässt Erinnerungen wach werden, Sabine. Ich liebe Safaris gerade, weil man nie weiß, was und ob man Tiere sieht. Diese Spannung macht für mich den Reiz einer Safari aus. Sonst kann ich ja auch in den Zoo gehen, wo ich sicher weiß, welche Tiere ich sehen werde. Mich packt bei Safaris immer das „Jagdfieber“ nach guten Fotos 🙂 Deine Sammlung von Löwen, Leoparden, Giraffen und Elefanten finde ich toll.

    • Danke für die Blumen! Ja, wir haben einiges vor die Kamera bekommen – und das ist ja nur ein Tag gewessen 😉 Werde demnächst noch mal ein paar mehr Bilder posten.

  • Liebe Sabine,
    das sind ja super schöne Fotos und ihr habt auch echt ganz schön viele Tiere gesehen! Bei unserer ersten Safari in Kenia hatten teilweise richtige Stunden ohne auch nur ein Tier. Die Elefantenherden im Amboseli-Nationalpark haben das alles wieder wett gemacht.
    Im Krüger Nationalpark hatten wir richtig oft Glück: ein riesiges Löwenrudel hat einen Büffel verputzt, Hyänen kreutzten die Straße, genau wie ein ganz ganz kleiner Baby-Elefant, eine Nashorn-Familie, Büffel auf Augenhöhe als wir durch einen kleinen Bachlauf fahren mussten, 2 Leoparden, 1 Gepard direkt nach der Jagd… ach ich könnte ewig so weitermachen.
    Der Krüger ist kein Zoo, aber tiertechnisch hat er echt was drauf 😉
    LG Annika

  • Sehr schöner Bericht und tolle Fotos. Safaris selbst zu fahren macht auch uns am meisten Spaß. Im Kruger waren wir allerdings noch nicht. Hoffentlich diesen Winter \o/.

    Lieben Gruß
    Steffi

    • Ihr fahrt im deutschen Winter in den Krüger? Da muss es ganz anders sein als in unserem Sommer: viel grüner, viele Jungtiere. Bin gespannt auf Euren Bericht!

      • Ja, wir haben das Glück ab Dezember für ein Jahr im südlichen Afrika unterwegs sein zu können. Mit unserem blauen Defender und ganz viel Zeit im Gepäck 🙂

  • Liebe Sabine,

    was ein toller Artikel und diese wunderbaren Fotos. Da habt ihr wirklich eine erlebnisreiche Tour gehabt. Da werden Erinnerungen wach … In Kenia sind wir auch teils früh am Morgen raus. Die Tiere in der freien Wildbahn zu erleben ist wirklich einmalig. Außerdem finde ich es immer wieder beeindruckend wie schnell es hier in der Wildnis dunkel wird. Danke für den tollen Bericht.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Freut mich, dass ich Erinnerungen wecken konnte 🙂 Ich wusste gar nicht, dass Du schon in Kenia warst. Da muss ich doch gleich mal zu Dir rüberkommen und schauen …

  • Ein schöner Bericht. Ja, auf einer Safari benötigt man auch immer etwas Glück. Dieses Jahr in Etosha haben wir von den Big 5 „nur“ ein Nashorn gesehen. Dafür habe ich mich umso mehr über die kleinen Dinge gefreut. So hatten wir genug Zeit mit 8-10 Giraffen gut eine halbe Stunde die Straße zu teilen, wir standen mitten in einer Herde von knapp 100 Springböken und haben Löffelhunde bei der Jagd beobachtete. Dafür hatten wir diese Momente ganz alleine mit den Tieren. Auch über die Eule abends am Wasserloch habe ich mich sehr gefreut. Das sind eben nochmal ganz andere Tiere, als die klassischen, die man vor Augen hat.

    Liebe Grüße,
    Lynn

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