Tiere ohne Ende im Hluhluwe-iMfolozi-Park

Safari in Südafrika? Da fällt jedem zuerst der Krüger Nationalpark ein. Der Krüger ist aber nicht der einzige Park, in dem du gut Tiere beobachten kannst. Wir waren vorher im Hluhluwe-iMfolozi-Park, dem ältesten Nationalpark Südafrikas. Und was soll ich sagen? Er hat uns mindestens genauso gut gefallen wie der Krüger!

Von St. Lucia aus dauert die Fahrt zum Hluhluwe-iMfolozi-Park nur eine knappe Stunde – daher nutzen viele ihren Aufenthalt in St. Lucia für einen Tagesausflug. Mir wäre das zu wenig Zeit. Wir hatten daher drei Nächte im Hluhluwe-iMfolozi-Park eingeplant. Obwohl der Park „nur“ 960 Quadratkilometer groß ist (der Krüger umfasst 20.000 Quadratkilometer), wird es in drei Tagen nicht langweilig.

Zur Auswahl stehen zwei Camps – das Hilltop Camp im östlichen Hluhluwe-Teil und das Mpila Camp im westlichen iMfolozi-Teil – sowie eine Reihe von Luxuslodges. Letztere kamen für uns nicht infrage, das Hilltop Camp schien uns zu groß, daher entschieden wir uns für Mpila. Eine gute Wahl, wie sich herausstellte, da das Hilltop eingezäunt ist und Mpila nicht, was uns noch ein ganz besonderes Abenteuer bescheren sollte …

Unsere Hütte im Mpila Camp

Vier der Big Five

Wir fahren morgens aus St. Lucia los, und da wir erst nachmittags unsere Hütte beziehen können, wollen wir uns zunächst den Osten des Parks anschauen. Es ist unsere erste Safari in einem Big-Five-Park in Südafrika, und wir sind entsprechend gespannt, was uns erwartet. Kaum sind wir ein paar Minuten im Park unterwegs, trauen wir unseren Augen nicht: Hinter der ersten Brücke springt eine Löwin über die Straße, ein paar Meter weiter zupfen Elefanten Blätter vom Baum, hinter ihnen steht eine Büffelherde, und das erste Nashorn des Tages (von insgesamt wohl 15) wacht über seinen Nachwuchs. Innerhalb von fünf Minuten haben wir damit vier der Big Five gesehen! Nur der Leopard fehlt uns noch. Wir sind überwältigt.

Ein Baby-Nashorn – noch ohne Horn
Der erste Elefant nach fünf Minuten im Park

Vom Parkeingang im Süden bis zum Hilltop Camp sind es rund 25 Kilometer. Wir brauchen für die Strecke mehr als eine Stunde, weil wir ständig anhalten, um Fotos zu schießen. Auf dem Parkplatz des Camps hält uns schließlich noch eine Horde Diadem-Meerkatze vom Mittagessen fern – wir können uns einfach nicht von ihrer Putzorgie losreißen.

Gründlich muss es sein!
Und in den Ohren auch gut nachschauen!

Das Hilltop Camp ist dann genauso, wie wir es erwartet haben – groß und unpersönlich, der Service im Restaurant eine Katastrophe, das Essen höchstens Mittelmaß. Wir sind froh, uns für das Selbstversorger-Camp Mpila entschieden zu haben.

Abendlicher Besuch im Camp

Auf der Fahrt vom Hilltop zum westlichen iMfolozi-Teil des Parks – früher waren die beiden Parkteile getrennt, heute sind die Zäune entfernt – sehen wir viele weitere Tiere, so dass wir erst kurz vor Sonnenuntergang am Tor von Mpila ankommen. Unsere Hütte ist einfach, aber praktisch eingerichtet und hat eine große Terrasse. Als wir dort abends sitzen und ein Glas Wein trinken, fährt uns plötzlich ein ziemlicher Schreck in die Glieder: Vor unserer Terrasse steht eine Hyäne und knurrt uns an! Uns trennt nur ein Holzgeländer, das für das Tier aber kein Hindernis sein dürfte. Nur ein paar Minuten vorher war ich noch vor die Hütte gegangen, um den tollen Sternenhimmel zu betrachten. Wahrscheinlich wurde ich da bereits beobachtet …

Schreck am Abend

Wir waren schon beim Einzug in die Hütten gewarnt worden, dass wir niemals Restfleisch auf dem Grill liegen lassen sollten, weil das die Hyänen anzieht. Unser Nachbar hatte gegrillt – offenbar hat das diese Hyäne gerochen und will nun mal nach dem Rechten schauen. Wir treten langsam den Rückzug an, verschwinden in unserer Hütte und beobachten von Fenster aus das Tier. Bald darauf verschwindet es in der Nacht, und wir hören nur noch sein etwas gruseliges Heulen.

Löwensichtung am Morgen

Als sich am nächsten Morgen nach einer regnerischen Nacht der Nebel verzogen hat, begeben wir uns erneut auf Safari. Dieses Mal nehmen wir uns die kleinen Straßen des Parks hinter dem Mpila Camp vor. Während die großen Straßen gut apshaltiert sind und keinerlei Probleme bereiten, sind die kleinen Pisten schon eine Herausforderung. Unser Auto – und die Fahrerin, in dem Fall ich – haben etwas zu kämpfen, um alle Schlaglöcher unbeschadet zu umrunden oder zu durchfahren. Währenddessen hält mein Beifahrer Ausschau nach Tieren. Und tatsächlich: Da versteckt sich doch im Gebüsch tatsächlich ein Löwenpärchen! Während ansonsten in den Game Parks immer ein großer Stau entsteht, wenn jemand etwas gesichtet hat, haben wir dieses Mal unsere Löwen ganz für uns allein.

„Unser“ Löwe – ganz für uns allein

An einem Ausguck haben wir die Gelegenheit, uns die Füße zu vertreten und eventuell ein paar Tiere am Wasserloch zu beobachten. Erst scheint keines dazusein, doch als wir näher hinsehen, entdecken wir doch so einiges: einen Eisvogel, der unermüdlich auf Jagd geht, und einen Waran, der am Ufer entlangscheicht. Weitere Vögel gesellen sich dazu. Auf große Tiere hingegen warten wir vergebens.

Auf der weiteren Fahrt weist uns ein anderer Fahrer auf eine tolle Sichtung hin: Eine Familie von Wildhunden soll sich an der nächsten Brücke befinden. Wir halten die Augen auf und erspähen sie tatsächlich mit unserem Fernglas – ein seltener Fund! Später begrüßt uns am Eingang zum Mpila Camp noch eine Giraffenherde, die sich teilweise – man glaubt es kaum bei ihrer Größe – geschickt hinter den Bäumen versteckt.

Perfekte Tarnung

Selbstorganisierter Morning Drive

Am dritten Tag organisieren wir uns unseren eigenen Morning Drive: Wir schmieren uns ein paar Brote und fahren kurz nach der Dämmerung um 6:30 Uhr auf die Hauptstraße. Weit und breit ist kein Tier zu sehen. Auch als wir uns an den Wagen eines professionellen Guides dranhängen, haben wir kein Glück – an diesem Morgen haben die Tiere wohl verschlafen. Erst später am Vormittag entdecken wir Warzenschweine, Antilopen, Geier, Zebras und viele andere spannende Tiere.

Im Schweinemarsch

Nachmittags fahren wir noch einmal hinüber in den Hluhluwe-Teil des Parks, wo die Nebenstraßen besser ausgebaut sind – aber auch die Vegetation dichter ist, sodass Sichtungen schwieriger sind als im eher kargen Gelände im iMfolozi-Teil. Das eine oder andere Tier bekommen wir trotzdem vor die Linse. Und wir genießen von hier oben die Aussicht auf den hügeligen Nationalpark, durch den sich ein Fluss schlängelt.

Freunde fürs Leben

Erst kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir das Tor zum Mpila Camp – noch einmal Glück gehabt, denn eigentlich soll jeder zurück sein, bevor es dunkel wird. Die letzten paar Kilometer Fahrt waren auch tatsächlich nicht ohne. Man weiß schließlich nie, wann ein Tier im Finstern die Straße überquert. Weit können sie auf jeden Fall nicht gewesen sein, denn abends hören wir es wieder im Gebüsch rascheln. Große Tiere können aufgrund des Elektrozauns nicht ins Camp gelangen, aber selbst die Hyäne lässt sich heute nicht mehr blicken.

Wir sind gespannt, ob der Krüger Nationalpark unseren Aufenthalt in Hluhluwe-iMfolozi noch toppen kann …

Welche Game Parks hast du schon besucht – oder welche möchtest du auf jeden Fall mal sehen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

PS: Wer sich fragt, wie man Hluhluwe-iMfolozi (manchmal siehst du auch Umfolozi) ausspricht – dazu habe ich auf dict.leo Folgendes gefunden:

„HL wird als stimmlos frikatives L ausgesprochen, ähnlich wie LL im Walisischen (z. B. Llandovery). Dieser Laut wird gebildet, indem man die Zungenspitze gegen den Gaumen presst und die Luft seitlich entweichen lässt. Ein Zulu erwartet von uns Muzungus keine perfekte Aussprache, er gibt sich mit Schluschluwi zufrieden. Umfolozi wird gesprochen wie man es schreibt, allerdings sollte das z englisch ausgesprochen werden.“

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6 Kommentare

  • Interessierte mich jetzt auch. Wir werden auch im Imflozi sein. Und stell Dir vor, Krüger habe ich so ganz bei der Planung ausgelassen. Ich mag nicht wenn etwas so hochgelobt wird. Habt Ihr auch Sen ISimangaliso besucht? Jedenfalls steigert dieser Beitrag meine Freude!

  • Hej hej,
    toller Artikel! 🙂 Wir sind in 2 1/2 Wochen dort. Auch im Mpila Camp. Dein Artikel lässt die Vorfreude noch einmal richtig wachsen (es wird unsere erste Safari).
    Ach, jetzt bin ich in Gedanken schon unterwegs… 🙂
    Viele Grüße
    Marcel

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