Mantanani: Trauminsel in Borneo?

Malaysia ist unter anderem für seine Traumstrände bekannt. Auch wir wollten uns am Ende unserer vierwöchigen Borneo-Reise noch ein bisschen erholen und haben deshalb einen Aufenthalt auf Pulau Mantanani eingeplant. Die Mantanani-Inselgruppe liegt an der Nordwestküste von Borneo, 35 Kilometer vom Festland entfernt, und besteht aus drei Inseln:

  • Mantanani Besar, der drei Kilometer langen und bis zu 1,5 Kilometer breiten Hauptinsel,
  • Mantanani Kecil, der 2,7 Kilometer langen unbewohnten Insel, und
  • Linggisan, einem ebenfalls unbewohnten Felsen

Mantanani Besar ist ab Kota Belud mit der Fähre zu erreichen. Ein Taxi bringt dich von Kota Belud oder sogar von Kota Kinabalu aus hin. Je nachdem, zu welcher Unterkunft du auf der Insel willst, musst du zu dem passenden Fähranleger – der Taxifahrer sollte Bescheid wissen. Die Fahrt mit der Fähre dauert eine knappe Stunde.

Du kannst die Insel Mantanani im Rahmen einer Tagestour besuchen. Du kommst am Vormittag an und gegen 15 Uhr geht es zurück. Mir wäre das zu aufwendig. Die meisten Besucher (außer die Chinesen – dazu mehr weiter unten) bleiben daher auch zwei bis drei Nächte auf der Insel.

Wir hatten uns für drei Übernachtungen entschieden und wollten schnorcheln gehen. Es wurde jedoch sehr stürmisch, daher sind wir doch schon nach zwei Nächten wieder abgereist, weil wir unsicher waren, ob die Fähren weiterhin fahren würden – bei schlechtem Wetter lassen sie das nämlich manchmal bleiben. Da wir am nächsten Tag einen Flug nach Kuala Lumpur gebucht hatten, wollten wir kein Risiko eingehen und fuhren lieber frühzeitig zurück aufs Festland.

Und wie hat es mir nun auf der Insel gefallen? Kann ich einen Aufenthalt auf Mantanani empfehlen? Dies sind meine Pro- und Kontrapunkte für Pulau Mantanani:

Was spricht für Mantanani?

    1. Die Insel an sich ist ein Traum: türkisfarbenes Wasser, weiße Strände und eine vorgelagerte Felsinsel, die den Sonnenuntergang doppelt so schön macht.
    2. Die Anfahrt mit der Fähre ist unproblematisch – wenn auch etwas ruckelig. Die Boote haben starke Motoren und rasen ziemlich heftig über die Wellen hinweg. Ich fand’s lustig! Mit empfindlichem Magen solltest du dich am besten dahin setzen, wo du genügend Frischluft bekommst.
    3. Auf der Insel gibt es ein großes und ein kleines Dorf. Die rund 800 Dorfbewohner, ehemalige Seenomaden, sind zurückhaltend, aber nicht unfreundlich. Es ist kein Problem, einen Spaziergang durch die Dörfer zu machen.
    4. An den beiden Koralleninseln ein paar Hundert Meter vor der Insel und nahe Linggisan kannst du schön schnorcheln. Inselbewohner bieten Bootstouren zu den Schnorchelspots an. Hier draußen sind die Korallen noch weitgehend intakt, wir haben unzählige bunte Fische gesehen, darunter sogar einen Riffhai.
    5. Abends kreisen oft viele Fregattvögel über die Strände, die sich dank eines Vogelschutzgebietes auf der Insel ausgebreitet haben. Es leben noch viele weitere Vögel auf der Insel, darunter die seltene Mantanani Scops Owl, eine endemische Zwergohreule.
    6. Es gibt bislang nur wenige Unterkünfte, daher kann es es sein, dass du der einzige Westler auf der Insel bist.
    7. Die aus meiner Sicht netteste, weil familiärste Unterkunft auf der Insel ist die Greenhouse Lodge, die von Fred, einem deutschen ehemaligen Entwicklungshelfer, und seiner malaysischen Frau Sook Peng geführt wird. Sie haben erst Ende 2016 eröffnet, vieles ist noch im Aufbau (zum Beispiel der Garten mit eigenem Obst- und Gemüseanbau). Die Greenhouse Lodge hat einen privaten Strand mit Hängematten, Schaukel und einer Bank aus Treibholz. Jeden Abend kocht Sook Peng für ihre Gäste, man isst gemeinsam auf der Terrasse. Wer familiäre Unterkünfte mag, wird sich hier, wie wir, sehr wohl fühlen.
    8. Der Handyempfang auf der Insel ist schlecht. Ich verbuche das als Pluspunkt …
    9. Im Gegensatz zu den Inseln an der Ostküste von Malaysia ist Mantanani sehr sicher. Während an der Ostküste immer wieder Piraten von den Philippinen für Unruhe sorgen, ist Mantanani im Westen zu weit entfernt für die militanten Philippinos. Ein Team der Eastern Sabah Security Command (ESSCOM), einer staatlichen Schutzzone, patroulliert trotzdem die Insel. Für uns ungewohnt, bewaffnete Männer am Strand zu sehen – aber wenn es für die Sicherheit ist …

    Was spricht gegen Mantanani?

    1. Leider hat Mantanani ein Müllproblem. Überall auf der Insel liegen vor allem Plastikflaschen und anderer Abfall herum. Ein Müllverwertungssystem gibt es nicht. Bestrebungen, die Inselbewohner für die Müllplage zu sensibilisieren, liefen ins Leere – sie erkennen die Lage nicht als problematisch an.
    2. Jeden Tag kommen Hunderte von Tagesgästen auf die Insel – die meisten von ihnen Chinesen. Sie bevölkern komplette Strandabschnitte, hinterlassen Müll und sind allein aufgrund ihrer großen Zahl ein Problem für die Insel und ihre Flora und Fauna: Nahe der Strände, wo die Tagesgäste schnorcheln gehen, gibt es kaum noch intakte Korallenbänke (was jedoch auch dem Fischen mit Dynamit geschuldet ist, das jahrelang auf der Insel betrieben wurde). Zum Glück ist die Greenhouse Lodge weit genug von den Aufenthaltsorten der Tagesgäste entfernt. Um 15 Uhr verlassen diese die Insel, dann herrscht wieder Ruhe.
    3. Leider ist geplant, neben den bestehenden wenigen Unterkünften (außer der Lodge gibt es noch eine Backpacker Unterkunft, ein Ressort und ein paar wenige Privatunterkünfte im großen Dorf) auf Mantanani weitere Ressorts zu bauen. Ich fürchte, diesem Ansturm an noch mehr Besuchern ist die Insel nicht gewachsen.
    4. Wer chillige Bars und coole Strandrestaurants sucht, ist auf Mantanani schlecht aufgehoben. Gegessen wird in der eigenen Unterkunft, darüber hinaus gibt es keine Gelegenheit, Essen zu gehen oder einen Drink zu bekommen. Fred und Sook Peng planen, ein kleines Café in einem Pavillon am Strand zu eröffnen, was vielversprechend klingt.
    5. Einst gab es vor der Insel Seekühe, weswegen sie auch den Spitznamen „Mermaid Island“ – also Insel der Seejungfrauen – trägt. Da es nicht mehr genügend Seegras für die scheuen Tiere gibt, sind sie mittlerweile weggezogen.
    6. Irgendwann hat jemand einige Kühe auf Mantanani gebracht – für die sich heute keiner mehr zuständig fühlt. Sie vermehren sich unkontrolliert und fressen das ohnehin spärliche Gras, das auf der Insel wächst, auf. Schlachten will die Kühe keiner, weil sie unter anderem den Müll fressen – und damit in den Augen der muslimischen Bevölkerung nicht halal, also rein, sind.

    Mein Fazit zu Mantanani

    → Mir haben die drei Tage auf Mantanani gut gefallen. Ich denke, zwei bis drei Übernachtungen reichen aus – vor allem, da die Fähre schon morgens ankommt und erst nachmittags wieder abfährt. Damit hast du auch am An- und Abreisetag noch genügend Zeit, die Insel noch ein wenig zu Fuß zu erkunden oder am Strand abzuhängen.

    → Die Unterwasserwelt an den beiden Koralleninseln war fantastisch – gern hätte ich einen weiteren Schnorchelspot an einer der beiden kleineren Inseln besucht, wenn nicht das Wetter so schlecht geworden wäre.

    → Das Müllproblem habe ich versucht auszublenden und mich stattdessen auf die Schönheiten der Insel konzentriert. Ich hätte stundenlang einfach auf das tieftürkise Wasser starren können …

    → Wenn du ein paar Tage Entspannung nach einer Rundreise durch Borneo brauchst und keine großen Ansprüche an das Unterhaltungsangebot auf einer Insel hast, ist Mantanani die richtige Wahl, finde ich.

    Und welche Insel hast du zuletzt besucht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

     

     

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