Borneo: Wandern im Nebel am Mount Kinabalu

Wir stehen am Eingang zum Nationalpark Mount Kinabalu und sehen die weiße Wand auf uns zukommen. Innerhalb weniger Sekunden sind wir eingehüllt in dichten Nebel und sehen kaum mehr die Hand vor Augen. Der Ausblick über die umliegenden Hügel: verschwunden. Auch in Richtung Mount Kinabalu ist nichts mehr zu sehen. Berge? Wir könnten ebenso gut im Flachland sein, ohne es zu merken.

Wandern am Fuße des Berges

Zum Glück wollen wir erst morgen den Nationalpark besuchen und begnügen uns heute mit einem Essen im einzigen Restaurant direkt außerhalb des Parks – das mit Sicherheit eine Goldgrube für die Betreiber ist! Nach dem Essen schaffen wir es nicht mehr, im Trockenen zu unserer 200 Meter entfernten Unterkunft zu kommen: Es schüttet wie aus Eimern, ein Satz Klamotten ist komplett nass und trocknet während unseres gesamten Aufenthalts am Nationalpark nicht mehr, weil es zu kalt ist und die Unterkunft keine Heizung hat.

Der Mount Kinabalu ist mit knapp 4100 Metern der höchste Berg Malaysias und Ziel zahlreicher Bergsteiger. Der Aufstieg ist anstrengend, dauert zwei Tage und ist richtig teuer. Ich hätte es konditionell nicht geschafft und bin allein aufgrund des Wetters froh, nicht die Gipfelwanderung zum Mount Kinabalu gebucht zu haben. 300 Euro für eine Nebelaussicht? Nö, lass mal! Wir wollen stattdessen die Wanderwege am Fuße des Berges erkunden.

Der Kiau View Trail am Mount Kinabalu

Am nächsten Tag ist es zwar bewölkt, aber trocken. Wir zahlen am Parkeingang unseren Eintritt und begeben uns auf den ersten Wanderweg kurz hinter dem Selbstbedienungsrestaurant. Der Kiau View Trail ist knapp 2,4 Kilometer lang und vor allem am Anfang recht steil. Dank des Regens am vorherigen Tag sind die Wege rutschig, wir schlittern über dicke Wurzeln, es geht stetig bergauf. Die versprochenen Ausblicke über die umliegenden Hügel bleiben aus, der Nebel ist schon wieder herangezogen. Ein kleines bisschen erinnert die Tour an unsere Urwaldwanderung in Danum Valley, allerdings ist die Bergvegetation anders als im Tiefland, die Bäume stehen weniger dicht.

Der Silau-Silau Trail am Mount Kinabalu

Nach gut eineinhalb Stunden haben wir den Kiau View Trail geschafft und stehen wieder an der Power Station Road, die vom Parkeingang aus zum Einstieg des Gipfelweges führt. Wir verlassen die Straße aber direkt wieder und biegen in den Silau-Silau Trail ein. Der führt uns am Silau-Silau River entlang. Die Luft ist feucht, an den Bäumen wachsen riesige Moose und Farne. An den schlammigsten Stellen sorgen Holzbohlen dafür, dass wir nicht im Matsch versinken.

Die Bukit Trails am Mount Kinabalu

Am Abzweig zum Bukit Trail verlassen wir den Flussweg, und es geht wieder bergauf. Kein Wunder, schließlich heißt Bukit Hügel. Wir steigen bis ganz hinauf zum Bukit Tupai Trail und nehmen auf dem Rückweg den Bukit Burung Trail, der uns zum Eingang des Botanischen Gartens führt. Von dem hatten wir uns etwas mehr versprochen: Es sieht dort eigentlich genauso aus wie im Rest des Nationalparks, nur an wenigen Bäumen sind Schilder angebracht. Ganz hübsch sind die vielen Blüten, die dann auch mit ein paar kurzen Erklärungen versehen sind, darunter Orchideen und fleischfressende Pflanzen.

Wir machen Mittagspause im schicken Liwagu Restaurant, in dem wir uns mit unseren dreckigen Wanderschuhen etwas deplatziert vorkommen. Den meisten Gästen sieht man an, dass sie offenbar keinen Meter durch den Wald gelaufen, sondern mit dem Auto direkt zum Restaurant hochgefahren sind.

Auf dem Rückweg, über die Fortsetzung des Silau-Silau Trails, zieht der Nebel in den Wald hinein und umhüllt die moosbewachsenen Bäume mit einem dichten Schleier. Eine Viertelstunde später sind wir wieder am Ausgang des Nationalparks angekommen – und sind erneut froh, dass wir nicht die Tour zum Gipfel gebucht haben.

8 Tipps für Wanderungen am Mount Kinabalu

  • Der Eintritt zum Park kostet 30 Malaysische Ringgit (ca. 6 Euro) pro Person. Auch wenn du nur die Restaurants im Park besuchen möchtest, ist das Eintrittsgeld fällig.
  • Es gibt zwei Restaurants im Nationalpark: das etwas schickere Liwagu Restaurant, in dem wir waren, und das Balsam Café am Eingang, das allerdings nur Buffet anbietet. Die günstigste Alternative zum Essen ist das Restaurant Panataran direkt vor dem Parkeingang. Dies serviert auch Frühstück.
  • Am Fuße des Berges gibt es insgesamt zehn Trails, von 150 Metern bis 5,6 Kilometer lang. Der längste Wanderweg, der Liwagu Trail, soll sehr reizvoll sein, geht aber die ganze Zeit am Liwagu Fluss entlang, wo es unzählige Blutegel geben soll. Von denen hatten wir auf dieser Reise schon genug …
  • Der nur 150 Meter lange Mountain View Trail ist der einzige Weg, von dem aus du den Gipfel des Mount Kinabalu sehen kannst. Alle anderen Wege verlaufen durch den Wald. Zum Mountain View Trail gelangst du am Ende der Power Station Road.
  • Für alle Wanderwege im Mount Kinabalu Nationalpark brauchst du festes Schuhwerk. Am besten auch immer Regenschutz mitnehmen, denn das Wetter kann sich innerhalb von Minuten ändern.
  • Ich empfehle dir eine Unterkunft nahe des Parkeingangs, dann kannst du direkt loslaufen und brauchst dich nicht um Transport zu kümmern. Wir waren in der J. Residence, einer günstigen Unterkunft mit großen Panoramafenstern (aber ohne Heizung).
  • Am Eingang des Nationalparks befindest du dich auf 1800 Metern Höhe. Hier ist es um einiges kälter als im Rest des Landes. Wir kamen von 35 Grad im Tiefland und hatten hier oben nur noch 18 Grad. Warme Sachen einpacken!
  • Wenn du an einem Sonntag weiterfahren willst Richtung Kota Kinabalu, musst du mitunter lange auf einen Bus warten. Wir standen morgens über eine Stunde auf der direkten Route Sandakan – Kota Kinabalu, und es kam kein einziger Bus. Am Ende mussten wir ein teures Taxi zu unserem nächsten Ziel nehmen.

Hast du noch Fragen zum Wandern am Mount Kinabalu? Oder warst du selber schon dort – oder gar auf dem Gipfel? Ich freue mich auf deinen Kommentar! 

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