Fluss-Safari auf dem Kinabatangan in Borneo

Der Kinabatangan River ist ein kleines Paradies in Borneo: Rechts und links des braunen Flusses steht dichter Wald, in dem du mit ein bisschen Glück Orang-Utans, Nasenaffen, Zwergelefanten und Krokodile sehen kannst. Kaum eine Gegend in Borneo ist besser geeignet für Tiersichtungen.

Leider hat das einen traurigen Grund: Die Tiere halten sich so nah am Ufer des Kinabatangan auf, weil sie nirgendwo anders hinkönnen. 500 Meter vom Fluss entfernt beginnen die endlosen Palmölplantagen, in denen keines der Wildtiere überleben kann. Und obwohl der Kinabatangan mit 560 Kilometern der längste Fluss des Bundesstaates Sabah ist, haben die Affen und Elefanten keine Chance, den Fluss entlangzuwandern, weil alle paar Kilometer die – oft mit Elektrodraht eingezäunten – Palmölplantagen bis an den Fluss heranreichen und somit die Lebensgebiete der Tiere immer weiter einengen.

Engagierten Umweltschützern ist es zu verdanken, dass ein Teil der Wälder am Flussufer vor der Abholzung gerettet und das Gebiet 2002 als Kinabatangan Wildlife Sanctuary unter Schutz gestellt wurde. Das WWF-Malaysia arbeitet zudem daran, einen hundert Kilometer langen „Corridor of Life“ entlang des Ufers zurückzugewinnen, damit die Tiere wieder am Fluss entlangwandern können.

Wir haben den Kinabatangan River auf einer dreitägigen Tour besucht und uns auf diversen Fluss-Safaris auf die Suche nach den verbliebenen wilden Tieren gemacht. Bei meinem Recherchen bin ich auf das Sukau Greenview Bed & Breakfast gestoßen, das im Vergeich zu anderen Unterkünften in Sukau und Bilit die meisten Aktivitäten an den drei Tagen anbietet. Für zwei Nächte Vollpension haben wir inklusive der Ausflüge für zwei Personen 1000 Malaysische Ringgit bezahlt (ca. 200 Euro).

Kinabatangan am Nachmittag

Um 14 Uhr holt uns ein Kleinbus an unserer Unterkunft in Sepilok ab und bringt uns in zwei Stunden – die meiste Zeit durch Palmölplantagen – bis nach Sukau. Dort wird es etwas hektisch, denn fünf Minuten nach unserer Ankunft geht es schon aufs Boot zur Afternoon Cruise. Mit zwei Motorbooten à zehn Plätze schippern wir unter Führung unseres Guides Rex den Fluss entlang. Ein paar Minuten nach dem Ablegen entdeckt Rex schon die ersten Tiere: Das Wackeln der Äste in einem Baum weist darauf hin, dass hier Affen unterwegs sein müssen. Und tatsächlich: Als wir uns dem Ufer nähern, springt eine ganze Herde Langschwanzmakaken in den Bäumen herum. Ein paar Meter weiter treiben sich ihre Kollegen, die Kurzschwanzmakaken herum – deutlich an der Länge ihrer Schwänze zu unterscheiden.

Bei der weiteren Fahrt auf dem Fluss stoßen wir auf diverse Nashornvögel in den Baumwipfeln, darunter der prachtvolle Rhinoceros Hornbill. Als wir diesen genügend bewundert haben, passiert es: Der Motor des zweiten Bootes springt nicht mehr an. Statt wie geplant weiter den Fluss hinunterzufahren, werden die beiden Boote aneinandergebunden, und im Schneckentemppo machen wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft. Trotz der unvorhersehbaren Panne haben wir Glück: Während wir so dahingleiten, fliegt über uns der seltene Helmeted Hornbill hinweg, mit fast Metern Spannbreite der größte Nashornvogel überhaupt. Der Schildschnabel ist vom Aussterben bedroht. Rex hat ihn zuletzt vor drei Jahren gesehen und ist entsprechend aus dem Häuschen.

Kurz vor der Unterkunft grüßt uns noch ein ganzer Baum voller Nasenaffen, die in der Dämmerung wie Scherenschnitte über die Äste flitzen. Mit einiger Verspätung kommen wir um Viertel vor sieben pünktlich zum Abendessen im Greenview an.

Kinabatangan am Abend

Kaum haben wir aufgegessen, heißt es schon wieder „Rettungswesten anlegen“. Auf zur Night Cruise! Die Kamera lasse ich im Zimmer, weil ich nicht viele Fotomotive erwarte. Was für ein Irrtum! Direkt am gegenüberliegenden Ufer erspäht unser Bootsführer ein paar rote Augen im Licht seiner Taschenlampe. Wir fahren hinüber und bekommen gerade noch mit, wie ein kleines Krokodil vor unserem Boot ins Wasser gleitet. Bei romantischem Mondlicht und Wetterleuchten setzen wir unsere Nachtsafari fort. Dicht am Ufer entlangfahrend, leuchtet unser Guide die Bäume ab und wird tatsächlich fündig: zwei Eisvögel – darunter den Stork-billed Kingfisher, den größten Eisvogel Borneos – und vier knallrote Trogon-Vögel, die nebeneinander auf einem Ast hocken, lassen sich im Schlaf nicht von uns stören.

Das Highlight kommt uns kurz vor der Rückkehr entgegengeschwommen: Plötzlich taucht neben unserem Boot ein dreieinhalb Meter großes Krokodil auf und begleitet uns minutenlang bei Mondschein den Fluss entlang, bevor es lautlos wieder abtaucht. Wir hätten die Hand nach ihm ausstrecken können, so nah ist es uns gekommen. Wow!

Kinabatangan am frühen Morgen

Am nächsten Morgen klingelt um 5:30 Uhr der Wecker, um 6 Uhr sitzen wir bereits auf dem Boot zur Morning Cruise. Dichter Nebel zieht über den Fluss, nur langsam kann sich die Sonne durch den Dunst hindurchkämpfen. Halb verschlafen, halb ehrfürchtig vor diesem Anblick des Nebelflusses fahren wir eine Weile, bis das Boot in einen kleinen Nebenfluss abbiegt. Langsam erwachen die Hornbills und Kingfisher, zwei Störche hoch oben im Baum machen sich für den Tag bereit.

Der Nebenfluss mündet in einen Ox Bow Lake, einen Altwassersee voller blühender Wasserpflanzen. Unser Guide lenkt das Boot in den beweglichen Pflanzenteppich, und wir lauschen den Morgengeräuschen des Waldes. Auf dem Rückweg durch den Nebenfluss springen wieder ein paar Nasenaffen durch die Bäume.

Spaziergang durch den Wald

Nach dem Frühstück ziehen wir uns Gummistiefel und Leech Socks gegen mögliche Blutegel an, steigen ins Boot und fahren eine Viertel Stunde den Fluss hinauf. An einem unscheinbaren Anleger macht Rex das Boot fest und führt unsere fünfköpfige Wandergruppe in den Urwald hinein. Am Anfang warnt er uns direkt vor ein paar „Fallen“ am Wegesrand: Die Zweige des Rattanbaumes, aus denen gern Körbe und andere Haushaltsgegenstände gefertigt werden, sind extrem stachelig – nicht nur am Stamm, sondern auch an den Blättern. Auch die Beeren einer bestimmten Pflanze können unangenehm werden: Die giftigen Früchte sorgen für fiese Ausschläge. Gut, dass wir trotz der Hitze lange Ärmel und Hosenbeine anhaben.

Auf unserem Waldspaziergang lernen wir einige essbare Wildfrüchte kennen (die meisten davon schmecken bitter oder sauer), und Rex erklärt uns ein paar Fußspuren auf dem matschigen Boden. Wer wirklichen Urwald erwartet, wird von dem Spaziergang am Kinabatangan enttäuscht sein: Im Vergleich zum Beispiel zum Danum Valley ist der Wald hier ziemlich kahl. Die Abholzung hat halt ihre Spuren hinterlassen.

Kinabatangan am Nachmittag

Vom Mittagessen bis um vier Uhr nachmittags haben wir frei und genießen die Lounge-Sessel in der Unterkunft. Mit Blick aufs Wasser verfolgen wir gespannt den tropischen Regenguss, der sich jedoch pünktlich zur Nachmittagstour wieder verzieht. Wir fahren in einen weiteren Nebenfluss, den ich für mich „Affen-Kanal“ taufe: Nasenaffen, Lang- und Kurzschwanzmakaken sowie Silvered Leaf Monkeys (zu deutsch: Silberner Haubenlangur) sorgen dafür, dass wir uns nur in Schrittgeschwindigkeit fortbewegen. Auf jedem Baum findet sich wieder eine neue Affenart.

Nur einen der Orang-Utans vom Kinabatangan River bekommen wir nicht zu Gesicht. Damit habe ich ehrlich gesagt auch nicht gerechnet und bin daher auch gar nicht enttäuscht. Dafür hat sich auf dem Rückweg ein halbes Dutzend Nashornvögel fotogen in einem Baum niedergelassen.

Kinabatangan am Abend

An unserem zweiten Abend in Sukau haben wir die Wahl: Night Walk oder Night Cruise. Der Night Walk sollte durch das gleiche Gelände gehen wie der Spaziergang heute Morgen. Nein danke, die Rattanstacheln und die giftigen Beeren brauche ich bei Nacht nicht unbedingt. Also lieber noch einmal eine Night Cruise auf dem Fluss – dieses Mal mit Kamera. Und das hat sich gelohnt: Wir finden zwei Schlangen im Baum – eine Python und eine Grüne Viper – und begegnen viermal einer Buffy Fish Owl, einer der drei größten Eulen Borneos. Sehr beeindruckend!

Abfahrt nach dem Frühstück

Eigentlich hätten wir am nächsten Morgen noch Zeit für eine weitere Morning Cruise gehabt, aber wir haben keine Lust, schon wieder so früh auzustehen. Daher tauchen wir ganz entspannt zum Frühstück auf und lassen uns anschließend mit dem Minibus zur Hauptstraße bringen, um einen Bus zu unserem nächsten Ziel zu nehmen. Hier holt uns dann leider wieder die traurige Realität in Form von endlosen Palmölfeldern ein …

Hast du noch Fragen zum Ausflug an den Kinabatangen – oder warst du sogar schon selber dort? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

Du willst noch mehr Ferngeweht?

Newsletter abonnieren & E-Book "49 Gedanken zum Fernweh" kostenlos herunterladen

Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.