Kenong Rimba als Alternative zu Taman Negara?

Eingang zu einer Höhle im Kenong Rimba Park.

Bei der Vorbereitung unserer vierwöchigen Malaysia-Reise habe ich öfter gehört, dass der Regenwald-Nationalpark Taman Negara so überlaufen sei. Nach tollen Dschungeltouren unter anderem in Peru, Bolivien und Borneo hatte ich eigentlich keine große Lust, mir die Pfade durch den Regenwald mit Hunderten von anderen Touristen zu teilen. Im Reiseführer wurde der Kenong Rimba Park als weit weniger touristische Alternative vorgeschlagen. Wir haben uns letztlich beides angeschaut. Taman Negara oder Kenong Rimba – was hat mir besser gefallen?

Urwaldbaum im Taman Negara Nationalpark.

Die Anreise in die Regenwaldgebiete

Taman Negara

Die Anreise nach Taman Negara kann über zwei Wege erfolgen: mit dem Boot oder mit dem Bus. Wir sind mit dem Bus hin- und mit dem Boot zurückgefahren, aber das kannst du natürlich halten, wie die willst. Mit dem Bus ist es am unkomplizierten, wenn du nach Jerantut fährst. Von dort fahren regelmäßig Busse weiter nach Kuala Tahan, dem Ort, von dem aus du am einfachsten in den Taman Negara kommst. Ich fand die einstündige Busfahrt wenig spannend – eher ein bisschen frustrierend, weil ein Großteil der Strecke durch Palmölplantagen führt. Kuala Tahan liegt am südlichen Rand des Nationalparks, der Wald davor wurde großflächig für die Ölpalmen abgeholzt.

Die gut zweistündige Bootsfahrt durch den Regenwald fand ich weitaus schöner. Um zum Bootsanleger in Kuala Tembeling zu kommen, von dem aus die Boote nach Kuala Tahan fahren, musst du von Jerantut einen Bus oder ein Taxi nehmen. Auf der Rückfahrt hatten wir das Glück, dass in einem Touristenbus Richtung Norden noch Platz war und dieser uns bis Kuala Lipis, unserer nächsten Station nach Taman Negara, mitnehmen konnte. Das ersparte uns den Umweg über Jerantut, was südlich von Kuala Tembeling liegt.

Fahrt von Kuala Tahan nach Kuala Tembeling.

Kenong Rimba

Nach Kenong Rimba kommst du nur mit einer geführten Tour. Diese startet in Kuala Lipis. Ich habe lange nach Anbietern recherchiert. Es sieht so aus, als ob Tuah Travel & Tours derzeit die einzige Agentur ist, die Ausflüge in den Kenong Rimba Park anbietet. Wir wurden am Abreisetag von unserem Hotel in Kuala Lipis abgeholt. Mit einem Auto ging es eine knappe halbe Stunde bis zum Anleger in Tanjung Kiara, von dort rund zehn Minuten den Fluss Sungai Kenong hinauf. Ich hatte gedacht, wir würden viel tiefer in den Regenwald hineinfahren, aber das Camp, in dem wir übernachtet haben, liegt recht nah am Anleger.

Idyllischer Fluss am Camp im Kenung Rimba Park.

Unterkünfte vor Ort

Taman Negara

Im Ort Kuala Tahan, dem Tor zum Nationalpark Taman Negara, finden sich unzählige Unterkünfte. Im Dorf selber ist es recht trubelig, dafür sind Restaurants und Fähren hinüber in den Nationalpark fußläufig zu erreichen. Die einzige Unterkunft im Nationalpark selber ist das Mutiara Taman Negara Resort, ein abstrus großer Komplex, in dem ich mich niemals wohlgefühlt hätte.

Im Luxusressort in Kuala Tahan muss man nicht mal sein Gepäck selber tragen.

Ich bin froh, bei meiner Unterkunftsrecherche das Mat Leon Village gefunden zu haben. Dieses Guesthouse liegt rund 15 Gehminuten außerhalb des Dorfes Kuala Tahan wunderschön direkt am Fluss, auf dessen anderer Seite der Nationalpark beginnt. Auf Wunsch bietet der Besitzer auch einen Shuttleservice an – Anruf genügt (meistens jedenfalls. Als wir an einem Abend nach dem Abendsessen im Dorf eingeregnet sind, war leider niemand zu erreichen …). Es lohnt sich, die etwas teureren Zimmer mit Klimaanlage zu nehmen, denn die haben Flussblick. Die sehr einfachen Zimmer in den Bambushäuschen sowie die Mehrbettzimmer haben keinen Ausblick.

Kenong Rimba

Im Kenong Rimba Park haben wir in einem Camp geschlafen, das von einem Camp Manager im nahegelegenen Dorf verwaltet wird. Das Camp, rund 15 Minuten zu Fuß vom Bootsanleger entfernt, besteht aus zwei einfachen Toiletten mit Dusche, einer Kochstelle sowie einem überdachten Gebäude. Wir haben in Zelten geschlafen. Als es abends nach Regen aussah, haben wir unser Zelt unter das Dach gebracht und dort geschlafen. Nun ja, wir haben es jedenfalls versucht …

Einfaches Camp im Kenong Rimba Park. (Foto: Jochen Hafner)

Wir haben vom Camp Manager weder einen Schlafsack noch eine Matratze bekommen – nur das Zelt. Das heißt, wir mussten auf dem harten Holzboden schlafen. Zum Glück hatten wir wenigstens unsere eigenen Schlafsäcke mit, denn es hat sich nachts stark abgekühlt. Nach einer Horrornacht, nach der uns alle Knochen wehtaten, haben wir uns geweigert, eine zweite Nacht zu bleiben. 100 Euro pro Person haben wir bezahlt – eine Frechheit, dafür nicht mal eine Unterlage oder wenigstens eine Isomatte zu bekommen.

Essen im Regenwald

Taman Negara

In Kuala Tahan gibt es eine ganze Reihe von Restaurants. Am nettesten gelegen sind die Floating Restaurants unten am Fluss. Allerdings ist das Essen dort nichts Besonderes. Oben im Dorf gibt es ein paar weitere Restaurants. Kulinarische Highlights wirst du auch hier nicht finden, aber verhungern kannst du auf keinen Fall.

Schwimmende Restaurants am Taman Negara.

Kenong Rimba

Im Camp wurden wir von unserem Guide bekocht. Wie gut das Essen ist, hängt also davon ab, wie gut der Guide mit den zwei zur Verfügung stehenden Kochplatten umgehen kann. Unser Mittag- und Abendessen war okay. Zur Not kannst du ja ein paar Snacks mitnehmen. Für Trinkwasser ist gesorgt. Unsere Guides haben einmal sogar Cola aus dem Dorf besorgt.

Unser Guide war gleichzeitig der Koch. (Foto: Jochen Hafner)

Trekking im Dschungel

Taman Negara

Der Taman Negara ist einer der wenigen Regenwaldgebiete, die ich kenne, die man ohne Guide besuchen kann. Normalerweise ist ursprünglicher Regenwald so dicht, dass du als Laie in wenigen Minuten die Orientierung verloren hast. Anders im Taman Negara: Die Wege bei Kuala Tahan sind bestens ausgeschildert, an jeder Kreuzung gibt es gute Wegweiser. Verlaufen ist also ausgeschlossen.

Am Parkeingang kannst du dir einen Überblick über die Wanderwege verschaffen.

Viele Wege im Nationalpark sind Bohlenwege, so dass du trockenen Fußes oder sogar in Flipflops durch den Regenwald spazieren kannst. Alle Wege in der Nähe des Eingangs sind mit Planken belegt. Interessanter (für uns) wurde es, als wir an der Badestelle Lubik Simpon nicht nach rechts Richtung Jenut Muda abgebogen, sondern geradeaus weiter gelaufen sind. Hier hört nämlich der Bohlenweg auf, und du musst dich über Wurzeln, Steine und Matsch durchkämpfen – wie es sich für einen ordentlichen Dschungelbesuch gehört. Aber auch hier kannst du dich nicht verlaufen, der Weg ist jederzeit gut erkennbar.

Hier beginnt der spannende Teil der Dschungel-Wanderung im Taman Negara.

Wir sind am ersten Tag auf dieser Strecke bis zum Tabing Hide und zurück gelaufen. Da wir seeehr langsam durch den Regenwald gehen, um möglichst viele der kleinen Tiere zu entdecken, die sich auf Blättern und neben den Wegen verstecken, haben wir für die sechs Kilometer knapp sechs Stunden gebraucht.

Am zweiten Tag sind wir Richtung Jenut Muda gegangen. Nach rund einem Drittel der Strecke ab Lubik Simpon hört auch hier der Bohlenweg auf, und es geht über Stock und Stein. Am nächsten Abzweig sind wir die Treppen bergab gegangen. Bergauf wäre es zum Hügel Bukit Teresek gegangen, aber dafür war es an dem Tag zu diesig. Der Canopy Walkway ist leider seit Jahren gesperrt – soll aber ohnehin immer überlaufen gewesen sein. Am Swamp Loop lohnt ein Abstecher zum Tahan Hide, wo wir ein Wildschwein und fliegende Eidechsen gesehen haben.

Von diesen Hides gibt es mehrere im Taman Negara.

Kenong Rimba

Im Kenong Rimba Park gibt es keinerlei Beschilderung, ohne Guide hätten wir also die Wege niemals gefunden. Ziel unserer Wanderungen an den zwei Tagen waren verschiedene Höhlen. Unsere Guides hatten keine große Lust (oder zu wenig Ahnung), uns etwas über den Regenwald zu erzählen. Ihnen kam es nur darauf an, so schnell wie möglich zu den Höhlen zu gelangen. Da wir – siehe oben – lieber in aller Ruhe durch den Dschungel gehen, um Tiere zu entdecken, fanden wir die Wanderungen nicht besonders attraktiv.

Eine der vielen Höhlen im Kenong Rimba Park.

Die Höhlen selber waren ganz nett, aber die Anstrengung meines Erachtens nicht wert. In größter Hitze – der Weg in der Nähe des Camps hat keinerlei Schatten, der kommt erst später im Wald – sind wir viele Stunden am Tag durch den Regenwald gerannt. Die Kletterpartien in den Höhlen und die Zuwege waren teilweise nicht ungefährlich, fand ich. Am ersten Tag machten wir eine kürzere, am zweiten Tag eine längere Wanderung.

Sonstige Aktivitäten im Regenwald

Taman Negara

Wer keine Lust hat, so wie wir stundenlang durch den Regenwald zu schleichen, hat im Taman Negara genügend Alternativprogramm: Es werden Nachtwanderungen und Nachtsafaris angeboten – Letztere führen aber, wie man hörte, eher in die Palmölplantagen als in den Nationalpark, in dem es ja gar keine Straßen gibt. Man kann mit einem Boot durch die Stromschnellen des Flusses rasen – Rapid Shooting genannt – oder sich zu einem Wasserfall fahren lassen. Auch geführte Touren in die Dörfer von Indigenen sind buchbar. Wir haben keine der Touren mitgemacht, da uns unsere Wanderungen durch den Nationalpark vollkommen ausreichten.

Das erste von vielen knatternden Booten an diesem Tag.

Kenong Rimba

Das Schönste in Kenong Rimba war für mich der Fluss am Camp. Nach unseren anstrengenden Wanderungen sind wir im Schatten einer Felswand im idyllischen Fluss geschwommen, um uns abzukühlen. Es stehen Tubing-Reifen zur Verüfung. Mit Kanus haben wir ein Stück des Flusses erkundet und sind dabei auch durch eine Höhle gepaddelt. Ansonsten konnten wir auf eigene Faust nicht viel mehr unternehmen als einmal rauf bis zum nahegelegenen Dorf zu spazieren.

Highlight im Kenong Rimba Park: die Kanutour auf dem Fluss.

Regenwald-Feeling?

Taman Negara

Durch das nahegelegene trubelige Dorf Kuala Tahan und die Bohlenwege hatte ich im Taman Negara zunächst wenig das Gefühl, dass ich mich im Regenwald befinde. Auch das ständige Knattern der Boote, die den ganzen Tag Scharen von Touristen den Fluss rauf- und runterfahren, trägt nicht gerade zum Naturerlebnis bei. Erst als wir von den Bohlenwegen ab und auf die Naturwege gegangen sind, hat sich bei mir ein Regenwald-Feeling eingestellt. Auf diesen Strecken haben wir auch kaum andere Menschen getroffen – die Mühen hat halt kaum jemand auf sich genommen. Dazu muss ich sagen: Wir waren mitten in der Woche im Taman Negara, am Wochenende soll es dort weit voller sein. Inwieweit dann auch auf den Wanderwegen mehr los ist, weiß ich nicht.

Einer der einfachen Wege im Taman Negara.

Wer wirklich ganz in den Regenwald eintauchen will, sollte eine mehrtägige geführte Dschungeltour buchen, bei der die Teilnehmer in Zelten oder in einem Hide, also auf einem Aussichtsturm, übernachten. Auch der Zugang zum Taman Negara über den westlichen Eingang beim Örtchen Merapoh, gut 70 Kilometer nördlich von Kuala Lipis, bietet sicherlich mehr Dschungel-Feeling als Kuala Tahan.

Kenong Rimba

Auch wenn unsere kleine Gruppe die einzigen im Camp war, wollte kein richtiges Regenwald-Feeling aufkommen. Dafür waren die Dörfer zu nah am Camp. Und dass wir Handyempfang hatten, war auch nicht gerade förderlich: Immer wieder telefonierten unsere zwei Guides ausführlich mit ihren Bekannten oder schauten sich im Camp Filmchen auf ihrem Smartphone an. Naturerlebnis sieht für mich anders aus. Die Wege durch den Wald kamen schon eher einer Regenwalderfahrung nahe, aber wir hatten ja kaum Zeit, sie zu genießen.

Die Wege im Kenong Rimba Park sind nicht barrierefrei.

Fazit: Taman Negara oder Kenong Rimba Park?

Hätte ich die Wahl zwischen nur diesen beiden Möglichkeiten, um in den Urwald zu kommen, würde ich auf jeden Fall Taman Negara bevorzugen. Hier konnten wir auf eigene Faust und in unserem Tempo das Programm bestimmen und in aller Ruhe durch den Regenwald laufen. Das Entdecken der vielen besonderen Tiere und Pflanzen gehört für mich einfach zu einem Dschungelbesuch dazu – und war bei unseren bisherigen Besuchen im Regenwald auch immer eine Selbstverständlichkeit bei den Führern.

Perfekte Tarnung: eine Schmetterlingsraupe.

Bei der Tour zum Kenong Rimba Park wussten wir leider vorher nicht, was genau auf uns zukommen würde, weil der Anbieter auf meine Frage nach dem Programm nicht reagiert hat. Hätte ich gewusst, dass es ausschließlich Wanderungen zu den Höhlen sind, hätte ich sie nicht gebucht. Ein authentisches Dschungelerlebnis hatte ich jedenfalls nicht.

Im Vergleich zu unseren vorherigen Regenwaldtouren hat mich keine der beiden Orte überzeugt. Es ist halt doch noch etwas ganz anderes, wenn man tief in den Regenwald hineinfährt, fernab von jeglicher Zivilisation. Aber natürlich sind solche Touren auch weitaus aufwendiger und teurer. Für Regenwaldeinsteiger finde ich Taman Negara also durchaus geeignet.

Warst Du schon mal im Regenwald? Wie hat es dir dort gefallen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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