Peru: Im Regenwald von Tambopata

Auf einer Reise durch Peru hast du mehrere Gelegenheiten, den Amazonas-Regenwald zu besuchen. Im Norden von Peru kannst du von Iquitos aus auf mehrtägigen Schiffstouren den Dschungel erkunden. Iquitos selbst ist nur bei Flugzeug oder über eine lange Schiffsfahrt zu erreichen. Im Süden von gibt es unter anderem den Manu Nationalpark, eine der größten Schutzzonen der Welt und bereits 1987 zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt – auch hier ist die Anfahrt nicht ohne. Am einfachsten zu erreichen ist das Tambopata Candamo Reservat, ebenfalls im Süden Perus. Diese Region haben wir als Ausflug in den Regenwald gewählt. Ein Flieger brachte uns von Cusco aus in die Stadt Puerto Maldonado, dort startete unser Abenteuer. Was wir erlebt haben, möchte ich dir heute erzählen.

Anfahrt in den Dschungel von Peru

Der Regenwald in der peruanischen Trockenzeit ist heiß, stickig und schwül. Meistens jedenfalls. Hin und wieder jedoch streift eine Kaltfront das Amazonasgebiet, so dass das Thermometer gerade einmal an die 15-Grad-Marke kratzt. Für Juan Carlos ist das viel zu kalt. Er zieht die Thermohandschuhe über die braunen Finger und die Wollmütze über die schwarzen Augen, als das offene Fiberglasboot Fahrt aufnimmt. Gerade hat der ausgebildete Dschungelführer aus dem peruanischen Cusco uns am Landesteg des Dorfes Puerto Maldonado abgeholt, und jetzt knattern wir mit unserem Boot vier Stunden lang den Río Tambopata aufwärts. Der braune Fluss führt geradewegs in das Naturschutzgebiet Tambopata Candamo hinein.

Erste Tiersichtungen im Regenwald

Einen ersten Eindruck davon bekommen wir bereits auf dem Wasser. Ein schriller Pfiff von Juan Carlos, und der Bootsführer stoppt die Maschinen: Ein Wasserschwein-Pärchen trippelt den Fluss entlang, eines von ihnen trägt auf dem Rücken einen schwarzen Vogel mit sich spazieren. „Wir haben Glück“, freut sich der Urwald-Experte, „sehr oft ruhen die Tiere im Wasser und sind dann gar nicht so leicht zu erkennen.“ Weil die Wasserschweine zwischen den Zehen kurze Schwimmhäute haben, sind sie hervorragende Schwimmer und geschickte Taucher. Kurz darauf bereits die nächste Sichtung: Ebenfalls farblich gut getarnt ruht sich am flachen Ufer ein Kaiman aus. Unbeweglich harrt er dort stundenlang aus, bis Insekten, Eidechsen oder Fische ihm gefährlich nahe kommen – und die Falle für sie zuschnappt. Auch der Bootsführer rückt dem aggressiven Tier lieber nicht zu nahe auf die Krokodilshaut, sondern dreht stattdessen in Richtung Dschungel-Lodge ab.

Emsige Wasserschweine am Río Tambopata

Mit dem Urwaldexperten unterwegs

Ein besonders großes Exemplar treibt er am nächsten Tag auf unserer Wanderung durch das dichte Regenwaldgehölz auf. Mit einem dünnen Stock langt er vorsichtig in ein Erdloch hinein, bis sich ganz verschlafen eine handgroße, haarige Tarantel blicken lässt. Wenige Sekunden später zieht sie sich bereits wieder in ihr Erdloch zurück. Eigentlich waren wir ohnehin aufgebrochen, um ganz anderen Tieren auf die Spur zu kommen: Ein paar Bootsstunden weiter den Fluss hinauf befindet sich nämlich eine der Papageienlecken, zu der jeden Morgen Hunderte von bunten Aras geflattert kommen, um von den Erdwänden lebensnotwendige Salze und Mineralien aufzunehmen. Weil die Vögel bereits kurz nach dem Morgengrauen ihren Ausflug zu den sogenannten Collpas starten, haben Juan Carlos und seine Helfer ein Zeltcamp auf einer kleinen Insel im Tambopata errichtet – selbst die mobile Küche ist in wenigen Minuten aufgebaut.

Guten Morgen, liebe Tarantel!

Um halb sechs werden wir am Morgen geweckt, und auf leisen Sohlen geht es zu dem Versteck aus Bambus und Schilf, mit direktem Blick auf die Papageienlecke. Das erste laute Krächzen der Aras ist bereits zu hören, und über dem Schilfdach blitzt auch schon vereinzelt blaues und rotes Gefieder auf. Aber am Collpa landen will keiner der prächtigen Vögel. Noch zwei Stunden harren wir auf ihrem unsichtbaren Platz aus, dann geben wir auf. „Wahrscheinlich ist das Wetter nicht nur mir, sondern auch den Aras zu kalt“, vermutet der Urwald-Spezialist, sichtlich enttäuscht, dass er uns dieses farbenfrohe und lautstarke Schauspiel heute nicht bieten kann. Doch damit haben wir schon die wichtigste Lektion des Dschungels gelernt: Nur mit viel Glück lassen sich im riesigen Amazonasgebiet die Tiere des Waldes entdecken. Wer garantiert Affen, Wildkatzen und Reptilien sehen will, sollte lieber in den Zoo gehen.

(Diese Reportage von mir erschien im Mannheimer Morgen, Ausgabe 25.09.2010)

Mittlerweile war ich noch öfter im Regenwald: Im Amazonasgebiet von Bolivien und im Dschungel von Borneo hat es mir genauso gut gefallen wie in Peru. Warst du auch schon mal im Regenwald?

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2 Kommentare

  • Hallöchen,
    Wasserschweine! Hätte mir schon gereicht diese niedlichen Tiere in der freien Wildbahn zu sehen! ;-)

    Aber deinen Abschluss finde ich wirklich passend. Speziellen Tieren bei einem Ausflug zu begegnen ist wirklich utopisch von vornherein anzunehmen… aber natürlich umso schöner, wenn es doch passiert.

    Viele Grüße
    Bloody

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