Horror-Busfahrt in Peru

Er wird schon wissen, was er tut …

Tina vom Blog Choices of Live fragt in ihrer Blogparade nach Erlebnissen, bei denen wir uns selbstverständlich auf einen Einheimischen verlassen haben – ohne zu wissen, wie die Sache ausgeht.

Auf Reisen in exotische Länder verlasse ich mich oft und gern auf Einheimische: bei Busfahrten, bei Taxifahrten, bei gebuchten Ausflügen mit einem Guide. Die kennen ihre Straßenverhältnisse und Verkehrsregeln am besten, während ich in einem eigenen Fahrzeug wahrscheinlich hoffnungslos verloren wäre. Wenn aus zwei Fahrspuren ganz selbstverständlich vier gemacht werden, wenn mich gleichzeitig rechts und links Autos überholen und überall aus mir unerfindlichen Gründen gehupt wird – uuaaaaa!

Allzeit im Einsatz: Taxis in Peru

Bisher ist auch alles gut gegangen, wenn ich in fremde Fahrzeuge gestiegen bin – toi, toi, toi. Einmal dachte ich allerdings: „Oha, jetzt wird es brenzlig! Mal schauen, ob wir hier noch heile rauskommen…“ Das war mein bislang schlimmstes Erlebnis auf ausländischen Straßen:

Im Bus von Puno nach Cusco

Von Puno am Titicacasee wollten wir eigentlich mit dem Zug nach Cusco fahren. Die Strecke ist als eine der schönsten Zugfahrten in Südamerika bekannt. Wir hatten uns bereits ein Ticket gekauft, doch einen Tag vor Abfahrt informierte uns der Bahnhof: Die Zugfahrt würde wegen Streik bis auf unbestimmte Zeit ausfallen. Na toll! Es musste also Plan B her. Der hieß: Bus statt Zug.

Busse in Peru sind meist nicht die neuesten Modelle. (Foto: Jochen Hafner)

Wir bekamen zum Glück noch die zwei letzten Tickets für den nächsten Tag. Der Bus war aufgrund des Zugstreiks komplett ausgebucht. Vor uns saß eine amerikanische Familie mit einem kleinen Kind, hinter uns eine alte Peruanerin mit einem großen Sack Reis, neben uns junge Backpacker, die ebenfalls Richtung Machu Picchu unterwegs waren.

Durch die Berge von Peru

Die Fahrt ging morgens um neun los, und schnell landeten wir auf einer engen Schotterpiste, die uns sieben Stunden lang quer durch die Berge führte. Die Piste wand sich um schlecht einsehbare Kurven, war größtenteils nur einspurig befahrbar, und natürlich kamen uns immer wieder andere Fahrzeuge entgegen, sodass unser Fahrer andauernd ausweichen musste. Viel Platz hatte er dazu allerdings nicht: Links neben uns ragte die Felswand empor, rechts neben uns ging es steil mehrere Hundert Meter den Abhang hinunter. Leitplanken? Fehlanzeige!

Nah am Abgrund: Busfahrt durch die Berge in Peru. (Foto: Jochen Hafner)

Die Klimaanlage in dem klapprigen Bus funktionierte natürlich nicht, so dass es immer heißer wurde, je höher die Sonne stieg. Die Fenster aufzumachen, war auch keine Option, denn draußen wirbelte soviel Staub herum, dass wir kaum die Landschaft erkennen konnten. Also schwitzten wir alle stumm vor uns hin – bis auf das Kleinkind vor uns, das unablässsig schrie (was ich am liebsten auch getan hätte …).

Die letzte Busfahrt meines Lebens?

Der Fahrer schien seinen Bus zwar gut im Griff zu haben (soweit das bei solch einem Klapperkasten möglich war). Allerdings gab er ab der Hälfte der Strecke ordentlich Gas und führte ein paar waghalsige Manöver auf der engen Straße durch. Der Grund: Es wurde immer später, und er wollte unbedingt noch vor Einbruch der Dunkelheit von dieser Schotterpiste runter sein und auf eine asphaltierte Straße gelangen. Also rasten wir durch die Dämmerung am Abgrund entlang, und ich sah mein letztes Stündlein schlagen. Hätte ich vorab nicht Reisetabletten genommen, die mich in eine Art Scheißegal-Stimmung versetzten, wäre ich wahrscheinlich hysterisch geworden.

Nächstes Mal dann doch lieber den Zug.

Wir hatten Glück: Mit dem letzten Licht des Tages erreichten wir die Haupstraße. Der ganze Bus, der – inklusive dem Kleinkind – in den letzten Stunden in ängstliches Schweigen verfallen war, brach in tosenden Applaus aus, weil alle froh waren, endlich in Sicherheit zu sein. Weitere drei Stunden später erreichten wir schließlich Cusco. Ich war selten so froh, ein Fahrzeug lebend verlassen zu haben!

Was war dein schlimmstes Erlebnis auf ausländischen Straßen? Ich freue mich auf deine Geschichte in den Kommentaren!

Du willst noch mehr über Peru lesen? Schau mal hier:

 

 

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5 Kommentare

  • Die Busreise in Peru sollte wirklich nur derjenige wagen, der Lebensmüde ist.

    Für vier Informatik-Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie endete leider die Reise nicht so glücklich… :-(

    R.I.P. !

  • Haha, ist ja lustig. Ich bin von Puno nach Cusco in einem luxuriösen Bus und durchgängig auf asphaltierten Straßen gefahren. Bei mir war allerdings die Weiterfahrt nach Ollantaytambo die krasse Nummer.
    Auch wegen eines Streiks sollten die Straßen gesperrt werden, unser Guide hatte aber die Idee mitten in der Nacht zu fahren, um den Straßensperren zuvorzukommen.
    Das hat leider nur teilweise geklappt. (Da lagen brennende Autoreifen und massig Steine auf den Straßen …)
    Unser Fahrer schaffte es aber über die entlegensten Schleichwege sein Ziel zu erreichen. Den Großteil der Strecke fuhren wir dabei auch mit einem Affenzahn über eine steinschlaggafährdete Holperstrecke entlang eines Abhangs.
    Der Fahrer meinte dabei, dass er so schnell fährt, weil er von keinem Stein getroffen werden will.

    Wer in Peru mobil sein will, braucht starke Nerven!
    Ich hab da noch ein paar andere Dinge erlebt … zurück aus Aguas Calientes ist z.B. der Zug entgleist :)

    Ist trotzdem schön dort!

    Viele Grüße
    Marc

    Viele Grüße
    Marc

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