Besuch auf den Urus-Inseln im Titicacasee

Bei jedem Schritt schwankt der Boden unter den Füßen, fast werde ich ein bisschen seekrank. Das liegt nicht an der Höhe (immerhin bewege ich mich auf rund 3800 Metern über dem Meeresspiegel), sondern daran, dass ich auf Schilf über das Wasser laufe. Ein Besuch auf den Urus-Inseln im Titicacasee macht es möglich.

Besucher in Sicht?

Die Fahrt zu den Urus-Inseln ist ein beliebter Tagesausflug in Peru, denn sie liegen nur rund fünf Kilometer mit dem Boot von Puno entfernt. Auf knapp 50 Inseln im See lebt nur ein Teil der ethnischen Gruppe der Urus – andere von ihnen sind mittlerweile aufs Festland gezogen und dort sesshaft geworden, oder sie pendeln jeden Tag vom Land aufs Wasser. Auf den größeren Inseln wohnen bis zu zehn Familien, auf den kleineren haben oft nur ein oder zwei Häuser Platz. Ein paar wenige Inseln sind für Touristen zugänglich.

Typische Haarpracht der Mädchen und Frauen

Urus-Einwohner auf Einnahmen angewiesen

Das Besondere an den Inseln: Sie sind aus getrocknetem Schilf gebaut. Da das Baumaterial schnell verrotet, müssen die Inseln immer wieder mit neuen Lagen Schilf ausgebessert werden. Doch nicht nur der Untergrund ist aus dem natürlichen Baumaterial gefertigt: Auch für Häuser und Boote nutzen die Urus Schilf – wobei bei den Booten mittlerweile auch Plastiktanks als Innenmaterial verwendet werden, um Rohstoff zu sparen.

Das Leben auf dem Titicacasee ist nicht leicht: Die Inselbewohner leben vom Fischfang und von den Souvenirs, die sie an die Touristen verkaufen, wie etwa bunte Decken, Stickereiarbeiten, Schmuck und Tee. Außerdem lassen sich die „Seemenschen“, wie sie sich selber nennen, mittlerweile dafür bezahlen, wenn man sie fotografieren will.

So funktioniert der Inselbau

Besuche bei Einheimischen: Fluch oder Segen?

Der Ausflug auf die Urus-Inseln in Peru war ohne Zweifel interessant. Doch egal, ob Inselvölker, Regenwaldstämme, Bergbevölkerung oder Indianer: Irgendwie hinterlassen solche Besuche bei der Angehörigen der Urbevölkerung eines Landes bei mir immer einen schalen Beigeschmack.

Einerseits fühle ich mich häufig wie ein Voyeur, der hinter die Kulissen schaut, obwohl sich das nicht gehört, wenn ich die Privatsphäre von Menschen achten will. Wie im Zoo beobachtet man die Einheimischen und ihr Leben – und oft wird man selber ebenfalls nur angeschaut. Ein echter Kontakt zu der Bevölkerung ist selten möglich, auch nicht bei mehreren Tagen Aufenthalt, so meine Überzeugung. Sprach- und Kulturbarrieren sind oft einfach zu groß, als dass man den anderen in so kurzer Zeit wirklich verstehen lernen könnte.

Auf der anderen Seite weiß ich, dass viele indigene Völker ohne den Kontakt zu Touristen nicht mehr überleben könnten, weil sie auf die Einnahmen angewiesen sind, die sie durch die Besucher generieren.

Sticken für den Lebensunterhalt

Wie hältst du es also auf deinen Reisen in exotische Länder: Besuch bei den Einheimischen – ja oder nein? Ich freue mich auf eine rege Diskussion in den Kommentaren!

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