Abseits der Hauptroute: Canyon de Chelly und Mesa Verde

Viele, die den Südwesten der USA bereisen, schauen sich vor allem die Hauptattraktionen an: Grand Canyon, Bryce Canyon, Canyonlands und den Zion Nationalpark. Mein Tipp: Wer in der Gegend ist und ein paar Tage übrig hat, sollte einen Abstecher zu zwei Orten machen, die bei kaum jemandem auf der Liste stehen – zum Canyon de Chelly National Monument und zum Mesa Verde Nationalpark.

Der Canyon de Chelly befindet sich – ebenso wie das Monument Valley und der Antelope Canyon – in der Navajo Nation Reservation, dem größten Indianerreservat in den Vereinigten Staaten. Der Mesa Verde Nationalpark liegt in Colorado, am Rand der Reservation, ist aber in seiner Geschichte auch mit den Navajo verknüpft.

Canyon de Chelly

Der Canyon de Chelly gehört den Navajo-Indianern. Sie leben in der Schlucht, daher darfst du dich dort nicht uneingeschränkt bewegen. Mit dem Auto kannst du entlang des South Rim und des North Rim fahren, beide starten am Visitor Center. Von den beiden Straßen aus führen Stichstraßen zu Ausblickspunkten, wo wir immer wieder schöne Blicke in den bis zu 300 Meter tiefen Canyon hinein werfen können. Unten am Fluss siedeln einige der Indianer, Schafe grasen am Ufer, alles wirkt sher friedlich. Dank des Flusses ist es unten im Tal sehr grün – eine Wohltat fürs Auge nach tagelangen Fahrten durch trockene Felsenlandschaften auf unserem USA-Roadtrip.

Am Ende der North-Rim-Route steht der Spider Rock, das sind zwei rund 240 Meter hohe, freistehende Felsnadeln. Die Geschichte besagt, dass hier die Spinnenfrau lebt, die einst den Menschen das Weben beibrachte, aber auch ungezogene Kinder frisst. Die weißen Spitzen der Felsnadeln sind demnach die Gebeine der Kinder … Gruselig!

Innerhalb des Canyons darfst du dich nur mit einer Genehmigung aufhalten. Die Navajos bieten geführte Ausritte, Wanderungen und Fahrten mit Geländewagen in der Schlucht an. Nur an einer Stelle darfst du ohne Begleitung in die Schlucht hinabsteigen: am White House Ruins Trail. An glatten Felsen entlang führt der vier Kilometer lange Weg 170 Meter hinunter in die Schlucht. Am Ende des Weges stoßen wir auf eine prähistorische Felsklippensiedlung, die White House Ruins. Sie liegen zum Teil zwölf Meter hoch in einer Felsenhöhle und waren damals nur über Leitern erreichbar. Heute kannst du sie ausschließlich von unten anschauen.

Meine Tipps für den Canyon de Chelly

  • Wie in allen Nationalparks gibt es die besten Informationen zum Canyon de Chelly am Visitor Centre am Eingang. Hier gibt es eine interessante Ausstellung über die Geologie der Schlucht, über seine ersten Bewohner und die später angesiedelten Navajos.
  • Den North Rim solltest du am besten morgens befahren, den South Rim abends, dann steht die Sonne am besten. Für beide Touren solltest du zusammen drei bis vier Stunden einplanen, sie sind jeweils knapp 25 Kilometer lang, und du musst immer zum Visitor Center zurück.
  • Wenn du den White House Ruins Trail wandern möchtest, starte im Sommer am besten früh morgens. Die Sonne brennt, und es gibt auf dem Weg keinen Schatten. Genug Wasser und eine Kopfbedeckung mitnehmen! Auch Wandershcuhe haben sich bewährt.
  • Touren in den Canyon hinein kannst du in der Thunderbird Lodge buchen. Diese liegt in der Nähe des Visitor Centers.

Mesa Verde

Mesa Verde in Colorado ist der einzige Nationalpark in den USA, der zum Schutz eines archäologischen Ortes eingerichtet wurde. Die „grüne Tafel“, wie Mesa Verde übersetzt heißt, besteht aus einem grünen Tafelberg, der auf den ersten Blick recht unscheinbar erscheint. Welchen Schatz diese Region verbirgt, entdeckten erst 1888 zwei Cowboys auf der Suche nach ihren Rindern: In den Felsen befinden sich zahlreiche verlassene Felssiedlungen. Ein paar der über 600 Felsbehausungen kann man heute besichtigen.

Wir waren zwei Tage im Nationalpark und haben uns beide Routen angeschaut, die vom Visitor Center abgehen. Highlight war der Besuch des Balcony House, das man – wie auch den Cliff Palace – nur mit einer Führung besichtigen kann. Um zu allen Ebenen im Balcony House zu gelangen, mussten wir einige Leitern erklimmen und durch etwas enge Felsspalten kriechen. Vor der „anstrengenden“ Tour wird allerorts gewarnt – wir fanden sie völlig harmlos. Wer halbwegs schwindelfrei und nicht stark klaustrophobisch veranlagt ist, schafft die Tour mit links. Auch die Tour zum Cliff Palace lohnt sich.

In den Felsbehausungen, die um 1200 nach Christus errichtet, nur kurz genutzt und später von den Navajo wiederentdeckt wurden, sind deutlich die einzelnen Zimmer zu erkennen. Ein kundiger Führer erklärt die Hintergründe – wobei vieles noch im Dunkeln liegt. Zum Beispiel weiß man bis heute nicht, warum die Anasazi-Indianer damals nur so kurz in den Felssiedlungen gelebt und sie so bald verlassen haben.

Meine Tipps für Mesa Verde

  • Die Tickets für die Touren zu den Behausungen bekommst du am Visitor Center. Dort musst du dich für eine Uhrzeit entscheiden. Es lohnt sich also, früh da zu sein, um noch Auswahl zu haben.
  • Wenn du nur Zeit für eine Tour hast, empfehle ich das Balcony House.
  • In einem Tag schaffst du es kaum, dir den ganzen Park inklusive einer Führung anzuschauen. Plane lieber zwei Tage Aufenthalt ein.

Canyon de Chelly oder Mesa Verde – wo würde es dir besser gefallen? Oder hast du schon den einen oder anderen Ort gesehen? Erzähl mir doch darüber in den Kommentaren!

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