Enttäuschungen auf Reisen

Nicht nur das Wetter kann enttäuschend sein. (Foto: Jochen Hafner)

Da schaust du dir vor deiner Reise unzählige Bilder von deinem Traumziel an, freust dich wie Bolle und kannst es kaum erwarten, endlich da zu sein und deine Traumdestination mit eigenen Augen zu sehen. Und dann? Ist es in der Realität ganz anders, als du es dir vorgestellt hast. All die tollen Bilder haben zuviel versprochen, und du denkst nur enttäuscht: „Aha, so sieht das also hier aus …“.

Ist es dir schon mal so ergangen? Dass du enttäuschst warst von einem Reiseziel, auf das du dich ganz besonders gefreut hattest? Von dem alle sagen: „Das ist einfach der Waaaahnsinn, das muss du dir anschauen!“ Mir ging es schon ein paarmal so. Das ist schade, aber ich habe dadurch zwei Dinge gelernt:

  1. Ich erwarte von einer Reise nicht mehr, dass sie von vorn bis hinten supderdupertoll ist – sondern lasse mich stattdessen lieber überraschen, was mir am meisten zusagt, und bin nicht mehr enttäuscht, wenn mir ein vermeintliches Highlight nicht so sehr gefällt wie anderen.
  2. Ich schaue mir vor einer Reise nicht unendlich viele Bilder meines Reiseziels an. Weil dadurch die Gefahr besteht, dass ich nur noch mit diesen Bildern im Kopf dorthin reise und zwangsläufig enttäuscht bin, wenn es vor Ort ganz anders aussieht. Oder dass der Ort keine Überraschung mehr für mich ist, weil die Bilder schon zuviel verraten haben.

Dies waren bislang meine größten Enttäuschungen auf Reisen:

Enttäuschung in Vietnam: Halong-Bucht

Meine Vorstellung:

Ein Labyrinth aus Kalksteinfelsen im tiefblauen Wasser. Zwischen den Felsen cruisen ein paar wunderhübsche alte Segelschiffe mit großen roten Segeln. Die Halong-Bucht gilt als eine der schönsten Meereslandschaften der Welt. Klar, dass sie auf unserer Reise durch Vietnam im Jahr 2008 auf der Agenda stand!

Die Realität:

Im Hafen von Halong-Stadt liegen unzählige Schiffe, die auf ihre Gäste warten. Nach einem langen Eincheck-Prozedere beziehen wir unser Boot. Wir haben bewusst nicht den billigsten Anbieter genommen, denn Sicherheit an Bord ist uns schon wichtig. Sauberkeit haben wir eigentlich auch erwartet. Aber: In unserer winzigen Kabine steht unter anderem ein kleiner Tisch mit einer Glasplatte. Beim näheren Hinsehen krabbeln dort Dutzende kleine Kakerlaken unter der Tischplatte herum …

Erster Stopp auf unserer Fahrt ist die Sung-Sot-Höhle, eines der Highlights in der Halong-Bucht. Das denken sich auch alle anderen Schiffsführer, sodass wir eine Weile Schlange stehen müssen, bevor wir einen Liegeplatz bekommen. Im Gänsemarsch mit Dutzenden anderer Touristen geht es in die Höhlen, die zwar sehenswert, aber natürlich viel zu voll sind, um sie wirklich genießen zu können.

Die Felsenbucht an sich ist sicherlich sehenswert – sofern man sie auf der Fahrt sehen kann. Wir haben das Pech, dass es drei Tage lang neblig ist und regnet. Viel mehr als ein paar Schemen im Wasser können wir also nicht erkennen. Auch am Folgetag wird das Wetter nicht besser.

Weil es für eine geplante Wanderung zu nass und daher zu gefährlich ist, steigen wir auf die Kajaks um und machen eine ganz nette Tour um die Felsen herum. Als wir zurückkommen, müssen wir allerdings alle feststellen, dass während unserer Abwesenheit offenbar jemand unsere Rucksäcke an Bord durchwühlt hat. Weggekommen ist zum Glück nichts.

Alles in allem fand ich die Halongbucht viel zu voll und – ja, wahrscheinlich auch wegen des Wetters – nicht so spektakulär wie erwartet. Da hat mir die „trockene Halong-Bucht“ bei Tam Coc im Landesinneren weitaus besser gefallen.

Wolfgang von Wolfgangs Reiseblog kann übrigens seine Enttäuschung über die Halong-Bucht ebenfalls nicht verbergen.

Enttäuschung in den USA: Grand Canyon

Meine Vorstellung:

Gigantisch! Unvorstellbar! Riesig! Das waren die Worte, die sich mir von den Beschreibungen des Grand Canyon eingeprägt hatten. Entsprechend gespannt waren wir darauf, DAS Highlight einer Amerika-Reise mit eigenen Augen zu sehen und zu bestaunen.

Die Realität:

Auf unserem vierwöchigen Roadtrip 2012 durch den Südwesten der USA haben wir schon viele wunderschöne Orte gesehen: Zion Nationalpark, Bryce Canyon, Monument Valley, Canyon de Chelly … In der letzten Woche unserer Rundreise kommen wir zum Grand Canyon. Wir halten am späten Nachmittag am südlichen Rand des Nationalparks am ersten Aussichtspunkt aus östlicher Richtung kommend. Vor uns eine Art Hochebene mit ein paar Einschnitten. Das sollte der berühmte Grand Canyon sein?

Wir fahren weiter zu unserer Unterkunft im Park und geben der Schlucht am nächsten Tag eine zweite Chance. So richtig überzeugt uns der Grand Canyon aber immer noch nicht. Mit dem Shuttle Bus gelangen wir zu den verschiedenen Aussichtspunkten, laufen auch ein Stück am Rand des Grand Canyon entlang – aber es packt uns immer noch nicht. Für eine Wanderung in den Canyon hinein ist es im Hochsommer zu heiß.

Ja, der Grand Canyon ist groß. Aber so vielfarbig, von Rot über Orange bis zu Braun, wie er auf vielen Bildern dargestellt ist, zeigte er sich uns nicht. Ganz im Gegenteil: Es war an beiden Tagen eher etwas diesig, sodass wir gar nicht so weit hineinschauen konnten. Dadurch wirkten die Farben auch entsprechend grau und matt.

Fazit: Von allen Nationalparks, die wir auf unserer Tour gesehen haben, hat uns der Grand Canyon am wenigsten beeindruckt. Vielleicht lag es ja daran, dass wir die drei Wochen zurvor schon so viele tolle Orte gesehen hatten? Mir hat zum Beispiel der Bryce Canyon oder auch Canyonlands weitaus besser gefallen.

Patrick vom Blog 101places war übrigens auch nicht allzu begeistert vom Grand Canyon.

Enttäuschung in Peru: Machu Picchu

Meine Vorstellung:

Mystisch und geheimnisvoll stelle ich mir Machu Picchu vor, wie es so in den Bergen liegt und lange Zeit unentdeckt blieb. Irgendein Zauber muss doch sicherlich von dem Ort ausgehen – und so machten wir uns 2007 während unserer Rundreise durch Peru auf dem Weg nach Aguas Calientes, dem Ort am Fuße des Machu Picchu.

Die Realität:

Dass ich nicht den Inka-Trail laufen und beim ersten Sonnenstrahl vom Sonnentor aus auf Machu Picchu schauen würde, ist mir klar: Die Vier-Tages-Wanderung über 4000 Meter hohe Pässe hätte ich nicht geschafft, da ich ohnehin fast während unserer gesamten Peru-Reise unter Höhenkrankheit leide. Also geht es von Cusco aus mit dem Zug nach Aguas Calientes. Der kostete vor knapp zehn Jahren pro Person schon rund 60 Dollar pro Strecke, heute bist du locker mit 75 Dollar dabei.

Am frühen Nachmittag nehmen wir den Shuttle-Bus zum Gelände hinauf (24 Dollar pro Person), denn sechs Kilometer bergauf zu laufen habe ich keine Lust, weil ich mir eine starke Erkältung eingefangen habe. Am Ticketschalter blättern wir 60 Dollar pro Person auf den Tisch, um uns anschließend mit vielen anderen Besuchern zunächst zum berühmtesten Ausblickspunkt zu begeben, von dem aus JEDER Machu-Picchu-Reisende ein Bild macht.

Und genau das ist das Problem: Wir stehen also da an diesem Ort und blicken sozusagen auf eine Postkarte, die wir schon so oft gesehen haben. Überraschungseffekt: null. Wow-Effekt: auch nicht viel höher. Wir gehen auf das Gelände (wo wir uns ein bisschen über die Touristen aufregen, die trotz zahlreicher Hinweisschilder auf den Ruinen herumklettern), müssen aber nach einer Stunde wieder umkehren, weil ein heftiger Regenguss  über dem Gelände herunterkommt und das Areal aus Sicherheitsgründen geräumt wird.

Summasumarum haben wir also inklusive Unterkunft in Aguas Calientes rund 400 Dollar für eine Stunde in Machu Picchu ausgegeben. War es das wirklich wert? Ich weiß ja nicht … Mystisch und geheimnisvoll fand ich die Ruinen jedenfalls nicht. Und neue Einblicke, die ich nicht schon von Bildern kannte, habe ich auch nicht entdeckt. Das Geld würde ich nächstes Mal lieber in etwas anderes investieren.

Ähnlich wie mir ging es übrigens auch Marlene vom Blog Couchabenteuer, die ebenfalls über Machu Picchu geschrieben hat.

Wie schaut es bei dir aus: Gibt es Orte auf Reisen, von denen du wirklich enttäuscht warst? Und warum? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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13 Kommentare

  • Enttäuschungen auf Reisen kenne ich auch. Meistens sind die Highlights sowieso die Dinge, die man nicht vorher groß erwartet. Danke für den tollen Artikel!

    Herzlich,
    Anna

  • Ich war mal auf der Halbinsel Samana, die war uns im Vorfeld so toll angepriesen worden. Leider hatte der Empfehler vergessen zu erwähnen, dass unsere gebuchte Zeit mitten in der Regenzeit liegt. 2 Wochen Dauerregen! Wir waren die einzigen im Flieger, die nicht braun geworden waren, während im Rest der Dom.Rep mega Wetter war…

  • Hallo Sabine,

    eine interessante Schilderung. Irgendwie bin ich fast erleichtert, dass ich jetzt offen zugeben kann: Auch ich fand den Grand Canyon nicht besonders spektakulär.

    Tatsächlich geht es mir mit vielen Hauptsehenswürdigkeiten in diversen Ländern so. Am Ende sind die Wasserfälle dann doch kleiner, die Bäume doch niedriger, die uralten Steine vollgekritzelt aber vor allem: Menschenmassen zerstören mir gerne so einiges. Mittlerweile umgehe ich Hauptsehenswürdigkeiten sogar häufig (vor allem, wenn höher Eintritt verlangt wird), ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Freut mich, dass ich mit meinem Grand-Canyon-Gefühl nicht allein bin 🙂 Bislang gebe ich vielen Hauptsehenswürdigkeiten allerdings immer noch eine Chance, irgendwas muss schließlich dran sein. So viele Menschen können doch nicht irren, oder?

  • Oh je, das klingt wirklich nicht gut. Die Halong-Bucht steht immer noch auf unsere Liste. Jetzt können wir uns auf das einrichten, was uns wirklich erwartet. Der Grand Canyon, wir waren Anfang November bei 0 Grad dort und waren fast die einzigen Gäste, hat uns schon beeindruckt. Bei unserem Besuch leuchteten auch alle Farben. Zum Sonnenuntergang sind sie noch schöner und die Stimmung hat sich verändert. Allerdings kennen wir die anderen Canyons nicht.
    Wir informieren uns auch immer nur oberflächlich oder bekommen einfach nur Tipps, denn es ist einfach so, dass man dann mit bestimmten Vorstellungen hinkommt. Manchmal werden sie übertroffen, manchmal eben nicht. Anders ist man voreingenommen und kann sich seine eigenen Urteile bilden.

    • Meine Berichte sind natürlich rein subjektiv! Ich kenne viele, die die Halong-Bucht, Machu Picchu und den Grand Canyon wunderbar fanden. Aber zum Gkück sind Geschmäcker ja auch verschieden – und was den einen beeindruckt, findet der andere vielleicht langweilig. Lass dir die Halong-Bucht nicht von mir verderben, wenn du sie besuchen willst!

  • Hallo Sabine,

    vielen Dank erstmal für den Beitrag und natürlich auch für´s Verlinken. Ich finde es immer gut und richtig, wenn nicht nur die schönen Seiten des Tourismus beleuchtet werden, sondern wenn man offen auch über Enttäuschungen, Probleme vor Ort oder vermüllte Gegenden schreibt. Die Welt ist nicht immer nur schön. Sondern eben oft auch eine Enttäuschung, wenn man geblendet von spaktakulären Kulissen und einsamen Landschaften, dann plötzlich Menschenmassen oder Müll vorfindet. Ich finde es spricht für dich als authentische Bloggerin, auch mal diese Seiten aufzuzeigen. Danke dafür! Trotzdem hoffe ich, dass dir diese Enttäuschungen in Zukunft natürlich erspart bleiben. Alles Gute dafür.

    Lieben Gruß Marlene

    • Danke, Marlene. Zum Glück überwiegen ja die positiven Erlebnisse auf Reisen. Dir auch weiterhin schöne Reisen und möglichst wenige Enttäuschungen!

  • Oh ja, das kenne ich auch… 😀 Allerdings war meine Vorstellung völlig naiv 😉 Als ich 2005 meine erste Fernreise nach Phuket angetreten bin, hatte ich die Vorstellung von wenig Touristen, einem ellenlangen, breiten, weißen Strand mit klarem, türkisem Wasser. Was mich erwartete war natürlich das Gegenteil: viele Touris, für mich damals komisches Essen, ein brauner, nicht ganz so breiter Strand, das Meer war eher grün statt klar und dann regnete es auch noch in meinem langersehnten Urlaub mehrfach in Strömen. Herrlich, ich schmunzel darüber… Und es hat auch nicht lange gedauert bis Asien dann tatsächlich doch noch mein Lieblingsreiseziel wurde 🙂

    • Danke für deine Geschichte, Tina. Wobei Phuket im Jahr 2005 wahrscheinlich noch wirklich idyllisch war – verglichen mit heute. Fahr lieber nicht noch mal hin, wäre wahrscheinlich ein Schock 😉

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