Sri Lanka – fliegen oder stornieren?

Reiseführer Sri Lanka

Schon im Dezember letzten Jahres haben wir den Flug für unsere diesjährige große Reise im Sommer gebucht: Wir haben uns für Sri Lanka entschieden. Unsere letzte große Reise hatte uns nach Südamerika geführt, vier Wochen Ecuador im Sommer 2018. Dieses Jahr wollen wir gern wieder nach Asien. Nach verschiedenen Zielen in Südostasien haben wir Lust auf etwas Neues. Von Sri Lanka hatten wir nur Gutes gehört, also mache ich im Dezember 2018 schon mal den Flug fest. Ich kaufe einen Reiseführer, recherchiere die schönsten Ziele auf der Insel, befasse mich gedanklich im Detail mit unserer Reise.

Anschläge in Sri Lanka

Am Ostersonntag dann der Schock. Wir befinden uns gerade auf unserem Roadtrip in Estland, als wir die schlimme Nachricht hören: Mehrere Anschläge in Sri Lanka, 290 Tote, 450 Verletzte. Auch wenn die Zahlen ein paar Tage später nach unten korrigiert werden, ändert das nichts an der Tatsache, dass an verschiedenen Orten in Sri Lanka gerade Attentate mit zahlreichen Opfern stattgefunden haben. Das schüttelt unsere Pläne gehörig durcheinander.

Anfangs warten wir erst einmal ab: Wie wird sich die Lage in Sri Lanka weiter entwickeln? War es ein einmaliger Anschlag, wie seinerzeit in Paris, in Berlin und an viel zu vielen anderen Orten in den vergangenen Jahren, die ich auch weiterhin ohne Bedenken besuchen würde? Oder wird den mehrfachen Attentaten von Ostersonntag weiterer Terror folgen?

Zug durchs grüne Hochland von Sri Lanka

Mit dem Zug wollten wir durchs Hochland von Sri Lanka fahren. (Foto: Universal Traveller)

Kostenlose Stornierungen

Airlines bieten für die ersten Tage nach dem Anschlag kostenlose Stornierungen für Flüge nach Colombo an. Unser Flug soll aber erst im Juni gehen, kann also nicht kostenlos storniert werden. TUI holt seine Urlauber aus Sri Lanka zurück nach Deutschland und sagt alle Reisen in dieses Land bis Ende Mai ab. Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka ab. Trotzdem sind wir weiterhin überzeugt, uns nicht von unserer Reise im Juli abhalten zu lassen.

Ich verfolge während der ganzen Zeit zwei Sri-Lanka-Gruppen auf Facebook. Urlauber und Einheimische berichten von Ausgangssperren und Sperren der sozialen Medien im Internet. Gerade als sich scheinbar alles ein wenig beruhigt hat, kommt es Mitte Mai zu neuen Unruhen in der Nordwestprovinz. Wieder gibt es landesweit Internet- und nächtliche Ausgangssperren.

Sollen wir Sri Lanka stornieren?

Das ist der Zeitpunkt, an dem wir ins Grübeln kommen: Wollen wir wirklich in einem Land Urlaub machen, in dem wir während unserer Reise ständig die Nachrichten verfolgen müssen, um zu schauen, ob wieder irgendwo im Land etwas passiert ist? Wie würde es sein, durch ein ziemlich leeres Sri Lanka zu reisen, das derzeit von vielen Reisenden gemieden wird? Sind Hotels, Sehenswürdigkeiten, öffentliche Verkehrsmittel überhaupt geöffnet und verfügbar? Oder gibt es zahlreiche Einschränkungen aufgrund der aktuellen Situation?

Verfolgt man die Sri-Lanka-Gruppen auf Facebook, liest man, wie sehr sich die Einheimischen derzeit über jeden einzelnen Besucher freuen. Wie schön leer der sonst überfüllte, weil bei Touristen so beliebte Zug zwischen Ella und Kandy ist. Wie sicher sich die Urlauber trotz – oder wegen – der verstärkten Sicherheitskontrollen im Land fühlen. Und trotzdem: Für uns fühlt es sich gerade nicht gut und richtig an, nach Sri Lanka zu reisen.

Felsen ragt aus dem Regenwald auf.

Den Sigiriya Lions Rock hätten wir uns gern angesehen. (Foto: Universal Traveller)

Wir entscheiden uns schließlich schweren Herzens: Wir wollen unseren Flug nach Sri Lanka stornieren. Leichter gesagt als getan …

Stornierung zieht sich hin

Den Flug nach Colombo hatte ich direkt bei Air India gebucht. Leider sind nirgendwo auf deren Seiten Informationen zu finden, was eine Stornierung kostet. Anrufe bei Air India in Frankfurt laufen ins Leere. Sämtliche Ansprechpartner, von der Verkaufsabteilung über die Ticketabteilung bis zur Zentrale, sind nicht zu erreichen. Ich schreibe eine Mail an eine Adresse, die ich auf der indischen Seite der Airline gefunden habe, und bitte um Informationen zu den Stornierungsgebühren. Keine Antwort. Schließlich bekomme ich die deutsche Marketingabteilung ans Telefon. Die kann mir eine ungefähre Höhe der Gebühren nennen, meint jedoch, ich müsse mich für Details direkt an die indischen Kollegen wenden.

Nach einer Woche erfolgloser Versuche wähle ich schließlich die Nummer der Hotline in Indien. Nach mehreren Weiterleitungen durch indische Mitarbeiter, deren Englisch ich teilweise schlecht verstehe, lande ich endlich bei jemandem, der unsere Flüge telefonisch storniert. 110 Euro pro Person kostet uns diese Entscheidung. Für uns ein angemessener Preis dafür, dass wir unseren grummelnden Bauch los sind und endlich eine Entscheidung getroffen haben. Nun können wir uns nach einer Alternative für den Sommer umschauen. Die Unsicherheit und die Gedanken nur um die eine Frage – fliegen wir nun nach Sri Lanka, ja oder nein? – haben damit endlich ein Ende.

Und Sri Lanka läuft uns nicht davon. Sobald langfristig mehr Ruhe eingekehrt ist, holen wir unsere Reise sicherlich nach. Dass das Land eine Reise wert ist, davon bin ich nach wie vor überzeugt.

Warst du schon mal in einer ähnlichen Situation? Wie hast du dich seinerzeit oder wie hättest du dich in diesem Fall entschieden?

Veröffentlicht am: 27. Mai 2019

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