Fähre und Autofahren in Estland

Eine Woche lang sind wir 1500 Kilometer einmal komplett durch Estland gefahren. Autofahren in Estland ist völlig entspannt. Trotzdem gibt es ein paar Besonderheiten, die für einen Autofahrer aus Deutschland vielleicht ungewohnt sind. Daher möchte ich dir ein paar Tipps für einen Roadtrip durch Estland mit auf die Straße geben. Außerdem gibt es eine Anleitung für Fährfahrten nach Saaremaa, Muhu und Hiiumaa.

Entspanntes Fahren in Estland. (Foto: Jochen Hafner)

Straßenzustand in Estland

Die Straßen in Estland sind tadellos in Schuss. Nirgendwo haben wir ein Schlagloch gesehen. Du kannst also fahren, ohne ständig einen kritischen Blick auf den Asphalt werfen zu müssen. Das gilt zumindest für die Hauptstraßen.

Darüber hinaus gibt es Nebenstraßen, die du unter Umständen auch fahren wirst, vor allem wenn du viel in der Natur unterwegs bist. Diese Nebenstraßen – viele führen zum Beispiel zu tollen Aussichtstürmen – sind meist nur unbefestigte Straßen. Auch diese sind in der Regel gut gepflegt, allerdings musst du mit Steinschlag rechnen. Fahr ein bisschen langsamer, wenn dir Autos entgegenkommen. Das reduziert die Gefahr, dem Entgegenkommenden Steine an die Karosserie zu schleudern.

Außerdem sind diese unbefestigten Straßen extrem staubig. Wenn dir ein Auto entgegenkommt, schalte sofort die Innenbelüftung ein. Das hilft wenigstens ein bisschen, den Staub draußen zu halten. Trotzdem wird dein Wagen nach wenigen Tagen aussehen wie nach einer Wüstendurchquerung …

Der kleine Schmutzfink nach vier Tagen in Estland.

Verkehrsregeln in Estland

In den Städten liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 50 Stundenkilometern, außerhalb bei 90. Eine kurze Strecke östlich von Tallinn ist als Autobahn ausgebaut. Hier sind 110 Stundenkilometer erlaubt. Ansonsten gelten natürlich immer die Angaben auf den Schildern. Die Esten sehen es übrigens nicht ganz so eng mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen: Auch wenn wir außerhalb der Städte 90 km/h gefahren sind, wurden wir immer noch häufig überholt.

Radaranlagen werden per Schild angekündigt. Ob auch mobil geblitzt wird, kann ich nicht sagen – mir sind keine mobilen Blitzeinrichtungen aufgefallen. Gern hätten wir einen Tempomaten für die langen Strecken über Land gehabt, ohne war es manchmal etwas ermüdend.

Oft geht es lange geradeaus durch Wälder.

Alkohol am Steuer ist absolut tabu. Die Grenze beim Autofahren in Estland liegt bei null Promille. Das ist nicht nur gut für die Mitmenschen im Verkehr, sondern auch für die Tiere, von denen es im waldreichen Estland viele gibt: Füchse, Rehe, Elche und andere Tiere laufen immer wieder mal unvermittelt über die Straße, vor allem in der Dämmerung und bei Nacht.

Orientierung in Estland

Wir hatten zwar ein Navi mitgenommen, trotzdem fand ich es hilfreich, auch eine Straßenkarte dabei zu haben (ich bin da etwas altmodisch …). Wir hatten außerdem einen Straßenatlas in unserem Mietwagen – sehr praktisch! Das hat mir geholfen, den Überblick zu behalten.

Auf den Karten sind viele Orte in Estland verzeichnet. Das bedeutet aber nicht immer, dass es dort tatsächlich einen Ort gibt. Oft sind es nur ein paar Häuser. In den Weilern ist weit und breit kein Geschäft oder kein Restaurant. Einmal haben wir drei Stunden lang einen Supermarkt gesucht und wurden erst in einem recht großen Ort fündig. Das solltest du bei deiner Tagesplanung berücksichtigen.

Auf dem Damm zwischen Muhu und Saaremaa. (Foto: Jochen Hafner)

Tanken in Estland

Das Tanken in Estland hat uns vor die größte Herausforderung gestellt. Viele Tankstellen haben nämlich keinerlei Personal. Bezahlt wird mit Karte. Dafür brauchst du erst einmal eine Karte, die der Tankautomat akzeptiert. Bei einer Tankstellen haben wir vier Kreditkarten und eine Girokarte durchprobiert, erst die zweite Girokarte führte zum Erfolg. Leider ist die Anzeige auf dem Automaten nicht immer auf Deutsch oder Englisch verfügbar, daher ist manchmal nur Spekulieren angesagt.

Ist die Karte akzeptiert, wählst du aus, für wie viel Geld du tanken möchtest. Du kannst in der Regel zwischen verschiedenen Maximalbeträgen oder „Volltanken“ wählen. In allen Fällen wird nur soviel von der Karte abgebucht, wie die Tankfüllung auch tatsächlich kostet. Das Benzin hat zum Zeitpunkt unseres Besuchs übrigens exakt soviel gekostet wie zu dieser Zeit in Deutschland. Allerdings schwankt der Preis nicht wie bei uns. In der einen Woche blieb er immer gleich. Es gab günstige und teure Tankstellen mit einem Unterschied von circa 7 Cent pro Liter. Getankt wird wie bei uns Benzin mit 95 Oktan oder je nach Wagen Diesel.

Das richtige Auto für Estland

Wenn du nicht mit dem eigenen Auto nach Estland fährst, stellt sich die Frage nach dem richtigen Mietwagen. Wir hatten nur eine Woche Zeit, daher kam eine Fahrt mit dem eigenen Wagen nicht in Frage. Wir sind also nach Tallinn geflogen und hatten vorab bei Sunnycars einen Mietwagen gebucht – wie immer ging das einfach und problemlos. Zu zweit reichte uns ein Kleinwagen aus, zumal es keinerlei Steigungen gibt, für die man viele PS benötigen würde. In Städten waren wir sogar ganz froh, keinen größeren Wagen zu haben, weil es teilweise enge Straßen gibt.

Unser Mietwagen von Sunnycars.

Bei Sunnycars ist der große Vorteil, dass im Rundum-Sorglos-Paket alles inklusive ist: Hätten wir zum Beispiel einen Steinschlag auf der Scheibe gehabt oder uns auf den Nebenstraßen einen Platten gefahren, hätte das die Vollkaskoversicherung mit Erstattung der Selbstbeteiligung übernommen. Auch eine Zusatzhaftpflichtversicherung in Höhe von 7,5 Millionen Euro finde ich gerade im Ausland immer ganz beruhigend. Zum Glück ist aber nichts passiert!

Übernahme und Abgabe des Mietwagens am Flughafen

Die Mietwagenstation des Sunnycars-Partners Europcar befindet sich am Ausgang des Terminals, dort, wo auch die Busse abfahren. Nach den unkomplizierten Formalitäten konnten wir unseren Wagen auf dem Parkplatz vor dem Flughafen abholen und kostenlos durch die Schranke fahren.

Die Abgabe war ein bisschen schwieriger: Von Tallinn aus sind wir den Schildern Richtung Flughafen gefolgt. Von dort sind wir aber nicht auf den Parkplatz für die Autorückgabe gekommen – die Einfahrt war in Sichtweite, aber entgegen einer Einbahnstraße. Der Trick: Von der Tallinner Schnellstraße aus nicht die erste, sondern die zweite Abfahrt zum Flughafen nehmen. Dann kommt man auf der richtigen Straße für die Autorückgabe raus.

Fähre fahren in Estland

Die großen Inseln im Westen Estlands – Saaremaa, Muhu und Hiiumaa – sind mit dem Fährunternehmen Praamid mit dem Festland verbunden. Die Tickets für die Fähre zu kaufen, ist super komfortabel.

Die Fähre nach Muhu.

Tickets online buchen

Du kannst die Tickets online bestellen und siehst auf der Website direkt, wie viele Plätze für Autos, Fußgänger und Lkw noch frei sind (der Fahrer gilt übrigens auch als Fußgänger und braucht ein eigenes Ticket). Über die Ostertage war die Fähre komplett ausgebucht, daher war ich froh, vorab Tickets besorgt zu haben. An weniger belebten Tagen kannst du auch spontan zum Fährterminal fahren und einen Fahrschein kaufen. Du brauchst übrigens das Ticket nicht auszudrucken. Anhand des Kennzeichens deines Autos erfolgt automatisch die Einfahrt: Die Schranke öffnet sich wie durch Geisterhand.

Flexibel bleiben

Auch mit vorgebuchtem Ticket bist du noch immer flexibel. Zum einen kannst du es jederzeit bis 15 Minuten vor der gebuchten Zeit kostenlos ändern oder stornieren. Das gilt auch für das Autokennzeichen. Wir wussten zur Zeitpunkt der Buchung ja noch nicht, welches Nummernschild unser Sunnycars-Mietwagen haben würde. Also habe ich einfach irgendein Kennzeichen eingegeben und habe den Eintrag geändert, als wir den Mietwagen hatten. Entscheidest du dich für ein teureres Ticket am Wochenende statt in der Woche, zahlst du nur die Differenz.

Über Ostern war die Fähre nach Muhu voll. (Foto: Jochen Hafner)

Die zweite flexible Option: Das Ticket ist ab dem Tag des Kaufs bis 48 Stunden nach der gebuchten Uhrzeit gültig – vorausgesetzt, ein Platz auf der Fähre ist frei. Wir waren auf der Rückfahrt von Muhu aufs Festland eine halbe Stunde zu früh am Fährhafen. Wir fuhren einfach zur Schranke, und da es noch einen freien Platz auf dem Schiff gab, durften wir einfahren.

Auf die Inseln Kihnu und Ruhnu im Süden des Landes sowie nach Vormsi fährt eine andere Fährgesellschaft, die Kihnu veeteed. Die habe ich aber nicht ausprobiert, daher kann ich nicht berichten, wie es dort funktioniert.

Hast du Fragen oder weitere Tipps zum Autofahren in Estland? Dann rein damit in die Kommentare!

Hinweis: Unseren Mietwagen hat uns der Mietwagenanbieter Sunnycars kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde durch diese Kooperation nicht beeinflusst, die Inhalte des Beitrags habe ich wie immer frei gewählt.

 

 

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2 Kommentare

    • Danke dir. Freut mich, dass ich behilflich sein konnte. Dann wünsche ich eine gute Reise! Demnächst kommen noch weitere Estland-Beiträge auf diesem Blog :-)

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