Estland aktiv: Kayakfahren in Soomaa

Eine Herde Hochlandrinder schaut uns neugierig hinterher, als wir mit unserem Kayak den Fluss Raudna hinunterpaddeln. Ein Eisvogel fliegt von seinem Ast, Goldammern und Singdrosseln zwitschern in den Bäumen … Eine Kayaktour durch Soomaa, den Nationalpark im Süden von Estland, ist vor allem eins: eine sehr entspannte Angelegenheit.

Start im Besucherzentrum Soomaa

Um Punkt zehn Uhr haben wir uns mit Argo, dem Inhaber der Outdoor-Agentur Seikle Vabaks, am Infozentrum des Nationalparks getroffen. Auf dem Dach seines Jeeps sind zwei Kayaks fest verschnürt, mit denen wir später durch Soomaa paddeln werden. Zunächst bekommen wir aber eine kleine Einführung in die Flora und Fauna des Nationalparks. Das Besucherzentrum mitten im Park bietet eine informative Ausstellung, auch Wanderkarten zu allen begehbaren Wegen sind dort erhältlich. Auch wenn der Nationalpark recht klein ist, gibt es doch Einiges zu tun.

Vom Infozentrum aus fahren wir schließlich mit beiden Autos zum Endpunkt unserer Kayaktour. Unseren Wagen lassen wir dort stehen und begeben uns mit dem Jeep zum Startpunkt der Paddeltour. Hinter einer Brücke biegt Argo auf eine Wiese ab. Wir holen die zwei Kayaks vom Dach, ziehen unsere Spritzschürzen und Rettungswesten an, und nach einer kleinen Einweisung geht es auch schon ins Wasser. Wie schon die vorherigen Tage unseres Roadtrips durch Estland haben wir Glück mit dem Wetter: Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt 23 Grad – im April eher eine Seltenheit in Estland.

Auf zum Kayakfahren in Soomaa

„Der April ist die zweitbeste Zeit für eine Kayaktour in Sooma“, erklärt uns Argo. Die beste Zeit sei nach der Schneeschmelze. In der sogenannten fünften Jahreszeit treten die vielen großen und kleinen Flüsse in Soomaa über die Ufer, und man kann zwischen den Bäumen und sogar durch überflutete Häuser hindurchpaddeln. In manchen Jahren findet dieses Spektakel Anfang März statt, in anderen Jahren Anfang April. Als wir in Estland sind, ist es auf jeden Fall schon vorbei. Später im Jahr wächst dann das Gras an der Uferböschung zu hoch, sodass man wie durch einen Tunnel fährt und nichts mehr sieht. Daher freuen wir uns, zur zweitbesten Zeit des Jahres hier zu sein.

Biber bei der Arbeit

Nach einer guten halben Stunde machen wir den ersten Stopp an einer Biberburg. Kaum zu glauben, dass unter dem Haufen aus Ästen und Reisig bis zu 15 Biber hausen. Der Eingang zu ihrem Bau liegt unter Wasser, was sie vor Feinden schützt. Zu sehen bekommen wir keines der Tiere, da sie nachtaktiv sind. Seikle Vabaks bietet auch Nachttouren mit dem Kayak an, bei denen man mit ein bisschen Glück die Biber bei ihrer Arbeit beobachten kann.

Aber auch tagsüber ist nicht zu übersehen, dass an dieser Stelle viele der Tiere am Werk sind. Angeknabberte Bäume rund um den Bau, einige bereits umgestürzt, zeugen von ihren nächtlichen Aktivitäten. Für einen Baum von 40 Zentimetern Durchmesser brauchen sie gerade mal zwei Nächte. Warum sie die Bäume zum Fallen bringen? Um die Rinde zu essen. Sobald sie unten alles abgefressen haben, sorgen sie dafür, bequem auch an den oberen Teil heranzukommen.

Ebenfalls interessant an dieser Stelle: die Knoblauch-Wiese. In einem Waldstück wachsen Tausende von großblättrigen Pflanzen, deren Blätter extrem nach Knoblauch schmecken. Die Estländer verarbeiten sie zum Beispiel zu Pesto. Wir brauchen Stunden, um den intensiven Geschmack im Mund wieder loszuwerden …

Natursauna im Nichts

Und weiter geht unsere Kayaktour über die Raudna. Dank einer leichten Strömung müssen wir gar nicht viel paddeln, sondern können uns treiben lassen und die Natur bewundern. Bei einem zweiten Stopp zeigt uns Argo eine Natursauna, die estnische Kunststudenten entworfen haben. Ein einfache Holzhütte mit einem Ofen drin schwimmt auf einem kleinen Nebenfluss und kann von jedermann benutzt werden. Wer an diesem idyllischen Ort übernachten will, kann dies im „Moorhotel“ tun – eine ebenso einfache Holzhütte mit Blick auf den Fluss.

Bald darauf sind wir schon wieder zurück an unserem Auto. Die drei Stunden auf dem Wasser sind wie im Flug vergangen. Wir ziehen die Boote an Land, einer bleibt zum Aufpassen zurück, die anderen beiden fahren den Jeep holen. Nachdem wir die Kayaks wieder aufs Dach geschnallt haben, verabschieden wir uns von unserem tollen Guide Argo. Er hat die Tour sichtlich genauso genossen wie wir. „Ich werde wohl bald mit meiner Hängematte wiederkommen und eine Nacht im Park verbringen“, verrät er uns.

Zwei Wanderungen im Nationalpark Soomaa

Da wir noch Zeit haben, bis die Sonne untergeht, schließen wir an unsere Tour auf dem Wasser noch eine Landtour an: Wir laufen den 4,3 Kilometer langen Ingatsi Nature Trail, den Engelsweg, der uns erst durch Wald, später über einen Holzbohlenweg mit einem Aussichtsturm über das Moor zu einem Moorsee führt. Nachdem mich schon die Moorseen bei unserer Moorschuhwanderung in Marimetsa begeistert haben, finde ich auch den See im Suitsna Moor zauberhaft.

Am nächsten Morgen unternehmen wir eine weitere Wanderung – Nummer 24 auf der Übersichtskarte am Besucherzentrum -, bevor wir die Fahrt zu unserem nächsten Ziel antreten. Es geht am gleichen Fluss entlang, den wir gestern entlanggepaddelt sind. Wir winken nochmal den Hochlandrindern zu, laufen erneut durch den Knoblauchhain, bevor wir in einer großen Schleife an einem Nebenfluss entlang wieder am Parkplatz rauskommen. Nach diesen beiden Tage zu Lande und auf dem Wasser sind wir uns einig: Der Nationalpark Soomaa ist auf jeden Fall einen längeren Aufenthalt wert!

Warst du auch schon mal Kayakfahren? Wo liegt deine liebste Kayakstrecke? Über Tipps für weitere Touren freue ich mich!

Hinweis: Die Outdoor-Agentur Seikle Vabaks hat uns für diese Kayaktour in Soomaa einen Rabatt gewährt. Meine Meinung wurde durch diese Absprache nicht beeinflusst, die Inhalte des Beitrags habe ich wie immer frei gewählt.

 

 

Nobody is perfect … Wenn du einen Rechtschreibfehler in meinem Text gefunden hast, benachrichtige mich doch bitte, indem du den Fehler mit dem Cursor markierst und dann Strg + Eingabetaste (auf dem Mac Ctrl + Enter) drückst. Danke! (Funktioniert nur am Desktop, nicht mobil)

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann teile ihn doch:

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.