Sehenswürdigkeiten auf Saaremaa

Boot am Schilf
Auf dem Damm zwischen Muhu und Saaremaa. (Foto: Jochen Hafner)

Auf unserem Roadtrip durch Estland durfte natürlich auch ein Besuch auf Saaremaa nicht fehlen – der größten Insel Estlands. Freitagmittag ging es hin, Sonntag am späten Nachmittag zurück. Genug Zeit also, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Saaremaa zu entdecken.

Per Fähre nach Muhu

Mit der Fähre fahren wir zunächst von Virtsu auf dem Festland auf die Insel Muhu. Nach Saaremaa direkt gibt es keine Fährverbindung, die Insel ist über einen Damm mit Muhu verbunden. Kaum sind die Autos von der Fähre gefahren, beginnt auf der Hauptstraße 10 das große Rennen. Wir haben keine Lust, uns hetzen zu lassen, und biegen deshalb kurz hinter dem Ort Hellamaa rechts auf eine ruhigere Straße ab. Diese Ringstraße führt einmal rund um den Norden von Muhu.

Die Steilküste Üügu

Wir machen einen Halt an der Steilküste Üügu und laufen erst oben, dann unten an den Klippen entlang. Besonders hoch ist die Steilküste nicht: Sie misst gerade einmal fünf bis sieben Meter und ist rund 450 Meter lang. Auf unserem Spaziergang sehen wir eine Reihe von Seevögeln im Wasser, und ein kleiner Marder läuft davon, als er uns sieht. Bei der Weiterfahrt über die Ringstraße kreuzt zudem ein Fuchs unseren Weg. Tiere gibt es auf den Inseln also genug, wenn man genau hinschaut.

Blick aufs Meer
Gar nicht so steil: die Steilküste Üügu.

Die Ordensburg Maasi

Nachdem wir den Damm nach Saaremaa überquert habe, verlassen wir direkt wieder die vielbefahrene Straße 10 und fahren Richtung Orissaare. Dahinter befindet sich unser nächstes Ziel: die alte Ordensburg Maasi. Oberirdisch ist sie eine überdachte Ruine, die wir nur mäßig interessant finden. Spannend wird es in den Gewölben unter der Ruine, in die man über eine kleine Treppe auf der Hinterseite des Gebäudes gelangt. Der Gewölbekeller ist bestens erhalten und stimmungsvoll beleuchtet, so dass wir uns gut vorstellen können, wie in den Sälen früher Festbankette mit Wein und Gesang stattgefunden haben.

Gewölbekeller
Spannender Keller unter der Burg.

Lecker essen in Kuressaare

Auf einer Nebenstraße südlich der Straße 10 fahren wir in aller Ruhe nach Kuressaare, der Hauptstadt von Saaremaa, wo wir zwei Nächte bleiben. Auf dem Weg begegnet uns ein Elch – schon der zweite während unseres Estland-Urlaubs. Lustig finde ich übrigens auch die Bushaltestellen am Straßenrand, die mancherorts wie kleine Wohnzimmer eingerichtet sind – inklusive Sitzkissen, Zeitschriften, Pinnwände zum Austausch mit den Nachbarn und Briefkästen für den Postboten.

Bushäuschen mit Gardine
Bushaltestelle mit Wohlfühlcharakter.
Im Innern der Bushaltestelle Bank und Zeitschriften
Hier macht das Warten richtig Spaß.

Vor lauter Programmpunkten, die wir uns vorgenommen haben, schaffen wir es gar nicht, in Kuressaare die Bischofsburg zu besuchen – sie soll aber sehr sehenswert sein. Empfehlen kann ich in Kuressaare das Restaurant Chameleon – ein hippe Lounge mit sehr kreativem und super leckerem Essen – und die alte Mühle Veski, wo wir typisch Estnisch gegessen haben.

Halbinsel Sõrve

Am nächsten Vormittag fahren wir über die südliche Halbinsel Sõrve. Hin geht es an Kiefernwäldern vorbei auf der gut ausgebauten Straße 77. Am Ende der Halbinsel empfängt uns der Leuchtturm von Sääre. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätten wir sicher die knapp 250 Stufen auf den Leuchtturm hinauf bezwungen. Aber so beschränken wir uns nur auf einen Spaziergang bis zur südlichsten Spitze von Saaremaa. Am Strand schläft eine Babyrobbe, und auf einer vorgelagerten kleinen Insel sitzt eine ganze Kolonie Kormorane – Ostseefeeling pur. Übrigens: Die Ostsee wird in Estland Westsee genannt. Macht ja auch Sinn aus dieser Perspektive.

Leuchtturm
Am südlichsten Punkt von Saaremaa.

Zurück nehmen wir die kleine Straße im Westen der Halbinsel, auf der es bald abenteuerlich wird: Eine ganze Weile geht es über einen nicht-asphaltierten Weg, immer an der Küste entlang. Entsprechend wenig ist dort los.

Nationalpark Vilsandi

Für die zweite Tageshälfte hatten wir uns eigentlich vorgenommen, den Nationalpark Vilsandi zu besuchen, in dem man besonders gut Vögel beobachten kann. Das Besucherzentrum in einem Gutshof in Kihelkonna hat leider zu unserer Reisezeit, an Ostern, am Wochenende geschlossen. Nirgendwo gibt es Karten oder Informationen, wie wir auf eigene Faust in den Nationalpark gelangen können. Wir probieren es an einer kleinen Straße, müssen aber bald umkehren, weil diese zu einem unbefahrbaren Waldweg wird. Offenbar gibt es tatsächlich keine Möglichkeit, ohne eine Führung in den Nationalpark zu kommen. Allein solch eine Information am Besucherzentrum hätte uns ja schon weitergeholfen. Schade.

Klippen von Ninasi

Unseren dritten Tag, den Abreisetag, nutzen wir zur weiteren Erkundung der Insel. Wir fangen mit dem Norden an, wo sich ebenfalls zwei Steilküsten befinden: links der Bucht die Klippen von Ninasi, rechts der Bucht die Klippen von Panga. In Ninasi waren wir ganz allein. Vom Waldparkplatz aus führt ein Weg durch den Wald bis zum Meer – hier sehen wir unsere erste Schlange, eine schwarze Höllenotter – giftig, wie wir nachher herausfinden … Ein paar Meter unter uns sehen wir einen Steinstrand, wir laufen oben entlang bis zum Dorf Ninase. Auf halber Strecke steht ein Mahnmal zur Erinnerung an den Untergang der Fähre Estonia im Jahr 1994, bei dem 850 Menschen ertranken.

Klippen mit Steinstrand
Klipppen ganz für uns allein.

Klippen von Panga

Panga ist ganz anders: Ein riesiger Parkplatz kündigt schon an, dass wir nicht die einzigen Besucher sein werden. Ein Kiosk mit Souvenirs und Kleinigkeiten zu essen lockt vor allem Familien an. Von der mit 20 Metern höchsten Steilküste Saaremaas sehen wir nicht viel. Den Abstieg zum unteren Teil der Wand finden wir nicht, und von oben können wir die Steilküste nur erahnen.

Sabine auf geschnitzter Holzbank
Panga lädt zum Entspannen ein. (Foto: Jochen Hafner)

Mühlenberg von Angla

Weiter geht’s also ins Inselinnere, zum Mühlenberg von Angla. In diesem Museum stehen gleich mehrere der Bockwindmühlen, die noch vielerorts auf der Insel zu sehen sind, die meisten sind allerdings verfallen oder haben keine Flügel mehr. Bockwindmühlen stehen auf einem Sockel und können in Windrichtung gedreht werden.

Museum mit Mühlen und alten Landmaschinen - Sehenswürdigkeit auf Saaremaa
Wie in guten alten Zeiten …

Meteoritenkraterfeld Kaali

Nach einem leckeren Kama-Drink – das ist Joghurt mit einem Pulver aus Roggen-, Hafer-, Erbsen- und Gerstenmehl – im Museums-Café gelangen wir zum Meteoritenkraterfeld Kaali. Dort sind neun Krater zu sehen, der tiefste misst 22 Meter. Leider merken wir, dass uns die Zeit wegläuft, und wir zur Fähre fahren müssen. Daher heben wir uns die Besichtigung der Meteoriteneinschläge für unseren nächste Besuch auf.

Warst du schon mal auf Saaremaa? Was hat dir dort am besten gefallen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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9 Kommentare

  • Liebe Sabine,

    vielen Dank für die ausführlichen Informationen und die tollen Inspirationen. Die Fotos sind wirklich ein Traum. Ich kann es kaum erwarten.

    Liebe Grüße,
    Tanja

  • Hey Sabine, klingt traumhaft und macht mich ein bisschen wehmütig: Ich war auch in Estland und war sehr angetan, aber nach Saaremaa habe ich es nicht geschafft. Hoffentlich komm ich dort noch mal hin.

    • Wir haben uns vor allem Tallinn angeschaut – aber immerhin für einen spannenden Ausflug von Tallinn aus war Zeit: Wir sind mit dem Bus nach Paldiski gefahren, eine Stadt auf der Pakri-Halbinsel, die während der Zeit der russischen Besetzung zur Sperrzone erklärt wurde und von der Außenwelt abgeschirrmt war. Paldiski ist zwar kein schöner Ort, aber interessant war das allemal.

    • Haha, ja, das habe ich gemerkt. Paldiski und die Pakri-Halbinsel waren ja auch schon gefühlt der größtmögliche Gegensatz. Ich würde gern noch mal nach Estland und in die anderen Baltikstaaten.

  • Was für ein schöner Blick auf Estland, liebe Sabine! Besonders schön finde ich, dass so manche Sehenswürdigkeit so natürlich ausfällt. ;-) Und die Bushaltestellen würden glatt als Setting für einen spannenden Roman taugen, in dem die dort angepinnten Nachrichten eine tragende Rolle spielen.

    • Hätte ich gewusst, dass dich die Bushaltestellen so inspirieren, liebe Petrina, hätte ich noch mehr von ihnen fotografiert ;-)

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