Abgefahren: Tipps für den Mietwagen

Auch wenn ich auf Reisen meistens lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin: In manchen Ländern finde ich es doch ganz sinnvoll, mir einen Mietwagen zu nehmen – nämlich dort, wo das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel schlecht ist oder nur große Städte abdeckt, obwohl ich doch lieber raus in die Natur möchte. Auf meinen bisherigen Fernreisen habe ich mir in Namibia, in den USA und in Island einen Wagen gemietet. Innerhalb von Europa fahren wir meist mit dem eigenen Auto – wie zum Beispiel nach Norwegen. Bei weiter entfernten Zielen innerhalb von Europa, zu denen ich fliegen muss, kommt meist auch wieder der Mietwagen zum Einsatz.

Da ich also schon häufiger mit einem geliehenen Fahrzeug unterwegs war, möchte ich dir ein paar Tipps für die Anmietung mit auf den Weg geben:

Anbieter

Immer wieder höre ich die Frage: Sollte ich ein Auto vor Ort anmieten oder lieber schon vorab in Deutschland? Mein dringender Rat: unbedingt von zu Hause aus! Das verringert dein Risiko. Denn zum einen mietest du dann einen Wagen nach deutschem Recht (was bei eventuellen Streitigkeiten mit dem Vermieter viel besser ist, als sich mit einem Anbieter im Ausland rumschlagen zu müssen). Zum anderen gilt bei einer Anmietung von Deutschland aus der deutsche Versicherungsschutz. Und der ist um Längen besser als im Ausland, wo du oft nur einen niedrigen Standardschutz hast und bei einem Unfall oder einem anderen Schadenfall wahrscheinlich kräftig draufzahlen müsstest. Ein weiterer Vorteil für alle, die in der englischen Sprache nicht superfit sind: Die Vertragsbedingungen bekommst du bei einem deutschen Anbieter auf Deutsch ausgehändigt.

Die Fahrzeugklasse

Viele, die zu Hause nur einen Klein- oder Mittelklassewagen haben, gönnen sich im Urlaub mal was richtig Großes: einen SUV, einen Jeep mit Vierradantrieb oder je nach Land auch ein schickes Cabrio. Kann man natürlich machen. Ich hingegen habe festgestellt: In den meisten Ländern reicht ein Mittelklassewagen vollkommen aus. Wichtig ist, dass der Kofferraum groß genug fürs Gepäck ist, damit keiner von außen sieht, was du so alles herumtransportierst. Die meisten Anbieter erlauben es den Anmietern ohnehin nicht, abseits asphaltierter Straßen zu fahren – somit kommt ein Vierradantrieb gar nicht erst zum Einsatz. Und dort, wo Mietwagen erlaubt sind, sind die normalen Straßen in der Regel in einem Zustand, den ein Mittelklassewagen locker bewältigen kann. Der Preisunterschied zwischen der Mittelklasse und beispielsweise einem SUV ist meist beträchtig, hinzu kommt oft ein höherer Spritverbrauch. Für das gesparte Geld gehe ich lieber ein paarmal mehr essen. (Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel: Sobald es wirklich auf Offroad-Routen geht, beispielsweise in Botswana oder ins isländische Hochland, kommst du mit einem normalen Pkw nicht weit.)

Die Versicherungen

Häufig wirst du im Ausland bei der Abholung des Mietwagens am Schalter gefragt, ob du Zusatzversicherungen abschließen willst. Wenn du schon bei der Anmietung darauf geachtet hast, den richtigen Versicherungsschutz zu wählen, kannst du das Angebot am Schalter getrost ablehnen. Manchmal musst du etwas hartnäckig sein, weil viele Autovermieter dich zu unnötigen Zusatzversicherungen überreden wollen.

Wichtig ist hier zuallererst die Höhe der Haftpflichtdeckungssumme. Diese sollte mindestens so hoch sein wie in Deutschland: 7,5 Millionen Euro für Personen- und 1,12 Millionen Euro für Sach­schäden – am besten sogar mehr. Warum soviel? Stell dir vor, Du hast einen Unfall mit Personenschaden und der gegnerische Fahrer überlebt schwerverletzt. Ohne einen ausreichenden Deckungsschutz müsstest du für alle Kosten seiner Genesung oder seiner Pflege aufkommen, die über deinen Deckungsschutz hinausgehen. Daher die Haftpflicht lieber höher als zu niedrig ansetzen.

Ganz praktisch ist hier die Mallorca-Police, die oft schon in der Versicherung für dein eigenes Auto eingeschlossen ist (im Zweifel solltest du vor der Anmietung eines Wagens bei deiner Versicherung nachfragen). Die Mallorca-Police erhöht die Haftpflicht-Versicherungssumme für einen Mietwagen im Ausland auf deutsches Niveau. Damit umgehst du zu niedrige Deckungssummen. Sie gilt übrigens nicht nur, wie der Name vermuten lässt, für die Balearen-Insel, sondern in ganz Europa.

Des Weiteren empfehle ich dir eine Vollkaskoversicherung – und zwar ohne Selbstbehalt – sowie eine Versicherung gegen Glas-, Unterboden- und Reifenschäden. Oft sind die Straßen im Ausland in einem schlechteren Zustand als bei uns, sodass Steinschlag oder Schlaglöcher dem Auto oft zusetzen. Oder du bist etwas unsicher und fügst daher ungewollt deinem Wagen einen Kratzer zu. Bei einem Selbstbehalt zahlst du für jeden kleinen Schaden, den die Mietwagenfirma dir anlastet. Ohne Selbstbehalt solltest du zwar auch nicht unachtsam fahren, aber du brauchst nicht vor jedem fliegendes Steinchen Angst zu haben.

Die Extras

Jeder Mietwagenanbieter hat eine Fülle von Extras im Angebot. Welche dir davon wichtig sind, musst du selber entscheiden. Je mehr du dazuhaben willst, umso teurer wird es in der Regel. Aus meiner Sicht unverzichtbar sind:

  • Unbegrenzte Kilometerzahl. Schließlich willst du bei einem Roadtripp nicht ständig auf den Kilometerzähler schauen, sondern auch mal spontan einen Abstecher einlegen können.
  • Zweiter Fahrer. Du kannst dich mit deinem Mitfahrer beim Lenken abwechseln, sodass beide einfach mal die Landschaft genießen können. Ich persönlich finde lange Autofahrten zudem ermüdend, sodass ich froh bin, nach ein paar Stunden das Lenkrad auch mal abgeben zu können.
  • Vollgetankt abholen und zurückgeben. Wenn der Mietwagenanbieter den Tank am Ende auffüllt, berechnet er meist einen saftigen Zuschlag. Bei der Vereinbarung von teilweise leeren Tanks ist es immer schwer, genau abzuschätzen, wie viel du beim letzten Tankstopp einfüllen sollst.
  • Navigationsgerät. Kannst du machen, ist aus meiner Sicht aber unnötig. Falls es technisch funktioniert, kannst du das mobile Navi aus deinem eigenen Auto mitnehmen – Europakarten sind bei den meisten Navis enthalten. Oder du lädst dir eine App aufs Handy, die auch offline die Route anzeigen kann. Die App Here soll ganz gut sein – habe ich aber noch nicht selber erprobt.

Kindersitz, Einwegmiete – also Abholung und Rückgabe an verschiedenen Orten – und weitere Extras kosten oft zusätzlich. Daher solltest du vorher prüfen, was du wirklich benötigst, um eventuell voreingestelle Extras abwählen zu können.

Internationaler Führerschein

In manchen Ländern – auch innerhalb Europas – benötigst du einen internationalen Führerschein zur Anmietung eines Wagens. Spätestens im Schadenfall ist es gut, ein solches interationales Dokument dabeizuhaben. Ob du den Zusatzschein benötigst, solltest du vor deiner Reise recherchieren. Du bekommst ihn gegen Vorlage eines Passfotos für circa 15 Euro bei der Führerscheinstelle deiner Stadt oder Gemeinde. Wenn du noch den „alten“ deutschen Führerschein hast, solltest du vor einer Auslandsreise den neuen Scheckkarten-Führerschein beantragen, da der alte oft, zum Beispiel bei Verkehsrkontrollen, nicht anerkannt wird.

Hast du weitere Tipps für die Anmietung eines Autos im Ausland? Dann rein damit in die Kommentare!

 

 

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12 Kommentare

  • Hallo und danke für diese Tipps beim Mietwagen! Ich wusste gar nicht, wie hoch man die Deckungssumme in der Haftpflichtversicherung ansetzen sollte. Deine Zahlen sind da ja ein guter Anhaltspunkt. Mein Freund und ich fahren im Sommer auch mit dem Mietwagen durch Schweden und sammeln noch ein paar Infos im Netz, weil wir vorher noch nie mit einem Mietwagen gefahren sind.

    • Das ist ja mal seltsam, dass ein Autovermieter noch nie mit einem Mietwagen im Urlaub war … ;-) Deinen Link zur Mietwagenfirma habe ich natürlich rausgelöscht, Werbung gibt es bei mir nicht kostenlos.

  • Danke für die Tipps zum Mietwagen. Wir haben eine Reise mit dem Auto geplant und haben uns bei einem Fahrzeugverleih erkundigt. Gut zu wissen, dass man außerhalb Europas einen internationalen Führerschein braucht. Wann sollte man den beantragen? Geht das kurzfristig?

    • Ja, das geht kurzfristig. Einfach bei der Führerscheinstelle vorbeigehen, da kann man den Internationalen Führerschein dann direkt mitnehmen.
      (Darüber hinaus bitte ich darum, in den Kommentaren gewerbliche Werbelinks zu unterlassen, sie werden ohnehin gelöscht …)

  • Ich habe mir in meinem letzten Urlaub auch erstmals einen Mietwagen geholt. Doch ich muss sagen, dass es im Ausland ein großes Mehr an Schlaglöchern und defekten Straßen gibt. Das nächste Mal informiere ich mich im Vorfeld darüber, wie es das jeweilige Lang mit Straßensanierungen hält. Denn ich habe Angst, dass solche defekten Wege Schäden am Auto verursachen.

    • Hallo Neeltje, für solche Probleme gibt es Versicherungen. Da sollte man natürlich vorher drauf achten, dass man ein Mietwagenangebot mit vernünftigen Versicherungsleistungen wählt. (Und übrigens: Bitte unterlasse es, Werbelinks in den Kommentaren zu platzieren – sie werden eh rausgelöscht.)

  • Und wenn das gemietete Auto unerwartet beschädigt wird, deckt alles die Vollkaskoversicherung? Unser Freund hat uns von seinem Fall erzählt, wenn der Wagen wegen Unwetter bei seiner Reise beschädigt wurde. Da hat man den Fall nicht so schnell gelöst. Aber im Grunde genommen scheint das Auto mieten eine sinnvolle Lösung beim Reisen zu sein, danke!

    • Für Schäden von anderen ist eine Vollkasko schließlich da. Für Details hilft ein Blick in die Versicherungsbedingungen.

  • Danke dir für diese sehr hilfreichen und ausführlichen Tipps. Ich will im Januar/Februar eine längere Tour mit dem Leihwagen durch Finnland machen und bin da ein bisschen hin- und her gerissen – vor allem, weil ich nicht sooo ein routinierter Autofahrer bin. Die Infos zur Automietung finde ich echt gut, dieses Thema habe ich nämlich bisher noch gaaaaanz weit vor mich her geschoben. Alles andere steht schon, zum Glück.
    Zum Thema Reiseversicherungen habe ich auch noch auf einem anderen Blog ganz nützliche Infos gefunden. Finde das Thema Reiseversicherungen insgesamt wichtig, da ich auch ein bisschen blauäugig reingegangen bin und keine Auslandskrankenversicherung hatte etc. Da steht auch noch was zur Mallorca-Police, z.B. dass man sie unabhängig von einer eigenen Kfz-Versicherung abschließen kann (also, so habe ich das verstanden). Aber weißt du, ob der Versicherungsschutz dann sofort greift? Bin ich damit direkt abgesichert? Mir rennt die Zeit ein bisschen davon und ich habe Angst, dass es zu spät ist, mich noch zu versichern …

    • Hallo Lilia, am besten schaust du dir dazu die Versicherungsbedingungen an. Da steht alles Wichtige drin. Viel Spaß in Finnland!

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