Irland, 2. Etappe: County Kerry

Letzte Woche habe ich dir von meiner ersten Irland-Etappe durch das County Cork berichtet. Heute geht es weiter durch das County Kerry. Steig ein, schnall dich an und begleite mich auf meinem Roadtrip, Teil 2:

Auf dem Weg vom Ring of Beara nach Killarney kamen wir am späten Nachmittag bereits durch den Killarney Nationalpark. Der Wind hatte mittlerweile aufgefrischt und trieb die Regenwolken vor sich her. Daher lohnte kaum ein Stopp am Aussichtpunkt Lady’s View, von wo aus wir einen schönen Blick über die Seen des Nationalparks gehabt hätten. Stattdessen sah es so aus:

Nach einem kurzen Sprung aus dem Auto ging es deshalb auch schon weiter nach Killarney, wo wir die Nacht verbrachten. Nach soviel Natur in den vergangen zwei Tagen fühlte es sich fast etwas seltsam an, wieder mal in einer trubeligen Stadt zu sein.

Durch den Killarney Nationalpark

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter leider nicht gebessert. Also zogen wir unsere Regenjacken und erkundeten die Sehenswürdigkeiten des Killarney Nationalparks. Erstes Ziel: Ross Castle. Leider kann man das Castle nur im Rahmen einer Führung besuchen, wozu wir keine Lust hatten. Deshalb beschränkten wir unseren Besuch auf einen kurzen Spaziergang hinunter zum See Lough Leane. Wäre das Wetter besser gewesen, hätte es sich sicherlich gelohnt, eines der Boote zu mieten, die dort zu einer Fahrt über den See bereitstehen.

Wir fuhren stattdessen weiter zur Abtei von Muckross. Hier konnten wir nach Herzenslust allein und ohne Führer herumstromern und die viele Räume der Abtei treppauf  und treppab erkunden. Bei einem Wolkenbruch fanden wir Unterschlupf in einer der oberen Etagen und stellten uns vor, wie wohl vor 250 Jahren das Leben hier gewesen sein mag. Auf dem Rückweg zum Parkplatz kam sogar die Sonne kurz hervor und schenkte uns noch ein schönes Abschiedsbild der Abtei.

Nächster Halt, nur wenige Kilometer weiter: Muckross House, ein viktorianisches Herrenhaus, das wir ebenfalls nur im Rahmen einer Führung hätten besichtigen können. Wir begaben uns stattdessen auf einen kurzen Spaziergang zum See hinunter und liefen durch einen kleinen moos- und farnbewachsenen Wald auf einer kleinen Halbinsel am Seeufer entlang.

Letzter Stopp für diesen Tag: der Torc Wasserfall. Leider hatte es wieder angefangen zu regnen, sodass wir nur die paar Meter bis zum Wasserfall und anschließend eine kleine Runde durch den Wald liefen. Den breit ausgebauten und gut beschilderten Wanderweg fand ich nicht sonderlich spannend bis auf den einen oder anderen ganz hübschen Ausblick über den Nationalpark. Bei unserer Rückkehr zum Auto hatte es sich schließlich eingeregnet, sodass wir beschlossen, den Rest des Nachmittags mit Windowshopping in in Killarney zu verbringen. Abends gestaltete sich die Suche nach einem preiswerten Abendessen etwas schwierig, da an Karfreitag alle Pubs geschlossen hatten und wir zwangsweise auf ein teureres Restaurant ausweichen mussten.

Rundtour über die Dingle-Halbinsel

Der nächste Morgen begrüßte uns beim Frühstück mit einem Regenbogen, als wolle sich das Wetter für seinen Ausreißer am Vortag entschuldigen. Und in der Tat: Von diesem Moment an wurde es bis zum Rest unserer Reise immer sonniger. Und das war auch gut so, denn heute stand ein Highlight unseres Roadtrips auf unserem Plan: die Dingle Halbinsel. Auf den berühmten Ring of Kerry verzichteten wir, nachdem uns sogar unsere B&B-Wirtin davon abgeraten hatte und uns stattdessen lieber die Fahrt über die Halbinsel Dingle empfahl.

Sturmböen fegten auf unserem Weg an der Südküste nach Dingle die letzten Wolken fort – und uns gleich dazu. Auf den zahlreichen Haltepunkten auf der Halbinsel, von denen wir einen fantastischen Blick über das Meer und die Küste hatten, hatten wir teilweise Mühe, die Autotüren aufzubekommen und die Kamera stillzuhalten. Sturmzerzaust stiegen wir meist schon nach wenigen Minuten wieder zurück ins Auto und fuhren weiter zum nächsten Aussichtspunkt – einer schöner als der andere.

Buchten und Hügel am Slea Head Drive

In der Ortschaft Dingle beginnt schließlich der schönste Teil der Strecke: der Slea Head Drive. Ein Rundweg führt von einer Bucht zur anderen, in denen der Strand vor lauter windgepeitschten Wellen oft kaum mehr zu sehen war. Wir trotzten dem Sturm und stiegen immer wieder zu kürzeren Spaziergängen und lohnenden Fototouren aus dem geschützten Auto aus.

Nach soviel Wind um die Nase hatten wir uns einen Snack in Dingle verdient. In einer windgeschützten Ecke setzten wir uns mit unserem Essen beim Hafen in die Sonne und hielten Ausschau nach Fungie, einem Delfin, der seit angeblich mehr als 30 Jahren in der Bucht schwimmen und die Besucher erfreuen soll. Leider zeigte sich uns der Delfin sich an dem Tag nicht.

Im hohen Norden des County Kerry

An der hübschen Nordküste der Dingle Halbinsel entlang fuhren wir schließlich mit weiteren Fotostopps über Tralee bis nach Tarbert, von wo aus wir am nächsten Morgen die Fähre hinüber ins County Clare nehmen wollten.

Dass die Nordküste des County Kerry weitaus weniger touristisch erschlossen ist als der Süden, merkten wir übrigens spätestens bei der Suche nach etwas Essbarem: Um 20 Uhr gab es weder in Tarbert noch im Nachbarort Glin einen offenen Pub oder ein Restaurant. Mit Müh und Not fanden wir eine Kneipe, deren Besitzerin so nett war und uns ein paar Sandwiches schmierte, obwohl die Küche schon geschlossen hatte. Hier zeigte sich, wie auch an allen anderen Tagen der Reise, mal wieder die herzliche Gast- und Hilfsbereitschaft der Iren: In den zehn Tagen unseres Roadtrips durch Irland haben wir nicht einen unfreundlichen Iren getroffen.

Warst du auch schon in Irland? Was hat dich am meisten beeindruckt: die Menschen, die Landschaft, die Städte? Erzähl mir doch davon im Kommentar!

Alle Irland-Etappen auf einen Blick

 

 

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21 Kommentare

  • Das ist sehr schade, dass Du bei Lady´s View so schlechtes Wetter hattest. Sieh mal unser Bild in unserem Beitrag https://akweltenbummler.com/?s=Ring+of+Kerry. Bei etwas blauem Himmel ist es wirklich ein fantastischer Blick. Alle dort waren unendlich begeistert.
    Muckross House haben wir auch nicht besucht. Man kann unmöglich überall die Eintrittsgelder bezahlen. Dafür hatten wir auch am Torc Wasserfall schönes Wetter und der Spaziergang durch den etwas eigenartigen Wald war ein kleines Erlebnis.

    • Falsch. Gerade in Irland ist das Wetter jederzeit und überall genauso wie es sein muss. Kann doch Irland nichts für, wenn das Wetter nicht zu eurer Erwartungshaltung passt :P

    • Habe ich irgendwo gesagt, dass ich das Wetter nicht mochte, Peter? :-) Überall auf der Welt ist das Wetter genau so, wie es sein soll. Wir können ja eh nichts dran ändern (auch wenn wir das manchmal vielleicht gern täten).

  • Ich war letztes Jahr zum ersten Mal auf der Dingle Halbinsel. Schade..da habe ich soviele Jahre so etwas schönes verpasst.
    Wir hatten einen Tag auch ziemlichen Sturm….zum Glück..denn ich liebe es wie schön rau und wild sich die Atlantikküste zeigt. Nur wenn man zum Beispiel auf die Blasket Island übersetzen will ist Sturm echt hinderlich.

    Wir sind übrigens von Dingle Stadt nach Dunquin gewandert. Kann ich nur empfehlen, wenn ihr nochmal dort seid. :-)

    Im Out of the Blue haben wir übrigens auch gegessen. 2 Abende. Hihi.

  • Hi Sabine
    diese Tour durch Irland habe ich auch einmal gemacht und finde sie immer wieder schön.
    Sehr schöner Bericht, der alte Erinnerungen weckt. Die Leute, die Landschaft, die gemütlichen Pubs, schöne Golfplätze und mehr haben mich begeistert.
    Schöne Grüße
    Manfred

    • Golfen war ich noch nie, aber ansonsten stimme ich dir bei allem zu. Wann warst du denn in Irland? Nächste Woche Montag kommt dann übrigens der nächste Teil unserer Route …

    • Ich war 3 mal in Irland. Das letzte Mal 1994, als Irland an der Fußball WM in USA teilnahm. Die Stimmung war einfach irre. Wenn Irland spielte, hingen in den Fenstern von Banken und Geschäften einfach handgeschriebene Zettel „Closed for the World Cup“.
      Dann lief dort nichts mehr. In Dingle habe ich den Rezeptionist des Hotels, der uns gerade noch das letzte freie Zimmer gab wenige Minute später im Fußball Trickot vor dem Fernseher im Hotel Pub beim Spiel gegen Mexiko wiedergesehen. Die Iren sind einfach ein lustiges, liebenswertes Völkchen. Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Die Irish Pubs bei uns in der Düsseldorfer Altstadt sind immer einer meiner festen Anlaufpunkte für ein Pint Guinness.
      Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Irland Artikel.
      Schöne Grüße
      Manfred

    • Hahaha, das hört sich gut an! Ich war vor dieser Reise auch 1992 zweimal in Irland. Sooo viel, wie die Iren meinten, scheint sich seitdem gar nicht verändert zu haben. Jedenfalls nach außen hin …

    • Oh doch…die „Krise“ hat weiten Teilen des Landes mitgespielt. Man sieht das gut weiter oben im Norden, am Leerstand der Häuser z.B. Oder auch am allgemein stattfindenden Umzug vom Land in die Stadt. Oder: mittlerweile kostet die Wasserversorgung wohl Geld. Allein von 2014 auf 2015 sind die B&B-Kosten um geschätzte 20% gestiegen. Auf Nachfrage: das Finanzamt schaut jetzt genauer hin…sicher alles subjektiv. Aber man darf nicht vergessen: es ist ein Unterschied, ob ich da Urlaub mache…oder da das ganze Jahr über lebe.

    • Das meinte ich ja: Von außen als Tourist bekommt man davon nicht soviel mit. Natürlich habe ich auch den Leerstand bemerkt (ist ja bei uns auf dem Land auch nicht anders …). In den 90er-Jahren hingegen gab es noch viel mehr alte und runtergekommene Häuser als heute, hatte ich den Eindruck. Da hat sich natürlich auch einiges getan. Den Standard der B&Bs fand ich dieses Mal schon ziemlich hoch, das hatte ich weitaus rustikaler in Erinnerung.

  • Ich bin mir jetzt gar nicht mehr sicher, ob ich nächstes Jahr nach Schottland oder tatsächlich erst nach Irland fliege ;) Bis vor einigen Minuten wusste ich’s noch… Danke für den schönen Beitrag und den tollen Bildern.
    Liebe Grüße
    Maria

  • Wow die Fotos von der Dingle-Halbinsel und vom Slea Head Drive sind traumhaft :) Da werde ich ja direkt an meine Reise an die Westküste Irlands erinnert. Der raue Atlantik ist einfach immer wieder ein Erlebnis und ich könnte ewig an der Küste sitzen.
    Oh, County Clare kommt als nächstes :) Da bin ich ja noch mehr gespannt. und noch viel mehr bin ich neugierig darauf, ob du auf den Aran Islands warst?!
    Liebe Grüße und vielen Dank für die vielen schönen Erinnerungen an meine Zeit in Irland
    Dori

    • Liebe Doris, dann lass dich mal überraschen :-) Ja, an dem Tag hat der Wild Atlantic Way seinem Namen alle Ehre gemacht … Freut mich, dass ich Erinnerungen wecken konnte.

    • In der Tat – da musste ich die Kamera schon mit beiden Händen festhalten – und der Horizont ist dabei auch nicht immer geradegeblieben ;-) Aber toll war’s!

  • Da habt ihr die Kurve ja (fast) bekommen, vorbei am Tourikitsch rund um Killarney. Uns hat diese Stadt regelrecht abgeschreckt, laut geschrien „fahrt weiter“. Aber wir sind wohl auch nicht für die Städte gemacht. Letztes Jahr haben wir dann auch den „Ring“ befahren. Alle, die uns vorab warnten, behielten recht. Beara und Dingle sind viel aufregender, und vor allem weniger mit Touristen bevölkert. Faszinierend, wie sich die Erfahrungen decken. Die Gegend nördlich von Tralee war nicht unser, selbst auf den Nebenstraßen.

    Mal sehen, wie es bei euch weiterging :) Kommenden Montag?

    • Ich bin auch kein Stadtmensch, und Killarney ging gerade noch so. Aber wir waren auch froh, als wir dann wieder draußen in der Natur waren. Ja, nächste Woche geht’s dann weiter nach County Clare – hol dir schon mal ’ne Tüte Chips :-)

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