Irland, 1. Etappe: County Cork

Auf unserer Rundreise durch Irland haben wir mehrere Countys besucht. Den Anfang machte der äußerste Südwesten: das County Cork. Von Dublin aus ging es über die Autobahnen M7 und M8 auf direktem Weg in gerade mal drei Stunden – vorbei an kilometerlangen Ginsterhecken – nach Cork, was wir allerdings links liegen ließen, weil wir keine Lust auf große Stadt hatten. Ein paar Kilometer weiter dann unser erstes Ziel: das kleine Örtchen Kinsale.

Buntes Örtchen Kinsale

Ich war schon in den 90er-Jahren zweimal in Irland, hatte aber vergessen, wie bunt die Insel ist – und Kinsale schießt in seiner Farbenpracht den Vogel ab: Die Fassaden der Häuser reichen von grell orange über tiefblau bis zu schrillem Pink. Am besten lässt du dich bei einem Rundgang durch den Ort einfach treiben und verlierst dich ein bisschen in den verwinkelten Gassen. Aber keine Angst: Verlaufen kannst du dich nicht, so groß ist Kinsale nicht.

Warum haben wir Kinsale als ersten Anlaufpunkt gewählt? Weil hier der Wild Atlantic Way beginnt, die insgesamt über 2600 Kilometer lange Küstenstraße Irlands, der wir, mit wenigen Ausnahmen, fast während unseres gesamten Roadtrips gefolgt sind. Ein angenehmer erster Stopp, muss ich sagen.

Zeugen der Vergangenheit

Am nächsten Morgen brachen wir, bei anfangs etwas trübem Wetter, Richtung Westen auf, immer den gut platzierten Wellen-Schildern des Wild Atlantic Way folgend. Erster Stopp: die alte Abtei in Timoleague. Als wir aus dem Auto stiegen, hörte auch prompt der Nieselregen auf, und wir konnten uns ins aller Ruhe die Abtei anschauen. Verwitterte Hochkreuze zieren den Friedhof vor und auch in der Abtei. Kaum vorzustellen, wie in den zugigen Gemäuern einst die Mönche gelebt haben.

Ebenfalls auf der Atlantik-Strecke dann der nächste Stopp an einem weiteren kulturellen Denkmal: dem Drombeg Stone Circle. An einem einsamen Parkplatz ließen wir unser Auto stehen und spazierten ein paar Meter über das Feld. Und da sahen wir auch schon den neun Meter breiten Steinkreis mit 17 aufrecht stehenden Felsen. Wozu dieser Steinkreis einst diente, ist nicht bekannt: War er ein Observatorium oder half er bei rituellen Zwecken? Die Atmosphäre auf dem Feld, wo nichts zu hören war außer der Wind, war auf jeden Fall etwas mystisch und geheimnisvoll.

Überbewerteter Mizen Head

Schließlich steuerten wir unser letztes Ziel des Tages an: Mizen Head, die südwestlichste Spitze Irlands. Unser Reiseführer hatte uns dorthin gelockt, indem er das Ziel als „dramatisch“ anpries. Die Brücke stelle „eine Herausforderung für Touristen dar, die ein wenig Nervenkitzel suchen. Denn sie überspannt einen schwindelerregend tiefen Abgrund. … Tief unter den meist etwas verkrampft über die Brücke gehenden Menschen schwimmen Robben in der Bucht. Meistens unbeachtet, denn der Hinweis ,Nicht nach unten sehen!‘ wird von fast allen Besuchern beachtet.“ Fein, dachten wir, solch ein Abenteuer ist doch genau das Richtige für uns!

Die „dramatische Brücke“ entpuppte sich leider als ein Witz von wenigen Metern, hochgesichert mit Geländer und Drahtnetzen. Alle Besucher blieben natürlich stehen und schauten sich die niedlichen Robben unten in der Bucht an, die im aufgewühlten Wasser offenbar ihren Spaß haben, sich einfach treiben zu lassen. Von Angst und Nervenkitzel keine Spur!

Nun ja, ansonsten war Mizen Head aber ganz hübsch: In der Signalstation wird anschaulich das Leben des ehemaligen Leuchtturmwärters gezeigt, und an der letzten Spitze der Halbinsel tobten sich die Wellen an den Felsen aus. Hier machte der Wild Atlantic seinem Namen alle Ehre. Nach soviel Wind am Zipfel Irlands hatten wir uns abends ein leckeres Abendessen im Pub in Bantry verdient.

Rund um den Ring of Beara

Am nächsten Morgen machten wir uns auf in Richtung Ring of Beara, der kleinen Schwester des Ring of Kerry. Außer ein paar netten Ausblicken über die Küste hat mich der Ring of Beara bis zum quietschig-bunten Dorf Eyeries leider nicht in seinen Bann gezogen. Lag es am grauen Wetter? Oder daran, dass wir doch viel im Landesinneren gefahren sind, das wegen der Jahreszeit bislang noch wenig grün war?

Als in Eyeries endlich die Sonne herauskam, machten wir erst einmal einen Spaziergang an der Küste entlang. Tipp zur Anfahrt: Am Ende des Ortes die winzig kleine Straße links hineinfahren, sich nicht davon irritieren lassen, dass die Schotterpiste immer enger wird, beten, dass kein Auto von vorn kommt und am Ende bei einem kleinen Anleger parken. Dort ist der Fernwanderweg über die Beara-Halbinsel ausgeschildert, den du je nach Laune mehr oder weniger weit entlangwandern kannst.

Hinter Eyeries folgten wir dann den Straßenschildern Richtung Ardgroom – nahmen aber aus Versehen die lange Strecke statt die kurze und fanden uns auf einer wunderschönen kleinen Route mit phantastischen Ausblicken wieder (mein Fahrer hat leider nicht viel davon mitbekommen, weil er auf die gewundene Straße und eventuell entgegenkommende Autos und Schafe achten musste …). In Lauragh angekommen fuhren wir schließlich über den Healy Pass, ebenfalls mit Weitsicht, zurück an den Einstiegspunkt der Beara-Tour und weiter bis Killarney. Da dieser Ort schon im County Kerry liegt, findest du den Bericht dazu in der zweiten Etappe unseres Roadtrips durch Irland.

Warst du auch schon mal in Irland? Was hat dir dort besonders gut gefallen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Alle Irland-Etappen auf einen Blick

 

 

 

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14 Kommentare

  • Hallo Sabine,

    ich war leider noch nie in Irland, aber es steht schon lange auf meiner Löffelliste. Danke jedenfalls, dass du mich wieder daran erinnert hast. Und gleich noch mit Routenbeschreibung!
    Witzig ist, dass ich in der Ferne sitze und trotzdem Fernweh habe ;-)
    Werde übrigens ein paar deiner Fotos auf meine Pinterestwände posten, muss mich da in den nächsten Tagen durchklicken.

    Liebe Grüße
    Steffi

    • Irland und Bolivien sind natürlich ein ganz großer Unterschied ;-) Aber beides auf seine Weise einzigartig. Segeln ist in Irland mit den vielen Stürmen sicherlich eine Herausforderung. Aber Hausboote mieten geht :-)

  • Schick! Mizen Head hat uns auch gut gefallen, aber die Beschreibung des Reiseführers würde ich ebenfalls nicht teilen :)

    Beara ist wirklich ein Traum, keine Frage.

    • Freut mich, dass wir nicht die Einzigen sind, die diese Brücke völlig harmlos fanden ;-) Morgen geht’s dann weiter nach County Kerry …

  • Hui endlich :) Ich warte schon immer auf die ersten Irland-Eindrücke!
    In Kinsale war ich vor ein paar Jahren auch und das kleine Örtchen ist einfach zauberhaft. Die bunten Häuschen sind richtig erfrischend.
    Schade, dass der Mizen Head so großartig angepriesen wird und dann doch sehr unspektakulär ist. Auch wenn der raue Atlantik an den Felsen dahinter sicher beeindruckend war, ist es trotzdem schade, weil man mit ganz anderen Erwartungen gekommen ist.
    Ich bin schon sehr gespannt, über deinen Bericht vom County Kerry. Da gibt es ja auch einige wunderschöne Plätze.
    Viele Grüße
    Dori

    • Freut mich, dass ich dir eine Freude machen konnte :-) Nächsten Montag geht’s weiter mit dem Bericht. Wie lange warst du denn in Irland?

    • Dann freu ich mich schon auf Montag :)
      Ich hab ein Auslandssemester in Irland gemacht und war daher gleich 5 Monate dort. Im Nachhinein gesehen, habe ich natürlich viel zu wenig von der Insel gesehen. Ich möchte auf jeden Fall nochmal auf die grüne Insel und einen ausgiebigen Roadtrip machen.
      Vorerst fahre ich einfach mal bei dir mit ;-)
      Viele Grüße
      Dori

  • Auch wir haben den Ring of Beara dem Ring of Kerry vorgezogen. Gut gefiel uns die Fahrt über den Healy Pass, den wir – für irische Verhältnisse, wohlgemerkt – spektakulär fanden. Dazu hat sicher auch das Sonnen-Wolken-Spektakel im Mai beigetragen.
    Wunderschön fanden wir auch Castletownbere mit den bemalten Hausfassaden, die aus dem Leben der Fischer erzählen.
    Herzlich aus Holland, Sabine

    • Wir haben den Healy Pass erst im zweiten Anlauf auf dem Rückweg genommen, weil es morgens noch zu wolkig war. Hat sich aber gelohnt. Wie lange wart Ihr in Irland?

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